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Konjunktur: Was uns Dax, ifo und die Statistik für 2020 voraussagen!

Infolge der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist hier aber ein Effekt aufgetreten, der von ihr gerade so nicht beabsichtigt war. Der deutsche Verbraucher gibt sein Geld, welches ohne Rendite auf den Konten schlummert, nicht in vollen Zügen aus, sondern er erhöhte sogar – aus Sorge vor der Lücke in der Altersvorsorge – die Höhe seiner Sparrate auf elf Prozent. Demzufolge gehen Ökonomen für 2020 auch nur von einer Steigerung der privaten Konsumausgaben der privaten Haushalte von 1,5 Prozent aus.

Bremsend dürfte sich dabei ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr durch den sehr deutlichen Stellenabbau in der Automobil- und Zulieferindustrie auswirken. Auch wenn man mit diversen Maßnahmen wie einer Flexibilisierung der Arbeitszeit und Kurzarbeit den Stellenabbau in Grenzen halten möchte – Stichwort Fachkräftemangel -, so ist doch mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Dies dürfte auch das Lohnwachstum in der Folge beeinträchtigen. Alles in allem Aspekte, die das Wunschszenario eines stärkerer Konjunktur 2020 doch recht unwahrscheinlich macht. Daher:

Schlussfolgerung aus der herbstlichen Dax-Entwicklung

Die schwache Entwicklung des deutschen Leitindex in den letzten Wochen, trotz einer Jahresendrally an den Weltbörsen, könnte darauf hindeuten, dass es mit der deutschen Konjunktur in den nächsten Monaten doch nicht so deutlich nach oben geht. Der DAX bewies in jüngster Vergangenheit als Frühindikator, trotz seiner unübersehbaren Schwächen, ein Näschen für konjunkturelle Entwicklungen.

Quod esset demonstrandum und zwar in Bölde.

Fazit

Betrachtet man sich isoliert die Entwicklung des Dax zum Jahresende mit seinem 26 Prozent-Plus, so könnte man zu dem Fehlschluss kommen, dass es mit der deutschen Konjunktur sehr gut steht, mit Wachstumsraten, die mindestens im Trendwachstum anzusiedeln sind. Auf den zweiten Blick muss man aber feststellen:

Der Dax steht noch immer unter seinen Hochständen von vor 23 Monaten und seit zwei Jahren beträgt seine Zunahme gerade mal zwei Prozent. Auch seit seinem letzten Hoch vom April 2015 (12390 Punkte) hat er in fast fünf Jahren nur etwa acht Prozent zugelegt. Dies relativiert manches Bauchgefühl von Anlegern, die von einer irrationalen Kursentwicklung mit Mondkursen sprechen. Was könnte man daraus ableiten? Hierzu habe ich bereits früher folgende These in den Raum gestellt:

Neben dem großen Szenario einer heftigen Bereinigung der Aktienmärkte, wie in den Jahren 2000 und 2007 und danach, gibt es auch eine Alternative, die da lautet: Jahrelanges Siechtum der Aktienmärkte, ohne extreme Einbrüche (Korrekturphasen eingeschlossen), aber auch ohne Potenzial nach oben. Auch wenn man es des Öfteren ignoriert. Negative Realzinsen (abzüglich der Inflationsrate) gab es schon vielfach in unserer Wirtschaftsgeschichte. Auch Phasen jahrelanger Seitwärtsmärkte.

Beispiel: Der deutsche Aktienmarkt hatte vor seiner jetzigen Aufstellung bereits eine lange Phase einer Querbewegung erlebt. Im Jahr 1960 lag der zurückgerechnete Index bei 534 Punkten und schwankte bis zum Jahr 1982 mit 552 Punkten in dieser Region (Ausnahme Rezession 1966), um erst dann durchzustarten. Unter anderem machten die hohen Zinsraten den Aktienmarkt als Anlageklasse unattraktiv.

Anleihemärkte stehen seit Generationen als Anlagevehikel in direkter Konkurrenz zu den Aktienmärkten. Den Dividendentiteln genehmigte man in der Summe (und inflationsbereinigt) p.a. stets nur einen kleinen Renditeaufschlag für die Übernahme von Risiko. Seit den 1980-ern sind die Zinsen bis zuletzt in der großen Tendenz gefallen, bis in den Minusbereich (Japan und Europa). Damit ist hier das Gewinnpotenzial durch fallende Zinsen = steigende Kurse ausgereizt. Gilt das damit auch für die Aktienmärkte? Der seit 2015 und mehr noch seit 2018 kaum mehr gestiegene deutsche Leitindex könnte darauf hindeuten.

Nur ein Szenario, aber ohne Zinsen funktioniert eine Marktwirtschaft nicht mehr richtig.



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3 Kommentare

  1. Tja wie passt das zusammen?

    Ganz einfach. Performance-Index nicht mit Kurs-Index verwechseln. Der Kurs-Index bildet die Kurse ab. Der steht 9% unter dem ATH von 2018.

    Der Performanceindex ist für die Mainstreammedien um den DAX zu bejubeln. In Wirklichkeit sind ja die Kurse vieler Autobauer ausgebombt. Wie man sieht passt hier der Performance-Index nicht.

    Eure Qualität ist in der Regel sehr hoch. Warum tut ihr euch den Mainstreamindex an? 30 Unternehmen in einem durch Dividenden verwässerten Index um die Kursentwickung / verfassung der Wirtschaft zu zeigen.

    Warum ist er seit August so stark gestiegen? Charttechnische Unterstützung die seit 20 Jahren hält. (Länger kann ich in meinem Tool nicht zurück blicken.)

    Stellt euch selbst die Frage: was passiert mit einem Performance Index wenn die Kurse der einzelaktien um 99% fallen? 40% Restwert gegenüber realem totalverlust?

    Liefert Qualität oder Mainstream-Verarschung – eure Entscheidung.

    1. @ Übelkeit. Ich weiß nicht, worauf Sie hinauswollen? Habe ich nicht bereits zwei große Artikel über den unseligen Äpfel-Birnen-Vergleich zwischen Performance- und Kursdax geschrieben? Und ist es nicht vollkommen egal, ob man im Herbst/Dezember die Entwicklung beider Indizes betrachtet. Es gibt dort keine Dividendeneinbeziehung und damit steigen oder fallen diese synchron. Natürlich ist mir auch bekannt, dass das Allzeithoch des Kursdax mit 6266 Punkten aus dem Jahr 2000 stammt und wir aktuell bei 5944 Punkten stehen. Aber was hat das mit meinem Artikel zu tun? Darin geht es um die derzeitige Frühindikation des Leitindex (egal in welcher Ausführung) auf das Jahr 2020. Dass er sich nicht von der Stelle rührt (seit Anfang November), obwohl in Übersee und anderswo Hausse angesagt ist. Darüber sollten wir nachdenken und nicht über alte Kamellen.
      Grüße

  2. Die Erklärung ist auch hier wieder in der Charttechnik zu finden. Nicht vergessen: Die Aktienmärkte haben sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt. Die Notenbanken sorgen für billiges Geld und die Algos/Charttechniker bestimmen die Kursverläufe.

    Der SP500 bewegt sich im Gegensatz zum DAX seit der Finanzkrise in einem relativ engen Trendkanal. Das führt zu gleichmäßgigen Kursanstiegen.

    Der DAX (Kursindex) befindet sich seit vielen Jahren ebenso in einem Aufwärtstrend. Der Trendkanal ist jedoch viel breiter und komplexer was zu massiven Kursanstiegen (Übertreibungen) und Rücksetzen führt. Im August besiepielsweise erreichte dieser eine Untersützung. Der DAX stieg deutich stärker als der SP500. Man wunderte sich hier genau umgekehrt über die Outperformance.

    Nun sollen wir plötzlich darüber nachdenken warum der DAX seit Anfang November verharrt während der SP500 steigt?

    „Und ist es nicht vollkommen egal, ob man im Herbst/Dezember die Entwicklung beider Indizes betrachtet. Es gibt dort keine Dividendeneinbeziehung und damit steigen oder fallen diese synchron.“
    Ja diese bewegen sich nahezu synchron, jedoch ergeben sich im DAX-Performance index durch die Dividenden Abweichungen, welche das Bild verzerren und mit der Zeit immer größer werden. Chartechnisch lassen sich Ziele auf mehere Jahre nicht ermitteln. Das ist also was für kurzftige Trader mit Lust auf Überraschungen.

    Interessant wird es eher wenn beide im Einklang laufen an charttechnisch sehr wichtigen Hürden. So wie 2018 als der DAX-Kursindex wiedereinmal am ATH aus 2000/2015 scheiterte und der SP500 zeitgleich an der Oberkannte seines Trendkanals in den Sturzflug ging.

    Das hat nix mit irgendwelchen News zu tun. Da drücken die Trader /Algos auf den Sell-Knopf. Häufig ist es erschreckend wie Algos in Perfektion sämtliche Indizes sowie deren Einzelaktien an charttechnische Ziele manövrieren.

    Ein Grund weshalb die Eliten Bitcoin und Co unbedingt an die Handelssysteme anbinden wollten. Nun sie ebenso Spielball dieses absurden Finanzcasinos.

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