Der KI-Boom trieb die Aktien von Versorgungsunternehmen zunächst rasant in die Höhe, bevor sie wieder einbrachen, als Verträge für Rechenzentren ins Stocken gerieten. Zuletzt verhielten sich Versorgeraktien fast wie Technologiewerte: Auf einen steilen Anstieg folgte eine deutliche Korrektur – was die Frage aufwirft, ob sich der gesamte Sektor in einer Blase befindet.
KI-Boom stockt: Versorgeraktien fallen
Der Boom der künstlichen Intelligenz verspricht einen rasanten Anstieg der Stromnachfrage und hat die Aktien von US-Energieversorgern auf Allzeithochs getrieben. Doch diese Stromerzeuger und Versorgungsunternehmen müssen nun erfahren, dass der Hype auch eine Kehrseite hat, so ein Bericht von Bloomberg. Investoren werden nicht ewig auf Ergebnisse warten.
Unternehmen, die kürzlich Rekordbewertungen erreicht haben, kehren auf den Boden der Tatsachen zurück, da Investoren erkennen, dass die massiven Rechenzentrumsgeschäfte, auf die sie gesetzt hatten, tatsächlich kleiner oder langsamer als erwartet sind.
Constellation Energy Corp. verzeichnete einen Kursrückgang von 11 % gegenüber dem Höchststand im Oktober, da die Ergebnisse für das dritte Quartal keine Details zu neuen Stromerzeugungsprojekten enthielten. Die Überschrift einer Analystennotiz von Jefferies lautete: „Keine Rechenzentrumsgeschäfte”. Ähnlich verhält es sich mit Vistra Corp., dessen Aktien seit Mitte Oktober um 16 % gefallen sind, da Analysten ein langsameres Tempo bei den Ankündigungen von Rechenzentren als erwartet feststellten.
Der S&P 500 Utilities Index wird nun die schlechteste Monatsperformance seit August verzeichnen, nachdem er im Oktober ein Allzeithoch erreicht hatte.
„Das sind nicht mehr die Versorgungsaktien aus dem jüngsten KI-Boom”, sagte Mark Malek, Chief Investment Officer bei Muriel Siebert & Co., und fügte hinzu: „Die Leute beginnen sich zu fragen: ‚Können diese Unternehmen wirklich so schnell wachsen, wie sie wollen, oder werfen sie Kapital in Projekte, die niemals fertiggestellt werden?‘”

Versorgeraktien zwischen Hype und Realität
Versorgungsunternehmen gelten seit langem als sichere Anlageform. Der massive Ausbau von Rechenzentren, der durch KI vorangetrieben wird, hat jedoch eine Lawine von Investitionen in diesem Sektor ausgelöst. Jetzt, da die Realität einsetzt, versuchen Investoren herauszufinden, welche Unternehmen ihre großen Versprechen einhalten können und welche eine mögliche Platzen der Billionen-Dollar-KI-Blase überstehen könnten.
„Die Befürchtungen hinsichtlich einer KI-Blase tragen zu der jüngsten Schwäche der Versorgungsunternehmen bei”, sagte Travis Miller, Analyst für Versorgungsunternehmen bei Morningstar. „Wenn das Wachstum der Stromnachfrage ausbleibt, erscheinen die Versorgungsunternehmen bei ihren aktuellen Kursen überbewertet.“
Die Unternehmen haben bereits begonnen, die Erwartungen zu dämpfen. So senkte Constellation im November die Obergrenze seiner Prognose für den Gewinn pro Aktie für das Gesamtjahr, während Vistra dasselbe mit seiner bereinigten EBITDA-Prognose tat. NRG Energy behielt im November seine Ebitda-Prognose für das Gesamtjahr bei, die Investoren hatten jedoch eine Anhebung erwartet.
Einige Analysten sagen dennoch, dass der Rückgang kein Grund zur Sorge sei, da die Investoren nach den enormen Gewinnen im Oktober lediglich Gewinne mitnehmen würden.
„Wir haben keine Blase im Versorgungssektor“, sagte Sophie Karp, Versorgungsanalystin bei KeyBanc Capital Markets. „Der Markt legt eine Pause ein, bis wir die nächste Wachstumsphase erreichen.“
Selbst nach den jüngsten Rückgängen liegen Constellation Energy, NRG und GE Vernova in diesem Jahr immer noch 60 %, 87 % bzw. 79 % höher, was sogar den 34-prozentigen Gewinn von Nvidia in diesem Jahr übertrifft.
KI-Boom: DeepSeek-Moment für Energieaktien
Tim Winter, Portfoliomanager bei Gabelli Funds, der den Versorgungssektor abdeckt, sieht eine weitere Gefahr in einer „massiven Deepseek-Situation“, in der eine unerwartete Veränderung auf dem KI-Markt die Nachfrageaussichten auf den Kopf stellt.
Zu Beginn des Jahres löste die Nachricht, dass das KI-Modell des chinesischen Informationsdienstleisters DeepSeek mit einem Bruchteil des Energieverbrauchs von US-Unternehmen betrieben werden kann, einen weitreichenden Ausverkauf von Aktien von Energieversorgungsunternehmen aus.
Von einer solchen Entwicklung wären insbesondere unregulierte Stromverkäufer wie Constellation, NRG und Vistra betroffen.
FMW/Bloomberg
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Die gewaltige Marktkapitalisierung,von knapp über 60 Billionen US-Dollar in den USA, wird noch ihre Opfer fordern.
Viel läuft heute über Optionen und Derivate. Diese treiben die Indizes auf immer neue Höhen. Aber irgendwann müssen die Kurse auch im Realhandel bestätigt werden.
Schon im Oktober 25 zeigte sich, bei den 6920 im S&P 500, das das Wachstum endlich ist. Das eben doch nicht mehr so viel Geld im System ist, wie angeblich postuliert.
Das heißt nicht das es zum Crash kommt, aber die Anstiegskurve wird sich abflachen und normalisieren.
…ich wette auf das Gegenteil…die Anstiegskurve wird sich nochmal versteilen und ins Extrem gehen…#Normalparabel…aufwärts immer…seitwärts manchmal…runter nimmi…;o)…Buffetindikator goes 300…