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Kupfer, Aluminium, Bauholz – die Rohstoff-Hausse bringt Inflationsangst

Die Rallye bei wertvollen und wichtigen Rohstoffen nimmt beängstigende Ausmaße an. Da kann man wirklich Inflationsangst bekommen. Schauen wir hier auf die aktuelle Entwicklung bei Kupfer, Aluminium und Bauholz.

Aluminium

Wer sich derart schnelle Preissteigerungen anschaut, der kann durchaus Inflationsangst bekommen! In welcher Dimension gigantische Preissteigerungen bei wichtigen Basisrohstoffen und Industriemetallen letztlich beim Endverbraucher ankommen, und damit die offiziellen Verbraucherpreise antreiben (die Inflation), das ist noch unklar. Aber wer diese Preissteigerungen sieht, der kann sich der Erkenntnis kaum entziehen, dass der Druck auf die Endverbraucherpreise quer durch die Bank vorhanden sein dürfte. Bereits am 16. April berichteten wir über enorme Preissteigerungen bei Kupfer, Mais und Sojabohnen. Auch in den Tagen danach ging die Rallye weiter. Erst letzte Woche besprachen wir die ganze realen Auswirkungen der Preisexplosion für Bauholz in den USA auf den Wohnungsbau in Deutschland. Die Baupreise hierzulande gehen durch die Decke, und Bauholz wird knapp – eben weil die Amerikaner in einer Art Nachhol-Boom nach der Coronakrise jetzt Millionen neuer Häuser bauen (hauptsächlich aus Holz), und in großem Stil sogar Holz aus Deutschland aufkaufen.

Aluminium klettert immer weiter

Heute blicken wir erneut auf die Preise für wichtige Rohstoffe. Sie steigen weiter kräftig an. Aluminium schießt durch die Decke, um es mal so klar auszudrücken. Im Chart sehen wir den Kursverlauf seit Januar 2020. Seit dem Tiefpunkt bei 1.453 Dollar im April 2020 steigt der Preis bis jetzt auf 2.414 Dollar. Laut den Rohstoff-Experten der Commerzbank treiben neben der augenscheinlich guten Nachfrage die wiederholt geäußerten Angebotssorgen den Preis in die Höhe. Dabei sei China bislang einen Beweis schuldig geblieben, dass die Produktion in zwei Provinzen des Landes auch tatsächlich gedrosselt wurde, worüber zuletzt oft spekuliert wurde. Der vom International Aluminium Institute berichtete Anstieg war mit 8 Prozent nur unwesentlich geringer.

Auf Tagesbasis sei die chinesische Aluminiumproduktion demnach nur marginal hinter dem Rekordhoch des Vormonats zurückgeblieben. Und wegen der hohen Gewinnmargen der chinesischen Schmelzen – sie lagen laut dem Datenanbieter SMM zuletzt bei umgerechnet rund 680 USD je Tonne – werden diese ihre Produktion wohl nicht freiwillig drosseln. Die hohen Margen geben eher noch Anreiz zur weiteren Produktionsausweitung, so die Commerzbank. Man halte die Angebotssorgen für überzogen und den Preis für Aluminium für zu hoch. Aber wie man sieht, bis jetzt geht die Hausse ungebremst weiter. Der Terminmarkt ist zumindest bis zu diesem Augenblick offenkundig der Meinung, dass die globale konjunkturelle Erholung nach der Coronakrise die Nachfrage nach wichtigen Rohstoffen wie Aluminium enorm befeuern wird.

Chart zeigt Kursverlauf für Aluminium seit Anfang 2020
TradingView Chart zeigt Verlauf im Aluminium-Preis.

Kupfer boomt

Auch beim Preis für Kupfer ist kein Ende der Rallye in Sicht. Seit dem Tiefpunkt im März 2020 bei unter 4.800 Dollar ist der Preis bis jetzt geklettert auf 9.758 Dollar! Das Allzeithoch von Februar 2011 ist nicht mehr weit entfernt. Kupfer profitiert von der sehr optimistischen Stimmung am Terminmarkt. Denn das Interesse der Spekulanten nimmt deutlich zu. Laut der jüngsten Statistik der US-Terminmarktaufsicht CFTC haben die spekulativen Finanzinvestoren in der Woche bis zum 20. April ihre Netto-Long-Positionen um 17 Prozent ausgeweitet. Schaut man auf den Kursanstieg im Kupfer-Future, so kann man vermuten, dass sie ihre Wetten auf steigende Preise ausgeweitet haben. Jüngst unterstützten Streikmeldungen aus Chile den Preis für Kupfer, weil dadurch nämlich der Export kurzfristig behindert wird. Bei Kupfer gilt: Nicht nur der anstehende gigantische Nachfrageboom nach Rohstoffen hilft, sondern wohl auch die Energie- und E-Auto-Wende.

Grafik zeigt Kupfer im Kursverlauf seit Januar 2020
TradingView Chart zeigt Kursverlauf im Preis für Kupfer.

Bauholz Boom und kein Ende

Der Boom für Bauholz läuft immer weiter. Jüngst hört man zum Beispiel aus Niedersachsen von Preisanstiegen von 300 Prozent binnen eines Jahres. Die Nachfrage aus dem Ausland lässt folgerichtig auch die Preise für inländische Nachfrager explodieren. Denn warum sollten die Verkäufer von Bauholz ihr Produkt an Inländer günstiger verkaufen als an ausländische Nachfrager? Vor allem weil Holz ganz unmittelbar für den Hausbau in den USA so dringend benötigt wird, dürfte die Hausse hier viel fundamentaler untermauert sein als zum Beispiel bei Kupfer. Alleine seit unserem letzten konkreten Bericht über den Futurepreis für Bauholz vom 16. April ist der Preis von 1.260 Dollar auf aktuell 1.420 Dollar gestiegen. Diese Holz-Hausse weht die Inflation nach Deutschland, nämlich in die Baupreise für Häuser und Wohnungen, und in sonst alle Produkte, in denen Holz verarbeitet wird.

Chart zeigt Preisverlauf für Bauholz seit Januar 2020
TradingView Chart zeigt Preisverlauf für Bauholz.



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2 Kommentare

  1. Silber 2011 bei 49, heute bei 26
    Aluminium 2018 bei 27, heute bei 24
    Kupfer 2011 bei 46, heute bei 45
    Weizen 2008 1300, heute 750
    Öl und Gas sind auch nicht wirklich superteuer
    Eisenerz und Nickel haben auch schön Stände wie sie heute sind erreicht
    Mais und Sojabohnen waren 2008 und 2011 auch schon deutlich teurer
    auch Vieh war schon teurer
    Palladium, Bauholz sind wirklich teuer geworden
    Die FED und die EZB können mit ihren Betrachtungsweisen einer kurzfristigen Inflation recht behalten…das darf man nicht außer acht lassen…
    Die wenigsten die auf dieser Seite unterwegs sind haben in den letzten 20 Jahren gedacht, neee…heute kaufe ich mir keine Wurst…das ist zu teuer…und Fleisch kann es nur Sonntags geben…ist zu teuer…und das Auto kann ich nicht fahren…das Benzin ist viel zu teuer…und das Essen von vor 4 Tagen wärme ich mir jetzt nochmal auf, weil es war ganz schön teuer das zu kaufen…ich denke wir sollten die Preise realistisch einschätzen…ein Ölpreis von 10 Dollar ist nicht realistisch und einer von 120 Dollar auch nicht…wir befinden uns gerade in der Mitte von allem…

    1. Hallo Ranzentier,
      Vorsicht – als ich vor kurzem ähnliches darlegte, wurde ich von den Mitkommentatoren schwer als Inflationsleugner,… gedisst !

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