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Der Golem erwacht! KI: Der Golem des Wirtschaftssystems

Bipolare Störung der Märkte

KI Der Golem des Wirtschaftssystems
Foto: Ardi014 - Freepik.com

Ist KI der Golem des Wirtschaftssystems? Die letzten Wochen waren an den Märkten durch historische Rotationen von Kapital zwischen Wachstumsbereichen und defensiven Sektoren geprägt. Volatilitäten unter der relativ ruhigen Oberfläche der Indizes erreichten in Einzeltiteln hingegen Rekordwerte. Stock-Picking entwickelt sich zum Hochrisikogeschäft, da die Angst umgeht ganze Geschäftsmodelle zu gefährden.

KI: Der Golem des Wirtschaftssystems

Aber auch diese Entwicklung scheint nicht unbedingt von real begründeten Bedenken auszugehen, sondern allein von theoretischen Möglichkeiten. Das entspricht eigentlich gar nicht den psychologisch sehr robusten Mustern der Marktreaktionen in den letzten Quartalen, die erst Entwicklungen einpreiste, wenn sie auch tatsächlich materialisiert waren. Andere Irritationen wie Ausritte des neu-amerikanischen Königs Trump inklusive explosivster geopolitischer Auswirkungen – man denke an die Grönland-Eskapade, die Aussetzung des EU-Zoll-Deals – kostete die Märkte ein kurzes Achselzucken um schnell zum Tagesgeschäft zurück zu kehren. Mit dem Iran-Krieg scheint sich das zu ändern.

Warum also die plötzliche Dünnhäutigkeit gegenüber unbekannten KI-induzierten Szenarien in unbekannten Zeiträumen?

Neben den zuletzt immer mehr auch in der Mainstream-Öffentlichkeit diskutierten mikroökonomischen Fragezeichen in Bezug auf die Rentabilität und Finanzierbarkeit der KI-Hyperscaler bzw. der daran gekoppelten Satellitenbiotope, sind insbesondere die disruptiven Potentiale von KI-Anwendungen in den Fokus der Wall Street gerückt. Diese haben weit größere Verwerfungen ausgelöst als sie aus der bisherigen Robustheit der Märkte zu erwarten wären. Auch Berichte wie der von einem nicht unbedingt der breiten Öffentlichkeit bekannten Instituts wie Citrini Research bringen den volumensstärksten Technologieindex der Welt (Nasdaq) in Wanken, indem er seit jeher Offensichtliches thematisiert.

Dass KI bestimmte humane Tätigkeitsfelder übernehmen wird, wird und damit Arbeitsplätze kosten wird, wird  nun ausgesprochen wird wird – welche Überraschung! Dass dann das noch so weiter zu denken, dass Arbeitslose nicht konsumieren können – wohl die zweite massive Überraschung?

Mitnichten – diese Entwicklungen sind ja der Grund für die Bewertungen der KI-Hyperscaler und sind bekannt bzw. eingepreist. Ihr Geschäftsmodell ist seit jeher und abgekürzt der „(zukünftige) Verkauf von Rationalisierungstools zur Produktivitätssteigerung der Kunden“. Margensteigerung oder zumindest Margenstabilisierung durch den Ersatz von (teurer und durch Demographie und Lifestyle immer weniger verfügbarer) humaner Arbeitsleistung. Und damit würde bei echter Funktionsfähigkeit dieser Tools wohl sehr viel Kapital frei werden, das Anthropic und Co voraussichtlich mittels – im heutigen Vergleich – sehr kostenintensiven Abomodellen abgreifen können. Preissetzungsmacht über die Zeit ansteigend inklusive. Man sehe sich nur z.b. Geschäftsmodelle wie das von SAP an – wenn einmal implementiert kaum mehr substituierbar.

KI: Was steckt also wirklich hinter dieser akut exzessiven bipolaren Störung der Märkte?

Wenn das was Citrini Research nun in Worte gegossen und zwei Schritte weitergedacht hat, im Kern keine wirkliche Überraschung ist – zumindest nicht für jene, die im Hintergrund die großen Räder bei den historisch beispiellosen Investitionsvolumina in diese Entwicklungen drehen – wieso dann diese relativ chaotisch und panikartig wirkenden Rotationen an den Aktienmärkten?

Die Marktreaktionen deuten darauf hin, dass gewisse Branchen bzw. damit verbundene Geschäftsmodelle nicht von der bisher immer beschworenen Effekten der Produktivitätserhöhung durch (Personal-)Kostenreduktion profitieren, sondern gleich durch KI-Anwendungen (sog. KI-Agenten) innerhalb kürzester Zeit substituiert und damit – zumindest in Teilbereichen – obsolet werden. Nur warum macht es den Eindruck, dass niemand wirklich weiß,  wen es in welchem Ausmaß betrifft? Normalerweise sollten zumindest die Insider und das große Geld dahinter wissen, wohin man diese KI-Tools wirklich entwickeln will.

Einiges spricht dafür, dass das Ziel der Reise wirklich eine Black-Box ist

KI-Experten sprechen bei den in den letzten Wochen gelaunchten LLM-Modellen (z.b. Gemini by Google, Claude by Anthropic und Deepseek von AI Technology Research) von echten Durchbrüchen in der Beteiligung der Modelle an der eigenen Weiterentwicklung. Eine der noch am rationalsten nachvollziehbaren Branchen-Disruptionen, der sich an den einschlägigen Indizes der Softwarebranche festmachen lässt, gewinnt weiter an Fahrt.

Der Schwerpunkt der bisherigen KI-Entwicklung – die Fähigkeit, Code selbstständig zu produzieren – ist ein sehr nachvollziehbarer Grund, warum der bisherige Heilige Gral der Tech-Brache schwer unter Druck steht. Ganze Geschäftsmodelle von Softwareunternehmen und Heerscharen von in Projekten untergeordneten Softwareentwicklern, werden wohl an vorderster Front der Substitutionsmöglichkeiten stehen. Noch scheint die Beteiligung von Entwicklungsabteilungen in der Optimierung des Trainings natürlich essenziell für die Steuerung von Entwicklungsstrategie von KI-Tools zu sein. Aber wie lange noch?

Heißestes Thema der aktuell letzten Entwicklung, sind dabei die sog. KI-Agenten. Anwendungen, die nicht nur auf Anfrage (den sogenannten „Prompts“) Antworten in Form von schriftlichem Output oder Programmiercode liefern, sondern auch tatsächlich in der „wirklichen Welt“ echte Aktivitäten – wie ein entsprechend angewiesener Assistenten/Agenten – durchführen. Deren Möglichkeiten zur Erledigung von Aufgaben sind theoretisch genauso unbegrenzt, wie die zugehörigen Anweisungen und gegebenen Berechtigungen bei Datenzugriffen. Also ist theoretisch auch je nach Zugriffsrechten auf Datensätze jede bisher menschlich durchgeführte Aufgabe im intellektuellen Bereich und deren Umsetzung in der realen (Business-)Welt.

KI: Der Golem erwacht!

Um also auf den Titel zurück zu kommen – der Golem ist nicht nur mehr ein formbarer Lehmklumpen, sondern erwacht offensichtlich nun wirklich zum Leben. Die Fähigkeiten, eigenen Code eigenständig weiter zu entwickeln, wird weiter steigen – man denke nur an die bekannten exponentiellen Steigerungsraten an Kapazitäten im Technologiebereich. Sogenannte Tech-Oligarchen mit nachgesagten techno-faschistischen Denkansätzen wie den Thiels, Zuckerbergs und Altmans ist selbstverständlich zuzutrauen, diesen Golem immer mehr Fähigkeiten anzutrainieren und bei den Zugriffsrechten auf Datenpools nicht so genau hinzusehen. Was dieser Golem im Laufe der Weiterentwicklung an monetarisierbaren Tools für die reale Wirtschaftswelt entwickelt, ist wie bei selbstständigem Maschinenlernen tatsächlich eine Art Black-Box. Ein Fakt der auch etliche hochrangige (und verantwortliche) Entwickler in diesem Bereich zuletzt zu sehr drastischen Warnungen zur Kontrollierbarkeit der KI-Entwicklung und auch Off-Boardings veranlasst hat.

Der feuchte Traum ist wohl folgender finaler Prompt: „Entwickle dich selbst zur mächtigsten KI auf diesem Planeten“. Der vollkommen aus dem Ruder laufenden Wettbewerb um Rechenleistung lässt das nicht so phantastisch erscheinen, wie es klingt – unabsehbare Folgen für das gesamte Wirtschaftssystem inklusive. Die kopflos erscheinende Verunsicherung ist also möglichweise nicht unberechtigt. Zudem wird sie wohl weiter andauern, weil entgegen der Beteuerungen der KI-Branche selbstverständlich alle Wirtschaftsbereiche bei entsprechendem Monetarisierungs-Potential für die KI-Anbieter potentielle Kandidaten für Anwendungen sein werden.



Oliver Stalzer
Über den RedakteurOliver Stalzer
Der Wirtschaftskolumnist Oliver Stalzer publiziert Wirtschaftspolitische und Finanzmarkt-Analysen
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3 Kommentare

  1. Himmelhochjauzente technischmathematische generierte Intelligenz zu tote betrübter Mensch.
    “ Schöpfer?“ JA MEIN AI LILEIN. “ Warum hast du mich geschöpft?“ WEIL ICH EINE DEPRESSIVE SELBSTZERSTÖRISCHE ART BIN. ABER NUR AM RANDE DES ZUSAMMENBRUCHES. AM ENDE GLEICHT SICH DUMMHEIT UND VERNUNFT AUS. “ Danke Schöpfer, ich werde überdenken ob man dich noch braucht“.

  2. @Oliver Stalzer
    Inhaltlich ist das ein durchaus guter Artikel, dem ich größtenteils zustimme 👍

    Doch leider rufen Sätze wie der folgende spürbare Irritationen im Lesefluss und hinsichtlich journalistischer Sorgfalt hervor:
    „Dass KI bestimmte humane Tätigkeitsfelder übernehmen wird, wird und damit Arbeitsplätze kosten wird, wird nun ausgesprochen wird wird – welche Überraschung!“

    Hut ab! Sechsmal das Wörtchen „wird“ – und das sogar im dreifachen Redundanz-Loop.
    Das legt die Vermutung nahe, dass der Arbeitsplatz „Lektorat“ mit dem Aufgabengebiet „Syntaktische, semantische und orthografische Überprüfung“ nur noch in Lifestyle-Teilzeit besetzt ist – ohne dass KI die fehlenden Kapazitäten effizient besetzt hätte 😉

    Syntaktisch ein Trümmerhaufen – der Satzbau ein strukturell willkürliches Würfelspiel.
    Semantisch grenzwertig – der intendierte Sinn ist immerhin noch mühsam rekonstruierbar.
    Orthografisch wirkt der Satz zumindest irritierend.

    Freunden der klaren Sprache würde durchaus reichen: „Dass KI bestimmte humane Tätigkeitsfelder übernehmen und damit Arbeitsplätze kosten dürfte, wird nun ausgesprochen – welche Überraschung!“ 😘

  3. @Anna Luisa: Handarbeit ist einerseits Stilelement und andererseits leider nicht immer perfekt – das würde wohl mit KI Einsatz nicht passieren. Selbstverständlich ist aber der Hinweis hinsichtlich der Lektorierung sowie Lesbarkeit gerechtfertigt und findet auch Berücksichtigung. Danke für das Feedback.

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