Allgemein

Auswirkung der Industrie-Rezession Körperschaftsteuer-Einnahmen sinken im Januar um 79 %

Im Jahresvergleich sind die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer im Januar um 79 %. Ein Zeichen der Industrie-Rezession.

Finanzamt-Briefkasten
Finanzamt-Briefkasten. Foto: Claudio Kummerfeld

Die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer sinken massiv! Wenn Unternehmen hierzulande Gewinne machen, zahlen sie darauf Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer. Und wie das Bundesfinanzministerium jüngst meldete, sind die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer im Januar 2026 im Vergleich zu Januar 2025 um dramatische 79,1 % gesunken auf 181 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Ministerium mit 40,75 Milliarden Euro Einanhmen, ein Plus von 4 %. Ein sportliches Ziel! Zum Absturz schreibt das Ministerium: „Bei der Körperschaftsteuer war das Aufkommen im Januar 2026 im Vorjahresvergleich gar um rund 79 Prozent rückläufig. Hier waren die aus der Veranlagung resultierenden Nachzahlungen gegenüber Januar 2025 deutlich rückläufig, wohingegen sich die Erstattungen etwas erhöhten. Neben den üblichen Einnahmeschwankungen im Rahmen der Veranlagung dürfte bei der Entwicklung dieser Steuerart auch die schwache konjunkturelle Entwicklung insbesondere in der Industrie weiterhin eine Rolle spielen.“

Körperschaftsteuer-Einnahmen brechen massiv ein

Neben Körperschaftsteuer wohl auch Gewerbesteuer am Einbrechen

Einnahmen aus der Gewerbesteuerumlage, bei der Gemeinden Gewerbesteuer-Einnahmen teilweise an Bund und Länder weiterreichen, gingen im Januar im Jahresvergleich um 73,1 % auf 47 Millionen Euro zurück. Wie viel Gewerbesteuer von den Gemeinden tatsächlich vereinnahmt wurde, ist nicht zu erkennen. Aber man darf schlussfolgern, dass die Gewerbesteuer wie auch die Körperschaftsteuer kräftig abstürzt.

Die Steuereinnahmen insgesamt sanken im Januar im Jahresvergleich um 3,4 % auf 64,5 Milliarden Euro. Ein großer Brocken: Die Einnahmen aus der Lohnsteuer stiegen im Jahresvergleich um satte 9,1 % auf 23,16 Milliarden Euro. Dazu schreibt das Ministerium: „Das Kassenaufkommen im Januar ergibt sich überwiegend aus der Besteuerung der Lohnzahlungen für Dezember. Die recht kräftige Veränderungsrate dürfte somit maßgeblich auf die im Verlauf des vergangenen Jahres spürbaren Anstiege der gesamtwirtschaftlichen Bruttolöhne und -gehälter zurückzuführen sein.“ Auch die Umsatzsteuer (bei Privatpersonen Mehrwertsteuer) steigt noch um 2 % auf 25,91 Milliarden Euro.

Einordnung

Lohnsteuer kräftig im Plus – das müsste doch eigentlich ein gutes Zeichen sein, dass die Konjunktur brummt und folglich viele Menschen in Arbeit sind? Es dürfte wohl vor allem daran liegen (wie es auch das Ministerium bestätigt), dass dank kräftigen Tarifabschlüssen bei vielen Arbeitnehmern höhere Löhne gezahlt werden, was folglich auch die Lohnsteuern in die Höhe treibt. Wieso, weshalb, warum brechen die Steuereinnahmen, die man bei Unternehmen erhebt, so dramatisch ein? Diese Steuern fallen an, wenn Unternehmen Gewinne machen. Dass diese Einnahmen derart dramatisch einbrechen, kann nur bedeuten: Die Unternehmen hierzulande sind mit dramatisch sinkenden Gewinnen konfrontiert, und oft wird man auch gar keine Gewinne mehr erwirtschaften. Ein sicheres Anzeichen für die seit 2018 laufende Industrie-Rezession, die nun eskaliert! Noch halten sich Umsatzsteuer- und Lohnsteuer-Einnahmen. Aber wenn immer mehr Industrie-Jobs nicht ersetzt werden können, werden auch diese Steuerquellen leiden.

Aktuell versucht die Bundespolitik ohne wirkliche Strukturreformen, sondern simpel und einfach auf Kredit, über Sondervermögen und Aufrüstung die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Auf kurze Sicht mag das fast unweigerlich funktionieren. Das bekommt wirklich jeder Politiker hin, egal wie inkompetent man ist, und egal wie massiv man Gelder zweckentfremdet. Jede Transaktion, jeder noch so absurde Auftrag pumpt die Wirtschaftsleistung (BIP) auf. Kurzfristig!

Wir hatten letzte Woche bereits aufgezeigt, dass wir offenbar vor einer Zweiteilung der deutschen Volkswirtschaft stehen. Kernsegmente der Industrie drohen mangels echter struktureller Reformen weiter abzustürzen, als da wären Maschinenbau, Autos, Chemie. Gleichzeitig dürften private Dienstleistungen, Rüstung und Bau profitieren von Aufrüstung und Sondervermögen. Die zeigen auch die jüngsten Analysedaten der Ökonomen der Commerzbank.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. KI wird eine Disruption sein die vieles hinwegfegen wird. Mehr arbeiten ist auch völliger Blödsinn weil die Kosten von Menschen niemals mit KI und den daraus abzuleitenden Automatisierungsmöglichkeiten mithalten werden. Um hier mitzuspielen braucht es mehr Freiheit und massiv weniger Bürokratie. Wenn KI Integration fehlschlägt, dann war die „Erwartung“ falsch. Dazu gibt es mittlerweile genug Researchvergleiche warum die einen (Firmen) scheitern und andere erfolgreicher sind.

    „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Quelle ist strittig.

  2. Unsere wichtigen Exportbranchen Maschinenbauindustrie, Elektroindustrie und die Schweißindustrie können von Fall zu Fall auch in der Unternehmensform Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) geführt werden. Für diesen Fall wären es Kapitalgesellschaften, welche zur Körperschaftssteuer herangezogen würden.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage