Allgemein

Kurzarbeit für 10,1 Millionen Arbeitnehmer angemeldet!

Beispielbild für einen Industriearbeiter

Das Thema Kurzarbeit überschattet aktuell alles andere! Der deutsche Arbeitsmarkt im April ist auf den ersten Blick gar nicht so schlimm, aber auf den zweiten um so schlimmer. Wurde noch vor Kurzem ein Stand von 718.000 Unternehmen gemeldet, die Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter beantragt haben, so konnten wir nur wild spekulieren, wie viele Arbeitnehmer betroffen sein würden. Denn das Prinzip der Kurzarbeit geht so, dass die Meldung für die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter erst im Nachhinein erfolgt.

Kurzarbeit explodiert

Man konnte wie gesagt nur grob schätzen oder raten. 2, 3 oder 4 Millionen Menschen in Kurzarbeit? Aber nein, heute wissen wir es besser, wenn auch noch nicht ganz genau. Laut aktueller Veröffentlichung der Bundesagentur für Arbeit haben im März und bis zum 26. April 2020 751.000 Unternehmen für insgesamt bis zu 10,1 Millionen Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden, so die Agentur. Nichts desto trotz sei dies eine im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten nie da gewesene Zahl und übersteige noch um ein Vielfaches die Zahl der Anzeigen für Kurzarbeit während der Großen Rezession 2008/2009. Im gesamten „Krisenjahr“ 2009 gingen bei den Agenturen für Arbeit Anzeigen für 3,3 Millionen Menschen ein. Was für ein Schock, möchte man da sagen!

Arbeitslosigkeit nur etwas angestiegen

Durch das Instrument der Kurzarbeit können viele Arbeitnehmer über eine gewissen Zeit offiziell von der Arbeitslosigkeit ferngehalten werden. Kommt die Konjunktur wieder in Fahrt, rettet dieses Instrument dann auch ganz real vor dem Jobverlust. Wohl vor allem aufgrund dieses Instruments ist die offizielle (!) Arbeitslosigkeit in Deutschland im April „nur“ um 414.868 im Vergleich zu April 2019 gestiegen, auf 2,64 Millionen Personen. Von März auf April 2020 ist die Arbeitslosigkeit um 373.000 Personen gestiegen. Die Arbeitslosenquote steigt auf 5,9 Prozent nach 5,1 Prozent im März und 4,9 Prozent im April 2019. Wie gesagt, die Kurzarbeit hält diese nicht arbeitenden Menschen derzeit raus aus der Arbeitslosenstatistik. Springt die Konjunktur wieder an, kann sich die Arbeitslosigkeit auch in Grenzen halten. Aber man warte mal die Langzeitauswirkungen der Coronakrise ab, denn da dürfte noch einiges an Firmenpleiten auf uns zukommen, und in dessen Folge auch echte zusätzliche Arbeitslosigkeit! Hier weitere Detailaussagen von der Bundesagentur für Arbeit auszugsweise im Wortlaut:

Die Unterbeschäftigung, die auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, hat sich saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 244.000 erhöht. Damit wächst die Unterbeschäftigung weniger stark als die Arbeitslosigkeit. Dies liegt zu einem großen Teil daran, dass wegen der Kontaktbeschränkungen Angebote der Arbeitsmarktpolitik nicht zum Einsatz kamen. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im April 2020 bei 3.466.000 Personen. Das waren 271.000 mehr als vor einem Jahr.

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist infolge der Corona-Krise regelrecht eingebrochen. Im April waren 626.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 169.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich der Bestand der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen um 66.000 verringert. Das Ausbleiben von Stellenneumeldungen schlägt hier vornehmlich zu Buche. Der BA-Stellenindex (BA‑X) – ein Indikator für die Nachfrage nach Personal in Deutschland – sank im April 2020 um 19 auf 94 Punkte. Er liegt damit 37 Punkte unter dem Vorjahreswert.

Kurzarbeit überdeckt die sonstigen Detaildaten vom Arbeitsmarkt



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. wenn man Kurzarbeit für die Firmen kostenlos macht, muss man sich nicht wundern, dass es mehr genutzt wird…

    1. Schauen sie sich doch mal, diesen Unsinn mit den Anträgen zur Hilfe an! Das ist doch idiotischen Politiker Hirnen entsprungen, die noch nie für ihre Arbeit den Kopf hinhalten mussten.
      Das einfachste wäre es doch gewesen, diese Hilfen über die letzte Einkommensteuererklärung zu gewähren. Nein, Politiker Dummköpfe laden hier doch ausländische Mitbürger zum Betrügen ein. Es ist wie mit dem Kindergeld für im Ausland lebende Kinder und den Meldungen mit Mehrfach Identitäten!

    2. Kurzarbeit wurde für Unternehmen leicht wie nie gemacht, überspitzt gesagt kann das jeder in Anspruch nehmen dessen Geschäft zwar etwas geschrumpft ist aber der genug Reserven hätte die Krise locker 2 Jahre durchzufinanzieren.
      Mehr noch, er wäre ja blöd es nicht in Anspruch zu nehmen und so sein Risiko auf den Staat zu übertragen, wenn es der Konkurrent sicher macht und damit wettbewerbsfähiger wäre.

      Und schon gar nicht ist die schiere Anmeldung mit Vollzeitstellen gleichzusetzen.
      Schon ab 10% Beschäftigungsausfall kann Kurzarbeit in Anspruch genommen werden können, im Grunde also schon innerhalb komplett unproblematischer Geschäftsschwankungen die ein Unternehmer normalerweise kompensieren können muss.

      Ich will nicht sagen, dass hier Steuergeld verschwendet wird, auf lange Prüfungen können diejenigen die es wirklich brauchen nämlich nicht warten, im Zweifelsfall geht Hilfe jetzt vor.
      Aber um Himmels Willen nicht diese Anmeldung mit tatsächlicher Inanspruchnahme gleichsetzen, schon gar nicht mit Vollzeitstellen und auch nicht mit gefährdeten Arbeitsplätzen.
      Deren Anteil kann ich auch nicht besser als jeder andere quantifizieren. Aber wer denkt einen Arbeitsplatz mittelfristig nicht mehr finanzieren zu können der lässt ihn auch nicht mit Kurzarbeit besetzt, denn auch die verursacht dem Unternehmen schließlich Kosten, der streicht gleich die entsprechenden Stellen. Da sind die 300.000 zusätzlichen Arbeitslose eigentlich die relevante Größe und die ist noch beruhigend klein. Es bräuchte schon jeden Monat einen Anstieg in dieser Größenordnung um Anfang 2021 wieder bei Größenordnungen wie unter Schröder zu landen und selbst da ging die Welt nicht unter.
      Wir sind weit vom Job Armageddon der Amerikaner entfernt, das ist das wichtigste. Denn das würde zu Kollaps von Inlandsnachfrage, massenhaft Privatinsolvenz, platzenden Hauskrediten usw führen, eine Todesspirale.
      Kurzarbeit sichert Kaufkraft, die wenigsten sind ja in 100% Kurzarbeit, viele Arbeitgeber stocken auf und demnächst auch der Staat auf bis zu 87% von der Nettolücke.
      Wenn man eh nicht in den Urlaub fahren kann spart man auch wieder Geld und so kommen die meisten ohne große Geldprobleme gut durch die Krise, Kredite werden weiter bedient, Rechnungen bezahlt, es wird konsumiert. Nie war unser Sozialsystem so Gold wert wie jetzt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage