Folgen Sie uns

Europa

Konjunktur: Erste Anzeichen einer Stabilisierung

Die Konjunktur stabilisiert sich, die Jahresendrally kann kommen – aber aufgrund der Euphorie in den USA erst nach einer vorherigen Korrektur

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Gibt es erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Konjunktur – stabilisieren sich also die Wirtschaftsdaten? Bereits in der Vorwoche habe ich diese Vermutung geäußert, angesichts der überraschenden Quartalsberichte von Daimler und VW sowie der Stabilisierung des DIW-Konjunkturbarometers für das vierte Quartal 2019 bei 90,2 Punkten. Damit ist die Wahrscheinlichkeit einer Ausweitung einer technischen Rezession – zu einer echten Rezession durch die weitere Schrumpfung der Wirtschaft von Q2 und Q3 auch im vierten Quartal – scheinbar erst einmal vom Tisch. Am gestrigen Tag kamen weitere Daten aus der deutschen Autoindustrie hinzu, die das bestätigen, aber auch ein bisschen verwirren.

 

Konjunktur: Die seltsamen Langzeitprognosen für die Autobranche

Was wird derzeit nicht alles für die Automobilbranche geweissagt, ein Ende des Booms und eine jahrelange Flaute. Da bringt einen die neueste Meldung des Kraftfahrt-Bundesamtes für den letzten Monat schon ein wenig ins Grübeln. Im Monat Oktober lag die Zahl der Neuzulassungen mit 285.000 Pkw 12,7 Prozent über dem Vorjahr – gewerbliche Neuzulassungen plus 16 Prozent, private plus sieben Prozent. Natürlich gab es im Vorjahr die Probleme bei den Neuzulassungen mit den neuen Abgasmessregeln WTLP, die einen Einbruch der Zahlen verursachten. Aber was ist dann mit der Zahl von 3,02 Millionen verkaufter Fahrzeuge im Zeitraum von Januar bis September, die 3,4 Prozent über denen des Vorjahres liegt? Klar haben wir einen Umbruch in der Automobilindustrie, aber welche Zahlen haben die Experten vorausgesagt? Dazu noch einmal ein paar Zusammenhänge, auf die ich schon hingewiesen habe:

Der Welt-Kfz-Bestand beträgt derzeit 1,3 Milliarden Fahrzeuge, die jährliche Produktion war zuletzt 83 Millionen Stück. Im Jahr 2000 kam man gerade auf 58 Millionen.

Es werden wohl mindestens 50 Millionen Fahrzeuge in jedem Jahr verschrottet – und der Drang nach einem fahrbaren Untersatz ist (aus ökologischen Gründen leider) ungebrochen, in Afrika und Asien und speziell in den Milliardenstaaten China und Indien. Im indischen Subkontinent gab es in den letzten Jahren bei gut 1,3 Milliarden Bürgern nur Neuzulassungszahlen von 3 bis 4 Millionen Pkw per anno. Wie soll es bei einem jährlichen Bevölkerungswachstum von 90 Millionen Menschen eine jahrelange Flaute geben? Selbst in der größten Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg 2009 war die weltweite Fahrzeugproduktion gerade einmal um 3,6 Prozent gesunken. Wieso soll es im Autoland Deutschland jetzt 10 Prozent und mehr für eine längere Zeit nach unten gehen?

 

Extreme Unterschiede im Sentiment diesseits und jenseits des Atlantiks

Als ob die Signale aus der Konjunktur insbesondere bei den Frühindikatoren für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor nicht schon verwirrend genug wären: Jetzt gibt es auch noch sehr divergierende Meldungen über die Konjunkturaussichten und die Zuversicht der Anleger für die weitere Börsenentwicklung.

Der am Montag veröffentlichte Sentix-Konjunkturindex vermeldete für den Monat November eine Trendwende, nicht nur für Deutschland und den Euroraum, sondern auch für die globale Wirtschaft. Der Chef der Erhebung, Manfred Hübner, sprach davon, dass „die globale Konjunktur just in diesen Tagen einen wichtigen Tiefpunkt durchlaufen habe“!

Der Gesamtindex für Deutschland sei von minus 19,4 auf minus 6,5 Punkte gestiegen. Auch die Erwartungen senden Anstiegswerte von 16 Punkten. Der Gesamtindex für Euroland steigt um 12,3 Punkte auf minus 4,5, die Erwartungswerte springen sogar um 14,5 Punkte auf den höchsten Stand seit Mai 2019. Da war doch auch etwas mit dem DIW Konjunkturbarometer letzte Woche!

Dazu aktuell noch die frischen Daten des HDE-Konsumbarometers, welches im November mit 99,79 Punkten auf Vormonatsniveau gemeldet wurde, damit praktisch schon das ganze Jahr auf dem Niveau um die 100-er-Marke.

Der Konsum wird die wichtigste Stütze der deutschen Konjunktur bleiben und der Einzelhandel könnte damit ein gutes Weihnachtsgeschäft und einen Rekordumsatz im Gesamtjahr erreichen.

Die aktuelle Handelsblatt-Umfrage AnimusX brachte für diese Woche einen heftigen Umschwung. Nach dem Dax-Anstieg über vier Wochen ist die Anliegerstimmung plötzlich gefallen: „Die Euphorie der Vorwoche ist verflogen“, stellte Leiter Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment fest. „Damit ist das deutsche Börsenbarometer wieder gesund und bereit für weitere Kursanstiege.“ Dazu kommen gestiegene Absicherungskäufe der Privatanleger (als Kontraindikator), die wieder auf fallende Kurse setzen.

Das war die Auswertung vor dem Börsenstart am Montag – gesagt, getan.

Allerdings schätzt er das Potenzial für weitere Kursanstiege beim DAX begrenzt ein, denn in den USA droht eine Verschnaufpause, nach dem extremen Anstieg des Optimismus, ausgelöst durch die Kursavancen. Allerdings bemerkte der Sentimentspezialist, dass Euphorie längere Zeit Bestand haben kann, während Niedergeschlagenheit als Kontraindikator gewöhnlich für rasche Richtungswechsel sorgt.

Das Euwax-Sentimentder Börse Stuttgart dagegen zeigte für die Privatanleger einen Rutsch auf minus sechs an – also eine verstärkte Absicherungstätigkeit – durch die Käufe von Puts. Die Institutionellen an der Frankfurter Terminbörse Eurex, haben ihre Ansicht für steigende Notierungen geändert und sind jetzt nach Verkäufen der Calls neutral positioniert.

 

Konjunktur und das Sentiment in den USA

Für die Börsenentwicklung in den USA hat sich starker Optimismus breit gemacht. Dies wurde hier in vielen Beiträgen auf FMW schon beleuchtet. Anleger zeigen eine zunehmende Risikoneigung, das Put/Call-Ratio ist gesunken und verdeutlicht verstärkte Spekulationen auf steigende Kurse.

Das Volatilitäts-Barometer VIX für das Absicherungsverhalten der Investoren lag gestern bei 12,83 Punkten, einem sehr niedrigen Niveau (im Jahresverlauf betrachtet). Auch haben Fondsmanager in den USA ihre Investitionsquote um 23 Prozentpunkte auf 89 Prozent hochgefahren. Die Datenreihe der Vorwochen des Handelsblatts lautete 57 – 57 – 60 Prozent.

Den Vogel schießt aber der Fear&Greed-Index von CNN Business ab. Der Indikator für die Angst und Gier sprang gestern auf 86 Punkte in die extreme Gierzone, eine Region, die das Barometer schon zwei Jahren nicht mehr gesehen hat.

 

Fazit

Für den Übergang von einer Herbst- zu einer Santa Claus Rally ist aus Sicht des Sentiments als bewährter Kontraindikator und anderen Parametern ein Rücksetzer vonnöten.

Die Lage signalisiert überkaufte“ US-Märkte, die innerhalb weniger Tagen zu schnell gestiegen sind. Auch die deutsche Auswertung kommt zu dem Schluss, dass weitere Kursgewinne nun schwer möglich sind. Es braucht zunächst ein Rücksetzer, speziell in den USA, der die Indikatoren wieder auf ein neutrales Terrain zurückholt. Kaum anzunehmen, dass sich der Dax von der Wall Street abkoppeln kann. Welche „weltbewegende“ Meldung wird den Kursrückgang auslösen und durch die Medien wieder „nachträglich“ als logisches Argument herangeführt?

 

Die Konjunktur scheint ich nun zu stabilisieren

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Europa

ZEW Index etwas besser als erwartet – Exporterwartungen verbessert

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Jeden Monat wird der ZEW Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Januar) ist mit +61,8 Punkten etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose war +60,0; Vormonat war +55,0).

Die Einschätzung der aktuellen Lage aber liegt bei -66,4 (Prognose war -68,5; Vormonat war -66,5) – damit sehen wir weiterhin eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage.

Laut ZEW sind es vor allem die verbesserten Exporterwartungen, die den Index nach oben gezogen haben!

weiterlesen

Europa

Autozulassungen in EU: Dezember-Zahlen glänzen, vor allem in Deutschland – warum wohl…

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autos auf Parkplatz

Was für ein Schritt nach vorne. Wie der europäische Automobilverband ACEA heute früh meldet, haben die Autozulassungen im Dezember einen kräftigen Satz nach oben gemacht mit 1.031.070 PkW. Im November waren es noch 897.692 gewesen. Im Jahresvergleich zu Dezember 2019 ist es nur noch ein Minus von 3,3 Prozent! Und dieser Vergleich zum Vorjahr ist wohl der Entscheidende bei den Autozulassungen. Damit scheint die Krise optisch überwunden zu sein, nachdem der Autoabsatz in den letzten Monaten dank Corona brutal zusammengebrochen war.

Gesenkte Mehrwertsteuer half Deutschland im Dezember bei den Autozulassungen

Vor allem die Autozulassungen in Deutschland stechen positiv hervor. Von Dezember 2019 zu Dezember 2020 sehen wir sogar einen Zuwachs von 9,9 Prozent, von 283.380 auf 311.394 PkW. Gerade für Deutschland ist die Lösung dieses Rätsels sehr einfach. Im Dezember galt noch letztmalig die reduzierte Mehrwertsteuer. Gerade Käufer von hochpreisigen Produkten konnten somit nochmal auf den letzten Drücker nette Summen bei der Mehrwertsteuer sparen. Und so haben wohl zahlreiche Kunden ihre für 2021 geplanten Autokäufe noch schnell in den Dezember 2020 vorgezogen, und haben die Absatzzahlen nach oben gedrückt. Vermutlich dürften in Deutschland dann die Zahlen in den ersten Monaten 2021 mau ausfallen, weil diese Käufer dann fehlen?

Italien und Frankreich haben mangels Sondereffekten im Dezember nicht so geglänzt wie Deutschland. Hier waren die Autozulassungen im Jahresvergleich rückläufig mit -14,9 Prozent und -11,8 Prozent. Schauen wir mal auf den Gesamtjahresvergleich von 2019 auf 2020. Da lag die Gesamt-EU mit 23,7 Prozent im Minus. Deutschland lag bei -19,1 Prozent, Italien bei -27,9 Prozent, und Frankreich bei -25,5 Prozent.

Grafik zeigt Autozulassungen in der EU im Dezember 2020 und Gesamtjahr

weiterlesen

Europa

Gastgewerbe: So stark fiel der Umsatz im letzten Jahr

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Leere Stühle bei der Außengastronomie eines Restraurants

Das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants, Catering) ist neben Reisebüros, Fluggesellschaften und anderen wohl mit am Schlimmsten betroffen von der Coronakrise. Heute hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung veröffentlicht, wie stark die Umsätze im Gastgewerbe im Gesamtjahr 2020 eingebrochen sind. Es ist ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber 2019.

Für den Monat November liegen gesicherte Zahlen vor. Dazu drei Vergleiche: Im November 2020 fiel der Umsatz im Gastgewerbe gegenüber Oktober 2020 um 52,3 Prozent. Der Umsatz lag 67,4 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2019 war der Gastgewerbeumsatz 67,9 Prozent geringer.

Die Grafik ist aufschlussreich. Man sieht den ersten Absturz aus dem Frühjahr, von einem Normalwert bei 105,4 runter auf 26,2 Indexpunkte. dann im Jahresverlauf nach dem ersten Lockdown die Erholung auf 82,8 Punkte im August. Und dann folgt der zweite Absturz bei den Umsätzen im Gastgewerbe ab Oktober, runter auf 34,4 Punkte im November.

Grafik zeigt Verlauf der Umsätze im Gastgewerbe seit dem Jahr 2013

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage