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Kommt die „Border Tax“ von Donald Trump? Wenn ja, dann sieht die Welt anders aus..

Donald Trump und der einflußreiche Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, wollen eine neue Steuer einführen, die die Geldströme der Welt massiv verändern würde! Chancen auf Realisierung? Gut!

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Es ist bislang von den Medien kaum beachtet worden – aber Donald Trump plant eine sogenannte „Border Tax“, also eine „Grenzen-Steuer“. Das ist ein Vorschlag nicht nur von Donald Trump, sondern auch von Paul Ryan, dem extrem einflußreichen „House Speaker“. Mit der Unterstützung Ryans hat der Plan durchaus Aussicht auf Erfolg – und wenn dieser Plan umgesetzt wird, hat das weitreichende Konsequenzen für die ganze Welt! Und: es wäre eine der wichtigsten Steuergesetzgebungen in der Geschichte der USA.

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Donald Trump. Foto: Michael Vadon/Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Was bedeutet die „Border Tax“? Faktisch würden damit alle Importe in den USA mit dem derzeitigen Unternehmenssteuersatz besteuert, was de facto einer Verteuerung aller Importe in die USA um 20% bedeuten würde. Gleichzeitig würden Exporte für amerikanische Unternehmen nicht mehr besteuert, was den exportierenden US-Unternehmen eine Kostenersparnis von 12% bringen würde. In der Summe würde das die Exportchancen für US-Unternehmen also deutlich erhöhen. Und faktisch entspräche das für die exportiernden Unternehmen einer Abwertung des Dollar von 15% – eine gigantische Veränderung!

Bekanntlich ist die Handelsbilanz der USA seit Jahren extrem negativ – man führt viel mehr ein als man exportiert. Diese negative Handelsbilanz ist ein Ausgangspunkt für Donald Trump – sein Ziel ist es, diese negative Handelsbilanz dramatisch zu verändern. Wenn die Border Tax kommt, würde sich das Defizit der USA in der Handelsbilanz geschätzt um 400 Milliarden Dollar pro Jahr reduzieren und damit aller Voraussicht nach fast auf Null fallen. Ein echter „game changer“ also!

Und wenn sich die Handelsbilanz der USA komplett verändert, dürfte der Dollar zu anderen Währungen stark aufwerten, zumal die US-Firmen mit der Border Tax an den Weltmärkten deutlich wettbewerbsfähiger würden, während die Chancen anderer Länder, ihre Waren in die USA zu importieren, deutlich sinken. Schätzungen gehen daher davon aus, dass der Dollar ca. 15% aufwerten würde vom aktuell ohnehin schon höchsten Nievau seit dem Jahr 2003. Und das wiederum würde alle Länder unter noch schwereren Druck bringen, die auf Dollar-Importe angewiesen und gleichzeitig (Firmen oder Konsumenten) eine hohe Dollar-Veschuldung ausweisen. Für die USA wiederum wäre die Border Tax hochgradig inflationär, wenn Importe um 20% teurer werden. Um dem zu entgehen, würden sicher viele US-Firmen versuchen, ihre Produktion (aus Mexiko, China etc.) wieder zurück in die USA zu verlagern – und genau das will ja Donald Trump erreichen!

Ausländische Firmen, die in die USA exportieren, wiederum würden vor großen Schwierigkeiten stehen. Die einzige Lösung wäre, Tochterfirmen in den USA zu gründen oder die Produkte gleich mehr oder weniger komplett in den USA herzustellen. Mithin würden dann also nicht nur massiv Dollars aus dem Ausland in die USA zurück gesaugt, sondern auch Arbeitsplätze und wirtschaftliche Aktivitäten insgesamt. Das ist es, was Trump meint, wenn er von „Amerika first“ spricht. Für die „Restwelt“ wäre das jedoch ein Desaster mit unabsehbaren Folgen!

Ist die Border Tax mit den von der WTO gesetzten Handelsprinzipien vereinbar? Das ist noch unklar, jedenfalls wollen Trumps Berater die Sache mit der WTO klären. Und selbst wenn die WTO dem nicht zustimmen würde, ist die Frage schlichtweg, ob sich Trump überhaupt um die Zustimmug oder Ablehnung der WTI scheren wird..

19 Kommentare

19 Comments

  1. Avatar

    Zinsangst

    21. Dezember 2016 12:19 at 12:19

    Wenn die Boarder Tax kommt, schauen die anderen Länder tatenlos zu, ohne dass z.B. China Gegenzölle etabliert. Quatsch! Das wäre der Auftakt zum Handelskrieg und keiner würde global wettbewerbsfähiger, schon gar nicht die USA.

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    Dreistein

    21. Dezember 2016 12:30 at 12:30

    Das wird nichts weiter nur ein Handelskrieg mit Zöllen. Das Problem muss angegangen werden und dass sind die Aktionäre die zu viel raussaugen aus den Unternehmen und das arbeitende Volk was eigentlich profitieren müsste bekommt keinen richtigen Lohn mehr. 8,50€ Mindestlohn da kann keiner von leben oder eine Familie gründen, nein er wird zum Aufstocker, was die Steuern wieder nach oben treibt, und die Gerechtigkeit weiter nach unten. Dieses alles weil der Staat die Konzerne eben diese Lohndumping zugesteht, Subventioniert mit der Aufstockung. Solange die Leute kein Geld zum Kaufen haben wird auch nichts mehr verkauft und ohne Verkauf, das müsste jeder Blödmann verstehen, wächst auch keine Wirtschaft. Solange das Geld nicht einigermaßen gerecht verteilt wird geht dieses System und jedes Andere den Bach runter. Man kann keine Bonis von 14 Millionen und mehr zahlen und die Pflegekraft im Krankenhaus müsste dafür 800Jahre arbeiten gehen, von der Rente mal ganz zu schweigen.

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    frank.trg

    21. Dezember 2016 12:39 at 12:39

    Sollte die USA eine solche Steuer bzw. Zoll einführen, wieso sollten dann die anderen Handelspartner das einfach so akzeptieren bzw. wäre die Folge davon doch dass diese ebenfalls eine Gegensteuer einführen. Das wäre der ultimative Auftakt für einen Handelskrieg und das von der Nation die seit 100 Jahren für Freihandel kämpft und alle Ressourcen dafür geopfert hat.

    Zum US-Dollar. Wenn wir nur die vergangenen 10 Jahre betrachten und nur den USD/EUR Wechselkurs dann sehen wir Schwankungen von 50 Prozent. 15 Prozent Auf- oder Abwertung sind da nicht so gravierend.

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    Feldmaen

    21. Dezember 2016 12:42 at 12:42

    Ich behaupte mal die „Restwelt“ ist weniger von der amerikanischen Wirtschaft und dem Dollar abhängig als umgekehrt. Es wird mit Sicherheit zu starken Verwerfungen in der globalen Wirtschaft und im Finanzsektor kommen. Aber glauben Sie wirklich, Herr Fugmann, dass solch ein Handelskrieg, welchen die USA dann gegen den Rest der Welt führen würden, auf weiter Sicht die Amerikaner nicht am härtesten treffen würde?

    • Avatar

      gerd

      21. Dezember 2016 14:27 at 14:27

      Will ich letztlich nicht ausschließen, dass sich die Amerikaner selbst ins Knie schießen. Aber es bleibt die Frage.

      Denn ich gebe zu bedenken, was ja auch sinngemäß im Artikel steht: Die USA führt mehr ein als sie exportiert.
      Daher kann sie m. E einen solchen Plan durchaus angehen.

      Deutschland als Exportüberschussnation könnte das nicht wagen.

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    Christoph

    21. Dezember 2016 13:06 at 13:06

    sehe das auch so wie die anderen hier.
    Würde die USA diesen Zoll einführen, wäre sie am Ende der Dumme. Ist ja kein ein one-shot-game!

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    Hans Marlow

    21. Dezember 2016 14:30 at 14:30

    Frage an die Gemeinde: Glauben Sie ernsthaft, dass sich die EU auf einen Handelskrieg mit den USA einlassen würde?

    • Avatar

      Feldmaen

      21. Dezember 2016 15:25 at 15:25

      Ich würde sagen, wenn Trump es schafft das ein oder andere von seinen Plänen umzusetzen, ZWINGT er den Rest der Welt in einen Handelskrieg. Wobei die Frage zu klären wäre, wo ein Handelskrieg beginnt und wo er aufhört. Kleinere Scharmützel sehen wir bei uns doch auch schon mit Strafzölle auf Stahl und Solar. Und wir schimpfen immer auf die Chinesen, weil die ja unsere Preise durch Ihre subventionierten Produkte kaputt machen. Aber dass wir durch unser subventioniertes Billigfleisch selbst Bauern in Afrika schaden kriegt hier kaum einer mit. Globalisierung hat nicht nur Gewinner…

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      Zinsangst

      21. Dezember 2016 15:31 at 15:31

      China mit Sicherheit – das reicht schon für globale Verwerfungen. Außerdem schießen sich die USA selbst ins Knie, da viele US-Firmen in den USA planen, designen und entwickeln und im Ausland fertigen und anschließend die fertigen Produkte und Investitionsgüter wieder importieren. Diese jahrzehntelang forcierte Produktionsauslagerung nach China, Mexiko, Brasilien etc. kehrt man nicht einfach so binnen weniger Quartale wieder um. Ein mexikanischer Arbeitnehmer kostet nur 12% eines US-Industrie-Arbeitnehmers. Da helfen auch keine 20%-Zölle. Die gante Border-Tax Idee ist ökonomischer Selbstmord für die USA.

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    tomgala

    21. Dezember 2016 17:12 at 17:12

    Was Ihr hier schreibt, ist bei normal denkenden die auf Basis gewisser gesellschaftlicher Normen handeln alles richtig !
    Aber denkt der neue Präsident der USA auch so normal ?
    Hey, ich bin der Präsident. Wir machen das so.
    Ich glaube, wir müssen anfangen mit anderen Sichtweisen umzugehen.

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    Rüdiger

    21. Dezember 2016 17:38 at 17:38

    Tja, wie man es schon ahnen konnte:

    Europe, you’ve been played!

    Aber unsere lieben Herren vom BDI dachten wirklich eine tiefere Westintegration mit dem sterbenden Hegemon hätte mehr Sinn als eine entschiedenere und deutlichere Hinwendung zum aufstrebenden Eurasien. Das wird sie teuer zu stehen kommen. Zu Recht!

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    E.Erichsen

    21. Dezember 2016 17:45 at 17:45

    [b] Für Deutschland wäre das fast schon der Bankrott ![/b] Ich schätze mal, daß ca. 2 Mio. Vollarbeitsplätze direkt und indirekt am Export in die USA hängen.
    Unsere einzige Rettung wäre dann der Export nach Rußland, . aber das will „Mutti“ ja nicht, ist ja politisch nicht korrekt . Und bis die „dumme Gans aus der Uckermark“ gemerkelt hat, (wer oder )was Trumpf ist und wie der Hase zukünftig „mit der gemeinsamen atlantischen Wertegemeinschaft“ läuft, wird dieser Zug auch abgefahren sein ! Da sitzen dann natürlich Chinesen drin und sagen lächelnd “ so solly, Mutti, you come vely vely late „. :-)
    Fazit: . . . das ist wahrlich die falsche Zeit für politische + ökonomische Dilettanten, Träumer und Möchte-gern-Weltverbesserer. :-)

    • Avatar

      Sir Toby

      21. Dezember 2016 18:29 at 18:29

      Unsere einzige Rettung wäre dann der Export nach Rußland, . aber das will „Mutti“ ja nicht, ist ja politisch nicht korrekt .

      Ich denke eher, ‚Mutti‘ wird das machen was ihr gesagt wird! Und wenn sich jetzt die Ansage ändert, was sie zu tun hat … weil sich die ansagenden Eliten geändert haben, na, dann wird sie eben – nach einer zwangsläufigen Orientierungspause (sie ist ja jetzt schon vor Jahrzehnten von den Transatlantikern eingenordet worden) – die nunmehr neue Ansage genauso brav und gehorsam umsetzen wie vordem die alte Agenda.

      Also die nächsten 4 Jahre – denn so wie der Michel nun mal drauf ist, kann ich mir nicht vorstellen, daß der jemand anderen zum Kanzler wählt als ‚Mutti‘. Der Michel bleibt eben auch als antideutscher Michel ein ‚deutscher Michel‘: Vor dem 8. Mai hört er nicht auf! :cry:

    • Avatar

      frank.trg

      21. Dezember 2016 18:29 at 18:29

      Die USA waren 2015 der wichtigste Handelspartner Deutschlands, noch vor Frankreich. Deutschland exportiert (114 Mrd. EUR) dabei fast doppelt so viel in die USA wie es von den USA importiert (59 Mrd. EUR). Deshalb wäre Deutschland auch am stärksten von einem Trump-Zoll betroffen.

  10. Avatar

    leokatz

    21. Dezember 2016 21:14 at 21:14

    so ein blödes Kunstwort! Früher hiess das nämlich Importzoll. Was passiert wenn die USA das machen? Genau. Die anderen Staaten machens auch. Nix mit billiger exportieren. Dann zahlen die Exportfirmen der USA zwar keine Steuern im Inland auf exportierte Waren, dafür aber dann eben die Einführzölle in den ganzen anderen Staaten. Mal eben flink eine Produktion in den USA hochziehen klappt auch nicht, denn komplexe Produktionen sind international auf Lieferketten angewiesen. Oder wie soll es gehen, mal eben einen BMW komplett in den USA zu produzieren? Mit allen Komponenten? Zahlen werden es am Ende die Verbraucher. Blödsinnige Idee und ein uralter Hut. Zölle haben immer die Entwicklung und die Produktion gehemmt. Übrigens sind die Steuern für Unternehmen in den meisten Staaten höher als in den USA, nicht nur 15%. Kein Wunder dass dieser Staat nahezu bankrott ist.

    • Avatar

      LeoEnde

      22. Dezember 2016 11:04 at 11:04

      Es wird schwierig werden, das ist wohl wahr. Aber Importzölle sind doch nichts weiter als ein Steuereintreiben am Ort wo die Gewinne anfallen. Grenzüberschreitende Steueroptimierung im Warenverkehr bräuchte man nicht mehr zu verfolgen.

  11. Avatar

    sabine

    21. Dezember 2016 21:20 at 21:20

    a) Ich freue mich extrem, da er TTIP aufs Eis legt und wir nicht gezwungenermaßen im Essen überall-verstecktes Us-food essen müssen.
    .
    b) Auch werden hoffentlich Einmischungen in andere Länder schrumpfen wie der Golf-, Afghanistan-, Irak-, Lybien- und Syrienkrieg. Oder die farbigen Revolutionen in Jugoslawien, Ukraine, Ägypten, Weißrußland, …
    ZItat Wiki: „Während … Spiegel-Journalisten bei den US-Aktivitäten nur uneigennützige Absichten wie die Unterstützung von Demokratie und Menschenrechten sehen und damit uneingeschränkt die Selbstdarstellung der US-Förderer übernehmen,“ blablabla. „Die Washington Post berichtete, dass die USA im Vorfeld der jugoslawischen Wahlen vom 24.09.2000 – 77 Millionen Dollar einsetzte.“ Und bei der Ukraine noch viel mehr. „Die US-Stiftungen „Freedom House“ und „National Endowment for Democracy (NED)“, sowie die private (?) Stiftung „Open Society Institute“ von G.Soros stellten mehrere Millionen Dollar zur Verfügung. Ein Artikel in der New York Times, April 2011, bestätigte die systematische Ausbildung von Jugendlichen durch US-Institutionen. Namentlich genannt wurde ein Treffen 2008 in NY City für ägyptische Aktivisten, das von Facebook, Google, der Columbia Law School und dem State Department unterstützt wurde.“ State department!!! Denn laut Wolfowitz und Usa: ist „eine „feindlich gesinnte Macht“ ein Land, das stark (und frech) genug ist, um eine von Washington unabhängige Außenpolitik zu betreiben.“!!!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Farbrevolutionen

    Was die Amis hier sparen, ist extrem. Dieses Game-change wird andere negative Auswirkungen wieder wett machen. Auch will er ein Freund Putins sein. Schon wieder ein Argument, warum er eben nicht den WK3 auslösen wird, wie alle seine Hater gesagt haben.

    • Avatar

      Lars

      21. Dezember 2016 23:21 at 23:21

      Den WK3 haben Sie und ihresgleichen vorausgesagt, wenn Frau Clinton Präsidentin geworden wäre. Nun argumentieren Sie, dass dieser nicht ausbrechen wird. Kein Mensch mit normal funktionierendem Gehirn würde an einen Weltkrieg denken. Warum immer so drastisch?

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

Dax und MDax werden von der Deutschen Börse ermittelt
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