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Gegen den Trend in Kapazitäten investiert - Jackpot Kuwait will fünfmal mehr Diesel nach Europa liefern

Kuwait hat jahrelang massiv in Raffineriekapazitäten investiert. Jetzt zahlt sich das aus. Man will deutlich mehr Diesel nach Europa liefern.

Diesel und Benzin an Zapfsäulen

Kuwait hat entgegen dem globalen Trend der letzten Jahre in Raffineriekapazitäten investiert. Und gerade jetzt, wo in vier Wochen nach Rohöl nun auch die Sanktionen gegen Destillate wie Diesel und Benzin aus Russland in Kraft treten, wird man in der EU wohl mehr als dankbar sein, diese Produkte in deutlich größeren Mengen aus Kuwait kaufen zu dürfen. Denn in Europa und auch an der Ostküste der USA sanken die Raffineriekapazitäten in den letzten Jahren. Man war viel zu früh auf den Zug der Erneuerbaren aufgesprungen. Bloß keine neuen Ölraffinerien mehr bauen – denn man wollte ja möglichst schnell aussteigen aus den fossilen Energieträgern. Jetzt steigt die Abhängigkeit gegenüber ausländischen Produzenten von Endprodukten. Man kann es auch so formulieren: Die Europäer begannen damit das alte Haus abzureißen, bevor das neue Haus auch nur ansatzweise fertig gebaut war.

Kuwait plant, die Exporte von Diesel und Flugzeugtreibstoff nach Europa in diesem Jahr zu erhöhen, um dem Kontinent ein Stück weit dabei zu helfen, den Rückgang der Lieferungen aus Russland auszugleichen, so Bloomberg aktuell. Das Land im Nahen Osten will seine Diesellieferungen nach Europa im Vergleich zum letzten Jahr um das Fünffache auf 2,5 Millionen Tonnen oder rund 50.000 Barrel pro Tag steigern, so eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Außerdem will es den Verkauf von Düsentreibstoff auf fast 5 Millionen Tonnen verdoppeln, so die Person.

Die Europäische Union sieht sich ab dem 5. Februar mit einem potenziellen Treibstoffengpass konfrontiert, wenn sie als Strafe für die Invasion in der Ukraine die Einfuhr von raffinierten Ölprodukten aus Russland verbietet. Nach Angaben der Bank of America könnten die Dieselpreise in diesem Quartal auf 200 Dollar pro Barrel ansteigen, da das Verbot zu einer weltweiten Verknappung führen könnte.

Nach Schätzungen der Analysten von JPMorgan bezog die EU Ende letzten Jahres täglich fast 1,3 Millionen Barrel an raffinierten Ölprodukten aus Russland. Etwa die Hälfte davon war Diesel. Kuwait hat in den letzten Jahren Dutzende von Milliarden Dollar für die Modernisierung und den Bau neuer Raffinerien ausgegeben. Die wichtigste Investition war der Bau der Anlage Al-Zour. Sie ist eine der größten Ölraffinerien der Welt – ausgelegt für die Verarbeitung von 615.000 Barrel Rohöl pro Tag – und hat Ende letzten Jahres die ersten Exporte von Diesel und Düsentreibstoff geliefert.

Die Pläne der staatlichen Kuwait Petroleum Corp für Düsentreibstoff schließen jegliche Verkäufe auf dem Spotmarkt aus, sagte die Person. Das bedeutet, dass die tatsächliche Menge, die nach Europa geliefert wird, am Ende höher als 5 Millionen Tonnen sein könnte. Die erste der drei Zour-Linien, die in der Branche als Züge bezeichnet werden, läuft stabil und verarbeitet mehr als 205.000 Barrel pro Tag, sagte die Person. Der zweite Zug soll Mitte Februar und der dritte im April in Betrieb genommen werden, hieß es.

Die gesamte Raffineriekapazität Kuwaits wird auf etwa 1,5 Millionen Barrel pro Tag ansteigen, sobald Zour vollständig in Betrieb ist. Auch andere Ölproduzenten des Nahen Ostens wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate werden voraussichtlich 2023 ihre Treibstoffexporte nach Europa steigern.

FMW/Bloomberg



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