Aktien

Nvidia im Zentrum des Risikos KI-Blase auf Pump: Burry warnt vor Big Techs 3-Billionen-Wette

KI-Boom: Burry wettet gegen die KI-Blase
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Der KI-Boom wird zur größten Investitionswette in der Geschichte von Big Tech – und ein wachsender Teil findet abseits der bekannten Bilanzen statt. Über Leasingverträge, Kaufzusagen und Garantien haben sich die Konzerne auf weitere Billionenausgaben festgelegt. Michael Burry sieht darin eine KI-Blase, die auf einem überzogenen Investitionszyklus basiert – und wettet auf ihr Ende.

Drei Billionen im Schatten

Das Ausmaß der möglichen KI-Investitionsblase zeigt sich erst beim Blick auf die langfristigen Verpflichtungen. Nach Berechnungen des Wall Street Journal summieren sich noch nicht bilanzierte Leasingverpflichtungen für Rechenzentren auf rund 1,2 Billionen Dollar. Weitere 1,9 Billionen entfallen auf langfristige Kauf- und Abnahmeverträge für Chips, Rechenleistung und Energie.

Damit hat Big Tech Verpflichtungen von rund drei Billionen Dollar aufgebaut, die in den üblichen Investitions- und Verschuldungskennzahlen weitgehend verborgen bleiben. Allein Alphabet meldete Ende Juni 811 Milliarden Dollar – fast 500 Milliarden mehr als drei Monate zuvor.

Versteckt sind diese Beträge nur im übertragenen Sinn: Sie stehen im Kleingedruckten und sind weder heimliche Schulden noch sofort fällige Rechnungen. Sie zeigen aber, wie weit Big Tech künftige Ausgaben bereits festgeschrieben hat.

Der KI-Boom auf Pump

Auch die offiziellen Investitionen erreichen Rekordhöhen. Goldman Sachs erwartet für die fünf großen Hyperscaler 2026 rund 755 Milliarden Dollar – 83 Prozent mehr als im Vorjahr. Im kommenden Jahr könnte sogar die Marke von einer Billion Dollar fallen. Für 2027 reichen aktuelle Schätzungen je nach Abgrenzung bis etwa 1,2 Billionen Dollar.

KI-Boom: Burry wettet gegen die von Nvidia finanzierte KI-Blase

Die Kapitalintensität erinnert damit zunehmend an Energie- und Industriekonzerne. Zwar verfügen die größten Akteure über profitable Kerngeschäfte und enorme operative Cashflows. Angesichts der explodierenden Ausgaben greifen sie jedoch verstärkt auf zusätzliche Finanzierungsquellen zurück.

Ein wachsender Teil wird über Unternehmensanleihen, Projektgesellschaften und Private Credit gestemmt – ein zentraler Kritikpunkt in Michael Burrys These einer KI-Blase. Allein in den ersten fünf Monaten sollen Amazon, Meta, Alphabet und Oracle Anleihen über rund 159 Milliarden Dollar begeben haben.

Zugleich sind die Kreditausfallprämien deutlich gestiegen – selbst bei Nvidia. Dessen fünfjährige CDS-Spreads erreichten zeitweise ein Rekordhoch von 83 Basispunkten. Während dies beim finanzstarken KI-Chipriesen vor allem die wachsenden Garantien und Finanzierungsrisiken widerspiegelt, senden die deutlich höheren CDS-Spreads des stark verschuldeten Softwarekonzerns Oracle ein ernsteres Warnsignal.

Nvidia finanziert den Boom

Das Zentrum dieser Finanzierungspyramide bildet Nvidia. Banken und private Kapitalgeber finanzieren eine Projektgesellschaft, die ein Rechenzentrum errichtet und Nvidia-Systeme kauft. Ein KI-Anbieter wie OpenAI verpflichtet sich, die Rechenleistung langfristig zu mieten. Nvidia verbucht den Hardwareumsatz – und hilft inzwischen selbst, die Finanzierung abzusichern.

Beim geplanten SB-Energy-Campus in Ohio investiert Nvidia 1,5 Milliarden Dollar in den Betreiber und stellt Kreditunterstützung bereit. OpenAI soll die Anlage 20 Jahre nutzen, während ausschließlich Nvidia-Technik zum Einsatz kommt. Laut einer späteren Offenlegung könnte sich Nvidias maximale Garantieverpflichtung unter bestimmten Bedingungen auf 105 Milliarden Dollar summieren.

Hinzu kommt eine Partnerschaft mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR. Gemeinsam sollen mehr als 500 Milliarden Dollar an Drittmitteln für KI-Infrastruktur mobilisiert werden. Das ist noch kein eingesammelter Geldtopf, zeigt aber, wie Nvidia vom Chipanbieter zum Architekten und Finanzierungsstützpfeiler seines eigenen Absatzmarktes wird.

Solange die Nachfrage wächst, hält dieser Kreislauf den KI-Boom in Gang und bläht nach Michael Burrys Lesart die KI-Blase weiter auf. Bei sinkender Auslastung könnten Betreiber, Kreditgeber, Mieter und Nvidia gleichzeitig unter Druck geraten – besonders wenn schnell alternde KI-Chips durch jahrzehntelange Verträge bezahlt werden müssen.

Burry wettet gegen die KI-Blase

Michael Burry sieht weniger eine Blase der KI-Technologie als eine Übertreibung bei den Investitionen und ihrer Finanzierung. Der durch „The Big Short“ bekannte Investor hält Short-Positionen gegen Nvidia, Oracle, Palantir, Nebius und den Halbleiter-ETF SOXX. Besonders anfällig erscheinen hoch verschuldete Neocloud-Anbieter, die auf neue Kunden und ständig verfügbares Fremdkapital angewiesen sind.

Vor den jüngsten Nvidia-Zahlen kaufte Burry jedoch Call-Optionen mit Laufzeit Dezember. Sie dienten zur Absicherung seiner großen Short- und Put-Positionen – nicht als bullische Wette. Nach den starken Quartalszahlen half der Hedge, den Kursanstieg abzufedern, während Burrys langfristige Short-These bestehen blieb.

Ob Michael Burry mit seiner Warnung vor dem Platzen der KI-Blase recht behält, ist offen. Entscheidend wird sein, ob die künftigen Erlöse ausreichen, um die drei Billionen Dollar an langfristigen Verpflichtungen zu tragen.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage