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Ausverkauf nach historischer Rally Koreas Aktienmärkte in Panik: Größter 2-Tages-Crash seit 2008

Koreas Aktienmärkte in Panik: Größter 2-Tages-Crash seit 2008
Der Kospi fällt um bis zu 6,1 %. Foto: Chris Jung/NurPhoto/Getty Images

Nach einem der stärksten Börsenjahre weltweit erleben koreanische Aktien aktuell einen massiven Ausverkauf. Der Kospi-Index verzeichnet den größten Zwei-Tage-Crash seit der Finanzkrise 2008. Besonders Tech-Schwergewichte wie Samsung Electronics und SK Hynix geraten unter Druck, während steigende Ölpreise, Margin-Calls und geopolitische Risiken Anleger verunsichern. Investoren fragen sich nun: Handelt es sich um eine kurzfristige Korrektur – oder um einen Wendepunkt für die Aktienmärkte?

Koreas Aktienmärkte mit 2-Tage-Crash

Wie Bloomberg berichtet, erlebten die koreanischen Aktienmärkte am Mittwoch einen dramatischen Ausverkauf. Nachdem der Markt bereits in der vorherigen Sitzung um 7,2 % gefallen war, verlor der Kospi-Index weitere 11 %. Damit steuert der Leitindex auf den größten Zwei-Tage-Crash seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 zu.

Besonders stark unter Druck gerieten jene Schwergewichte, die den Markt im vergangenen Monaten nach oben getrieben hatten. Dazu zählen Samsung Electronics, SK Hynix und Hyundai Motor. Diese Unternehmen hatten maßgeblich dazu beigetragen, dass koreanische Aktien zu den weltweit bestperformenden Märkten gehörten.

Der Kurssturz war so stark, dass der Handel sowohl im Kospi- als auch im Kosdaq-Index für 20 Minuten ausgesetzt werden musste, nachdem die Kurse um mehr als acht Prozent gefallen waren. Einige Marktbeobachter führen den dramatischen Rückgang auf Zwangsverkäufe hoch gehebelter Positionen zurück.

„Die Bewegungen sind so extrem, dass Prognosen derzeit kaum möglich sind – klassische Analyse hilft hier kaum weiter“, erklärte An Hyungjin, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Billionfold Asset Management in Seoul. Auch Privatanleger seien zunehmend zögerlich geworden, während Kaufaufträge seit dem Vortag deutlich zurückgingen. Zwar setze sein Unternehmen weiterhin auf qualitativ hochwertige Aktien und Absicherungsstrategien, doch eine klare Kaufchance sehe man aktuell nicht.

Aktien unter Druck: Koreas Aktienmärkte setzen Crash fort
Koreas Aktienmärkte setzen Ausverkauf fort

KI-Boom treibt Mega-Rally

Der Boom rund um künstliche Intelligenz hatte zuvor eine fulminante Rally an den koreanischen Börsen ausgelöst. In der Spitze legte der Kospi-Index in diesem Jahr um fast 50 % zu. Insbesondere die hohe Nachfrage nach Speicherchips ließ die Aktien von Samsung und SK Hynix stark steigen.

Doch mehrere Faktoren trüben inzwischen die Stimmung. Der starke Anstieg der Ölpreise infolge des Iran-Kriegs gefährdet die Aussicht auf Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed. Gleichzeitig geraten importabhängige Volkswirtschaften unter Druck – Südkorea ist der achtgrößte Rohölverbraucher der Welt.

Viele Anleger überdenken daher ihre stark gestiegenen Aktienpositionen. Kurz vor dem zweitägigen Crash war die Margin-Verschuldung auf neue Rekordstände gestiegen, da Privatanleger die Rally mit kreditfinanzierten Käufen verstärkt hatten.

„Es gab sehr viele Käufe auf Kredit, insbesondere bei den großen Indexwerten“, sagte Kim Dojoon, Geschäftsführer und Investmentchef von Zian Investment Management. Investoren hätten häufig nur 30 % bis 40 % Eigenkapital hinterlegt. Diese Positionen stünden nun unter Druck und würden teilweise zwangsweise liquidiert. Sollten die Aktienmärkte weiter fallen, sei kaum jemand bereit, ins fallende Messer zu greifen.

Auch die Behörden beobachten die Situation genau. Lee Eog-weon, Vorsitzender der südkoreanischen Finanzaufsicht, forderte die zuständigen Institutionen am Dienstag auf, im Bedarfsfall bestehende Notfallmaßnahmen zu aktivieren.

Aktienmärkte zwischen Risiko und Chancen

Zu den möglichen Instrumenten gehört unter anderem ein Marktstabilisierungsfonds mit einem Volumen von mehr als 100 Billionen Won (rund 68 Milliarden Dollar). Ein ähnlicher Mechanismus wurde bereits während der Legoland-Kreditkrise eingesetzt.

Über weite Strecken des vergangenen Jahres galten koreanische Aktien als globaler Sonderfall. Während viele asiatische Aktienmärkte unter Druck standen, stiegen sie selbst an schwachen Börsentagen weiter. Die enorme Nachfrage nach Speicherchips sowie Reformbemühungen der Regierung, die auf eine Modernisierung der Unternehmensstrukturen abzielen, hatten den lange unterbewerteten Markt neu bewertet.

Der aktuelle Ausverkauf stellt diese Widerstandsfähigkeit nun auf die Probe. Investoren diskutieren intensiv, ob der Rückgang einen grundlegenden Wendepunkt markiert – oder lediglich eine überfällige Korrektur vor einer möglichen nächsten Aufwärtsphase darstellt.

„Das sieht eher nach dem Abbau überfüllter Positionierungen aus als nach einem fundamentalen Problem speziell in Korea“, erklärte Dave Mazza, Geschäftsführer von Roundhill Investments. Wenn die globale Risikobereitschaft sinke und gleichzeitig Energie- sowie Währungsschwankungen zunehmen, komme es häufig zu schnellen Risikoabbauten bei den größten und liquidesten Indexwerten.

Globale Fonds verkaufen weiterhin koreanische Aktien
Globale Fonds verkaufen weiterhin koreanische Aktien

Ausverkauf und steigende Volatilität

Ausländische Investoren verkauften während des Vormittagshandels Kospi-Aktien im Wert von mehr als einer Billion Won. Privatanleger kauften zwar weiterhin zu, jedoch deutlich vorsichtiger als noch am Vortag. Der Kospi-200-Volatilitätsindex – ein Maß für die Preise von Optionen – stieg auf den höchsten Stand seit März 2020.

„Mehrere lokale Broker haben begonnen, die Vergabe von Margin-Krediten einzuschränken“, sagte der Aktienhändler Shawn Oh von NH Investment & Securities in Seoul. Gleichzeitig sei das typische „Buy-the-Dip“-Verhalten der Privatanleger deutlich schwächer geworden. Aufgrund möglicher Margin-Calls könne es insbesondere in der letzten Handelsstunde zu weiteren Kursrückgängen kommen.

Trotz der breiten Verluste an den Aktienmärkten entwickelten sich einige Branchen positiv. Die Aktie des Rüstungsunternehmens LIG Nex1 stieg, da Analysten davon ausgehen, dass die Instabilität im Nahen Osten anhalten könnte. Auch der Raffineriebetreiber S-Oil legte zeitweise um bis zu 25 % zu.

Nach Ansicht einiger Analysten könnten sich aus der aktuellen Marktschwäche selektive Chancen ergeben. Unternehmen und Branchen, deren Bewertungen deutlich gefallen sind, könnten für langfristige Investoren wieder attraktiver werden.

„Die aktuelle Situation könnte Möglichkeiten schaffen, Positionen in Aktien von Unternehmen und Branchen aufzubauen, die nun zu attraktiven Preisen gehandelt werden“, sagte Park Sojung, Portfoliomanagerin bei Matthews Asia. Besonders koreanische Industriewerte wie Rüstungs- und Schiffbauunternehmen könnten erneut profitieren – unter anderem durch geopolitische Spannungen, begrenzte Produktionskapazitäten weltweit und die wachsende strategische Bedeutung Südkoreas.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Und wieder haben alle, die in ihren Vorträge stets erzählen, „kaufen, wenn die Kanonen donnern“, die Hosen voll. Jämmerlich.
    Wer jetzt verkauft hat, sollte einfach auf Gold umsteigen. Da fehlt es an den nötigen Nerven für die Börse.

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