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Konjunktur: Deutschland morgen offiziell in Rezession?

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Seit Anfang 2018 geht es abwärts mit der deutschen Konjunktur. Es ist alles eigentlich schon eine ausgemachte Sache: Wirtschaftsinstitute, Ökonomen und Analysten rechnen überwiegend mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland in den Quartalen zwei und drei des Jahres 2019. Morgen um 08:00 Uhr wird es offiziell durch das Statistische Bundesamt bekanntgegeben. Nach den letzten Daten der Konjunktur scheint die Sache nicht jedoch mehr ganz so sicher.

 

Deutsche Konjunktur: Die Hoffnungszeichen der Gegenwart

Nachdem das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 0,1 Prozent geschrumpft war, genügt im dritten Jahresabschnitt nur ein kleiner Rückgang und Deutschland hätte sie, die technische Rezession. Die entscheidende Frage ist: Konnte der Dienstleistungssektor, der Konsum und die Lage am Bau nochmals die bereits seit einem Jahr andauernde Flaute im Produktionssektor übertünchen? Wie stark sind die negativen Abstrahleffekte von der Industrie auf die Binnenkonjunktur gewesen?

Dabei gibt es erste Hoffnungsschimmer, auch vonseiten der Industrie.

Im September waren die Exporte überraschend um 1,5 Prozent gewachsen, man war von einem leichten Plus von 0,4 Prozent ausgegangen. Zudem wurde das Export-Minus im August von minus 1,8 auf minus 0,9 Prozent im Nachgang korrigiert. Ebenfalls im September waren auch die Auftragseingänge in der Industrie überraschend stark gestiegen, nämlich gleich um 1,3 Prozent. Hier hatten die Ökonomen lediglich mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Vor allem aus dem Autosektor kamen positive Impulse für die Konjunktur, wie die überraschend guten Q3-Zahlen der drei großen Autobauer in der aktuellen Berichtssaison andeuten.

All das ist auch ablesbar an den Ifo-Exporterwartungen der Industrie: Der Indikator, der seit 2017 fast ununterbrochen gefallen ist, zeigte zuletzt eine deutliche Gegenbewegung. Der Gesamtindex hat sich auch seit zwei Monaten stabilisiert.

Weitere Signale: Der ZEW-Index mit seinem Anstieg im Oktober auf minus 2,1 Punkte von minus 22,8 im September, nachdem dieser Erwartungsindex von Analysten für die Konjunkturentwicklung im Juli schon bei minus 44,1 Punkten gelegen hatte.

Ein weiteres Indiz für eine aber gerade laufende Stabilisierung ist das DIW- Konjunturbarometer, welches sich bei 90,2 Punkten von Q3 auf Q4 nicht mehr verschlechtert hat.

Der Konsum, die große Stütze der Konjunktur

Die große Hoffnung liegt natürlich im Konsum. Dazu auch der Bericht von gestern „Konjunktur: Der Konsumrausch an Weihnachten“, in dem die mögliche Steigerung des Weihnachtsgeschäfts um drei Prozent auf 103 Milliarden Euro betrachtet wird. Denn, nicht nur in den USA ist der Konsum die entscheidende Größe für das Bruttoinlandsprodukt. In Deutschland macht er auch rund die Hälfte des BIPs aus, die Industrie kommt etwa auf ein Drittel. Daraus speist sich auch die Hoffnung der Konjunkturoptimisten, nämlich die, dass der Konsum so lange durchhalten möge, bis sich der Industriesektor wieder gefangen hat.

 

Fazit

Wenn die Rezession offiziell durch das Statische Bundesamt bestätigt wird, war sie öfters kurstechnisch schon vorbei, so wie in den Jahren 2003 und 2009/10. So stiegen die Aktienkurse auch schon das ganze Jahr über, befeuert von 100 Zinssenkungen weltweit im Jahr 2019. Allerdings haben wir noch gar keine richtige Rezession, nur eine technische – und die große Rezession kann im Jahr 2020 durchaus noch kommen. Natürlich setzt dies eine weitere Abschwächung der Weltwirtschaft infolge des Handelsstreits oder ein Absacken des Konsums voraus – vielleicht infolge eines Zinsanstiegs am Kapitalmarkt (in den USA).

Es gibt aber ein weiteres Szenario, welches in den letzten Jahrzehnten eine statistische Signifikanz erfahren hat. Da der Aktienmarkt immer in Konkurrenz zu den Renditen und Gewinnen am Rentenmarkt steht, verhält er sich langfristig auch zu deren Performance. Der Aktienmarkt bekam dabei immer eine kleine Zusatzrendite (im Durchschnitt der Jahre betrachtet). Allerdings ist nach 35 Jahren fallender Zinsen kein echter Kursgewinn für den Rentenmarkt mehr neben dem Kupon zu erzielen. Die Zinsen stehen seit geraumer Zeit in Deutschland an der Nullmarke. Oder anders ausgedrückt: Die Aktienmarktrendite lag stets etwas über der Rendite der Langläufer, über 50 Jahre in etwa im Verhältnis inflationsbereinigt bei 5 zu 4 Prozent.

Das würde aber auch bedeuten, dass abseits eines möglichen Aktiencrashs die Rendite am Aktienmarkt über eine sehr lange Phase im sehr niedrigen einstelligen Prozentbereich verharren könnte.

Irgendwie ist dieses Szenario gar nicht so abwegig. Denn welche Rendite hätte denn ein Daxanleger seit 2015 erzielt, per annum – vor viereinhalb Jahren lag der Dax auch schon über 12300 Punkten?

Kurzum: eine Zukunftsvision, die gerade Gold-Fans freuen würde. Keine Zinsen am Rentenmarkt, kaum Rendite am risikoreichen Aktienmarkt, dazu eine weitere Schwäche der Produktivität, das Demografieproblem mit immer mehr Menschen, die sparen müssen und dann vielleicht noch etwas Inflation – eigentlich fast schon eine Empfehlung für das gelbe Edelmetall.

Die deutsche Konjunktur stabilisiert sich derzeit auf niedrigem Niveau

4 Kommentare

4 Comments

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    Wolfgang

    13. November 2019 13:44 at 13:44

    Ich hätte mal eine Frage:

    angenommen es kommt der große Crash mit eine dementsprechenden Inflation. Was hilft mir das Gold wenn es bei 5000 steht, aber das Kg Brot 100€ (oder mehr) kostet?

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      Wolfgang M.

      13. November 2019 14:55 at 14:55

      @Wofgang. Hallo Namensvetter. Wenn das Brot 100 Euro kostet, haben wir wahrscheinlich eine Hyperinflation mit entsprechendem Zusammenbruch des Währungsraumes, mit anschließender Währungsreform, Kapitalschnitt, Entwertung von Geldvermögen und Anleihen. Das Gold hingegen wird nicht absolut entwertet werden können, allerdings könnte der Staat Gold als absolutes Zahlungsmittel verbieten. Sonst könnten große Goldbesitzer(Eigentümer) große Immobilienwerte anhäufen. In absoluten Krisenzeiten doch ein großer Schutz, wenn man den Besitz gegen eventuelle Plünderer sichern kann.

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      TM

      13. November 2019 16:33 at 16:33

      Im großen Crash kommt keine Inflation, sondern eine Deflation.

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    Übelkeit

    13. November 2019 14:15 at 14:15

    Ganz einfach. Es reicht schon wenn Gold etwas aufwertet und die übrigen Assets abwerten. Unterm Strich ist das ein realer Crash von vielleicht 90%.

    Es geht auch nicht darum im Krisenfall den täglichen Bedarf zu decken. Es ist unwahrscheinlich das es heute so schlimm wäre wie 1929.

    In deinem Beispiel hätte Gold genau das getan was man erhofft/erwartet. Kaufkraft erhalten.

    Ob ETFs (das stumpfe kaufen des Gesamten Marktes) die Lösung ist wage ich zu bezweifeln. Ein Sparplan auf physische Edelmetalle dürfte eher was für den deutschen Sparer sein. Dann ist auch der Euro bzw der weltweite währungskrieg egal.

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Italien und Großbritannien: Grottige Konjunkturdaten!

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Aus Italien und Großbritannien gibt es aktuell wirklich grottige Konjunkturdaten. Die Industrieproduktion in Italien ist von den staatlichen Statistikern für Oktober mit -2,4% im Jahresvergleich gemeldet worden. Saisonal bereinigt war es im Monatsvergleich zu September ein Rückgang von 0,3%. Die letzten drei Monate fallen zu den vorigen drei Monaten mit -0,6% auch negativ aus. Es geht also weiter bergab in Italien!

Und die Industrieproduktion in Großbritannien, die ist auch weiter deutlich im Minus, wie auch der folgende Chart zeigt. Im Oktober ist es im Jahresvergleich ein Minus von 1,3%.

Das Bruttoinlandsprodukt in UK ist im 3. Quartal im Jahresvergleich um 0,7% gewachsen, im Quartalsvergleich ergibt sich ein Nullwachstum. Die Bauproduktion auf der Insel ist im Oktober im Jahresvergleich um 2,1% geschrumpft. Die Handelsbilanz für Oktober fällt mit -14,5 Milliarden Pfund deutlich schlechter aus als im September mit -11,5 Milliarden Pfund.

 

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Europa

Aktuell: ZEW Index besser als erwartet – Hoffnung dominiert

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Der ZEW Index (Dezember; Konjunkturerwartungen) ist mit 10,7 besser ausgefallen ausgefallen als erwartet (Prognose war +1,1; Vormonat war -2,1). Das ist der höchste Wert seit Februar 2018.

 

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei -19,9 (Prognose war -22,3; Vormonat war -24,7).

Dazu kommentiert das ZEW: gute Zahl auf den ersten Blick überraschend, basiert auf der Hoffnung, dass deutsche Exporte und Dienstleistung sich besser entwickeln würden, aber die weiter ungünstigen Zahlen zur Industrieproduktion und Auftragseingänge zeigen, dass die Konjumktur immer noch fragil ist..

 

Der ZEW Index ist einer der wichtigsten Konjunkturbarometer für Deutschland

 

 

 

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Europa

Bauboom: Gigantische Steigerungsrate – gleichzeitig ein Problem für die Politik

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Baustelle Beispielfoto

Die Steigerungsrate im Bausektor ist einfach nur gigantisch. Der Bauboom geht volle Pulle weiter. Wie das Statistische Bundesamt heute früh meldet, ist der Umsatz im Bauhauptgewerbe im September 2019 im Jahresvergleich um 7,1% gestiegen. In den ersten neun Monaten 2019 stieg der Umsatz im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 6,6%. Wow. Wahnsinn. Also auch im viel aussagekräftigeren großen Zeitraum liegt die Steigerungsrate vergleichbar hoch!

Und wo verdammt nochmal soll hier das Problem sein? Tja, so ziemlich jeder Politiker (außer die CDU) und jeder Wirtschaftsexperte (außer das ifo-Institut?) ruft derzeit danach, dass Deutschland endlich deutlich mehr Geld für Investitionen in die Hand nehmen solle. Der Staat müsse endlich viel mehr Geld in die marode Infrastruktur pumpen. Aber der boomende Bausektor fährt schon längst total an seiner Maximalauslastung. Wir erinnern an dieser Stelle an die Aussagen des Statistischen Bundesamts von letzter Woche zum Wohnungsbau. Zitat:

Zwischen 2008 und 2018 hat sich der Bauüberhang bundesweit von rund 320 000 auf 693 000 genehmigte und noch nicht fertiggestellte Wohnungen mehr als verdoppelt.

Das Baugewerbe ist also trotz so hoher Steigerungsraten beim Umsatz nicht in der Lage die immer größere Zahl genehmigter Wohnungen auch tatsächlich zu bauen. Die Zahl der ausstehenden Wohnungen kann man nicht abarbeiten. Wie soll dies dann erst beim Bau von Brücken, Straßen, Bahngleisen etc aussehen, falls wirklich frische Milliarden zur Verfügung gestellt werden? Schon jetzt jammert Olaf Scholz, dass es in den Bundestöpfen große Geldsummen gebe, die er für Investitionen bereit stelle. Sie würden aber nicht abgefordert. Hier weitere aktuelle Aussagen zum Bauboom. Alle Teilbereiche boomen:

Alle Wirtschaftszweige des Bauhauptgewerbes verbuchten Umsatzzuwächse im Vorjahresvergleich. Im Hochbau stiegen die Umsätze im September 2019 gegenüber September 2018 um 6,5 % und im Tiefbau um 5,2 %. Unter den umsatzstärksten Wirtschaftszweigen innerhalb des gesamten Bauhauptgewerbes stiegen die Umsätze im Leitungstiefbau und Kläranlagenbau mit +14,4 % sowie im Wirtschaftszweig „Sonstige spezialisierte Tätigkeiten a.n.g.“ (zum Beispiel Schornstein-, Feuerungs- und Industrieofenbau) mit +10,9 % am stärksten. Den geringsten Umsatzzuwachs verzeichnete der Wirtschaftszweig „Bau von Straßen und Bahnverkehrsstrecken“ mit +2,3 % gegenüber September 2018.

Bauboom in Zahlen

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