Während geopolitische Spannungen wie der Iran-Israel-Konflikt und der von Trump angezettelte Zollstreit die Welt beunruhigen, sendet die Wall Street ein überraschend klares Signal: Technologieaktien bleiben erste Wahl. Trotz Turbulenzen treibt der Tech-Sektor den S&P 500 an und bietet Anlegern aus Sicht führender Wall-Street-Strategen nicht nur Stabilität, sondern auch Wachstumspotenzial. Warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Investment in Tech-Aktien sein könnte – und worauf Experten wirklich setzen.
Wall Street rät zum Kauf von Tech-Aktien
Während die Spannungen im Nahen Osten zu Wochenbeginn zunahmen, hatten die Strategen der Wall Street eine Botschaft für US-Aktienanleger: „Bleiben Sie ruhig und kaufen Sie in fallende Aktienmärkte hinein!” Diese Empfehlung erwies sich am Dienstag als richtig, nachdem Präsident Donald Trump einen Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran angekündigt hatte.
Laut einem Bericht von Bloomberg empfehlen sowohl Paul Christopher vom Wells Fargo Investment Institute als auch Sam Stovall vom Marktforschungsunternehmen CFRA langfristigen Anlegern, in Informationstechnologie, Kommunikationsdienste und Finanzwerte zu investieren. Dennis DeBusschere von 22V Research bevorzugt Wachstums- und Momentum-Aktien, die überwiegend im Nasdaq 100 zu finden sind.
Diese Empfehlungen weichen von den üblichen Ratschlägen in Zeiten von Krieg und Ungewissheit ab. In der Regel werden dann defensive Aktien bevorzugt. Die Strategen sind jedoch zuversichtlich, dass der iranisch-israelische Konflikt keine dauerhaften Auswirkungen auf Tech-Aktien haben wird. Technologieunternehmen, die für ihre krisensicheren Bilanzen und hohen Bargeldbestände bekannt sind, bieten im Falle eines Aufflammens der Spannungen Schutz.
„Die historische Erfahrung hat gezeigt, dass geopolitische Risiken jedes Mal eingedämmt werden konnten, und die Aktienmärkte daran gewöhnt sind“, sagte Venu Krishna, Stratege bei Barclays, am Montag in einem Interview mit Bloomberg TV. „Daher extrapolieren wir das noch einmal.“ Das vollständige Interview ist ab 1:43 Std. zu sehen.
Der Tech-Sektor führt den S&P 500 an
Inmitten der jüngsten Spannungen zwischen Israel und dem Iran führt die Technologiebranche den S&P 500 an, während traditionelle defensive Werte wie das Gesundheitswesen und Versorgungsunternehmen zurückbleiben.
Bislang scheinen die Händler dies zur Kenntnis zu nehmen. Am Montag stieg der S&P 500 nach einem kurzen Rückgang um fast ein Prozent, unterstützt von Technologiewerten. Dieser Anstieg setzt sich auch am Dienstag fort, nachdem Trump einen Waffenstillstand angekünigt hatte. Die Vergeltungsschläge des Irans auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Katar wurden dabei als symbolisch angesehen. Seit Beginn der iranisch-israelischen Auseinandersetzungen Mitte Juni wird der S&P 500 von Tech-Aktien angeführt, während der Gesundheitssektor – ein defensiver Sektor – der größte Verlierer ist.

„Defensiv zu sein, bedeutet, auf einen Marktrückgang zu wetten – das ist etwas, was wir nicht sehen”, sagte Michael Kantrowitz, Chefanlagestratege bei Piper Sandler & Co. „Solange die Gewinnschätzungen weiter steigen, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen unter 4,5 % bleibt und der Ölpreis unter 85 $ pro Barrel liegt, werden die Aktienmärkte unserer Meinung nach weiter steigen“, so der Wall-Street-Stratege.
Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen lag am Dienstag knapp unter 4,4 %, während die Rohöl-Futures der Sorte West Texas Intermediate auf bis zu 64,4 $ pro Barrel fielen.
Wachstumsperspektive
Trotz aller Widrigkeiten gibt es nach wie vor Faktoren, die die Aktienmärkte antreiben. Michael Wilson, Stratege bei Morgan Stanley, bleibt ebenfalls optimistisch. Er sagte, das Eingreifen der USA in den Iran-Konflikt am Wochenende werde die Einschätzung des Unternehmens, dass die US-Aktien in den nächsten sechs bis zwölf Monaten ein Wachstum verzeichnen werden, nicht beeinträchtigen. Diese Aussichten bleiben intakt, es sei denn, es kommt zu einem signifikanten Anstieg der Ölpreise.
Der Haken an der Sache ist jedoch, dass sich die Bewertungen der Technologiewerte – insbesondere der größten Unternehmen – allmählich den Höchstständen nähern, die sie Anfang des Jahres erreicht hatten, bevor der Ausverkauf durch die Zölle im März und April ausgelöst wurde. Seitdem haben sich die Tech-Aktien im Zuge der Erholung des Gesamtmarktes wieder an die Spitze gesetzt.
Hohe Bewertungen als Risiko
Joe Gilbert, Portfoliomanager bei Integrity Asset Management, sieht in den hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen von Technologiewerten ein großes Risiko. Er setzt stattdessen auf Industrie- und Finanzwerte, die relativ attraktiv bewertet sind und bei denen ein Gewinnwachstum zu erwarten ist.
Der S&P 500 Information Technology Index ist derzeit mit dem 28-fachen des voraussichtlichen Gewinns bewertet, der S&P 500 Industrials Index liegt bei 23 und der S&P 500 Financials Index bei 17.
„Meine allgemeine Sorge ist, dass der Tech-Sektor sehr überlaufen ist”, so Gilbert.
Einige Marktbeobachter sehen in Megacap-Technologiewerten jedoch den zusätzlichen Vorteil, dass sie einen Zufluchtsort sowie Wachstumsaussichten bieten.
„In den letzten zehn Jahren haben die Aktienmärkte Mega-Cap-Technologiewerte in Zeiten der Ungewissheit als defensives Instrument geschätzt”, so Michael O’Rourke, Chefmarktstratege bei JonesTrading. „Die Unternehmen haben monopolähnliche Geschäftsfelder mit starken Cashflows und in der Regel eine geringe Verschuldung. Die Anleger sehen in der Größe Sicherheit.“
FMW/Bloomberg
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