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Kommentar zu den Tesla-Zahlen: Ein „historisches Quartal“ – in der Tat!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Elon Musk sagte heute Nacht, dass das dritte Quartal bei Tesla ein „historisches Quartal“ gewesen sei. Und ja, da müssen wir ihm diesmal (selten genug) wirklich recht geben. Es ist historisch. Der interessierte Beobachter von Musk´s jahrelangen Märchenstunden kann es immer noch nicht glauben, aber es scheint ja wirklich Realität zu sein. Von einem Verlust vor einem Jahr von 2,92 Dollar und einem Verlust von 3,06 Dollar im 2. Quartal springt Tesla auf 2,90 Dollar Gewinn pro Aktie im 3. Quartal.

Damit hat niemand gerechnet, wirklich niemand. Selbst die optimistischsten Prognosen wiesen immer noch ein kleines Minus auf. Wir berichteten gestern Abend schon darüber, müssen aber jetzt nochmal nach-berichten, weil die gestrigen Zahlen eine Zäsur darstellen. Auch der Quartalsumsatz von 6,82 Milliarden Dollar hat sich binnen 12 Monaten mehr als verdoppelt, und lag ebenfalls deutlich über den besten Erwartungen.

Elon Musk scheint es doch noch geschafft zu haben, seine „Chaos-Bude“ zu retten. Nun scheint doch alles möglich zu sein. Die Tesla-Aktie schoss gestern Abend nachbörslich noch 10% nach oben auf 316 Dollar. Nimmt man diesen Endstand, dann hat die Aktie seit Montag Abend 55 Dollar oder 21% zugelegt. Bei solchen Quartalszahlen ist das mehr als in Ordnung.

Musk hat allen Kritikern (auch uns) nun bewiesen, dass er doch tatsächlich liefern kann und Gewinne produziert. Auch der Cash Flow war im 3. Quartal kräftig gestiegen. Also hat man den explodieren Umsatz nicht mit steigenden Kosten erkauft! Tesla geht nun voll in die Offensive. Aktuelle Unterlagen zeigen, dass die Produktion vom Modell 3 und Modell Y in China nun konkret in Angriff genommen wird. Ebenfalls soll mit dem Verkauf des Modell 3 in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 begonnen werden. Und man gab gestern bekannt, dass man im Fahrdienst-Markt den Anbietern Uber und Lyft Paroli bieten will.

Natürlich ist bei Tesla nicht über Nacht alles perfekt. So erwähnte Elon Musk gestern, dass man für die folgenden Quartale hoffe, dass stets ein Gewinn entstehe. Aber zeitweise könne es auch zu Verlusten kommen, wenn man größere Investitionen vornehmen müsse. Ebenfalls ein Problem könnte langfristig sein, dass die Konkurrenz der etablierten Hersteller nach und nach ihre E-Auto-Offensiven in reale Produkte umsetzen, und somit Tesla´s Wachstumsstory in Frage stellen.

Aber für den Augenblick überwiegt für Tesla dieses Sensations-Quartal! 4300 Modelle 3 wurden im letzten Quartal pro Woche produziert. Das ist zwar immer noch weniger als die angepeilten 5000 Stück pro Woche, aber es geht steil bergauf. Die Kapazität soll steigen bis auf 10.000 Stück pro Woche. Man darf gespannt sein, wie es rund um Tesla weitergeht. Erstmal rosa rote Wolken für die Aktie?

Tesla-Chef Elon Musk
Elon Musk. Foto: Steve Jurvetson – Flickr: FANUC Robot Assembly Demo CC BY 2.0 -Ausschnitt aus Originalfoto

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Petkov

    25. Oktober 2018 11:12 at 11:12

    Zuerst hatte Tesla keine Ahnung von Produktion, der Elon konnte aber seinen Jüngern glaubhaft vermitteln, dass es easy, egal oder beides ist. Daraufhin schoss die Aktie dauerhauft nach oben bis erste Zweifel aufkamen und dann gab es logischerweise ein paar Korrekturen. In der Zwischenzeit hat Tesla offenbar halbwegs gelernt, wie Industrieproduktion geht, deswegen wird erst mal kräftig gefeiert und der Aktienkurs wird natürlich ebenfalls mitmachen.
    Bis Tesla, die Kunden und auch die Anleger erkennen, dass es nicht nur Sales, sondern auch Aftersales gibt. Von Aftersales und insbesondere Werkstattgeschäft hat der Elon nämlich auch keine Ahnung, also werden irgendwann mal wieder Zweifel aufkommen und es werden neue Korrekturen einsetzen. Und dann wird Tesla auch Aftersales lernen oder wird von jemandem aufgekauft, der das schon draufhat.

    Etablierte Hersteller müssen weder Sales noch Aftersales neu lernen, aber sie müssen Selbstreflexion lernen und hinterfragen, warum jemand wie Elon mit einem mittelmäßigen Produkt zumindest in der subjektiven Wahrnehmung vieler Menschen so gut punkten kann.
    Unterm Strich müssen alle dazu lernen und wer sich den Stress nicht macht, wird irgendwann mal keinen Stress mehr haben, da er nicht mehr in der Form existieren wird.

    • Avatar

      frank

      25. Oktober 2018 12:07 at 12:07

      Das interessiert doch keine Sau. Kleinkariertes Denken…

  2. Avatar

    Kritisch

    25. Oktober 2018 11:58 at 11:58

    Ich finde die Entwicklung bei TESLA einfach nur grossartig. Warum das MODELL 3 ein nur mittelmäßiges Produkt sein soll, kann ich nicht beantworten, da ich diesen Typ noch nicht gefahren bin. Das MODELL S ist jedenfalls ein Hammer. Zum Aftersales, Werkstättenstruktur, etc. kann ich eigentlich auch nur positives berichten. Warum immer alles mit der „schwarz-rot-goldenen Brille“ runtergemacht wird, was nicht aus diesem Produktionsraum kommt verschließt sich mir völlig. Wo wären dann die vielgepriesenen Premium-Hersteller ohne die Innovationen von TESLA? Wenn ich mir deren „Entwicklungspotential“ ansehe habe ich immer, wie bei Japanern und Chinesen, das Gefühl, dass schlicht weg von TESLA abgekupfert wird, was ja DAIMLER auch offen in seinen Prospekten bewirbt (O-Ton: „Mit TESLA Technologie“). Und einen Vorteil hat der ELON in jedem Falle! Er muss sich nicht weltweit mit Schadensersatz-Klagen herumärgern und da kommt auf die sog. Marktführer noch so einiges zu.

  3. Avatar

    Marcus

    25. Oktober 2018 13:55 at 13:55

    Das wird sich in Zukunft zeigen ob Tesla auch wirklich nachhaltig profitabel wird. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer…

  4. Avatar

    Steven

    15. November 2018 07:01 at 07:01

    Alles kreditfinanziert.

    Die alten Hersteller sitzen auf cash.
    Die werden den nächsten Chinahusten überleben.
    Tesla auch ? :D

    15% unter den eigenen Zielen als historisches quartal abzufeiern.
    Der normalmaßstab sagt dazu: bescheuert!

    Nur für tesla ist das natürlich supergeil.

    Wenn sie das mal ein Jahr durchhalten, ok

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Amerikaner kaufen in der Coronakrise Waffen, Deutsche dagegen Toilettenpapier – wie Analysen aus dem Frühjahr gezeigt haben. Kurz vor den US-Wahlen steigt die Unsicherheit in vielerlei Hinsicht – und die Aktienkurse von Waffenherstellern. Waffenkäufe in den USA sind in Zeiten der Coronakrise schon seit längerer Zeit feststellbar –  jetzt aber gesellen sich noch weitere Ursachen dazu. Die Steigerungen bei den Kursen der Waffenfirmen brauchen sich nicht einmal hinter den Tech-Werten zu verstecken. Und wieder einmal könnte ein Regierungswechsel einen Boom auslösen.

Das Recht des Amerikaners zum Waffenbesitz

Wie oft wurde in den USA schon über eine Verschärfung des Waffenrechts diskutiert, zumeist im Zusammenhang mit Amokläufen! Stets beruft sich die US-Waffenlobby in Gestalt der NRA – National Rifle Association of America, Nationale Schützen-Vereinigung – auf das verfassungsrechtlich garantierte Recht der Amerikaner zum Waffenbesitz.

Im 2. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten, verabschiedet bereits am 15. Dezember 1791 hieß es:

„Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“ Obwohl es immer wieder Versuche gibt dieses uralte „Grundrecht“ abzuändern, unterstützen insbesondere die Republikaner mit ihrem Präsidenten Donald Trump die Interessen der NRA. Da ein Regierungswechsel zu den Demokraten sehr wahrscheinlich geworden ist, haben die Aktien von Waffenherstellern einen weiteren Aufwind bekommen – man erwartet Hamsterkäufe im Falle eines Wahlsiegs von Joe Biden.

Die Hausse der Revolveraktien im Jahr der Coronakrise – oder Amerikaner kaufen Waffen, Deutsche Toilettenpapier

So lautete eine etwas scherzhaft gemeinte Feststellung zu Zeiten des Lockdowns im April. Betrachtet man sich aber die Entwicklung der Aktien von Pistolen-, Revolver-, und Gewehrherstellern in den letzten neun Monaten, so erkennt man, dass dies kein billiger Kalauer gewesen ist. Im Übrigen waren die Regale mit dem Toillettenutensil eine Zeitlang wirklich Mangelware in Deutschland.

Die Performance:

Konnte der große S&P 500 in diesem Jahr bisher um sieben Prozent zulegen, so ging es mit den Aktien der weltbekannten Waffenfirma Smith&Wesson um 135 Prozent nach oben, die weniger bekannte Firma Sturm Ruger aus Southport (Connecticut) bringt es immerhin auf 51 Prozent. Allein im Monat Oktober ging es bereits um 8 beziehungsweise 9,5 Prozent nach oben.

Waren es im Spätwinter Sorgen der Amerikaner vor Plünderungen infolge der Coronakrise, später die Angst vor Unruhen im Lande wegen des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd, so fürchtet man sich jetzt vor einem möglichen Chaos nach dem 3. November, sollte es keinen eindeutigen Sieger geben. Zusätzlich sorgen sich die Waffennarren vor härteren Regelungen, insbesondere von Schnellfeuerwaffen, die für die Demokraten ein echtes Übel darstellen. In Deutschland würde manche Waffengattung unter die Regelungen des Kriegswaffenkontrollgesetzes (KrWaffKontrG ) fallen. Die Chefs der Waffen-Firmen in den USA hingegen freuen sich über die Nachfrage, man komme mit den Auslieferungen kaum hinterher.

Absonderliche Entwicklungen unter den Reps und Dems

Die eindeutige Positionierung von Demokraten und Republikanern haben in der Vergangenheit zu seltsamen Entwicklungen der Aktienkurse von Waffenfirmen geführt. Unter den acht Jahren von Präsident Barrack Obama stiegen die Aktien von Sturm Ruger um etwa 900 Prozent, weil der Demokrat zwar immer für schärfere Waffengesetze eintrat, dieses im Kongress aber nicht durchsetzen konnte. Unter Donald Trump stieg die Aktie dieser Firma nur um mickrige 16 Prozent, weil sich die NRA der Unterstützung des Präsidenten sicher sein konnte. Jetzt könnte Joe Biden aufgrund der Coronakrise ins Weiße Haus zurückkehren, um die Ideen von Barack Obama in die Tat umzusetzen.

Wozu brauchen die Amerikaner so viele Waffen?

Diese Frage kommt einem sofort in den Sinn, wenn man sich die Statistiken über den Waffenbesitz in den USA betrachtet – eine „kleine“ Privatarmee. 43 Prozent aller Amerikaner leben in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe. Es gibt in den USA 300 Millionen Waffen, Pistolen und halbautomatische Sturmgewehre.

Fazit

Es ist für uns Europäer schon eine schauerliche Vorstellung: Dass es in fast jedem zweiten Haushalt Schusswaffen gibt, dass Millionen von Amerikanern selbst im Handschuhfach ihres Wagens eine Waffe mitführen. Gerade in der jetzigen Situation eines gespaltenen Landes, in dem sich bestimmte Gruppierungen im Lande unversöhnlich und fanatisch gegenüberstehen, bei einem Präsidenten, der vieles gewähren lässt, um es höflich auszudrücken. Dazu die Coronakrise mit ihren wirtschaftlichen Folgen: Gestiegene Waffenkäufe und gestiegene Aktienkurse bei Smith&Wesson und Co, ob das nicht der gefährlichste Teil der Aktienhausse in den USA ist?

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