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Immer mehr Warnsignale KI-Boom auf Pump? Big Tech verdoppelt Schulden auf 350 Milliarden

Big Tech: Schulden steigen wegen KI-Investitionen
Grafik: ChatGPT

Die Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz treiben die Kurse vieler Big-Tech-Werte weiter an. Doch hinter den Kulissen wächst ein Risiko, das Anleger bislang kaum beachten: Die fünf größten KI-Investoren der USA haben ihre Schulden innerhalb von fünf Jahren zusammen um rund 350 Milliarden US-Dollar erhöht. Gleichzeitig geraten freie Cashflows unter Druck, Ratingagenturen schlagen erste Alarmzeichen und Investoren stellen zunehmend die entscheidende Frage: Wann zahlen sich die gewaltigen KI-Investitionen überhaupt aus?

Big Tech: KI-Boom auf Pump

Wie aus einem Bericht von Bloomberg hervorgeht, haben Alphabet, Amazon, Meta Platforms, Microsoft und Oracle ihre Verschuldung in den vergangenen fünf Jahren massiv ausgeweitet, um den beispiellosen Ausbau ihrer KI-Infrastruktur zu finanzieren. Die Konzerne setzen darauf, dass sich die Milliardeninvestitionen langfristig durch neue KI-Dienste und zusätzliche Umsätze auszahlen. Doch an den Finanzmärkten wächst die Skepsis.

Laut den Daten haben die fünf Hyperscaler ihre Schulden seit 2020 zusammen um rund 350 Milliarden US-Dollar erhöht. Gleichzeitig planen die Unternehmen, allein in diesem Jahr bis zu 725 Milliarden US-Dollar vor allem in neue Rechenzentren, Hochleistungschips von Nvidia und den Ausbau ihrer Cloud-Infrastruktur zu investieren.

Damit verändert sich das Geschäftsmodell der großen Tech-Konzerne grundlegend. Während Softwareunternehmen früher vergleichsweise geringe Investitionen benötigten, verschlingt der Aufbau moderner KI-Rechenzentren heute zweistellige Milliardenbeträge. „Die Natur dieser Unternehmen verändert sich derzeit sehr drastisch – und zwar sehr abrupt“, sagt DA-Davidson-Analyst Gil Luria. Genau deshalb gerieten die Cashflows der Hyperscaler derzeit so stark unter Druck.

KI-Investitionen verschlingen Milliarden

Die Finanzierung erfolgt über eine Mischung aus vorhandener Liquidität, neuen Anleihen und zusätzlichen Krediten. Für Alphabet oder Microsoft stellt das derzeit noch kein akutes Problem dar. Dank hoher Gewinne bleiben die Zinskosten bislang gut tragbar. Dennoch summierten sich die Zinsaufwendungen der fünf Unternehmen im vergangenen Jahr bereits auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie noch 2019.

Bei einigen Unternehmen zeigen sich die Belastungen jedoch bereits deutlicher. Amazons freier Cashflow rutschte im Quartal bis Ende März ins Minus. Oracle steht ebenfalls zunehmend unter Druck. Erst am Donnerstag stufte S&P Global Ratings den Softwarekonzern auf die niedrigste Investment-Grade-Stufe herab und verwies dabei ausdrücklich auf die steigenden KI-Investitionen. Bereits zuletzt hatten auch die deutlich gestiegenen Kreditausfallversicherungen (CDS) auf eine kritischere Bewertung durch den Anleihemarkt hingedeutet.

KI-Boom: Die KI-Investitionen von Big Tech senden immer mehr Warnsignale
Gesamtverschuldung der größten KI-Infrastruktur-Investoren

Investoren werden vorsichtiger

Noch finanzieren Investoren den KI-Ausbau der Tech-Giganten bereitwillig. Doch erste Risse werden sichtbar. Laut Bloomberg fiel die Nachfrage nach Amazons jüngster Anleiheemission über 25 Milliarden US-Dollar ungewöhnlich verhalten aus. Das könnte ein erstes Signal sein, dass der Kapitalmarkt die immer größeren Finanzierungsbedarfe der Branche kritischer beurteilt.

Auch an der Börse wächst die Vorsicht. Anleger interessieren sich inzwischen nicht mehr nur dafür, wie viel die Hyperscaler investieren, sondern vor allem dafür, wann sich diese Investitionen tatsächlich in Umsätzen und Gewinnen widerspiegeln. Fitch-Analyst Jason Pompeii bringt diese Unsicherheit auf den Punkt: „Wir wissen derzeit nicht, ob Amazon, Google, Microsoft und Meta auf diese KI-Investitionen eine angemessene Rendite erzielen werden.“

Wann rechnet sich der KI-Boom?

Die großen Technologiekonzerne geben sich weiterhin optimistisch. Amazon-Chef Andy Jassy sprach zuletzt von einer „hohen Zuversicht“, dass sich die Investitionen monetarisieren lassen. Auch Meta-Chef Mark Zuckerberg betonte, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung das Angebot weiterhin übersteige und der weitere Ausbau der Infrastruktur deshalb eine gute Investition sei.

Ob diese Rechnung aufgeht, dürfte sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht schon heute: Der KI-Boom ist längst nicht mehr nur eine Wachstumsstory, sondern zunehmend auch eine Finanzierungsstory. Solange die Nachfrage nach KI-Diensten hoch bleibt, dürfte die steigende Verschuldung beherrschbar sein. Verzögert sich die Monetarisierung jedoch oder lässt die Nachfrage nach, könnten die milliardenschweren Investitionen schneller zur Belastung werden als viele Anleger derzeit erwarten. Genau darauf dürfte die Wall Street bereits in der anstehenden Berichtssaison besonders achten.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    350 MILLIARDEN US-DOLLAR SIND NUR DIE KREDITE BEI DEN BANKEN…DIE SCHATTENBANKEN SIND DA AUßEN VOR….INSGESAMT BELAUFEN SICH DIE VERBINDLICHKEITEN AUF ÜBER 550 MILLIARDEN US-DOLLAR

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