In diesem Jahr hat China schon weit mehr LNG umgeladen und verschifft als im letzten Jahr. Da die eigene Produktion und Pipeline-Lieferungen offenbar ausreichen, um die schwächere Nachfrage im Land zu decken, sind Kapazitäten frei, um an der Knappheit in Asien und hohen Preisen durch den Iran-Krieg kräftig mitzuverdienen.
China auf Preisanstieg fokussiert
Der wichtigste Partner von Russland habe Rekordmengen an Gas weiterverkauft, hieß es beim russischen Nachrichtenportal Lenta.ru am 1. April. China habe beschlossen, inmitten der Nahostkrise erheblich vom starken Preisanstieg für Kohlenwasserstoffe zu profitieren.
Internationalen Medien zufolge haben chinesische Unternehmen Rekordmengen an Flüssigerdgas (LNG) weiterverkauft, da China über ausreichende inländische Ressourcen und Pipelinekapazitäten verfügt, um die gesunkene Inlandsnachfrage zu decken.
Rekordexport im ersten Quartal erzielt
Allein im März exportierte China, das zuvor als größter Importeur dieses Energieträgers galt, acht bis zehn LNG-Schiffsladungen und damit die höchste jemals verzeichnete Menge, wie die Analyseunternehmen ICIS, Kpler und Vortexa berichten. Insgesamt kamen im ersten Quartal 19 Schiffsladungen zusammen, die die Rekordmenge von 1,31 Millionen Tonnen LNG umfasste.
Zehn Schiffsfrachten gingen laut Daten von Kpler nach Südkorea, fünf nach Thailand und der Rest nach Japan, Indien und auf die Philippinen. 2025 verkaufte China im Vergleich dazu 0,82 Millionen Tonnen und erzielte 2023 mit 0,98 Millionen Tonnen das zweithöchste verzeichnete Jahresergebnis.
„Angesichts der schwachen Inlandsnachfrage machte es für Käufer mehr Sinn, LNG-Frachten ins Ausland weiterzuverkaufen“, schloss daraus Wang Yuanda, Analyst bei ICIS und fügte hinzu, dass die Iran-Krise die Spotpreise für LNG zusätzlich in die Höhe getrieben habe. „Da die Heizperiode vorbei ist und die Spotpreise gut sind, gab es keinen Nachfragedruck, so dass China seine Frachten umladen konnte.“
Asien besonders betroffen
Seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar sind die asiatischen LNG-Preise um 85 Prozent gestiegen, weil Energielieferungen durch die Straße von Hormus ausbleiben, über die etwa ein Fünftel des weltweiten LNG-Verkehrs abgewickelt wird. Hinzukam die Stilllegung des weltgrößten LNG-Komplexes Ras Laffan in Katar aufgrund von Kriegsschäden.
Wie Medien berichteten, stehen deswegen vor allem asiatische Länder vor erheblichen und anhaltenden Problemen in der Energieversorgung. Vor dem Iran-Krieg seien bis zu 90 Prozent des LNG aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Asien gegangen. Im vergangenen Monat seien die LNG-Importe von asiatischen Ländern so stark gesunken wie seit 2020 nicht mehr, als die pandemiebedingten Lockdowns die Energienachfrage drastisch einbrechen ließen. Laut Bloomberg sanken die Importe im März um 8,6 Prozent auf insgesamt 20,6 Millionen Tonnen. Weitere Preissteigerungen sollen folgen.
Alternativen gefragt
Um die Auswirkungen abzufedern, suchten asiatische Energieimporteure nach alternativen Bezugsquellen. Da nun auch mehrere große australische LNG-Produktionsanlagen durch einen Zyklon beeinträchtigt wurden, habe sich die Auswahl an Lieferanten deutlich verringert. Hier griffen einige nun auf US-amerikanisches LNG zurück und sicherten sich Ladungen, die ursprünglich für Europa bestimmt waren. Seit Anfang März hätten fast ein Dutzend LNG-Tanker ihre Route von Europa nach Asien umgeleitet.
Dies und lukrative Preise bieten China einen Anreiz, sich als alternative Bezugsquelle für asiatische Länder mit hohem Bedarf zu positionieren. Laut einem Bericht von Vortexa-Analysten wickelte das Terminal Binhai von CNOOC in der Provinz Jiangsu im März fast die Hälfte der chinesischen LNG-Umladungen ab. Diese LNG-Umladungen stehen Chinas Entscheidung vom letzten Monat entgegen, den Export von Kraftstoffen zu verbieten, um die Versorgung des Inlandsverbrauchs angesichts der kriegsbedingten Rohölknappheit zu sichern.
Mehr Ressourcen gesichert
Außer der schwächelnden Inlandskonjunktur kann China auf günstige Gasimporte per Pipeline und Schiff aus Russland zurückgreifen. Im Februar trat das russische Ratifizierungsgesetz zum Protokoll über die Zusammenarbeit von China und Russland beim Yamal-LNG-Projekt und über zusätzliche Regelungen bei der Durchführung gemeinsamer Projekte zur Entwicklung der LNG-Produktion in Kraft. Es verschafft China Zugriff auf sämtliche russische LNG-Kapazitäten an der arktischen Seidenstraße.
Im letzten Jahr erhöhte China nach Angaben der offiziellen Zollbehörde die LNG-Importe aus Russland gegenüber 2024 um 18,3 Prozent auf 9,8 Millionen Tonnen. Die Lieferungen über die Pipeline Kraft Sibiriens 1 erreichten 38,8 Milliarden Kubikmeter Gas und übertrafen damit die vertraglich vereinbarten Mengen von Gazprom. Im letzten September einigten sich Peking und Moskau hier auf einen Anstieg auf 44 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr.
Zusammen mit der Anschlussgasleitung an der fernöstlichen Landesgrenze Russlands, die nach ihrer Inbetriebnahme 2027 im Jahr von 10 auf 12 Milliarden Kubikmeter Gas liefern soll, und der geplanten Gasleitung Kraft Sibiriens 2 erhöht sich der Gasexport von Russland nach China auf 106 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Erst kürzlich fand Kraft Sibiriens 2 unter dem Namen Erdgaspipeline China-Russland Eingang in den chinesischen Fünfjahresplan 2026-2030. Dies sei unter dem Eindruck des Nahostkonflikts erfolgt.
China gräbt Gewinne ab
Allerdings ist mit der Fertigstellung dieser Gasleitung nicht zeitnah zu rechnen. Lukrativer dürfte es daher für China sein, die Kapazitäten auf der Halbinsel Yamal, die bis zum Ausstieg der EU aus russischen LNG-Importen bis Anfang 2027 in Beschlag sind, in die eigene Rechnung aufzunehmen. Die freiwerdenden Eistänker könnten dann ebenfalls über die Nordostpassage LNG nach China liefern, das von dort weiter verteilt wird, um die Lücken zu füllen, die ausbleibende Lieferungen aus dem Nahen Osten reißen.
Darüber hinaus erhöhte sich in China im letzten Jahr nach Zahlen des Jahresbericht 2025 zum chinesischen Erdgasmarkt von SunSirs die Gasproduktion um 6,2 Prozent auf 261,9 Milliarden Kubikmeter Gas. Dies sei das achte Jahr in Folge mit einem Produktionswachstum von über 10 Milliarden Kubikmetern Gas. Das puffert Importausfälle ab und macht zugleich Ressourcen zum Umladen und Verschiffen von LNG an umliegende Nachbarn frei. Damit profitiert China von der Preisrally durch den Iran-Krieg und gräbt seinem strategischen Partner Russland Gewinne ab, weil sich die Logistikkette für den roten Drachen günstiger ausmacht.
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Wenn man mit dem größten Rohstoffhändler der Welt zusammenarbeitet, dann klappt es auch mit dem Gas im Überfluss.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut