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Konsum: Ist er die große Stütze der Wirtschaft in Deutschland?

Es ist schon erstaunlich, wie sich der Konsum der Deutschen im Coronajahr 2020 entwickelt hat, insbesondere während und nach dem zweiten Quartal. Über Gewinner und Verlierer

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Wird der Konsum die große Stütze für die deutsche Wirtschaft? Normalerweise legt man in Deutschland ein großes Augenmerk auf die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe, beim ehemaligen Exportweltmeister mit den großen Automobilfirmen. Aber das deutsche Bruttoinlandsprodukt steht und fällt mit den Ausgaben für den Konsum, die zwar nicht 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen wie in den USA, aber auf gut 50 Prozent kommt man auch hierzulande. Und von dieser Seite kommen gute Nachrichten, zum Beispiel vom neuesten HDE-Konsumbarometer.

Der Konsum in Deutschland und das HDE-Konsumbarometer im Oktober

Das vom Handelsverband Deutschland HDE in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Research Institute ermittelte Konsumbarometer steigt im aktuellen Monat schon das fünfte Mal in Folge auf den Stand von 98,66 Punkten. Corona hin oder her, die Konjunkturerwartungen der befragten Verbraucher stiegen sogar auf das höchste Niveau seit Jahresanfang. Wie kann so etwas sein, hagelt es doch ständig Meldungen über Entlassungen aus bestimmten Corona-geschädigten Branchen (Luftfahrtindustrie, Tourismus) oder der Automobilzulieferindustrie, die den Umbruch in der Antriebstechnik stemmen muss? Anscheinend ist dies doch nur ein kleiner Teil des riesigen Arbeitsmarktes in Deutschland. Nach Angaben des Ifo-Instituts sank die Zahl der Kurzarbeiter von August zu September von 4,7 auf 3,7 Millionen, hatte man im April nicht mit 10,1 Millionen Kurzarbeitern gerechnet? Auch sprach man bei der Bundesagentur für Arbeit davon, dass die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen schon drei Monate in Folge gesunken sei.

Konsumerwartungen und Konsumausgaben

Zwar hat der Konsum der Verbraucher im Oktober ein Plateau erreicht, mit einer Stagnation zum Vormonat, wobei man sich aber bereits auf dem Niveau zu Jahresbeginn befindet. Man kann es kaum glauben, aber das Rezessionsjahr 2020 dürfte im Handel zu einem Rekordumsatz führen.

Google-Daten bestätigen, dass die Kundenzahlen in Einzelhandelsgeschäften bereits wieder Normalniveau erreicht haben.

Nach amtlichen Daten soll der Umsatz im Einzelhandel im letzen Sommermonat im Vergleich zum Februar, kalender- und saisonbereinigt real um 5,8 Prozent höher liegen.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres überstieg der Einzelhandelsumsatz den Vorjahreswert um 2,9 Prozent, allerdings mit der Einschränkung, dass immer mehr Geschäfte online abgewickelt werden. Der Konsum wandert also immer stärker ab ins Internet: Ein Plus von fast 21 Prozent und damit mit dem Faktor sieben bezogen auf den gesamten Einzelhandel. Daher gibt es die großen Verlierer in Waren- und Kaufhäusern, die ein Minus von 12,9 Prozent zu vermelden haben. Damit sind wir bei der Kehrseite des Booms. Bekleidungshändler in Stadtzentren mit großen Umsatzeinbußen bei gleichzeitig hohen Mieten: dies verschärft die finanzielle Lage vieler Unternehmer.

Dabei wirft der Effekt der temporären Senkung der Mehrwertsteuer einige Fragen auf. Eine Umfrage unter 2300 Kleinunternehmern ergab, dass nur drei Prozent der Kunden mehr gekauft hätten, sieben Prozent sogar weniger, insgesamt hätte die Steuersenkung nicht zur allgemeinen Belebung beim Konsum beigetragen. Auf der anderen Seite sieht man an den Umsätzen von Möbelhäusern und Baumärkten, dass viele Konsumenten ihre Erspartes aus Quarantäne und Zurückhaltung im Urlaub zum Erwerb höherwertiger Konsumgüter genutzt haben müssen.

Fazit

Es ist schon erstaunlich, wie sich der Konsum der Deutschen im Coronajahr 2020 entwickelt hat, insbesondere während und nach dem zweiten Quartal, welches eine brutale Schrumpfung von 9,7 Prozent im Vergleich zu Q1 gebracht hat. Ursache dafür dürfte aber zu einem Gutteil das Öffnen der Geldschleusen durch den Staat gewesen sein, die zwar einige Kreise aus bestimmten Branchen (Kultur, Veranstaltungen, Selbständige) nicht erreichen, in Summa aber den Konsum aufrechterhalten haben.

Die große Prüfung sollte daher im Jahr 2021 kommen, mit dem weiteren Verkauf der Konjunktur – ohne eine Wachstumsphase kommt auch alles staatliches Retten an seine Grenze – und mit der Entwicklung von Covid-19, vor allem aus internationaler Sicht. Zu Jahresende könnte es sogar noch zu einem Schub beim Konsum kommen. Läuft nicht zu Jahresende das Stimulusprogramm der reduzierten Mehrwertsteuer aus? Was vor allem bei der Anschaffung höherwertiger Konsumgüter ins Kontor schlägt. Da wäre doch die Weihnachtszeit eine nochmalige Gelegenheit zum Zugreifen, vor allem, wenn man weiß, dass es ab Neujahr teurer wird. Der letzte Schub im Konsumjahr 2020.

Der Konsum als Stütze der deutschen Wirtschaft

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Europa

ifo Index schwächer, erster Rückgang seit sechs Monaten

„Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten“

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für Oktober veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 92,7 (Prognose war 93,0; Vormonat August war 93,4) – der erste Rückgang nach fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,3 (Prognose war 89,9 ; Vormonat war 89,2)

– Erwartungen: 95,0 (Prognose war 96,5; Vormonat war 97,7)

Dazu ifo in einer Pressemitteilung:

„Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern hat sich eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober auf 92,7 Punkte gesunken, nach 93,2 Punkten[1] im September. Dies ist der erste Rückgang nach fünf Anstiegen in Folge. Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten. Ihre aktuelle Situation beurteilten sie hingegen etwas besser als im Vormonat. Angesichts steigender Infektionszahlen nehmen die Sorgen der deutschen Wirtschaft zu.

Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Geschäftsklimaindikator erstmals seit Juni 2019 wieder im positiven Bereich. Deutlich mehr Firmen waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Die Unternehmen konnten ihre Kapazitätsauslastung im letzten Quartal deutlich von 75,3 auf 79,8 Prozent steigern. Der zuletzt aufgekommene Optimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat aber einen merklichen Rückschlag erhalten.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima hingegen merklich verschlechtert. Die Dienstleister waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Lage. Zudem ist der Optimismus der Vormonate zur weiteren Geschäftsentwicklung wieder verschwunden.

Im Handel ist Geschäftsklimaindikator leicht gesunken. Während die Händler pessimistischer auf die kommenden Monate schauen, waren sie mit den laufenden Geschäften zufriedener.

Auch im Bauhauptgewerbe ist die Aufwärtsbewegung des Geschäftsklimas gestoppt. Die Unternehmen korrigierten ihre sehr guten Einschätzungen zur aktuellen Lage deutlich nach unten. Auch ihre Erwartungen fielen etwas pessimistischer aus.“

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Deutsche Wirtschaft: Schwache Dienstleister, starkes Gewerbe

„Dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Oktober) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 54,5 (Prognose war 53,2; Vormonat war 54,7)

Verarbeitendes Gewerbe: 58,0 (Prognose war 55,1; Vormonat war 56,4)

Dienstleistung: 48,9 (Prognose war 49,2; Vormonat war 50,6)

Damit bestätigt sich der Trend der letzten Zeit: Dienstleistung leidet, Gewerbe bleibt robust (noch?)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 47,3 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 48,0)

(Hinweis: das ifo Institut hat soeben mitgeteilt, dass die ifo Umfrage erst am Montag veröffentlicht wird, im Videoausblick hatte ich gesagt, dass die Zahlen heute um 10Uhr veröffentlicht werden).

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt: „dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

„Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle erfreulicherweise ziemlich wacker, wie der Oktober-Flash zeigt.
Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen. Folglich sieht es zunehmend nach einer Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten aus. Das verarbeitende Gewerbe ist bisher weniger stark von den neuen Restriktionen betroffen als der Servicesektor und hat zudem enorm vom wieder
florierenden Welthandel profitiert. Da sich immer mehr Industrieunternehmen dem Wachstumsniveau von vor der CoronavirusPandemie nähern oder es sogar schon erreicht haben, wird ein dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger. So sind die Erwartungen der Hersteller im Oktober auch erstmals seit siebenMonaten wieder leicht gesunken. Dennoch, Sorgenkind Nummer eins bleibt der Dienstleistungssektor.”

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

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Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

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