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Konjunkturdaten

Konjunktur: Ist der Aufschwung wirklich schon gesichert?

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Kommt nach dem Einbruch in der Coronakrise nun der große Aufschwung der Konjunktur, wie ihn derzeit vor allem die Einkaufsmanagerindizes andeuten?

Es hätte eigentlich zahlreiche Gründe für eine Fortsetzung der Korrektur bei unserem Dax gegeben: Der Anstieg der Corona-Infektionen, das politische Hickhack um die Unterstützung der Arbeitslosen in den USA, der hohe Eurokurs für das Exportland Deutschland, saisonale Einflüsse und Weiteres. Viele Investoren misstrauen den hohen Kursen, die Absicherung war dementsprechend hoch und dann kam am Montag eine Kaskade an Frühindikatoren für die Industrie.

Konjunktur: Der Anstieg der Einkaufsmanagerindizes

Viele Indikatoren deuten schon drei Monaten auf eine Erholung der Konjunktur in zahlreichen Ländern hin. In Deutschland der sehr beachtete Ifo-Index, Konsumklima-Indizes oder auch die Frühindikatoren im Dienstleistungsbereich. Kein Wunder nach dem Lockdown, der speziell im April zum größten Einbruch derKonjunktur in der Wirtschaftsgeschichte geführt hatte. Die Quartalszahlen für Q2 in der letzten Woche haben dies eindeutig gezeigt: Manche Branchen erholen sich relativ rasch, manche werden Jahre brauchen, um auf das Ausgangsniveau zurückzukehren. Deshalb achtet man ganz besonders auf die Industriedaten, die in einer globalisierten Welt voller verschachtelter Lieferketten das Wachstum der Weltwirtschaft widerspiegeln sollten.

Betrachtet man die kleine Flut an Daten zu den Einkaufsmanagerindizes Verarbeitendes Gewerbe am gestrigen Montag, so fällt auf, dass man in vielen Industriestaaten die Schwelle zu Wachstum der Konjunktur von 50 Punkten schon deutlich überschritten hat.

Auch die deutsche Industrie schaffte den Sprung über diese Wachstumshürde. 51,0 Punkte bedeuten sogar das höchste Niveau seit Ende 2018. „Dabei verschleiert der Wert die eigentlich kräftigen Zuwächse bei Produktion und Neuaufträgen sogar noch“, kommentierte der Ökonom Phil Smith von Markit.

Bereits am Morgen gab es durch die Stimmung der chinesischen Industrie für den Monat Juli, beim so genannten Caixin-Index, einen kleinen Anschub.

Hier die Zahlen der Einkaufsmanagerindizes Verarbeitendes Gewerbe im einzelnen (in Klammern dazu der Vormonat):

Japan: 45,2 (40,1) Punkte
China: 52,8 (51,2) Punkte
Europa: 51,8 (47,4) Punkte – erstmalig über 50 Punkte seit Krisenbeginn
Deutschland: 51,0 (45,2) Punkte
Frankreich: 52,4 (52,0) Punkte
Italien: 51,5 (47,9) Punkte
Spanien: 53,5 (49,0) Punkte
USA (ISM): 54,2 (52,6) Punkte

Gründe für die Anstiege

Wann hat es Derartiges in der Wirtschaftsgeschichte gegeben? Weltweit konzertierte Aktionen von Notenbanken und Regierungen, die Rettungspakete in gigantischer Höhe schnüren. Die Verteilung von „Helikoptergeld“ selbst in Ländern, die staatlichen Programmen skeptisch gegenüberstehen. Damit wird der Konsum hochgehalten und ein Sterben von Unternehmen vorerst stark unterbunden. Der staatlich, aber auf Schuldenbasis unterstützte Bürger, behält seine Zuversicht, was sich in den steigenden Frühindikatoren äußert und die Konjunktur stützt.

Soweit so gut. Die Probleme sind aber noch nicht gelöst, allenfalls wurde Zeit gewonnen. Jetzt zeigt sich aber wie schwer die Coronakrise ist, die ökonomischen Folgen des Lockdowns, das Wiederansteigen der Infektionszahlen und das Abebben der staatlichen Fördergelder – Stichworte 600-Dollar-Schecks, Kurzarbeitergeld. Die Schuldenpakete steigen in immer größere Höhen und die Eindämmung des Virus steht in vielen Ländern noch auf wackligen Beinen.

Deshalb haben die Einkaufsmanagerindizes ein schönes V hingelegt, welches realwirtschaftlich nur dann umgesetzt werden kann, wenn die eingepreisten Szenarien auch in der realen Konjunktur Wirklichkeit werden.

Was könnte das für die Börsen bedeuten?

Drei Monate vor der US-Wahl ergibt sich ein äußerst diffuses Umfeld, geprägt von der großen Unsicherheit um Covid-19, um eine schleppende Wirtschaftserholung, aber auch beeinflusst von der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Versicherung von FED-Chef Powell alles tun zu wollen, um die Ziele der Notenbank zu erreichen: „Price Stability and Maximum Employment.“

Dafür werde man die ganze Bandbreite der Instrumente einsetzen, um die Konjunktur der USA zu unterstützen (siehe letztes Fed-Protokoll). Was wird dies wohl heißen? Dazu noch ein US-Präsident, der momentan nur ein Ziel verfolgt..

Ist die Konjunktur wirklich  so stark, wie die Einkaufsmanagerindizes nahelegen?

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Konjunkturdaten

Aktuell: Verbrauchervertrauen Uni Michigan – Demokraten optimistischer, Republikaner pessimistischer

Redaktion

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Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (1.Veröffentlichung für September) ist mit 78,9 besser ausgefallen als erwartet (Prognose 75,0; Vormonat war 74,1). Das liegt am gestiegenen Optimismus von Sympathisanten der Demokraten, deren Zuversicht einer Abwahl Trumps offenkundig steigt (siehe unten)..

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei 87,9 (Vormonat war 82,9)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 73,3 (Vormonat war 68,5)

Dazu schreibt Richard Curtin, der die Umfrage verantwortet:

„Consumer sentiment improved in early September, reaching the top of the range it has traveled since April. While the recent gain was consistent with an unchanged flat trend, the data indicated that the election has begun to have an impact on expectations about future economic prospects. The Michigan surveys have traditionally asked consumers which candidate they thought would win the election, not whom they favored or how they intended to vote. The data from July to September indicate a virtual tie. This question has been asked since Carter ran against Ford in 1976, and in every presidential election, consumers correctly chose the winner, save one: when Trump ran against Clinton in 2016, two-thirds of consumers expected a Clinton victory. In one other election had the data been as close as now–in the 1980 election that had Reagan over Carter by one percentage point. Note that the September gains were primarily in the outlook for the economy, and it was Democrats that posted gains in economic prospects while optimism about the economy weakened among Republicans. When consumers were directly asked which candidate would be better for the economy and for their personal finances, Trump was chosen over Biden as more likely to benefit the economy and their finances, although most consumers said there was no difference with regard to their own finances. Over the next several months, there are two factors that could cause volatile shifts and steep losses in consumer confidence: how the election is decided and the delays in obtaining vaccinations. While the end of the recession will depend on these non-economic factors, the hardships endured by consumers can only be offset by renewed federal relief payments.“

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Konjunkturdaten

Aktuell: US-Erstanträge + Philly-Fed und US-Immobiliendaten

Redaktion

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Die US-Erstanträge (jobless claims) auf Arbeitslosenhilfe (für die letzte Woche) steigen um 860.000 (offizielle Prognose war 850.000, Vorwoche war 884.000, nun auf 893.000 nach oben revidiert).

Die fortgesetzen Anträge (continuing claimes) liegen mit 12,62 Millionen leicht unter der Erwartung (Prognose war 13,00 Millionen; Vorwoche war 13,385 Millionen, nun auf 13,44 Millionen nach oben revidiert).

Wichtig: seit vorletzter Woche hat das Bureau of Labor Statistics ihre Methodik zur Berechnung verändert..

——–

Der Philadelphia Fed Index (März) ist mit 15,0 ausgefallen wie erwartet (Prognose war 15,0; Vormonat war 17,2)

Die Komponenten:

Beschäftigung: 15,7 (Vormonat war 9,0)
Neue Aufträge: 25,5 (Vormonat war 19,0)
Preise: 25,1 (Vormonat war 15,3)

——–

Die US-Baubeginne (August) sind mit einer Jahresrate von 1,416 Millionen schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war eine Jahresrate von 1,478 Millionen; Vormonat war 1,496 Millionen, nun auf 1,492 Millionen nach unten revidiert).

Die US-Baugenehmigungen sind mit einer Jahresrate von 1,470 Millionen schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war eine Jahresrate von 1,520 Millionen; Vormonat war 1,483 Millionen).

Der Boom am US-Immobilienmarkt hat zuletzt zu einer Preisexplosion bei Lumber (Bauholz) geführt..

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Europa

Europa in der Deflation? Ohhh nein – ein zweigeteilter Kontinent

Claudio Kummerfeld

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Geldscheine und Münzen

Europa ist in die Deflation gerutscht. Diese Aussage ist gar nicht so verkehrt, wenn man nur den Gesamtdurchschnitt betrachtet. In der Eurozone sind die Verbraucherpreise im August um 0,2 Prozent gesunken gegenüber August 2019, nach +0,4 Prozent im Juli, wie es heute Eurostat verkündet hat. Natürlich drückt die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland auf den Schnitt, das sollte man immer bedenken. Und nach europäischer Lesart sind wir hierzulande derzeit schon in der Deflation mit -0,1 Prozent (nach deutscher Rechenmethode 0,0 Prozent).

Deflation in Westeuropa, deutlich Inflation in Osteuropa

Aber am Schlimmsten hängen Zypern und Griechenland in der Deflation mit -2,9 Prozent und -2,3 Prozent. Auch große Länder wie Italien und Spanien hängen in der Deflation, insgesamt 14 Länder! Aber schaut man nicht nur auf die Eurozone, sondern auf ganz Europa, dann ergibt sich ein anderes Bild. Denn Osteuropa zeigt seit geraumer Zeit steigende Verbraucherpreise, so auch im August. Ungarn, Polen, Tschechien, Rumänien, Österreich, die Slowakei, Bulgarien und Litauen bilden nicht nur geografisch einen Block, sondern auch bei den Preisen. Sie steigen im August im Jahresvergleich mit Steigerungsraten zwischen +0,6 Prozent und +4,0 Prozent. Die folgende Grafik zeigt die geografische Aufteilung zwischen Inflation und Deflation (Osteuropa gegen Westeuropa) eindrucksvoll.

Die Details von Eurostat zeigen, dass im Gesamtschnitt der Eurozone die Verbraucherpreise für Energie nach dem Ölpreis-Schock aus dem Frühjahr immer noch 7,8 Prozent tiefer liegen als im August 2019 (Vormonat noch -8,4 Prozent). Die Nahrungsmittelpreise für Verbraucher steigen nur noch um 1,7 Prozent (Vormonat 2 Prozent). Die Verbraucherpreise für „Industriegüter ohne Energie“ fallen am deutlichsten von +1,6 Prozent auf -0,1 Prozent.

Grafik zeigt Deflation und Inflation in Europa

Tabelle zeigt detaillierte Inflationsdaten für August in Europa

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