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Gefährliche Bewertungslücke KI-Boom vor der Wende? Geschichte reimt sich am Aktienmarkt

Grafik: ChatGPT

Seit Monaten feiern die Aktienmärkte den KI-Boom – doch die Warnsignale nehmen zu. Vor allem Halbleiter- und Infrastrukturunternehmen haben den S&P 500 auf immer neue Höchststände getrieben. Genau dieser Höhenflug bereitet vielen Analysten zunehmend Sorgen. Nicht die KI selbst steht infrage, sondern die Erwartungen der Investoren. Zwischen der wirtschaftlichen Realität und den Börsenbewertungen klafft nach Einschätzung von Bravos Research bereits eine gefährliche Lücke. Schließt sie sich, dürfte das den US-Aktienmarkt deutlich unter Druck setzen.


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Gefährliche Bewertungslücke am Aktienmarkt

Der Kern der neuen Analyse ist eine auffällige Entwicklung: Während die Hersteller von KI-Chips und Infrastruktur von milliardenschweren Investitionen profitieren und ihre Gewinne kräftig steigern, bleiben viele Unternehmen, die diese KI-Lösungen einsetzen, hinter den Erwartungen zurück. Nach Einschätzung von Bravos Research deutet dies darauf hin, dass sich die enormen Investitionen bislang nicht in entsprechendem wirtschaftlichem Mehrwert niederschlagen.

Als Beispiel verweist die Analyse auf Aussagen von Palantir-Chef Alex Karp. Dieser kritisierte, dass viele große KI-Sprachmodelle (LLMs) ihre Kunden nach der Anzahl der verarbeiteten Token abrechnen und nicht nach dem tatsächlich geschaffenen Nutzen. Sollte sich herausstellen, dass Unternehmen langfristig keinen ausreichenden Mehrwert aus ihren KI-Ausgaben erzielen, könnte die Investitionsbereitschaft deutlich nachlassen.


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Gleichzeitig betonen die Analysten jedoch ausdrücklich, dass sie keineswegs an der Zukunft von KI zweifeln. Die Technologie werde bereits heute in immer mehr Unternehmen eingesetzt und dürfte langfristig nahezu alle Branchen verändern. Das eigentliche Problem liege vielmehr darin, dass der Aktienmarkt diese Entwicklung möglicherweise deutlich schneller einpreist, als sie sich wirtschaftlich tatsächlich entfalten kann.

KI-Boom: Geschichte könnte sich wiederholen

Um diese These zu untermauern, zieht Bravos Research einen historischen Vergleich zur Eisenbahn-Manie des 19. Jahrhunderts. Auch damals galt die neue Technologie als revolutionär und veränderte die Wirtschaft dauerhaft. Dennoch platzte zunächst die Spekulationsblase, weil Investoren die künftigen Erträge viel zu früh vorweggenommen hatten. Erst Jahrzehnte später entstanden die eigentlichen Gewinner.

Ein ähnliches Muster könnte sich auch beim heutigen KI-Boom abzeichnen. An der Börse gilt schließlich ein alter Grundsatz: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich häufig. Der sogenannte Gartner Hype Cycle beschreibt genau dieses Phänomen. Neue Technologien durchlaufen regelmäßig eine Phase übertriebener Erwartungen, gefolgt von einer schmerzhaften Ernüchterung. Erst danach beginnt die Phase nachhaltiger Produktivität – und die Zeit der langfristigen Gewinner.

Besonders kritisch sehen die Experten die enorme Konzentration innerhalb des S&P 500. KI-nahe Halbleiterunternehmen machen inzwischen einen deutlich größeren Anteil am Gesamtindex aus als noch vor wenigen Jahren. Dadurch werde nicht nur der Index selbst, sondern der gesamte US-Aktienmarkt zunehmend von wenigen Unternehmen abhängig. Kommt es dort zu einer deutlichen Korrektur, könnten auch breit gestreute Anleger stärker betroffen sein.

Wie Anleger reagieren können

Trotz dieser Warnsignale rät Bravos Research ausdrücklich davon ab, sämtliche Aktien zu verkaufen oder vollständig in Cash zu wechseln. Der genaue Zeitpunkt des Platzens einer Blase lasse sich kaum zuverlässig bestimmen. Stattdessen empfehlen die Analysten, das Risiko schrittweise zu reduzieren.

Eine Möglichkeit sei eine gleichgewichtete Variante des US-Leitindex, der Equal Weight S&P 500, bei der einzelne Schwergewichte weniger Einfluss auf die Gesamtentwicklung haben. Darüber hinaus könne Gold als Diversifikation dienen, da das Edelmetall historisch häufig von Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit profitiert habe.

Langfristig bleibt Bravos Research für KI optimistisch. Die Analysten gehen davon aus, dass die Technologie enorme Produktivitätsgewinne ermöglichen wird. Allerdings dürften die größten Gewinner der kommenden Jahrzehnte möglicherweise andere Unternehmen sein als jene, die heute die Schlagzeilen dominieren. Für Anleger stellt sich deshalb weniger die Frage, ob der KI-Boom weitergeht, sondern ob die Börse seine wirtschaftlichen Erfolge bereits zu weit vorweggenommen hat.



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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