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Kreditausfälle dank Coronakrise? Obacht, was die Bundesbank dazu sagt

Claudio Kummerfeld

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Skyline von Frankfurt - Kreditausfälle als Riesenproblem?

Die Rettungsmaßnahmen des deutschen Staates haben auch mal ein Lob verdient! Vielen wird derzeit durch die Coronakrise geholfen, zum Beispiel mit dem Instrument der Kurzarbeit (wahrscheinlich gut 10 Millionen Betroffene). Mit 100 Prozent Staatshaftung kann die bundeseigene KfW derzeit den Markt überfluten mit Krediten für Unternehmer und Konzerne. Das hilft vielen Betrieben das Überleben zu sichern. Doch nach der Krise? Was kommt danach? Wir erwähnen es seit Wochen. Die Kreditausfälle der Privatbanken können noch ein riesiges Problem werden!

Kreditausfälle werden kommen

Nach dem Ende der eigentlichen Coronavirus-Krise ist die wirtschaftliche Krise nämlich nicht zu Ende. Sie beginnt gerade erst. Denn die gestundeten Mieten und aufgenommenen KfW-Kredite müssen nun über Jahre hinweg abgestottert werden. Und bei den allermeisten Betrieben wird die Einnahmeseite noch lange Zeit unter der Zeit vor der Coronakrise hängen bleiben. Viele, sehr viele Kreditausfälle rollen wohl auf die deutsche Bankenlandschaft zu. Und das natürlich auch durch Privatkunden! Die Bundesbank hat heute eine Denkschrift veröffentlicht mit dem Titel „Der Bankensektor im Zeichen der Pandemie – die Perspektive der Bundesbank“. Hier glaubt man daran, dass die Lawine der Kreditausfälle ab dem 3. Quartal des Jahres startet.

Interessant ist die Aussage der Bundesbanker, dass man die Banken dazu in der Lage sehe Kreditausfälle zu verkraften, wie sie in den Jahren 2003 und 2009 aufgetreten seien. Aber wie man nun mal sagen muss: Diese Krise ist größer, heftiger und wird strukturell tiefe Wunden hinterlassen. Dass die Kreditausfälle kleiner oder maximal genau so groß ausfallen wie 2009, das ist doch eine recht optimistische Annahme! Also, Augen zu und durch? Wird schon irgendwie werden? Da rollt ein Problem auf die Banken zu! Hier die nach unserer Meinung entscheidenden Aussagen der Bundesbank von heute:

Die größten Sorgen machen mir als Aufseher die Kreditrisiken, die voraussichtlich vermehrt ab dem dritten Quartal schlagend werden.

Lassen Sie uns hierzu noch etwas in die Details gehen: Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige stehen im Fokus – sie machen etwa ein Viertel aller vergebenen Kredite aus. Diese Kredite laufen recht lange – mehr als 2/3 des Kreditvolumens hat eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren. Moratorien, Bilanzierungs- und Abschreibungsregeln führen hier zu einem Zeitgewinn – nicht mehr und nicht weniger. Außerdem helfen die KfW-Kredite und andere staatliche Maßnahmen dabei, Unternehmen solvent zu halten.

Der „Moment der Wahrheit“ aber wird kommen, wenn sich die Kreditrisiken materialisieren. Wir wissen nicht, wie sich der Wertberichtigungsbedarf entwickelt. Das verfügbare Kapital ist aber ausreichend, um Wertberichtigungsquoten, wie wir sie 2003 oder 2009 gesehen haben, im Aggregat zu decken. Auch wenn die Kreditvergabe aktuell schnell und effizient laufen muss, ist für uns als Aufsicht klar: Das Vorsichtsprinzip bei der Kreditvergabe muss weiterhin gelten.

Blinde Kreditvergabe heute würde zu einer Flut von faulen Krediten morgen führen. Wir sollten heute keine „Altlasten“ schaffen, die uns alle womöglich weit in die Zukunft belasten. Deshalb gilt: Die Prozesse in den Banken müssen risikoorientiert bleiben. Die höheren Risiken dürfen das Verlustabsorptionspotenzial der Banken nicht übersteigen.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Tom

    5. Mai 2020 18:52 at 18:52

    Der Zusammenbruch in der Finanzkrise betraf spekulative und gehebelte Finanzpakete.
    Die Verluste wurden auf 4,1 Billionen Dollar geschätzt.

    Das waren über 6 % des damaligen Weltwirtschaftsprodukts. Die Amerikaner haben ihre halbe Autoindustrie verstaatlicht um sie zu retten.

    Wir dürfen nicht rückblickend die Ausmaße nostalgisch romantisieren.
    Solange es in Deutschland ab jetzt wieder langsam aufwärts geht wäre ich nicht überrascht, wenn wir in der Zukunft gar nicht größere Schäden in einer Bilanz feststellen, als damals bei der Finanzkrise entstanden.

    Heftig ist gerade das Tempo.
    Shock and awe.
    Das kann psychologisch extrem wirken.
    Aber für die Realwirtschaft ist eine harte Rezession im Schnelldurchlauf von ca 12 Monaten besser zu überwinden als eine lang gezogenen Rezessionen.
    Vor Covid-19 standen die Zeichen der Konjunktur schlimmstenfalls auf ein Jahr der Stagnation. Egal was Youtuber so an Thesen aufstellen um Klicks zu erhalten (Motto „wer die schlimmsten Dinge vorher sagt bekommt die meisten Klicks und Abonnenten“).

    Diese Welt ist noch da, in Wartestellung. Wir müssen dafür sorgen, dass das so bleibt und möglichst weitreichend dann wieder dort weitergemacht werden kann wo wir im März aufgehört haben.
    Das können staatliche Programmen sehr effektiv leisten.

    2009, nicht 1929, droht und. Und das wird hart genug. Aber wir können viele Lektionen aus 2009 verwenden.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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