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Konjunkturdaten

Konjunktur: Ist der Aufschwung wirklich schon gesichert?

Wolfgang Müller

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am

Kommt nach dem Einbruch in der Coronakrise nun der große Aufschwung der Konjunktur, wie ihn derzeit vor allem die Einkaufsmanagerindizes andeuten?

Es hätte eigentlich zahlreiche Gründe für eine Fortsetzung der Korrektur bei unserem Dax gegeben: Der Anstieg der Corona-Infektionen, das politische Hickhack um die Unterstützung der Arbeitslosen in den USA, der hohe Eurokurs für das Exportland Deutschland, saisonale Einflüsse und Weiteres. Viele Investoren misstrauen den hohen Kursen, die Absicherung war dementsprechend hoch und dann kam am Montag eine Kaskade an Frühindikatoren für die Industrie.

Konjunktur: Der Anstieg der Einkaufsmanagerindizes

Viele Indikatoren deuten schon drei Monaten auf eine Erholung der Konjunktur in zahlreichen Ländern hin. In Deutschland der sehr beachtete Ifo-Index, Konsumklima-Indizes oder auch die Frühindikatoren im Dienstleistungsbereich. Kein Wunder nach dem Lockdown, der speziell im April zum größten Einbruch derKonjunktur in der Wirtschaftsgeschichte geführt hatte. Die Quartalszahlen für Q2 in der letzten Woche haben dies eindeutig gezeigt: Manche Branchen erholen sich relativ rasch, manche werden Jahre brauchen, um auf das Ausgangsniveau zurückzukehren. Deshalb achtet man ganz besonders auf die Industriedaten, die in einer globalisierten Welt voller verschachtelter Lieferketten das Wachstum der Weltwirtschaft widerspiegeln sollten.

Betrachtet man die kleine Flut an Daten zu den Einkaufsmanagerindizes Verarbeitendes Gewerbe am gestrigen Montag, so fällt auf, dass man in vielen Industriestaaten die Schwelle zu Wachstum der Konjunktur von 50 Punkten schon deutlich überschritten hat.

Auch die deutsche Industrie schaffte den Sprung über diese Wachstumshürde. 51,0 Punkte bedeuten sogar das höchste Niveau seit Ende 2018. „Dabei verschleiert der Wert die eigentlich kräftigen Zuwächse bei Produktion und Neuaufträgen sogar noch“, kommentierte der Ökonom Phil Smith von Markit.

Bereits am Morgen gab es durch die Stimmung der chinesischen Industrie für den Monat Juli, beim so genannten Caixin-Index, einen kleinen Anschub.

Hier die Zahlen der Einkaufsmanagerindizes Verarbeitendes Gewerbe im einzelnen (in Klammern dazu der Vormonat):

Japan: 45,2 (40,1) Punkte
China: 52,8 (51,2) Punkte
Europa: 51,8 (47,4) Punkte – erstmalig über 50 Punkte seit Krisenbeginn
Deutschland: 51,0 (45,2) Punkte
Frankreich: 52,4 (52,0) Punkte
Italien: 51,5 (47,9) Punkte
Spanien: 53,5 (49,0) Punkte
USA (ISM): 54,2 (52,6) Punkte

Gründe für die Anstiege

Wann hat es Derartiges in der Wirtschaftsgeschichte gegeben? Weltweit konzertierte Aktionen von Notenbanken und Regierungen, die Rettungspakete in gigantischer Höhe schnüren. Die Verteilung von „Helikoptergeld“ selbst in Ländern, die staatlichen Programmen skeptisch gegenüberstehen. Damit wird der Konsum hochgehalten und ein Sterben von Unternehmen vorerst stark unterbunden. Der staatlich, aber auf Schuldenbasis unterstützte Bürger, behält seine Zuversicht, was sich in den steigenden Frühindikatoren äußert und die Konjunktur stützt.

Soweit so gut. Die Probleme sind aber noch nicht gelöst, allenfalls wurde Zeit gewonnen. Jetzt zeigt sich aber wie schwer die Coronakrise ist, die ökonomischen Folgen des Lockdowns, das Wiederansteigen der Infektionszahlen und das Abebben der staatlichen Fördergelder – Stichworte 600-Dollar-Schecks, Kurzarbeitergeld. Die Schuldenpakete steigen in immer größere Höhen und die Eindämmung des Virus steht in vielen Ländern noch auf wackligen Beinen.

Deshalb haben die Einkaufsmanagerindizes ein schönes V hingelegt, welches realwirtschaftlich nur dann umgesetzt werden kann, wenn die eingepreisten Szenarien auch in der realen Konjunktur Wirklichkeit werden.

Was könnte das für die Börsen bedeuten?

Drei Monate vor der US-Wahl ergibt sich ein äußerst diffuses Umfeld, geprägt von der großen Unsicherheit um Covid-19, um eine schleppende Wirtschaftserholung, aber auch beeinflusst von der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Versicherung von FED-Chef Powell alles tun zu wollen, um die Ziele der Notenbank zu erreichen: „Price Stability and Maximum Employment.“

Dafür werde man die ganze Bandbreite der Instrumente einsetzen, um die Konjunktur der USA zu unterstützen (siehe letztes Fed-Protokoll). Was wird dies wohl heißen? Dazu noch ein US-Präsident, der momentan nur ein Ziel verfolgt..

Ist die Konjunktur wirklich  so stark, wie die Einkaufsmanagerindizes nahelegen?

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Europa

Gastgewerbe: So stark fiel der Umsatz im letzten Jahr

Claudio Kummerfeld

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Leere Stühle bei der Außengastronomie eines Restraurants

Das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants, Catering) ist neben Reisebüros, Fluggesellschaften und anderen wohl mit am Schlimmsten betroffen von der Coronakrise. Heute hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung veröffentlicht, wie stark die Umsätze im Gastgewerbe im Gesamtjahr 2020 eingebrochen sind. Es ist ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber 2019.

Für den Monat November liegen gesicherte Zahlen vor. Dazu drei Vergleiche: Im November 2020 fiel der Umsatz im Gastgewerbe gegenüber Oktober 2020 um 52,3 Prozent. Der Umsatz lag 67,4 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2019 war der Gastgewerbeumsatz 67,9 Prozent geringer.

Die Grafik ist aufschlussreich. Man sieht den ersten Absturz aus dem Frühjahr, von einem Normalwert bei 105,4 runter auf 26,2 Indexpunkte. dann im Jahresverlauf nach dem ersten Lockdown die Erholung auf 82,8 Punkte im August. Und dann folgt der zweite Absturz bei den Umsätzen im Gastgewerbe ab Oktober, runter auf 34,4 Punkte im November.

Grafik zeigt Verlauf der Umsätze im Gastgewerbe seit dem Jahr 2013

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Asien

Bruttoinlandsprodukt: China ist gewachsen, Deutschland und Europa hinken hinterher

Redaktion

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Shanghai ist die weltweit bekannteste Metropole in China

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im Gesamtjahr 2020 um 5 Prozent gesunken (wir berichteten). Dieses Ergebnis war besser als gedacht. Für die Eurozone liegen die Erwartungen bei -7,5 Prozent. Und China? Wohl dank der schnellen und extrem harten Lockdown-Maßnahmen (Millionen Menschen wurden quasi zuhause eingesperrt) kam das Land schnell aus der Coronakrise heraus, und Wirtschaft und Handel waren relativ gering beeinträchtigt.

Ganz aktuell liegen staatliche Aussagen aus China vor, wonach das Bruttoinlandsprodukt in 2020 im Jahresvergleich um 2,3 Prozent gestiegen ist! Während der Westen kräftige Rückgang der Wirtschaftsleistung verzeichnet, legt China als einziges bedeutendes Land also einen Zuwachs bei der Wirtschaftsleistung hin. Im 4. Quartal 2020 lag das BIP-Wachstum in China im Jahresvergleich sogar bei 6,5 Prozent! Im Chart sehen wir im Verlauf der letzten zehn Jahre in blau die prozentuale BIP-Wachstumsrate für China, und in schwarz die für Deutschland.

Die Industrie in Deutschland kommt zwar ziemlich gut durch die Coronakrise. Aber wir alle sehen es. Die Dienstleistungsbranche leidet massiv unter den monatelangen chaotischen Maßnahmen, dem zweiten Lockdown, und ständig geänderten Regeln. Ist für so einen Krisenfall eine Diktatur wie China besser aufgestellt, weil man Lockdown-Maßnahmen dramatisch restriktiver umsetzen kann als in Europa oder Nordamerika? Danach konnten sich Wirtschaft und Konsum sehr schnell wieder erholen, anders als hierzulande.


source: tradingeconomics.com

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Konjunkturdaten

Verbrauchervertrauen Uni Michigan – Amerikaner erwarten Inflation

Markus Fugmann

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Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (1.Veröffentlichung für Januar) ist mit 79,2 etwas schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose 80,0; Vormonat war 80,7).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei 87,7 (Vormonat war 90,0)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 73,8, (Vormonat war 74,6)

Die Inflationserwartungen für das nächste Jahr steigen auf +3,0% (Prognose war +2,5%) – die Amerikaner erwarten also ein deutliches Anziehen der Inflation in den nächsten Monaten..

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Anmeldestatus

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