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Heimliche Gewinner des KI-Booms Kupfer und Aluminium: Wie KI den Rohstoff-Superzyklus antreibt

KI-Boom beflügelt Kupfer und Aluminium
Grafik: ChatGPT

Der KI-Boom könnte weit mehr Gewinner hervorbringen als nur Nvidia und andere Technologiekonzerne: Im Hintergrund profitieren zunehmend Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium, die für Rechenzentren, Stromnetze und die Elektrifizierung unverzichtbar sind. Während die Nachfrage nach Metallen strukturell steigt, sorgen geopolitische Risiken gleichzeitig für neue Sorgen auf der Angebotsseite. Diese Kombination lässt bei vielen Analysten und Anlegern Erinnerungen an frühere Rohstoff-Superzyklen wach werden.

KI treibt Industriemetalle

Der aktuelle Preisschub bei Kupfer und Aluminium ist nicht nur eine klassische Rohstoffrallye. Vielmehr treffen kurzfristige Angebotsrisiken auf langfristige strukturelle Nachfragetreiber. Besonders auffällig ist dabei der Zusammenhang mit dem KI-Boom. Denn künstliche Intelligenz braucht nicht nur Chips, Server und Rechenleistung, sondern vor allem enorme Mengen Strom. Neue Rechenzentren benötigen leistungsfähige Netzanbindungen, Transformatoren, Stromleitungen, Kühlsysteme und Speicherinfrastruktur. Genau hier kommen Rohstoffe wie Kupfer und Aluminium ins Spiel.

Kupfer gilt seit Jahren als Schlüsselrohstoff der Elektrifizierung. Das Metall wird für Stromkabel, Netze, Elektromotoren, Ladeinfrastruktur und Industrieanlagen gebraucht. Zwar bleibt die Elektromobilität ein wichtiger Faktor, da Elektroautos deutlich mehr Kupfer enthalten als klassische Verbrenner. Noch entscheidender dürfte jedoch der Ausbau der Stromnetze werden. Denn ohne neue Leitungen, Umspannwerke und Verteilnetze können weder KI-Rechenzentren noch erneuerbare Energien oder Elektrofahrzeuge im großen Stil versorgt werden.

Kupfer im Mittelpunkt

An der London Metal Exchange stieg Kupfer zuletzt um 1,4 Prozent auf 13.832 Dollar je Tonne. Damit nähert sich der Preis der psychologisch wichtigen Marke von 14.000 Dollar. Laut einem Bloomberg-Bericht wird die Bewegung unterstützt von der Erwartung knapperer globaler Versorgung und einer möglichen Zollentscheidung der Trump-Regierung, auf die Händler bereits schauen.

Zudem haben mehrere Analysten ihre Einschätzungen zuletzt deutlich angehoben. Goldman Sachs erhöhte laut Bloomberg seine Kupferprognose für das Jahresende in dieser Woche um mehr als zehn Prozent. Das unterstreicht, dass der Markt nicht mehr nur kurzfristige Spekulation handelt, sondern zunehmend strukturelle Engpässe einpreist. Neue Minen brauchen häufig viele Jahre, bis sie produzieren. Gleichzeitig wächst die Nachfrage durch Energiewende, Digitalisierung und Industrieelektrifizierung deutlich schneller.

Aluminium als heimlicher Gewinner

Obwohl Kupfer meist im Mittelpunkt steht, könnte Aluminium der heimliche Gewinner dieser Entwicklung werden. Das Metall ist leichter, günstiger und wird in vielen Bereichen als Alternative oder Ergänzung zu Kupfer eingesetzt, etwa bei Stromleitungen, Fahrzeugbau, Solaranlagen, Windkraft und Infrastrukturprojekten. Gerade beim Ausbau großer Stromnetze spielt Aluminium eine wichtige Rolle.

Der Aluminiumpreis legte zuletzt um 1,7 Prozent auf 3.778,50 Dollar je Tonne zu und notiert seit Jahresbeginn mehr als 25 Prozent höher. Für die Citigroup ist das kein Zufall: Die Bank erklärte im vergangenen Monat, Aluminium befinde sich in der bullischsten Angebots-Nachfrage-Konstellation seit mindestens einem halben Jahrhundert.

Die bullische Stimmung am Aluminiummarkt spiegelt sich auch in den Prognosen großer Investmentbanken wider. Greg Shearer, Leiter des Researchs für Industriemetalle und Edelmetalle bei JPMorgan, rechnet mit weiter steigenden Preisen. „Unsere kurzfristige Prognose bleibt, dass die Preise in Richtung 4.000 US-Dollar je Tonne steigen werden“, sagte Shearer im Interview mit Bloomberg Television.

Auch die Marktstruktur signalisiert Knappheit. Kurzfristig verfügbare Aluminiumkontrakte wurden zuletzt mit dem größten Aufschlag gegenüber Dreimonats-Futures seit 2007 gehandelt. Dieser sogenannte Premium-Aufschlag deutet auf eine wachsende Nachfrage nach sofort verfügbarer Ware hin.

Während die Aufmerksamkeit vieler Anleger auf Nvidia und dem Nasdaq 100 gerichtet ist, zeigt die Kursentwicklung von Aluminium eine weniger beachtete Seite der KI-Rallye: Seit Jahresbeginn hat das Industriemetall den Technologieindex sogar leicht outperformt und zählt damit zu den überraschenden Gewinnern des KI-Booms.

Rohstoff-Superzyklus: Industriemetalle Kupfer und Aluminium profitieren vom KI-Boom

Geopolitik verschärft Engpässe

Neben KI und Elektrifizierung spielt die Geopolitik eine zentrale Rolle. Der ungelöste Iran-Konflikt und die Blockade der Straße von Hormus verschärfen die Sorgen um Lieferketten. Nach Angaben von Bloomberg erklärte Iran, die Verhandlungen wegen israelischer Aktionen im Libanon auszusetzen. Das könnte die Bemühungen der Trump-Regierung um eine Verlängerung der Waffenruhe und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus erschweren.

HSBC-Analysten schrieben laut Bloomberg in einer Mitteilung: „Die Metallpreise befinden sich allgemein im Aufschwung, getrieben von Lieferunterbrechungen bei einigen Rohstoffen infolge des Iran-Konflikts und einer starken strukturellen Nachfrage.“ Zudem warnten sie, die Rohstoffmärkte stünden vor einem „Super-Squeeze“, solange die Straße von Hormus blockiert bleibe.

Besonders Aluminium ist davon betroffen. Die Region stand vor den US- und israelischen Angriffen auf Iran für rund ein Zehntel der weltweiten Produktion. Auch Kupfer könnte indirekt belastet werden, falls Lieferströme von Schwefelsäure aus dem Nahen Osten weiter unter Druck geraten.

Greg Shearer, Leiter der Research-Abteilung für Industriemetalle und Edelmetalle bei JPMorgan, spricht über den Aluminiummarkt und die Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf die Preise. „Unsere kurzfristige Prognose bleibt, dass die Preise in Richtung 4.000 US-Dollar je Tonne steigen werden“, sagte Shearer im Gespräch mit Bloomberg Television.

Neuer Rohstoff-Superzyklus?

Damit kommen mehrere klassische Zutaten eines Rohstoff-Superzyklus zusammen: jahrelange Unterinvestitionen, steigende Infrastrukturprogramme, geopolitische Risiken, Energiewende, KI-Rechenzentren und ein wachsender Strombedarf. Kupfer und Aluminium gehören derzeit zu den wichtigsten Industriemetallen für die Energiewende und den Ausbau der KI-Infrastruktur. Doch auch andere Rohstoffe wie Uran, Seltene Erden, Silber oder Nickel könnten von ähnlichen Trends profitieren.

Für Anleger ist entscheidend: Die Rallye bei Industriemetallen basiert nicht nur auf kurzfristiger Krisenangst. Vielmehr verändert sich die industrielle Nachfragebasis. Wenn KI, Stromnetze und Elektrifizierung gleichzeitig wachsen, könnte der Bedarf an Metallen über Jahre hoch bleiben. Genau diese Kombination macht Kupfer und Aluminium derzeit so spannend – und den möglichen Rohstoff-Superzyklus zu einer der wichtigsten Marktgeschichten des Jahres.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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