Folgen Sie uns

Indizes

Kommt der Amazon-Effekt auch bei Brokern? Trading 212 bietet gebührenfreien Handel an – warum? Ein Interview mit dem CEO

Kommt die große kreative Zerstörung auch bei Brokern?

Redaktion

Veröffentlicht

am

Bekanntlich hat der amerikanische Internet-Gigant Amazon das Geschäftsmodell vieler etablierter Firmen zerstört – ganz im Sinne des Ökonomen Schumpeter (Wiener Schule) und seines Begriffs der „kreativen Zerstörung“: es sei das Wesen des Kapitalismus, so Schumpeter in seinem 1942 erschienen Werk „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“, „der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft.“

Genau das beschreibt den Amazon-Effekt: der Konzern veränderte den Konsum revolutionär, zerstörte das Geschäftsmodell stationärer Anbieter und ist nun auf dem Weg zum Monopolisten – um dann selbst möglicherweise irgendwann das Opfer der kreativen Zerstörung zu sein, wenn ein anderes Unternehmen dann wiederum das Geschäftsmodell von Amazon zerstört. Im Kapitalismus nämlich ist nichts so beständig wie der Wandel!

Bislang ist diese „kreative Zerstörung“ bei Online-Brokern jedoch noch nicht wirklich erfolgt – es gibt zwar sehr viele Anbieter, und die so entstandene Konkurrenz hat zu einem Verfall der Gebühren geführt, die Gebühren selbst aber noch nicht abgeschafft (ob als Kommission oder als spread). Das aber könnte sich nun ändern! Denn der Broker Trading 212 hat beschlossen, Handelsgebühren abzuschaffen. Warum? Und wie will man dann noch Geld verdienen? Wir fragten nach bei dem CEO von Trading 212, Ivan Ashminov:

 

1. FMW: Herr Ashminov, Trading 212 bietet nun Handel ohne Gebühren an. Andere Broker aber bieten etwa beim Forex-Handel oder bei CFDS ebenfalls gebührenfreien Handel an, der Kunde hat lediglich einen spread, also eine Differenz zwischen Kaufkurs und Verkaufskurs. Bedeutet das, dass Ihr Unternehmen für alle Handelsinstrumente die Gebühren abgeschafft hat?

 

Ivan Ashimov: Mit unserem neuen Service “Trading 212 Invest” sind wir in der Tat der erste Broker, der in Europa die Möglichkeit bietet, ohne Gebühren unlimitiert in Aktien und ETFs zu investieren. Die Orders werden direkt an den großen Börsen der Welt ausgeführt wie etwa der Deutschen Börse, der NYSE oder der NASDAQ, und das ohne Gebühren für den Kunden. Das ist ein wirklich einzigartiges Angebot und ist völlig unabhängig von CFDs.

 

2. FMW: Warum haben Sie sich entschlossen, gebührenfreien Handel anzubieten? Wollen Sie den „Amazon-Effekt“ kopieren – also faktisch die Konkurrenz zerstören und dann als einer der wenigen „Überlebenden“ einen umso größeren Marktanteil zu haben?

 

Ivan Ashimov: Ich denke, dass man um einen Vergleich mit Amazon gar nicht herumkommt. Unser Ziel ist es, der Standardanbieter und die Standard-App für alle Handels- und Investmentgeschäfte zu werden. Von Jeff Bezos stammt der Satz “Deine Marge ist meine Chance”. Und wir sehen gewaltige Möglichkeiten nicht nur darin, das existierende Preismodell aufzubrechen, wir wollen mit unseren ansprechenden und einfach zu bedienenden Apps einen überlegenen Kundenservice bieten. Die althergekommenen Banken und Broker sind derart von ihren fetten Gebühren und überkommenen Geschäftsmodellen abhängig, dass der Finanzsektor für eine Disruption einfach überfällig ist.

 

3. FMW: Aber wie wollen Sie denn dann Geld verdienen, wenn die Gebühren abgeschafft sind?

 

Ivan Ashimov: Wir bereiten aktuelle optionale Premium Tools und Services vor, die wir neben unserem gebührenfreien Angeboten vertreiben wollen. Robo Investing wäre dafür ein Beispiel. Meiner Ansicht nach wird die reine Abwicklung von Transaktionen künftig nur noch das Basisangebot sein, aber nicht mehr die Haupteinnahmequelle. Die moderne Technologie versetzt uns in die Lage, jede Menge Mehrwert für den einzelnen Anleger zu schaffen, in dem wir ihm helfen, die besseren Entscheidungen zu treffen. Hier werden wir in Zukunft Erträge generieren.

 

4. FMW: Aus Ihrer Sicht: was unterscheidet Sie von anderen Brokern? Gibt es etwas, das Trading 212 in irgendeiner Form einzigartig macht?

 

Ivan Ashimov: Wie schon gesagt: Ganz klar der Service. Wir sind eine Technologiefirma, die davon besessen ist, die beste Plattform für den Kunden zu bieten. Unsere Handels- und Investment-App wurde sowohl für iOS als für Android von mehr als 40.000 Nutzern am höchsten bewertet. Unser Kundenservice ist bestens ausgebildet und die durchschnittliche Zeit für eine Antwort liegt gerade mal bei 47 Sekunden. Und unser Trainingsvideos auf Youtube werden von mehr als 200.000 Kunden verfolgt.

 


Ivan Ashimov, Trading 212

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Sven

    17. Oktober 2018 12:08 at 12:08

    Na ja,abseits der Eigenwerbung sieht es wohl nicht so rosig aus. Wenn man mal so die Bewertungen im Netz anschaut, ist der Kundenservice wohl grottig und die Orderausführung manchmal eher fragwürdig.

  2. Avatar

    leokatz1

    17. Oktober 2018 13:12 at 13:12

    …ein simpler Marker Maker. Solange Kunden Geld verlieren, alles Bestens. Aber sobald Kunden beginnen Profit zu machen, dann wird gegen den Kunden getradet. Ist halt der klassische Interessenskonflikt dem Market Maker unterworfen sind. Geld wird auch ohne Gebühren verdient, wenn das intelligente Programm Preise anbietet die eben nicht Marktpreise sind. Das sagt der CEO natürlich nicht. Market Maker sind frei in der Preisgestaltung. Und ich trade nicht gegen den Markt, sondern mein Gegenüber ist der Broker. Wer wohl den Profit macht?

  3. Avatar

    frank

    17. Oktober 2018 13:42 at 13:42

    Den Spread bezahlt doch der Kunde. Also nur versteckte Kosten. Was ist daran neu oder revolutionär?

  4. Avatar

    sufaap2008

    17. Oktober 2018 16:22 at 16:22

    Den Brocker nutze ich für den CFD-Handel.
    Eine rückständige Tradingplatform, mit teilweise horrenden Spread’s und schlechten Kundenservice.

  5. Avatar

    asyoulike

    17. Oktober 2018 17:38 at 17:38

    Moin, moin,

    für mich klarer Fall von Eigenwerbung.
    Vor allem CFD. Hier wurde von „leokatz1“ schon richtig geschrieben, dass der Kunde verlieren muss. M.E. ist das auch das „Geschäftsmodell“. Bei einem „Normal“-Kontoinhaber ist es nur eine Frage der Zeit, bis Teile des ursprünglichen Kapitals verbrannt (und damit im Eigentum des Brokers) sind.
    Was bleibt für Trader? M.E. kann man nur (ausschließlich) über die Börse handeln. Es muss sicher gestellt sein, dass die Order auch dort platziert und ausgeführt werden. In diesen Fällen muss der Broker hoffen, dass seine Kundschaft Gewinne macht, nur dann bleibt der Kunde, nur dann verdient der Broker Geld aus Gebühren.
    Noch zum Schluß, wieso sehen diese „Börsenprofils“ immer wie Mitglieder einer Drückerkolonne aus?

  6. Avatar

    TraderBS

    17. Oktober 2018 18:58 at 18:58

    Interessant, was hier so steht. Aber die richtige Regel ist überraschenderweise noch viel einfacher: Geld weg, Kunde weg!

    Da interessiert mich nicht, ob es sich um einen STP-Broker oder einen Market Maker handelt. Richtigen Beschiss kann sich mittlerweile kein Broker mehr erlauben!

    Just my 2 cents: Im Zweifel geht man bei einem STP-Broker gemeinsam mit dem Geschäftsmodell unter. So ein Broker bietet keine eigenen Abwicklungskurse! Er somit noch weniger Absicherungsinstrumente für sich und seine Kunden. Der Kunde hat also in Wahrheit ein Risiko, welches über die eigene Einlage hinausgeht. Und wenn ein Preis völlig fehlt, erinnere man sich bitte an den CHF-Crash!

    • Avatar

      leokatz1

      17. Oktober 2018 19:31 at 19:31

      @TraderBS…mit keinem der Broker würde ich Traden, weder Market Maker noch STP-Broker. Ausschliesslich ECN. Und ausschliesslich in UK ansässig. Nebenbei ist bei keinem Broker innerhalb der EU gegeben dass ein höheres Risiko als die Einlage bestehen würde. Ist schlicht verboten. Der maximale Verlust ist auf mein Guthaben per Gesetz beschränkt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Abwarten beim Dax, ifo steigt, 5G startet, Tradingideen bei Adidas und Mastercard

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Sollte man sich jetzt in den Dax reinkaufen? Im folgenden Video bespricht Manuel Koch die aktuelle Lage und die Aussicht für die nächsten Wochen mit einem Experten. Noch 3 bis 4 Wochen solle man abwarten. Würden die Kurse dann zurückkommen, seien es Kaufkurse. Wenn nicht, dann sehe der Markt neue Jahreshöchststände.

Der heute veröffentlichte ifo-Index gebe weiteren Optimismus für die deutsche Konjunktur. Auch im Video angesprochen wird das von Telefonica an den Start gebrachte 5G-Netz.

Konkret besprochen werden im folgenden Video zwei Handelsempfehlungen der trading house Börsenakademie. Die Aktien von Adidas und Mastercard seien beide ein Kauf. Man könnte mit einer Stop-Buy-Order einsteigen.

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Aktuelle Chancen bei Dow und Nasdaq

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Es tut sich was bei Dow Jones und Nasdaq. Im folgenden Video gehe ich darauf ein, welche Tradingchancen derzeit in diesen beiden Indizes bestehen. Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

weiterlesen

Indizes

Dax: Privatanleger verkaufen den Profis ihre Aktien!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Lange lief der Dax seitwärts, dann folgte am Montag ein impulsiver Abverkauf. Wie aber ist jetzt die Stimmung der Investoren hierzulande – herrscht Pessimismus nach dem Kursrückgang, oder sieht man nun die niedrigeren Kurse als Kaufchance?

In der wöchentlichen Umfrage der Deutschen Börse zeigt sich, dass vor allem die Profi-Investoren bullischer werden für den Dax: so sind nun 46% im Lager der Bullen, ein Anstieg zur Vorwoche von +11% und zugleich der höchste Stand an Optimismus seit Anfang März! Es sind vor allem jene, die zuvor an der Seitenlinie standen, die nun ins Camp der Bullen gewandert sind, denn die neutral Eingestellten verlieren bei den Profis -13% auf nun nur noch 16%, während das Lager der Bären sogar leicht zulegen kann auf nun 38% (+2% zur Vorwoche).

Bei den Privatinvestoren hingegen, die zuletzt deutlich optimistischer waren als die Profis, stellt sich die Lage andere dar: hier sind noch 38% bullisch (-2% zur Vorwoche), während die Pessimisten nun auf 39% kommen und +8% zur Vorwoche hinzugewinnen.

Man könnte also gewisserweise sagen: die Privatanleger verkaufen den zuvor an der Seitenlinie stehenden Profis ihre Aktien! Ähnlich sieht das auch Joachim Goldberg:

„Damit bleibt die Stimmungskluft zwischen institutionellen und privaten Anlegern zwar fast unverändert, aber die Panels haben fast in identischem Maße ihre Rollen und Positionen aus der Vorwoche getauscht. Man könnte auch sagen, dass die vormals optimistischen Privatanleger ihre Aktienbestände an die Institutionellen weitergereicht haben. Dies macht sich insbesondere in der Sentiment-Betrachtung auf Sicht von sechs Monaten bemerkbar. Hier zeigt sich, dass der relative Optimismus bei unserer Befragung in der vergangenen Woche für beide Gruppierungen noch etwa gleich hoch war.“

Was bedeutet das für den Dax?

Ist diese Stimmung nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für den Dax? Dazu Goldberg weiter:

„Nach dieser Lesart sind die Privatanleger zwar immer noch leicht optimistisch, aber der relativ deutliche Optimismus bei den institutionellen Investoren – er ist so hoch wie zuletzt Anfang März dieses Jahres – stellt für den DAX eine Belastung dar. Nicht nur, weil auf höherem Niveau (möglicherweise zwischen 13.050 und 13.100 Zählern) Abgaben aus Gewinnmitnahmen drohen. Im Falle erneuter Kursrückgänge fehlen naturgemäß durch die jüngsten Käufe Nachfrager, die dem DAX normalerweise eine Stütze wären. Auch könnte der zuletzt schwächelnde Euro ein Indiz dafür sein, dass überdies, wie bereits in den vergangenen Wochen geschehen, internationale Kapitalabflüsse auf den Aktienmärkten der Eurozone lasten.“

Ausführlicher dazu Goldberg auch hier im Video: nach unten sei der Dax „ungeschützt“, oben sei der „Deckel drauf“..

Die Profis werden optimistischer für den Dax - ein Kontraindikator?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen