Folgen Sie uns

Konjunkturdaten

Konjunktur: Der Konsum soll sie hochhalten, weltweit

Avatar

Veröffentlicht

am

Der Internationale Währungsfonds hat die weltweite Abschwächung der Konjunktur so beschrieben: 90 Prozent aller Mitgliedsländer befinden sich in einem Abschwung, ausgelöst durch eine Schwäche der Industrieproduktion, während es vonseiten des Konsums und im Dienstleistungssektor (noch) gut aussieht. Die weltweiten Zinssenkungen unterstützen die Konsumlaune der Verbraucher, gerade weil diese in vielen Staaten überaus verschuldet sind.

Können die Konsumausgaben die Schwäche der Industrie ausgleichen?

 

Die Bedeutung des Konsumenten für die Konjunktur

Welche Rolle die Ausgaben des Verbrauchers spielen, sieht man am deutlichsten in der Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Sein Anteil von 70 % am Bruttoinlandsprodukt entspricht mit seinen gigantischen 13 Billionen Dollar pro Jahr 17 Prozent der gesamten globalen Wirtschaftsleistung.

Der US-Konsument ist mittlerweile so hoch verschuldet wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr, aber er hat gerade in der Administration Trump einen willfährigen Helfer: die US-Notenbank Federal Reserve. Durch die Anleihekäufe am langen und jetzt sogar am kurzen Ende und den Leitzinssenkungen hilft man den Verbrauchern und den Banken. Die Zinsen für die Immobilien- und Verbraucherkredite sinken, die Kreditinstitute verdienen mehr an einer steileren Zinsstrukturkurve und können deshalb auch leichter Kredite vergeben. Nicht zuletzt wegen der anstehenden US-Wahlen wird man das Spiel ausreizen bis zum Schluss, denn für eine Wiederwahl braucht es eine stabile Wirtschaft –  und das heißt in Amerika einen ausgabefreudigen Konsumenten.

Niedrige Zinsen sind bitter nötig, denn nach statistischen Angaben der New Yorker Notenbank standen die Privatschulden der Amerikaner am Ende des ersten Halbjahres 2019 bei 13,9 Billionen Dollar, natürlich ein neuer Rekord und eine Anstiegsserie von 20 Quartalen (21 aktuell nach Ende Q3) in Folge.

Eine derartige Serie gab es zuletzt vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008.

 

Die Lage der Konjunktur in Deutschland

In Deutschland herrscht im Bereich der Industrie ohne jeden Zweifel bereits die Zyklusphase der (technischen) Rezession vor, dazu braucht man sich nur das aktuelle Zahlenwerk zu betrachten:

  • Maschinenbau: Rückgang der Bestellungen von Juni bis August acht Prozent gegenüber Vorjahr, allein im August minus 19 Prozent, Rückgang der Bestellungen Inland minus 12 Prozent, Ausland minus 19 Prozent
  • Automobilindustrie: Rückgang der Inlandsproduktion im ersten Halbjahr minus 12 Prozent, Export sogar minus 15 Prozent gg. Vorjahr und noch keine Besserung in Sicht
  • Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe: 41,7 Punkte

Und was macht der Konsum?

Laut eines Konsumklimaindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat sich das Verbrauchervertrauen im dritten Quartal sogar etwas verbessert. „Trotz der sich eintrübenden Konjunkturaussichten und der Warnmeldungen hinsichtlich Kurzarbeit spielten Beschäftigungssorgen im Risikoprofil der deutschen Konsumenten zuletzt kaum eine Rolle“, heißt es in der in der letzten Woche veröffentlichten Studie.

Die Bundesregierung stellte deshalb bei der Herbstprognose klar: Man erwartet trotz des wirtschaftlichen Abschwungs keine Konjunkturkrise, eben wegen des Konsumenten und seines Einkaufsverhaltens.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier sprach davon, dass „dank steigender Löhne die privaten Haushalte mehr Geld ausgeben könnten – im Durchschnitt rund 550 Euro – und so die Wirtschaft am Laufen halten.

Das nächste Jahr hat wenige Feier- und mehr Arbeitstage. Allein das bringe einen Wachstumsimpuls von 0,4 Prozent, so der Minister.

Die Binnennachfrage sei weiter intakt: „Beschäftigung und Einkommen steigen, und der Bausektor ist weiter in Hochkonjunktur.“ 2020 werde die Zahl der Erwerbstätigen auf 45,4 Millionen anwachsen, die Löhne würden im Durchschnitt um 2,7 Prozent steigen, nach drei Prozent in diesem Jahr.

Ein unglaublich optimistisches Szenario, angesichts des weltweiten Abschwungs.

Deshalb gibt es ein ganz starkes „Aber“:

Das Verbraucherverhalten wird sich wohl verschlechtern, wenn die Meldungen hinsichtlich Personalkürzungen in der deutschen Wirtschaft anhalten oder sich sogar noch mehren. Im Bereich der Automobilzulieferer vergeht kaum ein Tag ohne Bekanntgabe von Stellenstreichungen. Jüngstes Beispiel ist die Firma Brose, die in den kommenden drei Jahren jeden fünften Arbeitsplatz in Deutschland streichen will.

In der Industrie erwartet man, dass das Thema Kurzarbeit an Bedeutung gewinnt. Jüngst wurden Forderungen laut, dass das Kurzarbeitergeld von zwölf auf 24 Monate ausgedehnt werden soll, so wie es während der Finanzkrise war.

 

Fazit

Aus all diesen Erwägungen wird klar, welch zentrale Rolle dem Konsumenten in der weltweiten Konjunktur derzeit zukommt. Er hält diese aufrecht, aber unter folgenden Prämissen: die Zinsen müssen niedrig bleiben oder sogar noch sinken – und die Rezession im Industriebereich darf nicht zu vielen Entlassungen führen. Sollte die Produktionsschwäche den Arbeitsmarkt tangieren, können die Konsumausgaben auch bei niedrigen Zinsen nicht aufrecht erhalten werden – dies war noch in jeder Rezession der Fall. Deshalb auch mein Hinweis darauf, dass es besonders wichtig sein wird, das Konsumverhalten des Amerikaners stark zu beachten – seine Ausgaben (retail sales) und bereits vorher die Frühindikation des Verbrauchervertrauens (Consumer Confidence Index des Conference Board und des Michigan Consumer Confidence Index).

Aus dieser Argumentation speist sich auch meine Überzeugung, dass es ist der jetzigen Situation keine Eskalation im Zollstreit mehr geben sollte, denn die Folge wäre über Umwälzungsmechanismen eine Schwächung des Konsumenten, des aktuellen „Lenders of Last Resort“.

Eine neue Variante des Clinton-Spruchs: „It ˋs the consumer,….!“

 

Stütz der Konsument weiterhin die Konjunktur in den wichtigsten Indsutrienationen?

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Hesterberg

    21. Oktober 2019 13:05 at 13:05

    Sehe ich alles genauso. Es ist eine Illusion zu glauben, bei weiter schwacher oder gar noch schwächer werdender Industrieproduktion könnte der Konsum sein hohes Niveau halten. Und ja, wehe die Konsumausgaben in den USA gehen zurück, dann kommt alles ins Trudeln.
    Und in der Tat können sich weder Trump noch China inzwischen eine weitere Eskalation im Handelsstreit leisten, in diesem Punkt dürften sich beide Seiten längst einig sein und ich sehe daher eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen faulen Kompromiss, der zwar keinerlei echte Lösungen der Interessenkonflikte anbieten wird, dafür aber medienwirksam wieder als größter Deal der Geschichte verpackt und verkauft werden kann. Schließlich weiß man ja längst, dass die dumpfen Märkte das wieder feiern werden. So ein fauler Kompromiss wird aber natürlich keine nachhaltigen positiven Wirkungen für die Weltwirtschaft entfalten können.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Konjunkturdaten

Aktuell: Öl-Lagerbestände -1,0 Mio Barrels (jetzt 488,1 Mio)

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die wöchentlich vermeldeten Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) wurden soeben mit 488,1 Mio Barrels veröffentlicht. Dies ist im Vergleich zur Vorwoche ein Minus von 1,0 Mio Barrels, wobei die Erwartungen zur Vorwoche bei -1,0 lagen.

Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit +1,9 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche bei -1,8.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +0,6 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-1,9 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit -2 Cents auf 40,97 Dollar.


source: tradingeconomics.com

weiterlesen

Konjunkturdaten

Aktuell: US-Immobiliendaten durchwachsen

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Die US-Baubeginne (September) sind mit +1,9% und einer Jahresrate von 1,415 Millionen schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war eine Jahresrate von 1,457 Millionen; Vormonat war 1,416 Millionen, nun auf 1,388 Millionen nach unten revidiert).

Die US-Baugenehmigungen (ebenfalls September) sind mit +5,2% und einer Jahresrate von 1,533 Millionen besser ausgefallen als erwartet (Prognose war eine Jahresrate von 1,520 Millionen; Vormonat war 1,476 Millionen).

Der Boom am US-Immobilienmarkt hatte sich gestern auch im Allzeithoch des NAHB Index gezeigt – die amerikanischen Immobilien-Käufer sind derzeit euphorisch wie noch nie..

weiterlesen

Konjunkturdaten

Aktuell: Verbrauchervertrauen Uni Michigan – Sieg von Biden erwartet

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (1.Veröffentlichung für Oktober) ist mit 81,2 etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose 80,5; Vormonat war 80,4).

Die Einschätzung der aktuellen Lage dagegen schwächer als erwartet, sie liegt bei 84,9  (Vormonat war 87,9)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 78,8  (Vormonat war 73,3)

 

Dazu schreibt Richard Curtin, der die Umfrage verantwortet:

„Slowing employment growth, the resurgence in covid-19 infections, and the absence of additional federal relief payments prompted consumers to become more concerned about the current economic conditions. Those concerns were largely offset by continued small gains in economic prospects for the year ahead. The Current Conditions Index recorded its second small reversal, the first being in June, but even at its best, it has never come close to its December peak, being still down by 26.5%. The Expectations Index, despite the recent gain, is still down by 14.4% from its February peak. How much has the presidential electioneering influenced this twist in consumer sentiment? Consumers were not asked whom they will or had voted for or their preference, but who they expected to win the election to determine the election’s potential influence on economic expectations. Among all consumers, Biden’s advantage in early October grew to 7 from 1 percentage point in the July to September surveys (see the chart). While self-identified Democrats and Republicans heavily favored the candidate from their own party, that proportion grew by 8 points among Democrats and shrunk by 5 percentage points among Republicans. Most elections are decided by those who are non-aligned with either party; the views of Independents remained unchanged and nearly equal, giving Trump a slight advantage of 2 or 3 points. When the difference in the Expectations Index was calculated by party identification, Trump still held an advantage over Biden with some interesting twists: Trump’s advantage on the Expectations Index greatly narrowed among Republicans (from 31.1 in July to September to 13.9 in October) and only a slight narrowing among Democrats (from 4.0 to 1.6), but it widened among Independents (from 20.9 to 24.4).“

 

 

 

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen