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Kleine und mittelgroße Banken in Deutschland: Lage aktuell stabil, könnte sich aber deutlich verschlechtern

FMW-Redaktion

Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) hat 1555 Banken in Deutschland befragt, was 88% aller Banken abdeckt, die 41% der Banken-Bilanzsummen ausmachen. Die Befragung zielte absichtlich ab auf kleine und mittelgroße Banken in Deutschland, die aufgrund ihrer eher geringen Größe nicht von der EZB, sondern von den deutschen Behörden beaufsichtigt werden. Es ging darum, ob und wie die kleineren Institute aktuell und in den nächsten Jahren mit verschiedenen Zinsszenarien umgehen können. Die Kernaussage der BaFin hierzu lautet:

„Das Niedrigzinsumfeld belastet die kleinen und mittelgroßen Kreditinstitute in Deutschland weiterhin erheblich.“

Und weiter:

„Auf Grundlage ihrer eigenen Plan- und Prognosedaten gaben die befragten Kreditinstitute im Sommer 2017 an, dass sie in fünf Jahren mit einem um 9 Prozent gesunkenen Jahresüberschuss vor Steuern rechnen. Da die Institute gleichzeitig von einem Bilanzwachstum ausgehen, entspricht dies einem Rückgang ihrer Gesamtkapitalrentabilität um 16 Prozent. Bei der Umfrage im Jahr 2015 waren Banken und Sparkassen für die folgenden fünf Jahre noch von einem Rückgang um 25 Prozent ausgegangen. Die Gesamtkapitalrentabilität ist definiert als der Jahresüberschuss vor Steuern im Verhältnis zur Bilanzsumme.“

„Zwar planen die deutschen Kreditinstitute wieder etwas optimistischer, allerdings bedeutet dieses Ergebnis nur, dass sich die Ertragslage – ausgehend von einem niedrigeren Niveau – weniger schnell verschlechtert als noch vor zwei Jahren angenommen“, sagte Andreas Dombret, der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand der Bundesbank. „Die durch niedrige Zinsen verursachte Durststrecke ist längst noch nicht überstanden“, betonte er. Allerdings sind deutsche Institute überwiegend gut kapitalisiert.

Und wie sich das aufsichtsrechtlich anhört, was der Bankkunde tagtäglich erlebt in Sachen Bargeldabhebegebühren, Bankkartengebühren etc, liest man hier:

Zudem planen die meisten Institute, alternative Ertragsquellen auszubauen, um die schrumpfenden Margen im Zinsgeschäft zu kompensieren. Dass sich die Banken nicht auf ihrem Kapitalpolster ausruhen, sondern auch aktiv Gegenmaßnahmen ergreifen, sieht Dombret positiv. „Angesichts schrumpfender Margen im Zinsgeschäft erschließen die Banken und Sparkassen zunehmend alternative Ertragsquellen. Insbesondere das Provisionsgeschäft wird künftig mehr zur Stabilisierung der Ergebnisse beitragen“, so Dombret.

Man kann die Gesamtbewertung der Bafin im Großen und Ganzen so zusammenfassen: Die Lage der Banken ist jetzt noch stabil, könnte sich aber verschlechtern, wenn die abgeschafften Zinsen weiter Bestand haben. Zitat:

Die Simulationen der fünf Zinsszenarien zeigen, dass sich die Ertragskraft der Banken und Sparkassen in Deutschland deutlich verschlechtern würde, wenn das Niedrigzinsumfeld andauert oder sich verschärft. Die Gesamtkapitalrentabilität der Banken würde bei konstanten Zinsen bis zum Jahr 2021 um etwa 40 Prozent sinken; bei einem Rückgang des Zinsniveaus sogar um deutlich mehr als die Hälfte.

Insgesamt planen die Institute mit einem Anstieg ihrer harten Kernkapitalquote von 15,9 Prozent auf 16,5 Prozent bis zum Jahr 2021.

Die folgende Aussage zeigt, wie massiv das Bankensterben, die Fusionitis unter den Banken und die Flialschließungen weitergehen werden:

Mehr als 70 Prozent der befragten Institute sieht sich aktuell einem höheren Wettbewerbsdruck ausgesetzt als noch vor zehn Jahren“, sagte Dombret. Vor diesem Hintergrund gab etwa jedes zehnte Institut an, sich schon in einem Fusionsprozess zu befinden oder eine Fusion konkret zu beabsichtigen. „Kosten wollen die Institute primär im Privatkundengeschäft senken, zum Beispiel durch die Schließung von Filialen. Aber auch Fusionen und Übernahmen werden zunehmend in Betracht gezogen und inzwischen weniger kritisch gesehen als noch in der Vergangenheit“


Das BaFin-Gebäude in Frankfurt am Main. Foto. Kai Hartmann Photography/BaFin




Quelle: BaFin



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