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Kurzkommentar von Thorsten Polleit zur EZB-Sitzung

EZB-Leitzins unverändert – Euro-Entwertung geht weiter

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

EZB-Leitzins unverändert – Euro-Entwertung geht weiter

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat auf seiner heutigen Sitzung die Leitzinsen unverändert gehalten (Leitzins: 0,0%, Depositenzins: –0,4%). Der Entscheid war keine Überraschung.

Von Januar bis Ende September 2018 – möglicherweise sogar darüber hinaus – will die EZB Anleihen für 30 Mrd. Euro pro Monat kaufen.

Die Zinsen bleiben also extrem niedrig, obwohl die Konjunktur anzieht, und die Kredit- und Geldmengen im Euroraum wieder wachsen und höhere Inflation der Konsumentenpreise erwarten lassen. (Die EZB selbst prognostiziert eine Inflation von weniger als 2 Prozent bis 2020, stellt sich also selbst eine Unbedenklichkeitserklärung aus für ihre andauernde Niedrig- und Negativzinspolitik!)

Die Preise für Immobilien haben bereits angezogen: Im Euroraum stiegen sie in Q2 ‘17 um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr an, in Deutschland waren sie Mitte 2017 um 6 Prozent höher als im Vorjahr.

Wer in Bankeinlagen spart, erleidet folglich weiterhin Verluste: Die zweijährigen Zinsen nach Abzug der Inflation der Konsumentenpreise lagen im Oktober 2017 bei mehr als minus 2 Prozent! Für viele Sparer geht also die kalte Enteignung weiter.


(Grafik durch Anklicken vergrößern!)

Die künstlich niedrig gehaltenen Euro-Zinsen sorgen zwar für eine positive konjunkturelle Erholung im Euroraum, gleichzeitig stellen sich jedoch durch sie Fehlentwicklungen ein.

Dazu gehören beispielsweise ein „Boom“ in der Bauindustrie, das Aufblähen der Immobilienpreise und eine wachsende Abhängigkeit der Schuldner von extrem niedrigen Zinsen.

Die fortgesetzte Niedrig- und Negativzinspolitik befördert – und das sollte man nicht übersehen – die Entwicklungen, die aus einem Boom früher oder später einen „Bust“ werden lassen.

Das Festhalten der EZB an ihrer Niedrig- und Negativzinspolitik erklärt sich vermutlich durch das Bestreben, Staaten und Banken subventionieren und insbesondere deren reale Schulden (mittels negativem Realzins) entwerten zu wollen.

Abschließend sei gesagt, dass das Gold sich für langfristig orientierte Anleger aus dem Euroraum zur Wertaufbewahrung bewährt hat – und angesichts des aktuellen Preises eine attraktive Versicherung für das Vermögensportfolio bleibt: denn mit Wertverlust des Euro nach innen und außen ist zu rechnen.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Gerd

    14. Dezember 2017 16:54 at 16:54

    Wer ist Thorsten Polleit?
    Er sagt u.a.: „…gleichzeitig stellen sich jedoch durch (die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen) Fehlentwicklungen ein. Dazu gehören beispielsweise ein „Boom“ in der Bauindustrie, das Aufblähen der Immobilienpreise…“

    Er scheint jemand zu sein, der glaubt, die gestiegenen Immobilienpreise würden wieder sinken, wenn nur die Zinsen wieder steigen würden.
    Weil mit steigenden Zinsen auch die Wohnungssuchenden weniger würden?
    Weil dann die Löhne der die Immobilien errichtenden Bauarbeiter wieder sinken würden und die Anschaffungskosten sowie die Unterhaltungskosten der Baumaschinen billiger würden? Womit letztlich die „Produktionskosten“ zur Errichtung einer Immobilie fallen würden?

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      Wolfgang M.

      14. Dezember 2017 17:41 at 17:41

      @Gerd. Nein, ich glaube der Kausalzusammenhang ist ein anderer. Wenn die Hypothekenzinsen so niedrig sind, die Immobilienpreise aber immer höher werden, nehmen die Häuslebauer immer höhere Kredite auf. Wenn diese nicht mit einer hohen Tilgungsrate versehen sind, kommt bei steigenden Zinsen ein unheilvoller Mechanismus ins Laufen: Anstieg der Zinskosten (außer bei den extrem langen Zinsbindungen), höher Schuldenstand, Ende des Wirtschaftsbooms (bisher fast immer bei deutlich steigenden Zinsen), Anstieg der Arbeitslosigkeit. Wie 2007 in den USA beobachtet, fallen dann die Häuserpreise durch Notverkäufe oder Zwangsversteigerungen und selbst die Banken geraten dann mit den faulen Krediten in Schwierigkeiten – kurzum eine Rezession wird unvermeidbar, aufgrund der großen Bedeutung der Immobilienkredite. Die sinkenden Baukosten spielen hier keine Rolle, da auch die Flaute in der Bauwirtschaft die Wirtschaft zusätzlich schwächen wird. Wie gesagt erst vor „kurzem“ gesehen in den USA und besonders in Spanien. Gruß

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        Gerd

        14. Dezember 2017 18:19 at 18:19

        In Spanien wurde am wirklichen Bedarf total vorbei gebaut. Riesige Leerstände schon von Anfang an. Waren nie bewohnt. Ähnlich wie bei uns in Ostdeutschland in den Jahren nach der Wende. Die Situation ist bei uns heutzutage diametral entgegengesetzt.
        Die letztendliche Krise in den USA wurde ausgelöst, indem leichtfertig bis betrügerisch Hypothekenforderungen gebündelt als Pakete weiterveräußert wurde und die erwerbenden Institute sie im Verlauf zunächst wertberichtigen und alsdann abschreiben mussten.

        Das mögliche Szenario, was Sie ansatzweise für Deutschland aufzeigen, würde dazu führen, dass die Menschen nicht nur kein Dach mehr über dem Kopf hätten – schließlich fehlen trotz Bauboom in Deutschland auch heute schon eine Million Wohnungen. Es würde konsequent weitergedacht auch bedeuten, dass sie nicht mehr in Lohn und Brot stehen würden. Denn das, was Sie anführen entspricht einer wirtschaftlichen Katastrophe und hätte eine sich selbst verstärkende Spirale zur Folge.
        Und daher sehen Sie viel zu schwarz – will ich doch mal hoffen.

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          Wolfgang M.

          14. Dezember 2017 18:55 at 18:55

          @Gerd. Gemach, gemach. Ein Einbruch der Immobilienpreise wird bei uns m.E. nicht so heftig ausfallen, da bei uns eine von den Banken hohe Eigenkapitalquote verlangt wird – im Gegensatz zu den USA, wo eine 100 %-Finanzierung gang und gäbe war. Außerdem verschulden sich die Häuslebauer langfristig, so dass ein Zinsanstieg nicht, wie in anderen Ländern, als Keule zuschlägt. Nichtsdestotrotz wird der Einbruch kommen, im Immo-Bereich nur etwas gemäßigter. Was den gesteigerten Wohnungsbedarf anbelangt, dürfte dies einen anderen billigeren und kleineren Wohnraum erfordern. (Absenkung der Bauvorschriften, Verdichtung des Wohnraums u.ä.) Ich kann mir nicht vorstellen, dass z.B. unsere neuen Mitbürger in versteigerte Ein- oder Zweifamilienfamilienhäuser einziehen könnten.

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            Gerd

            14. Dezember 2017 19:24 at 19:24

            Lieber Wolfgang, ich mach ja gemächlich.

            Allerdings hatte ich angenommen, Sie würden Ihre Aussagen: „…kommt bei steigenden Zinsen ein unheilvoller Mechanismus ins Laufen:…“
            „…kurzum eine Rezession wird unvermeidbar, aufgrund der großen Bedeutung der Immobilienkredite…“
            auf Deutschland beziehen.

            Schöne Abendgrüße

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            Bademeister

            14. Dezember 2017 22:10 at 22:10

            Aber mit 30% Eigenkapitalquote kein Problem…dann noch einen ungünstig laufenden Fremdwährungskredit, und Opas Grundstücke, die oft als äusserst ungünstig bewertete Bürgschaft herhalten müssen, dann sind die Träume vom Eigenheim schwupdiwup weg. Dem Wohnungsnotstand im gesuchten urbanen Bereich stehen auch immer noch viel zu viele leider oft auch „strategische Leerstehungen“ in den Innenstädten gegenüber. Ich bin mir ziemlich sicher dass, wenn die Immo- und Mietpreise fallen sollten, der Markt mit diesen vergessenen Kapazitäten teilweise überschwemmt wird (grosse Immobesitzer sind sehr oft gleichzeitig Bauträger neuer Objekte und haben logischerweise direkten Einfluss auf Angebot und Nachfrage).
            Wenn ein jahrzehnte lang eingesessener syrischer oder iranischer Arzt seine quasi abbruchreifen Immobilien auf Staatskosten zu Wucherpreisen an seine Landsleute legal weitervermieten darf und das auch tut….wie nennt man sowas?….Marktwirtschaft!
            Der proklamierte Wohnungsnotstand ist sehr kritisch zu betrachten…die Medaillie hat mittlerweile wesentlich mehr als nur zwei Seiten…eine echte Marktbereinigung wäre längst fällig!

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    Altbär

    14. Dezember 2017 18:28 at 18:28

    @Wolgang M.
    Genau so ist es, auf jeden Fall in dem Land wo ich wohne.Der Wert einer Immobilie errechnet sich aus den Nettomieten diskontiert zum jeweiligen Zinssatz.
    Mitte der 90 er Jahre als die Hypozinsen gegen 9% stiegen war ein Nettomietertrag von 5-6% ein Verlust u.die Immopreise korrigierten derweil man 10jährige Bonds mit ca.6% Rendite kaufen konnte.
    Heute mit nur Nettomieten von 2-4% u.Hypozinsen von 1-1,5% darf die gleiche Immobilie natürlich viel mehr kosten
    ( gleicher Ertrag diskontiert mit z.B. 3% statt 5%
    Das gleiche Spiel passiert bei den Aktien auf Kredit.
    Das funktioniert nur wenn die Rendite ( Dividende ) höher ist als die Kreditkosten.Bei den Aktien ist das eine Zeitbombe, denn wenn die Rechnung nicht mehr aufgeht,
    werden in kurzer Zeit tonnenweise Aktien verkauft (werden müssen )
    Während Immobilien IMMOBIL sind u.eine Korrektur gesittet abläuft u.3-4Jahre dauern kann ( USA 2009 bis ca.2013 ca.30% Korrektur u. heute wieder etwa Gleichstand wie 2009.)
    Zudem ist eine Wohnung etwas was man braucht u.nur im Notfall verkauft wird, was bei Aktien nicht zutrifft.

  3. Avatar

    baeuerin

    15. Dezember 2017 09:08 at 09:08

    Nur gut,dass die ueberwiegende Menschheit auf dieser Erde,keinen Dunst vom Schuldgeldsystem hat!!!
    Die Minderheit(Eliten wie z.B.SORROS),zwingt die Mehrheit in die Knie…bis zum TOD…
    Ein Beispiel gefaellig:
    Nehmt man den heutigen faulen Primaten(im gegensatz zu D-Mark Zeiten), das Geld u.Smartphone weg,dann ist KRIEG….
    Wer steuert denn die Finanz&Medienwelt???
    Ich glaube nicht,dass bis heute in den Schulen, das Finanzsystem gelehrt wird und somit bleibt die konsumierende Mehrheit DUMM…
    (ist nat.so gewollt)

  4. Avatar

    Gixxer

    16. Dezember 2017 06:26 at 06:26

    Ich frag mich viel eher, wie die Banken das machen werden, wenn die Zinsen steigen sollten. Banken vergeben Darlehen mit langen Zinsbindungen, 20 Jahre sind aktuell keine Seltenheit. Gleichzeitig sichern sie sich kurzfristig ab. Wenn die Zinsen jetzt steigen, aber die lang laufenden Darlehen zu zB 1,5% noch bestehen, wie kann sich die Bank dann kostendeckend absichern?
    Folglich können die Zinsen meiner Meinung nach, wenn überhaupt nur minimal ansteigen.

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Wie die UBS ihren Gewinn im Vergleich zu 2019 um 99 Prozent steigern konnte

Claudio Kummerfeld

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Coronakrise, Insolvenzwelle voraus, mögliche Krisen bei den Banken? Die US-Banken jedenfalls haben robuste Quartalszahlen gemeldet (siehe hier Branchenführer JP Morgan). Oder man hat die Erwartungen sogar extrem stark übertroffen, wie zum Beispiel Goldman Sachs mit einem sehr starken Kapitalmarktgeschäft – denn die Coronakrise hat die letzten Monate Kapitalmarktaktivitäten stark erhöht. Und heute war der Schweizer Bankgigant UBS an der Reihe. Und die Finanzdaten für das 3. Quartal sind äußerst stark ausgefallen, wie bei Goldman Sachs. Sensationell positiv überrascht, so darf man es formulieren. So notiert die UBS-Aktie heute auch 2,8 Prozent im Plus. Die UBS meldet für die letzten drei Monate einen um Sonderfaktoren bereinigten Vorsteuergewinn von 2,1 Milliarden Dollar. Dies ist ein Plus von 99 Prozent gegenüber dem 3. Quartal 2019. Unfassbar, und das in diesen Zeiten. Wie hat die UBS das geschafft?

UBS mit sehr niedrigen Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle

Nun, zunächst lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Risikovorsorge der Bank für möglicherweise anstehende Kreditausfälle. Dafür muss eine Bank schon im Vorweg möglichst gut planen und Geld bei Seite legen, also die Rücklagen aus dem Gewinn herausrechnen und auf die hohe Kante legen. Die aktuellen Quartalszahlen der UBS umfassten Wertberichtigungen für Kreditrisiken in Höhe von 89 Millionen US-Dollar. Davon entfielen insbesondere 92 Millionen US-Dollar auf den Bereich Personal & Corporate Banking und 15 Millionen US-Dollar auf die Investment Bank. Dem standen Auflösungen von Wertberichtigungen für Kreditrisiken von netto 22 Millionen US-Dollar in Global Wealth Management gegenüber. Also, für einen so riesigen Tanker wie die UBS sind Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle in Höhe von 89 Millionen US-Dollar fast gar nichts. Entweder die Bank hat wirklich kaum bis gar keine anstehenden Kreditausfälle, oder man blickt viel zu optimistisch auf die nächsten Quartale. Auf jeden Fall erhöht diese fast nicht vorhandene Rückstellungssumme den Gewinn.

Global Wealth Management und Investment Bank bei der UBS laufen prächtig

Vermögensverwaltung, Kapitalmärkte und Investment Banking laufen in turbulenten Coronazeiten offenbar bestens. Das sah man wie gesagt bereits an den blendenden Quartalszahlen von Goldman Sachs. Wer also seinen Fokus auf Kapitalmärkte und Vermögensverwaltung hat, der fährt als Bank in so einer Krise deutlich besser als Banken, die auf das klassische Geschäft mit Krediten und Spareinlagen setzen – denn dort sind die möglichen Ausfallsummen bei Krediten logischerweise höher.

Wir picken uns an dieser Stelle zwei Geschäftsbereiche bei der UBS heraus. Das Global Wealth Management zeigt einen Vorsteuergewinn von 1,057 Milliarden Dollar. Asien und die Region Americas erzielten einen rekordhohen Vorsteuergewinn für ein drittes Quartal. Die positive Operating Leverage stützte sich auf das Kreditwachstum und höhere transaktionsbasierte Erträge, bei rückläufigen Kosten. In der Investment Bank der UBS lag der Vorsteuergewinn bei 632 Millionen Dollar, mit starkem Wachstum in allen Regionen. Die annualisierte Rendite auf das zugeteilte Eigenkapital belief sich auf 19,9% Prozent.

Möglichst viel Geld an Aktionäre ausschütten?

Die UBS scheint wenig bestrebt zu sein, viel Geld in Rücklagen zu parken. Nein, das Geld soll wohl so kräftig wie möglich an die Anteilseigener fließen. Wenn man denn die Kreditrisiken wirklich so gut im Griff hat? Zitat UBS:

UBS ist nach wie vor bestrebt, überschüssiges Kapital an ihre Aktionäre zurückzuführen und ihre Kapitalrückführungen im bisherigen Umfang beizubehalten. Dabei wird das Verhältnis von Bardividende versus Aktienrückkäufe ab 2020 im Vergleich zu früheren Jahren angepasst werden. Per 30. September 2020 hat UBS bislang USD 1,0 Milliarde für die Bardividende zurückgestellt, deren Ausschüttung voraussichtlich an der Generalversammlung im April 2021 vorgeschlagen wird. Zusätzlich hat UBS im dritten Quartal eine Kapitaleinlagereserve von USD 1,5 Milliarden für potenzielle Aktienrückkäufe gebildet, was die starke Kapitalgenerierung durch ihre Geschäfte widerspiegelt. Unter Ausklammerung dieser Reserve hätte sich die harte Kernkapitalquote (CET1) um 70 Basispunkte auf 14,0% per 30. September 2020 erhöht. UBS erwartet, 2021 ihre Aktienrückkäufe wieder aufnehmen zu dürfen.

Die UBS zu ihrer Kernkapitalquote:

Per 30. September 2020 wies UBS eine harte Kernkapitalquote (CET1) von 13,5% (Vorgabe: ~13% bzw. 12,7–13,3%), eine Leverage Ratio des harten Kernkapitals (CET1) von 3,8% (Vorgabe: >3,7%) und eine Tier 1 Leverage Ratio4 von 5,5% aus, ohne Berücksichtigung vorübergehender Konzessionen oder Erleichterungen.

Das UBS-Logo am Frankfurter Opernturm
UBS-Logo am Frankfurter Opernturm. Foto: Quartl CC BY-SA 3.0 de

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Netflix-Quartalszahlen heute Abend – hier eine kurze Vorschau

Claudio Kummerfeld

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Fernbedienung zeigt auf Netflix-Schrift auf Fernseher

Heute Abend kurz nach Börsenschluss um 22 Uhr wird Netflix seine Quartalszahlen präsentieren. Wir werden dann umgehend berichten. An dieser Stelle wollen wir eine kurze Vorschau bieten. Der Umsatz lag im Vorjahresquartal bei 5,24 Milliarden Dollar, und im zweiten Quartal 2020 bei 6,15 Milliarden Dollar. Für heute liegen die Erwartungen bei 6,4 Milliarden Dollar. Nicht mehr? Kann es da also heute Abend eine „tolle Überraschung“ nach oben geben, oder fand der Großteil des Corona-Wachstums im ersten und zweiten Quartal statt? (die Leute sitzen in Corona-Zeiten zuhause und gucken in die Flimmerkiste)

Erwartungen zu Gewinnen und Abos bei Netflix

Der Gewinn pro Aktie bei Netflix lag vor einem Jahr bei 1,47 Dollar, und im zweiten Quartal bei 1,59 Dollar. Für heute liegen die Erwartungen im Durchschnitt von 38 Analystenschätzungen bei 2,13 Dollar. Und die Abos? Die Zahl von netto neu hinzugewonnenen Abonnenten ist bei Netflix stets die wichtigste Kennzahl. Es geht darum, ob die seit Jahren kräftig laufende Wachstumsstory aufrechterhalten werden kann. In diesem besonderen Jahr 2020 geht es darum zu sehen, ob das große Corona-bedingte Wachstum jetzt vorbei ist. Mit +15,77 Millionen Abos im ersten und +10,09 Millionen Abos im zweiten Quartal hatte das Unternehmen schon blendend von der Coronakrise profitiert. Hier zeigte sich bereits, dass Millionen von Menschen vor Corona-Langeweile (zuhause rumsitzen) wohl Netflix-Abos gebucht haben. Für heute werden für das 3. Quartal 2,5 Millionen neue Abos erwartet (entspricht auch der Erwartung von Netflix selbst), aber es gibt auch optimistischere Schätzungen von +3,26 Millionen.

Quartalszahlen heute Abend mit Überraschung?

Wird Netflix mit den heutigen Quartalszahlen doch überraschend mehr Wachstum präsentieren können bei den neuen Abonnenten? Das könnte der Aktie einen weiteren Schub geben. Denn mehr als 3 Millionen neue Abos im dritten Quartal wären wohl ein Zeichen, dass das Nutzerwachstum weiter anhält, trotz der bereits zwei extrem starken vorigen Quartale. Und es wäre ein Zeichen, dass Netflix sich weiter kräftig behaupten kann gegen seine neuen Streaming-Konkurrenten wie den Giganten Disney mit seinem neuen Angebot „Disney+“. Der folgende Chart zeigt den Verlauf der Netflix-Aktie in den letzten 12 Monaten. Interessant sind die drei Hochpunkte seit Juli. Über 575 Dollar müsste die Aktie laufen für einen großen frischen Ausbruch in neue Sphären (gestern 530,72 Dollar).

Chart zeigt Kursverlauf der Netflix-Aktie in den letzten 12 Monaten

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Aktienmärkte: Coronakrise verändert die deutsche Sparkultur

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Verändert die Coronakrise die deutsche Sparkultur – gibt es nun eine große Lust auf die Aktienmärkte? Man hätte es eigentlich schon länger erwarten können: Die finanzielle Repression schlägt langsam mehr und mehr zu, bereits seit 2012 hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzins für Banken auf null gesetzt und nebenbei deren Geschäft mit der Fristentransformation zerstört, damit gab es auch für den deutschen (Geld-)Sparer fast keine Möglichkeit mehr das Geldvermögen real zu vermehren. Was auch schon früher der Fall war, über Jahrzehnte – doch da war es dem Normalsparer nicht aufgefallen, es gab Zinsen und die Inflationsrate knabberte reichlich unbemerkt an der Rendite.

Doch jetzt ist offiziell eine Änderung im Sparverhalten durch die Bundesbank bestätigt worden – die Deutschen investieren in der Coronakrise mehr in Aktien.

Aktienmärkte: Rendite gibt es für die Übernahme von Risiko

Es gibt darüber viele Untersuchungen, wie zum Beispiel durch Credit Suisse Global Investment Returns, in denen nachgewiesen wurde, dass es über viele Jahrzehnte für risikolose Geldanlagen keine nennenswerte Realrendite gegeben hat. Was natürlich in keinem Prospekt von Banken erscheinen würde..

Ein Extrembeispiel: Im Jahr der Superzinsen 1981 gab es noch zweistellige Sparzinsen auf Kurzläufer – aber wie hoch war damals die Inflationsrate und die weiteren Kosten wie Steuern oder Spesen? In Summe eben auch zweistellig.

Seit der Finanzkrise wurden die Zinsen immer weiter abgesenkt, natürlich unter dem Ziel (Zwang), die Kapitalmarktzinsen so weit zu senken, damit die EU mit ihren zum Teil hoch verschuldeten Mitgliedsstaaten nicht auseinanderfiel. Natürlich zulasten der kleinen Sparer, bei denen sich nicht nur die Sparzinsen der Nullzone näherten, sondern auch die Rendite der fast 90 Millionen Lebensversicherungsverträge. Soviel zur Historie, mit Corona und der ständigen Diskussion über Strafzinsen bei den Banken setzte eine Verhaltensänderung ein, hin zur verstärkten Anlage in Aktienmärkte.

Neue Rekordvolumina in Aktien

Wer hätte das gedacht: Ausgerechnet im Jahr der Coronakrise, in dem die Aktienmärkte in bisher noch nicht gesehener Geschwindigkeit in die Tiefe gerauscht waren, stiegen viele Deutsche verstärkt in die Aktienanlage ein. Mit 23,9 Milliarden Euro investierte man hierzulande in Aktien und übertraf den Rekord von 2007, kurz vor der Finanzkrise. Wenn das mal kein schlechtes Omen ist..

Diese Zahlen ermittelte das Analysehaus Barkow Consulting, basierend auf Angaben der Deutschen Bundesbank.

Bereits seit einigen Monaten melden Onlinebroker einen richtigen Boom bei der Anmeldung neuer Depots und in der Folge auch von Rekordumsätzen. Gerade junge Leute stiegen ein in die Aktienmärkte, aber auch besonders bei den billigen Exchange Traded Funds (ETFs), im viel beworbenen Sparplanprinzip.

Die vielen Berichte in den Wirtschaftsseiten der Zeitungen über das Ansparen in großen Indizes haben offensichtlich ihre Wirkung nicht verfehlt.

Insgesamt hat die Sparquote der Deutschen in diesem Jahr zugenommen. Aus Sorge vor dem Arbeitsplatzverlust und bei manchen auch aus Mangel an Ausgabemöglichkeiten durch die zahlreichen Reisebeschränkungen. So kletterte das Volumen der Spareinlagen seit dem Beginn des Lockdowns im zweiten Quartal auf den Rekordbetrag von 109 Milliarden Euro – in drei Monaten.

Wie erwähnt, gerade in dieser Zeit erhöhten die Deutschen – völlig konträr zu früheren Rezessionsphasen ihre Aktienanlagen – und damit sprang ein Teil des Vermögens durch das Aktienmarkt-V gleich in die Höhe.

Das Vermögen der Deutschen

Nachdem das Vermögen der Deutschen wegen der Coronakrise im Jahr 2020 zunächst gesunken war, ist es bis zum Ende des 1. Halbjahres auf eine neue Rekordmarke gestiegen – auf 6630 Milliarden Euro. Verursacht durch eine höhere Sparrate, derer, die genügend auf der hohen Kante hatten und durch den Anstieg der Aktienmärkte – bei denjenigen, die die Gelegenheit im Frühjahr genutzt hatten. Das Vermögen der Deutschen gliedert sich zum 30.6. nach Angaben der Deutschen Bundesbank wie folgt:

2443 Milliarden Euro – Lebensversicherungen
1882 Milliarden Euro – Girokonten, Bargeld
811 Milliarden Euro – Termingeld, Spareinlagen
794 Milliarden Euro – Aktien
666 Milliarden Euro – Investmentfonds
115 Milliarden Euro – Schuldverschreibungen
30 Milliarden Euro – Sonstiges

Jede Menge Geld, um es wie die Norweger zu machen, die mit ihrem staatlichen Pensionsfonds (Aktienanteil 69,6 Prozent) an der Ein-Billionen-Eurogrenze anklopfen, womit jeder Bewohner Norwegens rechnerisch im Besitz von 185.000 Euro wäre.

Einer bremst: unser Finanzminister

Es ist das Aufregerthema in Finanzkreisen (gewesen), die Einführung der Finanztransaktionssteuer in Deutschland. Mit der Folge, dass gerade die aufblühende Aktienkultur gleich wieder abgewürgt würde. Ist Finanzminister Scholz nicht bewusst, das es eventuell über Jahre hinaus keine Zinsen für die Altersvorsorge mehr geben könnte, der hohen Verschuldung vieler EU-Staaten geschuldet? Dass Lebensversicherungen kaum mehr etwas abwerfen, man aber allein schon aus demografischen Gründen Vorsorge betreiben muss? Wäre es nicht vielleicht sogar angebracht, langfristiges Aktiensparen steuerfrei zu gestalten – Stichwort Spekulationsfrist, so wie vor 2009? Aber der Staat braucht Geld und „Mister Girokonto“ hält eh nicht all zu viel von der Aktienanlage.

Fazit

Die Deutschen in der Coronakrise auf dem angelsächsischen Weg zu einer Aktienkultur? Mal sehen, schließlich haben wir noch unseren Finanzminister Olaf Scholz, der in seinem Gesetzesentwurf zur Finanztransaktionssteuer tatsächlich den Aktiensparer besteuern und den Heavy Trader außen vor lassen wollte.

Aus den obigen Statistiken lässt sich Folgendes feststellen und schlussfolgern: Was für ein großes Vermögen die obere Hälfte der Deutschen doch besitzt und welche Gedanken in den Köpfen der Finanzpolitiker umherschwirren könnten, wenn sie auf die Zahlen der Deutschen Bundesbank und die Lust der Deutschen auf Investments in die Aktienmärkte blicken. Was wiederum keine gute Botschaft für den relativ „wehrlosen“ Mittelstand in Deutschland ist, wenn man berücksichtigt, dass die Staatsschulden (Nettokreditaufnahme) 2020 um 217 Milliarden Euro und 2021 nochmals um 96 Milliarden Euro zunehmen werden – vorerst.

In der Coronakrise entwicklen die Deutschen Lust auf die Aktienmärkte

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