Die kommende Berichtssaison im S&P 500 könnte zum wichtigsten Prüfstein für den KI-Boom an der Wall Street werden. Goldman Sachs und Bloomberg Intelligence rechnen erneut mit außergewöhnlich starken Unternehmensgewinnen. Doch genau darin liegt das Risiko. Nach der kräftigen KI-Rally ist an den Börsen bereits viel Optimismus eingepreist. Jetzt müssen Nvidia, Microsoft, Amazon, Meta und Co. nicht nur starke Zahlen liefern, sondern auch zeigen, dass sich die milliardenschweren Investitionen in KI, Chips und Rechenzentren zunehmend wirtschaftlich auszahlen.
S&P 500: Die Messlatte steigt
Wie Bloomberg unter Berufung auf eine aktuelle Analyse von Goldman Sachs berichtet, steht den US-Unternehmen eine weitere starke Berichtssaison bevor. Die Strategen um Ben Snider rechnen damit, dass die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 im zweiten Quartal um 22 Prozent steigen. Die aktuelle Rally an den US-Aktienmärkten sei vor allem von robusten Unternehmensgewinnen getragen worden. Entsprechend dürfte die Berichtssaison erneut zu einem entscheidenden Kurstreiber werden – unterstützt durch ein solides makroökonomisches Umfeld und den anhaltenden KI-Investitionsboom.
Noch optimistischer zeigt sich Bloomberg Intelligence. Dort wird für das zweite Quartal ein Gewinnanstieg von rund 23 Prozent erwartet. Bereits im ersten Quartal hatten die Gewinne der S&P-500-Unternehmen mit knapp 30 Prozent deutlich stärker zugelegt als die zuvor prognostizierten rund zwölf Prozent.
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Vor allem die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur dürften entscheidend zum Gewinnwachstum beitragen. Goldman schätzt, dass Unternehmen aus diesem Bereich rund 60 Prozent des Gewinnwachstums je Aktie im S&P 500 liefern könnten. Allein Nvidia und Micron Technology sollen dabei für mehr als 40 Prozent verantwortlich sein.
Auch Energieunternehmen dürften laut Goldman von höheren Ölpreisen profitieren, während Konsumunternehmen eher unter steigenden Kosten leiden. Für das durchschnittliche Unternehmen im S&P 500 erwartet die Bank ein Gewinnwachstum von rund neun Prozent. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen bleiben damit erheblich.
Entsprechend dürfte die Berichtssaison zum entscheidenden Prüfstein für die die Rekordjagd des S&P 500 und die KI-Rally werden. Denn je höher die Erwartungen, desto größer das Risiko, dass selbst starke Zahlen an der Börse nicht mehr ausreichen.

Die Erwartungen steigen – und damit auch das Risiko
Nicht nur Goldman blickt optimistisch auf die Berichtssaison. Morgan Stanley erwartet eine breitere Gewinnentwicklung über die großen Tech-Konzerne hinaus. RBC Capital Markets hat sein Kursziel für den S&P 500 aufgrund der robusten Gewinnaussichten und des stabilen Konjunkturumfelds auf rund 8.500 Punkte angehoben. Auch UniCredit rechnet trotz einer möglichen Abschwächung der Gewinnrevisionen weiterhin mit einem positiven Gesamttrend.
Damit steigt jedoch auch die Messlatte. Wenn Goldman Sachs, Bloomberg Intelligence und weitere Strategen bereits außergewöhnlich starke Quartalszahlen erwarten, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie viel positives Überraschungspotenzial überhaupt noch vorhanden ist. Die Börse scheint inzwischen einen Großteil der guten Nachrichten vorweggenommen zu haben.
Genau deshalb könnte selbst eine starke Berichtssaison diesmal nicht automatisch ausreichen, um die KI-Rally weiter anzutreiben. Entscheidend wird sein, ob die Unternehmen im S&P 500 die ohnehin hohen Erwartungen nochmals übertreffen und zugleich einen überzeugenden Ausblick liefern. Andernfalls könnten selbst gute Quartalszahlen an der Börse auf verhaltene Reaktionen stoßen.
Nach Ansicht der früheren Goldman-Sachs-Partnerin und heutigen Columbia-Professorin, Abby Joseph Cohen, könnten die derzeit hohen Aktienkurse Bewertungsrisiken verdecken, denen Anleger deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.
KI-Boom in der Beweispflicht
Noch wichtiger ist jedoch eine andere Frage. Nvidia und Micron profitieren als Ausrüster des KI-Booms unmittelbar von der enormen Nachfrage nach Hochleistungschips und Speicherlösungen. Die großen Hyperscaler wie Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta stehen dagegen auf der anderen Seite: Sie investieren Hunderte Milliarden Dollar in Rechenzentren, KI-Infrastruktur und neue Anwendungen.
Ihre Kerngeschäfte entwickeln sich zwar weiterhin stark – etwa im Cloud-Geschäft, bei Software oder digitalen Werbeerlösen. Doch Anleger dürften zunehmend darauf achten, ob die zusätzlichen KI-Investitionen auch zu höheren Umsätzen, besseren Margen oder einer steigenden Produktivität führen. Bislang stehen die wirtschaftlichen Erträge vielerorts noch nicht im gleichen Verhältnis zum enormen Kapitalaufwand.
Die Börse will deshalb nicht mehr nur hören, dass Milliarden in KI investiert werden. Sie will erstmals sehen, dass daraus auch Milliarden an zusätzlichen Gewinnen entstehen.
Genau darin liegt die eigentliche Bewährungsprobe der kommenden Berichtssaison. Die Börse hat den KI-Boom bereits mit hohen Bewertungen belohnt. Jetzt müssen die Unternehmen zeigen, dass aus milliardenschweren Investitionen auch milliardenschwere Gewinne werden. Gelingt das nicht, dürfte aus der hohen Erwartungshaltung schnell ein erhebliches Enttäuschungs- und Korrekturpotenzial für den S&P 500 entstehen.
FMW/Bloomberg
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Bei ExxonMobil ist zumindest dahingehend ein Nachfragepotential vorhanden, daß die Lagerbestände aufgefüllt werden. Amazon, Facebook und Instagram kommt aktuell wohl der überraschend moderate Ölpreis im Zusammenhang mit dem Energiebedarf der Künstliche Intelligenz zugute.
Die Phantasie ist immer noch im Markt…der Buffet Indikator nähert sich wieder den 240 Prozent vom Monatsanfang…was den 7620 im S&P 500 entspricht…
So leicht geben die Märkte nicht auf…to big to fail…