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Kurzkommentar von Thorsten Polleit zur EZB-Sitzung

EZB-Leitzins unverändert – Euro-Entwertung geht weiter

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

EZB-Leitzins unverändert – Euro-Entwertung geht weiter

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat auf seiner heutigen Sitzung die Leitzinsen unverändert gehalten (Leitzins: 0,0%, Depositenzins: –0,4%). Der Entscheid war keine Überraschung.

Von Januar bis Ende September 2018 – möglicherweise sogar darüber hinaus – will die EZB Anleihen für 30 Mrd. Euro pro Monat kaufen.

Die Zinsen bleiben also extrem niedrig, obwohl die Konjunktur anzieht, und die Kredit- und Geldmengen im Euroraum wieder wachsen und höhere Inflation der Konsumentenpreise erwarten lassen. (Die EZB selbst prognostiziert eine Inflation von weniger als 2 Prozent bis 2020, stellt sich also selbst eine Unbedenklichkeitserklärung aus für ihre andauernde Niedrig- und Negativzinspolitik!)

Die Preise für Immobilien haben bereits angezogen: Im Euroraum stiegen sie in Q2 ‘17 um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr an, in Deutschland waren sie Mitte 2017 um 6 Prozent höher als im Vorjahr.

Wer in Bankeinlagen spart, erleidet folglich weiterhin Verluste: Die zweijährigen Zinsen nach Abzug der Inflation der Konsumentenpreise lagen im Oktober 2017 bei mehr als minus 2 Prozent! Für viele Sparer geht also die kalte Enteignung weiter.


(Grafik durch Anklicken vergrößern!)

Die künstlich niedrig gehaltenen Euro-Zinsen sorgen zwar für eine positive konjunkturelle Erholung im Euroraum, gleichzeitig stellen sich jedoch durch sie Fehlentwicklungen ein.

Dazu gehören beispielsweise ein „Boom“ in der Bauindustrie, das Aufblähen der Immobilienpreise und eine wachsende Abhängigkeit der Schuldner von extrem niedrigen Zinsen.

Die fortgesetzte Niedrig- und Negativzinspolitik befördert – und das sollte man nicht übersehen – die Entwicklungen, die aus einem Boom früher oder später einen „Bust“ werden lassen.

Das Festhalten der EZB an ihrer Niedrig- und Negativzinspolitik erklärt sich vermutlich durch das Bestreben, Staaten und Banken subventionieren und insbesondere deren reale Schulden (mittels negativem Realzins) entwerten zu wollen.

Abschließend sei gesagt, dass das Gold sich für langfristig orientierte Anleger aus dem Euroraum zur Wertaufbewahrung bewährt hat – und angesichts des aktuellen Preises eine attraktive Versicherung für das Vermögensportfolio bleibt: denn mit Wertverlust des Euro nach innen und außen ist zu rechnen.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Gerd

    14. Dezember 2017 16:54 at 16:54

    Wer ist Thorsten Polleit?
    Er sagt u.a.: „…gleichzeitig stellen sich jedoch durch (die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen) Fehlentwicklungen ein. Dazu gehören beispielsweise ein „Boom“ in der Bauindustrie, das Aufblähen der Immobilienpreise…“

    Er scheint jemand zu sein, der glaubt, die gestiegenen Immobilienpreise würden wieder sinken, wenn nur die Zinsen wieder steigen würden.
    Weil mit steigenden Zinsen auch die Wohnungssuchenden weniger würden?
    Weil dann die Löhne der die Immobilien errichtenden Bauarbeiter wieder sinken würden und die Anschaffungskosten sowie die Unterhaltungskosten der Baumaschinen billiger würden? Womit letztlich die „Produktionskosten“ zur Errichtung einer Immobilie fallen würden?

    • Avatar

      Wolfgang M.

      14. Dezember 2017 17:41 at 17:41

      @Gerd. Nein, ich glaube der Kausalzusammenhang ist ein anderer. Wenn die Hypothekenzinsen so niedrig sind, die Immobilienpreise aber immer höher werden, nehmen die Häuslebauer immer höhere Kredite auf. Wenn diese nicht mit einer hohen Tilgungsrate versehen sind, kommt bei steigenden Zinsen ein unheilvoller Mechanismus ins Laufen: Anstieg der Zinskosten (außer bei den extrem langen Zinsbindungen), höher Schuldenstand, Ende des Wirtschaftsbooms (bisher fast immer bei deutlich steigenden Zinsen), Anstieg der Arbeitslosigkeit. Wie 2007 in den USA beobachtet, fallen dann die Häuserpreise durch Notverkäufe oder Zwangsversteigerungen und selbst die Banken geraten dann mit den faulen Krediten in Schwierigkeiten – kurzum eine Rezession wird unvermeidbar, aufgrund der großen Bedeutung der Immobilienkredite. Die sinkenden Baukosten spielen hier keine Rolle, da auch die Flaute in der Bauwirtschaft die Wirtschaft zusätzlich schwächen wird. Wie gesagt erst vor „kurzem“ gesehen in den USA und besonders in Spanien. Gruß

      • Avatar

        Gerd

        14. Dezember 2017 18:19 at 18:19

        In Spanien wurde am wirklichen Bedarf total vorbei gebaut. Riesige Leerstände schon von Anfang an. Waren nie bewohnt. Ähnlich wie bei uns in Ostdeutschland in den Jahren nach der Wende. Die Situation ist bei uns heutzutage diametral entgegengesetzt.
        Die letztendliche Krise in den USA wurde ausgelöst, indem leichtfertig bis betrügerisch Hypothekenforderungen gebündelt als Pakete weiterveräußert wurde und die erwerbenden Institute sie im Verlauf zunächst wertberichtigen und alsdann abschreiben mussten.

        Das mögliche Szenario, was Sie ansatzweise für Deutschland aufzeigen, würde dazu führen, dass die Menschen nicht nur kein Dach mehr über dem Kopf hätten – schließlich fehlen trotz Bauboom in Deutschland auch heute schon eine Million Wohnungen. Es würde konsequent weitergedacht auch bedeuten, dass sie nicht mehr in Lohn und Brot stehen würden. Denn das, was Sie anführen entspricht einer wirtschaftlichen Katastrophe und hätte eine sich selbst verstärkende Spirale zur Folge.
        Und daher sehen Sie viel zu schwarz – will ich doch mal hoffen.

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          Wolfgang M.

          14. Dezember 2017 18:55 at 18:55

          @Gerd. Gemach, gemach. Ein Einbruch der Immobilienpreise wird bei uns m.E. nicht so heftig ausfallen, da bei uns eine von den Banken hohe Eigenkapitalquote verlangt wird – im Gegensatz zu den USA, wo eine 100 %-Finanzierung gang und gäbe war. Außerdem verschulden sich die Häuslebauer langfristig, so dass ein Zinsanstieg nicht, wie in anderen Ländern, als Keule zuschlägt. Nichtsdestotrotz wird der Einbruch kommen, im Immo-Bereich nur etwas gemäßigter. Was den gesteigerten Wohnungsbedarf anbelangt, dürfte dies einen anderen billigeren und kleineren Wohnraum erfordern. (Absenkung der Bauvorschriften, Verdichtung des Wohnraums u.ä.) Ich kann mir nicht vorstellen, dass z.B. unsere neuen Mitbürger in versteigerte Ein- oder Zweifamilienfamilienhäuser einziehen könnten.

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            Gerd

            14. Dezember 2017 19:24 at 19:24

            Lieber Wolfgang, ich mach ja gemächlich.

            Allerdings hatte ich angenommen, Sie würden Ihre Aussagen: „…kommt bei steigenden Zinsen ein unheilvoller Mechanismus ins Laufen:…“
            „…kurzum eine Rezession wird unvermeidbar, aufgrund der großen Bedeutung der Immobilienkredite…“
            auf Deutschland beziehen.

            Schöne Abendgrüße

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            Bademeister

            14. Dezember 2017 22:10 at 22:10

            Aber mit 30% Eigenkapitalquote kein Problem…dann noch einen ungünstig laufenden Fremdwährungskredit, und Opas Grundstücke, die oft als äusserst ungünstig bewertete Bürgschaft herhalten müssen, dann sind die Träume vom Eigenheim schwupdiwup weg. Dem Wohnungsnotstand im gesuchten urbanen Bereich stehen auch immer noch viel zu viele leider oft auch „strategische Leerstehungen“ in den Innenstädten gegenüber. Ich bin mir ziemlich sicher dass, wenn die Immo- und Mietpreise fallen sollten, der Markt mit diesen vergessenen Kapazitäten teilweise überschwemmt wird (grosse Immobesitzer sind sehr oft gleichzeitig Bauträger neuer Objekte und haben logischerweise direkten Einfluss auf Angebot und Nachfrage).
            Wenn ein jahrzehnte lang eingesessener syrischer oder iranischer Arzt seine quasi abbruchreifen Immobilien auf Staatskosten zu Wucherpreisen an seine Landsleute legal weitervermieten darf und das auch tut….wie nennt man sowas?….Marktwirtschaft!
            Der proklamierte Wohnungsnotstand ist sehr kritisch zu betrachten…die Medaillie hat mittlerweile wesentlich mehr als nur zwei Seiten…eine echte Marktbereinigung wäre längst fällig!

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    Altbär

    14. Dezember 2017 18:28 at 18:28

    @Wolgang M.
    Genau so ist es, auf jeden Fall in dem Land wo ich wohne.Der Wert einer Immobilie errechnet sich aus den Nettomieten diskontiert zum jeweiligen Zinssatz.
    Mitte der 90 er Jahre als die Hypozinsen gegen 9% stiegen war ein Nettomietertrag von 5-6% ein Verlust u.die Immopreise korrigierten derweil man 10jährige Bonds mit ca.6% Rendite kaufen konnte.
    Heute mit nur Nettomieten von 2-4% u.Hypozinsen von 1-1,5% darf die gleiche Immobilie natürlich viel mehr kosten
    ( gleicher Ertrag diskontiert mit z.B. 3% statt 5%
    Das gleiche Spiel passiert bei den Aktien auf Kredit.
    Das funktioniert nur wenn die Rendite ( Dividende ) höher ist als die Kreditkosten.Bei den Aktien ist das eine Zeitbombe, denn wenn die Rechnung nicht mehr aufgeht,
    werden in kurzer Zeit tonnenweise Aktien verkauft (werden müssen )
    Während Immobilien IMMOBIL sind u.eine Korrektur gesittet abläuft u.3-4Jahre dauern kann ( USA 2009 bis ca.2013 ca.30% Korrektur u. heute wieder etwa Gleichstand wie 2009.)
    Zudem ist eine Wohnung etwas was man braucht u.nur im Notfall verkauft wird, was bei Aktien nicht zutrifft.

  3. Avatar

    baeuerin

    15. Dezember 2017 09:08 at 09:08

    Nur gut,dass die ueberwiegende Menschheit auf dieser Erde,keinen Dunst vom Schuldgeldsystem hat!!!
    Die Minderheit(Eliten wie z.B.SORROS),zwingt die Mehrheit in die Knie…bis zum TOD…
    Ein Beispiel gefaellig:
    Nehmt man den heutigen faulen Primaten(im gegensatz zu D-Mark Zeiten), das Geld u.Smartphone weg,dann ist KRIEG….
    Wer steuert denn die Finanz&Medienwelt???
    Ich glaube nicht,dass bis heute in den Schulen, das Finanzsystem gelehrt wird und somit bleibt die konsumierende Mehrheit DUMM…
    (ist nat.so gewollt)

  4. Avatar

    Gixxer

    16. Dezember 2017 06:26 at 06:26

    Ich frag mich viel eher, wie die Banken das machen werden, wenn die Zinsen steigen sollten. Banken vergeben Darlehen mit langen Zinsbindungen, 20 Jahre sind aktuell keine Seltenheit. Gleichzeitig sichern sie sich kurzfristig ab. Wenn die Zinsen jetzt steigen, aber die lang laufenden Darlehen zu zB 1,5% noch bestehen, wie kann sich die Bank dann kostendeckend absichern?
    Folglich können die Zinsen meiner Meinung nach, wenn überhaupt nur minimal ansteigen.

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Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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am

Von

Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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