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Zweiteilung der deutschen Wirtschaft geht weiter – aktueller Kommentar der Bundesbank

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Wir weisen schon seit Monaten darauf hin. Die deutsche Volkswirtschaft hat sich nach und nach immer mehr in zwei Teile aufgespalten. Auf der einen Seite die Binnenwirtschaft mit Dienstleistungen und vor allem der Bauindustrie. Noch ist man hier robust unterwegs, wenn auch teilweise schon schwächelnd. Parallel dazu ist die stark exportlastige Industrie längst in der Rezession angekommen. Aktuell hat die Bundesbank ihren Monatsbericht veröffentlicht. Auch sie sieht diese Zweiteilung, und die Gefahr eines Abrutschens der gesamten Volkswirtschaft. Aber sinngemäß kann man ihre Meinung so zusammenfassen, dass es derzeit noch nicht entschieden ist, wohin die Gesamtwirtschaft tendiert. Auszugsweise im Wortlaut:

Die deutsche Wirtschaft startete auch in das Sommerquartal schwach. Dies lag vor allem an der exportorientierten Industrie, die ihren Abschwung fortsetzte. Die stärker binnenwirtschaftlich geprägten Bereiche sind hingegen weiter aufwärtsgerichtet. Auch wenn der Beschäftigungszuwachs in den zurückliegenden Monaten deutlich geringer ausfiel als noch im vergangenen Jahr, so ist die Lage am Arbeitsmarkt nach wie vor gut. Dies stützte in Verbindung mit den zuversichtlichen Einkommensaussichten der Konsumenten den privaten Verbrauch. Zudem floriert die Baukonjunktur weiter. Die konjunkturelle Zweiteilung scheint sich damit vorerst fortzusetzen. Ob die Aufwärtskräfte stark genug sind, um ein ausreichendes Gegengewicht zur Industrieschwäche zu bilden,
ist allerdings fraglich. Von daher könnte die Wirtschaftsleistung in Deutschland im Sommer erneut leicht zurückgehen.

Ein zweimaliger Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Erzeugung in Folge stellt in der gegenwärtigen Situation für sich genommen noch keinen Grund zur Besorgnis dar. Er bedeutet auch noch nicht notwendigerweise das Ende der gesamtwirtschaftlichen Expansionsphase. So beschränken sich die Rückgänge der wirtschaftlichen Aktivität bislang im Wesentlichen auf das Verarbeitende Gewerbe. Aus heutiger Sicht ist auch einschließlich des zweiten Vierteljahres insgesamt nur mit einem leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts zu rechnen. Ein solcher ist derzeit in Deutschland als Teil einer konjunkturellen Normalisierung zu sehen, da die deutsche Wirtschaft aus einer Phase der wirtschaftlichen Überauslastung kommt.

Die Industrieproduktion setzte ihre Talfahrt im Juli 2019 fort. Gegenüber dem Vormonat sank die Erzeugung saisonbereinigt deutlich (– ¾ %). Auch im Vergleich zum Mittel des zweiten Vierteljahres stand ein kräftiges Minus zu Buche (– 1¼%). Zwar spielte die Lage der Sommerferien eine gewisse Rolle; ausschlaggebend war diese aber nicht für die weitere Drosselung der Produktion. Besonders stark fuhren die Hersteller von Vorleistungsgütern ihre Erzeugung zurück (– 2¼%). Die Produktion von Investitionsgütern wurde ebenfalls deutlich eingeschränkt (–1%), wobei dieser Rückgang über die Wirtschaftszweige breit verteilt war.

Der industrielle Auftragseingang sank im Juli 2019 kräftig. Saisonbereinigt unterschritt er den Wert des Vormonats erheblich (– 2¾ %); verglichen mit dem Durchschnitt des zweiten Vierteljahres gab es ebenfalls ein deutliches Minus (–1¾ %). Bei dem Vergleich mit den eingegangenen Bestellungen im Frühjahr ist jedoch zu beachten, dass diese von einem großen Volumen an Großaufträgen vor allem im Juni geprägt gewesen waren.

Bundesbank
Bundesbank in Frankfurt. Foto: Bundesbank / Walter Vorjohann

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Trump: Die Impeachment-Anhörung im US-Kongreß – Live-Feed

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Zu Beginn der Anhörungen im Impeachment-Verfahren gegen US-Präsiden Donald Trump werden vor dem US-Abgeordnetenhaus der Top-US-Diplomat in der Ukraine Bill Taylor und Deputy Assistant Secretary George Kent angehört. Hier der Live-Feed:

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Tesla baut europäische Gigafactory nahe dem BER in Brandenburg

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Was für eine Ankündigung. Tesla-Chef Elon Musk erschien gestern überraschend bei der Preisverleihung der „Auto Bild“ in Deutschland. Und zack, da sagte er (im Video ab Minute 43 sichtbar), dass Tesla übrigens seine erste Produktion in Europa, die weltweit vierte sogenannte Gigafactory, nahe Berlin bauen werde, genauer gesagt nahe dem im Jahr 2198 fertiggestellten Flughafen „BER“. Der Standort werde genauer gesagt laut Tagesspiegel auf einer Fläche im brandenburgischen Grünheide im Landkreis Oder-Spree südöstlich von Berlin liegen. Auf Twitter wurde Musk später präziser, und sprach davon, dass dort Batterien, Antriebsstränge und Autos gebaut werden sollen. Ab 2020 werde das Modell Y auf den Markt kommen, und es werde auch in der Fertigung in Brandenburg gebaut als erstes Modell gebaut. Und, so Musk, man werde beim Bau der Fabrik definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als beim Flughafen BER.

Und wie man aktuell zum Beispiel SPON entnehmen darf, zeigen sich Politiker aus Brandenburg und Berlin begeistert über diese Nachricht. So sagt zum Beispiel Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, er sei glücklich, es sei eine hervorragende Nachricht für das Bundesland. Man habe sich dafür seit längerem in intensiven Gesprächen und mit guten Argumenten eingesetzt. Und so weiter, und so weiter… Was für Argumente waren das? Wenn man daran denkt, dass Brandenburg nicht gerade als Autostandort bekannt ist, dann ist die Frage: Warum gerade diese Region? Frage: Werden Brandenburg, Bund und EU Tesla mit Fördergeldern und Subventionen zuschütten? Mal sehen was da noch alles ans Licht kommt. Für die Region ist diese Ansiedlung natürlich ein Segen, wenn man an tausende neue Arbeitsplätze denkt.

Tesla-Chef Elon Musk
Elon Musk. Foto: JD Lasica CC BY 2.0

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Für Lockerung der Geldpolitik ist laut EZB keine Rezessionsgefahr notwendig

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Vereinfacht gesagt galt bisher für die Eurozone: Je näher die Volkswirtschaften an die Rezession heranrücken, desto mauer läuft auch die Inflation. Also kann man im Umkehrschluss sagen: Wir (die EZB) senken Zinsen und kaufen Anleihen, damit die Konjunktur angekurbelt wird und nicht in die Rezession rutscht, und somit letztlich auch die Inflation wieder ansteigt. Man bedenke. Das Inflationsziel der EZB lautet nach wie vor „2% oder knapp unter 2%“. Aber zuletzt waren die Verbraucherpreise immer weiter gefallen auf zuletzt 0,7% für Oktober. Nun könnte die EZB ihr neues Anleihekaufprogramm, welches gerade erst Anfang des Monats startete, mit Rezessionsgefahr rechtfertigen. Aber nein.

Das Risiko einer Rezession sei sehr gering, so die EZB aktuell. Es gehe darum, dass sich die Inflationsaussichten weiter abschwächen, wenn es bei einem über Jahre eher geringen Wirtschaftswachstum bleibe. Aha. Also geht es jetzt nicht mehr um eine Rezessionsgefahr, sondern um die Angst vor einem Wirtschaftswachstum, dass zwar vorhanden ist, aber nicht groß genug um die Inflation endlich Richtung 2% hoch zu pushen. Tja, man braucht halt immer elegante Lösungen um sein Tun zu rechtfertigen? Zitat aus einem aktuell veröffentlichten Interview mit Luis de Guindos, Vizepräsident der EZB (ganzer Text hier nachzulesen):

Frage: Angesichts der positiveren Entwicklung der Euro-Wirtschaft zuletzt: Würden Sie das Lockerungspaket von September inklusive der Neuauflage breiter Anleihekäufe (Quantitative Easing, QE) weiter als angemessen bezeichnen – oder war es doch eine Überreaktion, wie auch Kritiker im EZB-Rat öffentlich gesagt haben?

Antwort EZB: Das September-Paket war und ist die absolut richtige Entscheidung. Wie gesagt: Das Risiko einer Rezession ist sehr gering. Aber es gibt diese andere Gefahr, dass nämlich das Wachstum über Jahre sehr niedrig und weit unterhalb der Potenzialrate bleibt. Bei niedrigerem Wachstum und geringer Inflation können sich die Inflationserwartungen aus ihrer Verankerung lösen…

Frage: … also dauerhaft vom Bereich des EZB-Inflationsziels von unter, aber nahe 2% entfernen.

Antwort EZB: Die Inflationserwartungen sind zuletzt deutlich gesunken, aber sie haben sich noch nicht aus ihrer Verankerung gelöst. Das könnte sich aber ändern, so wie im Jahr 2015, als das Risiko einer Deflation real war. Deshalb haben wir das Paket im September beschlossen.

Übrigens: Wer noch glaubt die EZB werde keine weiteren Lockerungen vornehmen, oder sie habe dazu nicht den Mut, der lese die folgenden Aussagen aus dem selben Interview. Ja, wenn es weiter mau läuft, wird die EZB auch noch weiter eine Schippe drauf packen. Davon darf man ausgehen. Zitat:

Frage: Hat die Geldpolitik, hat die EZB die Grenzen dessen erreicht, was sie überhaupt tun kann?

Antwort EZB: Nein!

Frage: Das ist mal sehr eindeutig.

Antwort EZB: Ja, das ist eindeutig. Wir können – falls erforderlich – die Leitzinsen weiter senken. Wir können unser Wertpapierkaufprogramm aufstocken. Wir können die Bedingungen für unsere Langfristkredite TLTROs weiter verbessern. Wir haben ganz sicher noch nicht unsere Grenzen erreicht. Wir können weiter handeln und wir werden weiter handeln, falls das nötig werden sollte. Genauso offensichtlich ist aber eben auch, dass die negativen Nebeneffekte immer deutlicher werden. Und es kommt noch etwas hinzu: Im aktuellen Umfeld mit noch länger sehr niedrigen Zinsen ist die Wirkung der Fiskalpolitik auf die Konjunktur sehr viel stärker als sonst.

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Quelle: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0

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