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Kurzarbeit für 10,1 Millionen Arbeitnehmer angemeldet!

Claudio Kummerfeld

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Beispielbild für einen Industriearbeiter

Das Thema Kurzarbeit überschattet aktuell alles andere! Der deutsche Arbeitsmarkt im April ist auf den ersten Blick gar nicht so schlimm, aber auf den zweiten um so schlimmer. Wurde noch vor Kurzem ein Stand von 718.000 Unternehmen gemeldet, die Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter beantragt haben, so konnten wir nur wild spekulieren, wie viele Arbeitnehmer betroffen sein würden. Denn das Prinzip der Kurzarbeit geht so, dass die Meldung für die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter erst im Nachhinein erfolgt.

Kurzarbeit explodiert

Man konnte wie gesagt nur grob schätzen oder raten. 2, 3 oder 4 Millionen Menschen in Kurzarbeit? Aber nein, heute wissen wir es besser, wenn auch noch nicht ganz genau. Laut aktueller Veröffentlichung der Bundesagentur für Arbeit haben im März und bis zum 26. April 2020 751.000 Unternehmen für insgesamt bis zu 10,1 Millionen Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden, so die Agentur. Nichts desto trotz sei dies eine im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten nie da gewesene Zahl und übersteige noch um ein Vielfaches die Zahl der Anzeigen für Kurzarbeit während der Großen Rezession 2008/2009. Im gesamten „Krisenjahr“ 2009 gingen bei den Agenturen für Arbeit Anzeigen für 3,3 Millionen Menschen ein. Was für ein Schock, möchte man da sagen!

Arbeitslosigkeit nur etwas angestiegen

Durch das Instrument der Kurzarbeit können viele Arbeitnehmer über eine gewissen Zeit offiziell von der Arbeitslosigkeit ferngehalten werden. Kommt die Konjunktur wieder in Fahrt, rettet dieses Instrument dann auch ganz real vor dem Jobverlust. Wohl vor allem aufgrund dieses Instruments ist die offizielle (!) Arbeitslosigkeit in Deutschland im April „nur“ um 414.868 im Vergleich zu April 2019 gestiegen, auf 2,64 Millionen Personen. Von März auf April 2020 ist die Arbeitslosigkeit um 373.000 Personen gestiegen. Die Arbeitslosenquote steigt auf 5,9 Prozent nach 5,1 Prozent im März und 4,9 Prozent im April 2019. Wie gesagt, die Kurzarbeit hält diese nicht arbeitenden Menschen derzeit raus aus der Arbeitslosenstatistik. Springt die Konjunktur wieder an, kann sich die Arbeitslosigkeit auch in Grenzen halten. Aber man warte mal die Langzeitauswirkungen der Coronakrise ab, denn da dürfte noch einiges an Firmenpleiten auf uns zukommen, und in dessen Folge auch echte zusätzliche Arbeitslosigkeit! Hier weitere Detailaussagen von der Bundesagentur für Arbeit auszugsweise im Wortlaut:

Die Unterbeschäftigung, die auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, hat sich saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 244.000 erhöht. Damit wächst die Unterbeschäftigung weniger stark als die Arbeitslosigkeit. Dies liegt zu einem großen Teil daran, dass wegen der Kontaktbeschränkungen Angebote der Arbeitsmarktpolitik nicht zum Einsatz kamen. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im April 2020 bei 3.466.000 Personen. Das waren 271.000 mehr als vor einem Jahr.

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist infolge der Corona-Krise regelrecht eingebrochen. Im April waren 626.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 169.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich der Bestand der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen um 66.000 verringert. Das Ausbleiben von Stellenneumeldungen schlägt hier vornehmlich zu Buche. Der BA-Stellenindex (BA‑X) – ein Indikator für die Nachfrage nach Personal in Deutschland – sank im April 2020 um 19 auf 94 Punkte. Er liegt damit 37 Punkte unter dem Vorjahreswert.

Kurzarbeit überdeckt die sonstigen Detaildaten vom Arbeitsmarkt

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Christoph

    30. April 2020 11:43 at 11:43

    wenn man Kurzarbeit für die Firmen kostenlos macht, muss man sich nicht wundern, dass es mehr genutzt wird…

    • Avatar

      asisi1

      30. April 2020 11:56 at 11:56

      Schauen sie sich doch mal, diesen Unsinn mit den Anträgen zur Hilfe an! Das ist doch idiotischen Politiker Hirnen entsprungen, die noch nie für ihre Arbeit den Kopf hinhalten mussten.
      Das einfachste wäre es doch gewesen, diese Hilfen über die letzte Einkommensteuererklärung zu gewähren. Nein, Politiker Dummköpfe laden hier doch ausländische Mitbürger zum Betrügen ein. Es ist wie mit dem Kindergeld für im Ausland lebende Kinder und den Meldungen mit Mehrfach Identitäten!

    • Avatar

      Eric

      30. April 2020 15:57 at 15:57

      Kurzarbeit wurde für Unternehmen leicht wie nie gemacht, überspitzt gesagt kann das jeder in Anspruch nehmen dessen Geschäft zwar etwas geschrumpft ist aber der genug Reserven hätte die Krise locker 2 Jahre durchzufinanzieren.
      Mehr noch, er wäre ja blöd es nicht in Anspruch zu nehmen und so sein Risiko auf den Staat zu übertragen, wenn es der Konkurrent sicher macht und damit wettbewerbsfähiger wäre.

      Und schon gar nicht ist die schiere Anmeldung mit Vollzeitstellen gleichzusetzen.
      Schon ab 10% Beschäftigungsausfall kann Kurzarbeit in Anspruch genommen werden können, im Grunde also schon innerhalb komplett unproblematischer Geschäftsschwankungen die ein Unternehmer normalerweise kompensieren können muss.

      Ich will nicht sagen, dass hier Steuergeld verschwendet wird, auf lange Prüfungen können diejenigen die es wirklich brauchen nämlich nicht warten, im Zweifelsfall geht Hilfe jetzt vor.
      Aber um Himmels Willen nicht diese Anmeldung mit tatsächlicher Inanspruchnahme gleichsetzen, schon gar nicht mit Vollzeitstellen und auch nicht mit gefährdeten Arbeitsplätzen.
      Deren Anteil kann ich auch nicht besser als jeder andere quantifizieren. Aber wer denkt einen Arbeitsplatz mittelfristig nicht mehr finanzieren zu können der lässt ihn auch nicht mit Kurzarbeit besetzt, denn auch die verursacht dem Unternehmen schließlich Kosten, der streicht gleich die entsprechenden Stellen. Da sind die 300.000 zusätzlichen Arbeitslose eigentlich die relevante Größe und die ist noch beruhigend klein. Es bräuchte schon jeden Monat einen Anstieg in dieser Größenordnung um Anfang 2021 wieder bei Größenordnungen wie unter Schröder zu landen und selbst da ging die Welt nicht unter.
      Wir sind weit vom Job Armageddon der Amerikaner entfernt, das ist das wichtigste. Denn das würde zu Kollaps von Inlandsnachfrage, massenhaft Privatinsolvenz, platzenden Hauskrediten usw führen, eine Todesspirale.
      Kurzarbeit sichert Kaufkraft, die wenigsten sind ja in 100% Kurzarbeit, viele Arbeitgeber stocken auf und demnächst auch der Staat auf bis zu 87% von der Nettolücke.
      Wenn man eh nicht in den Urlaub fahren kann spart man auch wieder Geld und so kommen die meisten ohne große Geldprobleme gut durch die Krise, Kredite werden weiter bedient, Rechnungen bezahlt, es wird konsumiert. Nie war unser Sozialsystem so Gold wert wie jetzt.

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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