Folgen Sie uns

Europa

Kurzarbeitergeld: Anzahl der Bezieher binnen 12 Monaten mehr als verdreifacht!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Wir alle wissen noch, wie extrem wichtig das Kurzarbeitergeld in den Jahren nach dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 war. In gigantischem Umfang fehlten in der Industrie schlagartig Aufträge. Eigentlich hätten die Betriebe hunderttausende Mitarbeiter vor die Tür setzen müssen. Aber durch das Kurzarbeitergeld (gezahlt durch die Bundesagentur für Arbeit) konnten viele Mitarbeiter in den Betrieben gehalten werden. Während die Aufträge fehlten, wurden umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt, so dass die Mitarbeiter in den Unternehmen nach der Krise oft viel besser qualifiziert waren.

Im Sinne der gesamten Volkswirtschaft ist es natürlich deutlich besser, wenn die Belegschaft in einer Ausnahmesituation in den Betrieben gehalten und nach der Krise nahtlos weiter arbeiten kann. Auch wenn es dabei ein Geschmäckle gibt, dass die Beitragszahler quasi als Reserve-Sparbuch einspringen, wo doch eigentlich die Arbeitgeber mal ihre „Sparbücher“ für solche Notfälle plündern müssten. Aber wir schweifen ab. Kommen wir zur Tagesaktualität.

Zahl der Bezieher von Kurzarbeitergeld steigt kräftig an

Die jüngsten Daten der Bundesagentur für Arbeit zum Thema Kurzarbeitergeld beziehen sich auf den Monat Mai. Dort kann man nachlesen, dass im Mai 354.000 Personen Kurzarbeitergeld bezogen haben. Aber: Davon bezogen 304.000 Personen aus saisonalen Gründen Kurzarbeitergeld. Wir wollen aber nur auf die Personen schauen, die aus rein konjunkturellen Gründen Kurzarbeitergeld beziehen. Und da waren es im Mai 41.000 Arbeitnehmer.

Das hört sich nicht nach viel an. Das mag auch sein. Aber die Steigerungsrate ist beachtlich. Denn noch im Mai 2018 bezogen gerade mal 12.000 Arbeitnehmer sogenanntes „konjunkturelles Kurzarbeitergeld“. Das ist binnen 12 Monaten eine Steigerung von mehr als 300%. Und so ziemlich alle Aussagen und Indikatoren der Arbeitsmarktexperten sprechen für eine weitere Erlahmung/Verschlechterung der Lage. Und wenn man sieht, in welchem Tempo Autohersteller und vor allem Zulieferer derzeit abbauen, dann dürfte die Zahl der Kurzarbeiter in Juni und Juli deutlich weiter gestiegen sein!

Kurzarbeitergeld Statistik

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    sabine

    5. August 2019 10:32 at 10:32

    Und deswegen ist auch der Einbruch in England nicht wegen dem pöhsen Brexit zu suchen, sondern in der Weltkonjunktur.
    https://www.youtube.com/watch?v=3J4gvTVAUL4

    Wie schon gesagt haben wir (Autozulieferer / vor allem wegen China) einen Umsatzeinbruch von 30-40% fürs erste Halbjahr 2019, der sich übrigens erst langsam herauskristallisiert hat. Ende Dezember 2018 hieß es noch, 10% Steigerung der Produktion ab Jan 2019.
    Mag sein, daß die Autohersteller erstmal Halden abbauen, die sie 2018 aufgebaut haben, weil sie wissen, daß 2019 hundsmiserabel wird oder besser gesagt, daß dann die immer wieder hinausgeschobene Rezession dann halt doch mal kommt.

    • Avatar

      Columbo

      5. August 2019 11:53 at 11:53

      Drei Monate mindestens muß ich auf mein neues deutsches Auto warten. Von wegen Halden abbauen, die haben mir gesagt, daß es neu gebaut werden muß.

      • Avatar

        leftutti

        5. August 2019 12:13 at 12:13

        @Columbo, die will doch nur regelmäßig ihrer Devotheit und unreflektierten Bewunderung für radikale Populisten wie Trump, Farage oder Johnson Ausdruck verleihen. Einfach ignorieren, dann verschwindet sie wieder ;)

      • Avatar

        Jan

        5. August 2019 12:58 at 12:58

        Columbo, da haben Sie noch Glück! Ein Arbeitskollege wartet bereits seit über 12 (!!) Monaten auf seinen E-Golf. Wir witzeln schon immer, dass jede Spule von Hand gewickelt und jede Schraube manuell gedreht wird.

      • Avatar

        sabine

        5. August 2019 22:33 at 22:33

        Mein Chef hat ebenfalls einen AUDI bestellt und muß 6 Monate warten. Auf meine Frage wegen der Halden sagt er, es ginge um Sonderausstattungen. So richtig befriedigt hat mich die Antwort auch nicht. Werde bei den OEM mal direkt nachfragen.

        Falls Blockwarts hier mitreden wollen, sollten Sie außer Mobbing auch auf die Sache eingehen können.
        Ein Professor hat sich vor kurzem über dieses persönliche Angreifen und Lächerlichmachen einiger User beschwert, und Herr Fugmann hat geantwortet, dies in Zukunft verhindern zu wollen. Ich bin dafür.

  2. Pingback: Nachrichten und Meldungen vom 5. August 2019 | das-bewegt-die-welt.de

  3. Avatar

    Nonkonformist sagt

    5. August 2019 15:02 at 15:02

    Was ich nicht verstehen tue Columbo warum muss es denn unbedingt ein neues Auto sein . Nebenbei gesagt bei einem neuen Wagen ist der Verlust dieses Objekts über proportional bei 33% des VK.
    Außerdem kommt doch die Irrensteuer von der Bananenrepublik BRVD die MWsT. 19% und das KFZ ist schon lange mehr kein deutsches mehr da ja über 50 Prozent der Teile aus dem Ausland sind.
    Bin und war schon immer ein Anhänger von flotten Kisten meiner ist 18 Jahre alt ein alter V8 BMW und der läuft und läuft hat ca. 99000km auf dem Tachostand .
    Viele Bekannte und Freunde sind auch meiner Ansicht diese neuen Pkws sind nur noch bestehend aus Plastik und vollgepflanzt mit Elektronik.
    Dieser überflüsiger Mist muss nicht sein lieber eine Maschine mit Kraft Staat mit Elektroschrott bestückt !!!!!!!!!

    • Avatar

      Columbo

      5. August 2019 16:45 at 16:45

      @Nonkonformist
      Sie haben im Prinzip Recht, trotzdem, der Gebrauchtwagenmarkt ist sowas von kriminell. Da werden Unfallwagen in den Osten geschickt, aufbereitet und mit niederem Kilometerstand wieder importiert.
      Jeder dritte Kilometerstand ist manipuliert.
      Im Übrigen, wenn schon, bin lieber ich es, der das Getriebe ruiniert. Die neue Elektonik hat auch was Gutes, Beispiel „Dynamic light assist“.

    • Avatar

      Michael

      5. August 2019 16:54 at 16:54

      @Nonkonformist, falls Sie es noch nicht mitbekommen haben, innerhalb der EU bezahlt man netto, und darauf die Irren- und Bananensteuer der Republik, in der man lebt.

      99.000 km in 18 Jahren, das heizt so mancher in einem Jahr weg. Doch der V8 läuft und läuft und säuft: 5.500 km Fahrleistung pro Jahr, wow! Das dürften etwa 1.000 Liter Sprit pro Jahr sein, bei dem Vielfahrer wären es mal schlappe 18.000 Liter…

  4. Avatar

    Prognosti

    5. August 2019 16:38 at 16:38

    Damit wird doch endlich das enorme Facharbeiterproblem gelöst sein, mit dem alle über 50Jährigen die erfolglos auf Stellensuche sind u.von den Politikern dauernd verhöhnt wurden . Jetzt müssen die Heuchler neue Gründe finden um die unkontrollierte Einwanderung zu rechtfertigen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Europa

Auftragseingänge der Industrie: Juhu, die Krise ist vorbei

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Verschiedene Metallerzeugnisse

Heute früh hat das Statistische Bundesamt die Auftragseingänge der Industrie (genauer gesagt für das Verarbeitende Gewerbe) für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Vergleich zu September steigen sie um 2,9 Prozent. Wichtiger: Im Jahresvergleich zu Oktober 2019 steigen sie um 1,8 Prozent. Noch wichtiger: Gegenüber Februar 2020, dem letzten Monat vor Ausbruch der Coronakrise, lagen die Auftragseingänge der Industrie um 0,8 Prozent höher.

Also kann man basierend auf diesen Zahlen sagen, dass zumindest für die Auftragseingänge der Industrie die Coronakrise vorbei ist. Der Chart, der bis zum Jahr 2012 zurückreicht, zeigt eine abgeschlossene V-förmige Erholung. Klar erkennbar ist, dass die Aufträge aus dem Ausland (wohl vor allem aus China) den Schnitt nach oben ziehen.

Chart zeigt den Verlauf der Auftragseingänge der Industrie seit 2012

Hier Detailaussagen der Statistiker im Wortlaut:

In der größten Branche des Verarbeitenden Gewerbes, der Automobilindustrie, stieg der Auftragseingang im Oktober 2020 weiter an (+1,0 % zum Vormonat) und lag damit 6,0 % über dem Vorkrisenniveau im Februar 2020.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Aufträge aus dem Inland im Oktober 2020 um 2,4 %, die Auslandsaufträge erhöhten sich um 3,2 %. Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Eurozone um 0,5 % zu. Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland stiegen um 4,8 %.

Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag der Auftragseingang im Oktober 2020 um 2,3 % über dem Vormonatsniveau. Bei den Herstellern von Investitionsgütern gab es einen Anstieg um 3,8 % und im Bereich der Konsumgüter fielen die Aufträge um 2,2 %.

weiterlesen

Allgemein

Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

weiterlesen

Europa

Verbraucherpreise Eurozone November: Deflation den vierten Monat in Folge!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Geldbörse wird zusammengepresst

Soeben hat Eurostat als Vorabschätzung die Verbraucherpreise der Eurozone für den Monat November veröffentlicht. Im Jahresvergleich ist es ein Wert von -0,3 Prozent nach ebenfalls -0,3 Prozent im Oktober. Erwartet für heute wurde eine Veränderung von -0,2 Prozent. Damit erlebt die Eurozone (basierend auf dem Modell des Harmonisierten Verbraucherpreisindex) den vierten Monat in Folge Deflation! Dies hängt natürlich auch mit der seit Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland zusammen, welche in vier Wochen wieder rückgängig gemacht wird.

Man sieht: Die Preissteigerung bei Lebensmitteln bleibt relativ konstant mit +1,9 Prozent. Ebenfalls ändern sich die Verbraucherpreise im Negativen auch relativ konstant. Die Energiepreise sinken um 8,4 Prozent – das sind ähnlich hohe negative Werte wie in den Vormonaten. Wie gesagt, ab Januar könnte der Gesamtschnitt wieder Richtung Null-Linie tendieren mit den steigenden deutschen Mehrwertsteuersätzen.

Datenblatt zeigt aktuelle Verbraucherpreise in der Eurozone

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage