Die Tech-Riesen an der Wall Street stehen weiterhin im Rampenlicht – und mit ihnen die Frage, ob eine neue Blase droht. Trotz Rekordhochs und hoher Bewertungen bei Tech-Aktien sowie einem Hype rund um künstliche Intelligenz (KI) bleibt Peter Oppenheimer, Stratege bei Goldman Sachs, gelassen. Er sieht im aktuellen Aktienmarkt-Boom kein überhitztes Spekulationsfieber, sondern eine Rally, die auf realem Gewinnwachstum fußt. Während einige Investoren bereits Parallelen zur Dotcom-Ära ziehen, warnt Oppenheimer eher vor Selbstzufriedenheit als vor einer platzenden Blase.
Goldman: Noch keine Tech-Blase
Einem Bloomberg-Bericht zufolge weist der bekannte Goldman-Sachs-Stratege Peter Oppenheimer die Befürchtungen einer Blase bei US-Technologieaktien zurück. Es sei noch zu früh, um sich Sorgen über eine Blase bei hochfliegenden US-Technologiewerten zu machen, sagt er.
Er erklärte, dass die rekordverdächtige Rally der Tech-Aktien angetrieben vom KI-Boom mit einem robusten Gewinnwachstum einherging. In früheren Blasen wurde der Aktienmarkt dagegen hauptsächlich durch Spekulationen nach oben getrieben.
„Die Bewertungen im Technologiesektor werden zwar immer höher, haben aber noch nicht das Niveau historischer Blasen erreicht“, schrieben Oppenheimer und sein Team in einer Mitteilung.
Dennoch bekräftigte der Stratege seine Empfehlung, dass Anleger auf Diversifizierung setzen sollten, um Risiken im Zusammenhang mit einer engen US-Aktienrally und einem verschärften Wettbewerb im Bereich der künstlichen Intelligenz zu vermeiden.
Eine Handvoll Technologiegiganten – darunter Nvidia, Palantir, Oracle, Meta, Broadcom und Microsoft – haben den Aktienmarkt auf Rekordhöhen getrieben. Investoren setzen auf ein anhaltendes Gewinnwachstum und eine verbesserte Produktivität durch KI.

Die jüngsten Positionierungskennzahlen von Banken wie Goldman Sachs und Barclays Plc deuten darauf hin, dass die Anleger weiterhin optimistisch hinsichtlich weiterer Gewinne mit Tech-Aktien sind. Einige Marktteilnehmer werden jedoch hinsichtlich der Rendite der hohen Ausgaben für KI vorsichtig. Die Märkte sind in jedem Fall die teuerste Wette in der Tech-Geschichte eingegangen.
Der technologielastige Nasdaq-100-Index gab am Dienstag nach, nachdem bekannt wurde, dass die Gewinnmarge für das Cloud-Computing-Geschäft von Oracle niedriger ausfällt als von vielen erwartet. Unterdessen zeigen Daten, die von Bloomberg zusammengestellt wurden, dass die Erwähnungen der Begriffe „Tech” und „Blase” in Nachrichtenbeiträgen in den letzten Wochen sprunghaft angestiegen sind.

Tech-Aktien: Bewertungen als Warnsignal
Auch die Bewertungen der Tech-Aktien steigen immer weiter. Der Nasdaq 100 ist mit dem 28-fachen des erwarteten Gewinns bewertet, verglichen mit einem Zehnjahresdurchschnitt von 23, während der All-Country-World-Index ex-US ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 aufweist.
Oppenheimer von Goldman Sachs sagte, dass Blasen tendenziell entstehen, wenn der Durchschnittswert von Unternehmen über die implizierten zukünftigen Cashflows hinaussteigt. Diesmal hätten, so sagte er, die Tech-Aktien mit der besten Performance jedoch „ungewöhnlich starke Bilanzen”.
Ein Anstieg der Bewertungen an den Aktien- und Kreditmärkten bedeute darüber hinaus, dass es „weniger um eine Blase im Technologiesektor geht, sondern vielmehr um die allgemeinen Bedingungen niedriger Zinsen, vorhandener Liquidität, hoher globaler Ersparnisse und eines verlängerten Konjunkturzyklus“, schrieb er.
„Zwar macht die Bewertungsexpansion Tech-Aktien anfällig für Rückschläge, sollte das Vertrauen in das Wachstum nachlassen“, erklärt Oppenheimer. „Doch ein abruptes Platzen einer klassischen Blase im Technologiesektor halte ich für unwahrscheinlich.“
Anders sieht das ein Analyst von Bloomberg: Er ist überzeugt, dass sich der Markt längst in einer Tech-Blase befindet – die einzige Frage sei, in welcher Phase des Zyklus man sich derzeit befinde.
FMW/Bloomberg
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