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Kredite an Unternehmen in der Eurozone explodieren- der Grund dafür ist wenig erfreulich

FMW-Redaktion

Ob die EZB darauf stolz sein kann? In ihrer heutigen Veröffentlichung der quartalsweise erhobenen „euro area bank lending survey“ (Bankenumfrage zur Kreditvergabe) wurden 149 Banken in der Eurozone befragt. Dabei kam heraus: Nach +21% im 4. Quartal 2017 steigt die Kreditnachfrage von Unternehmen im zweiten Quartal nacheinander dramatisch stark an, nämlich nochmal um 15%. Aber warum?

Die EZB ist in der Tat stolz auf den Grund. Denn die eigene Politik (Niedrigzinsen + Anleiheaufkäufe) hätten dafür gesorgt, dass sich nicht nur die Kreditkonditionen verbessert haben (Banken bieten niedrigere Zinsen an). Nein, die EZB schreibt auch ganz offiziell, was der Hauptgrund für die starke Zunahme bei den Unternehmenskrediten ist.

Die Mindestvoraussetzungen um einen Bankkredit erhalten zu können, hätten sich in großem Umfang abgeschwächt, so die EZB. Gemeint damit sind laut EZB bankinterne Richtlinien und Genehmigunskriterien zur Kreditvergabe. Im 4. Quartal hätten sich die Vorschriften und Vorgaben der Banken für die Kreditvergabe überhaupt nicht abgeschwächt, aber im 1. Quartal seien sie um 8% schwächer geworden, so die EZB. Im Klartext: Unternehmen, die aufgrund zu schlechter Unternehmensdaten letztes Jahr keine Bankkredite erhielten, bekommen jetzt sehr viel leichter an Kredite.

Man ist doch tatsächlich stolz, dass man hiermit ganz frisch eine neue Halde notleidender Kredite produziert? Hat man bei der EZB etwa nichts aus der Finanzkrise gelernt, oder will man es ganz bewusst nicht sehen? Denn Notenbank und Politik wollen ja gerade in Italien, Spanien und Co die Wirtschaftsleistung wieder ankurbeln – offenbar sind dazu alle Mittel recht.

Und ohhh je, was kommt da auf uns alle zu? Welch Zufall, dass gerade Mario Draghi EZB-Chef ist. Die Kreditvoraussetzungen der Banken werden vor allem in Italien für Unternehmen massiv erleichtert, nämlich um 20% bei einem Schnitt von 8% in der Eurozone. Und die Kreditnachfrage von Unternehmen in Italien liegt bei +30%, bei einem Eurozonen-Schnitt von +15%. Das sieht übel aus. Wenn die Kreditnachfrage so stark steigen würde, ohne dass die Voraussetzungen zur Kreditvergabe erleichtert werden – das wäre etwas anderes! Aber die Banken vergeben offenbar massiv mehr Kredite an Unternehmen, die noch letztes Jahr nicht den Vergabekriterien für Kredite entsprachen.

Kreditnachfrage Banken

Hier im Wortlaut der EZB zur Absenkung der Kreditstandards bei Banken:

Credit standards for loans to enterprises eased considerably in net terms in the first quarter of 2018, according to the April 2018 bank lending survey (BLS). The net easing (-8%) of credit standards – i.e. banks’ internal guidelines or loan approval criteria – follows on from unchanged credit standards (0%) for loans to enterprises in the previous quarter and was stronger than anticipated by banks in the previous survey round. In addition, credit standards on loans to households for house purchase eased further (net percentage of reporting banks at -11%, after -6%), and credit standards on consumer credit and other lending to households eased somewhat (-3%, after -1%). Across the three segments, competitive pressure, risk perceptions and banks’ risk tolerance had an easing impact on credit standards, while banks’ cost of funds and balance sheet constraints were broadly neutral. For the second quarter of 2018, banks expect a net easing of credit standards in all three segments.



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5 Kommentare

  1. Also sind maximal hohe Kreditvergabestandards aus Sicht der FMW immer optimal und jede Verringerung der Standards (innerhalb der regulatorischen Vorschriften) schlecht?

  2. Wenn Macron und der Rest der Staatschefs Mutti weich gekocht haben, wird der deutsche Michel es schon richten. Die schaffen uns!

  3. die Notenbanken bringen das gesamte Geldsystem Schritt für Schritt näher an den Kollaps. Kann mir kaum vorstellen, dass die das aber nicht hinter verschlossener Tür auch so sagen. Ein Problem wird es wenn es von immer mehr Menschen erkannt wird. Die Inflation ist aus meiner Sicht jetzt schon für viele Leute erkennbar – wenn das dann dort erst richtig anzieht, dann bin ich mal gespannt wie man das dann den Leuten beibringen will.

    1. oh ja die Inflation.. 1,6%…

      Weshalb sollte die denn richtig anziehen? Die Arbeitslosigkeit ist in der Eurozone noch immer hoch, die Kapazitäten nicht voll ausgelastet, das Lohnwachstum eher niedrig und das Geldmengenwachstum weit, weit geringer als zu goldenes Bundesbankzeiten.

      1. bei 1,6 % :)….ja genau dieveröffentlichten Zahlen….auch bei fmw hier war mal ein Bericht vor ca. 1-2 Monaten – das war ein Video, dass recht gut aufgezeigt hat wie dort an den Zahlen gedreht wird (diesen Warenkorb dort passt man doch nach belieben an – wieman es braucht)……..schauen Sie mal auf die Rohstoffpreise(vor allem Öl)…..die Entwicklung des Ölpreises hat auf alle Bereiche Auswirkungen…….natürlich wird das an den Endkundenweitergegeben……die Lebensmittelpreise haben im letzten Jahr schon massiv angezogen………..das wirkt sich in derEndkonsequenz natürlich aufdas Verbraucherverhalten aus und die Gewinne der Unternehmen könnten dadurch zurückgehen…

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