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Lachhaft: Ukraine konstruiert sich Grund für Zahlungsverweigerung an Russland

Redaktion

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FMW-Redaktion

Im Dezember muss die Ukraine eine fällige 3 Milliarden Dollar-Anleihe an Russland zurückzahlen. Seit Wochen spitzt sich der Streit darum zu. Erst wollte die Ukraine Russland verklagen, wenn Russland dem Schuldenschnitt nicht zustimmt. Heute liefert die Ukraine ganz offiziell eine lachhafte Begründung, warum es der Ukraine „nicht erlaubt sei“ die volle Summe an Russland zurückzuzahlen…

Ukraine Finanzministerin Natalija Jaresko
Natalija Jaresko zeichnet als Finanzministerin der Ukraine für die heutige offizielle Pressemitteilung der Ukraine verantwortlich. Foto: US EmbassyKyivUkraine / Wikipedia / Gemeinfrei

Um es klipp und klar zu sagen. Wir stellen uns weder „auf die Seite“ der Ukraine oder von Russland, noch wollen wir unterschwellig Stimmung für oder gegen eine Seite machen. Wir bewerten wie im Vorläuferartikel vom 15. Oktober lediglich die öffentlich präsentierten Argumente der ukrainischen Regierung bzgl. der Verweigerung Russlands am Schuldenschnitt für die Ukraine teilzunehmen!

Die Ukraine und ihr Schuldenschnitt

Und da möchten wir schon sagen: Lachhaft, was man sich seitens der ukrainischen Regierung hat einfallen lassen um im Dezember die 3 Milliarden Dollar-Anleihe nicht an Russland zurückzahlen zu müssen. Aber kurz zurück auf Anfang. Worum geht es hier überhaupt? Die Ukraine hatte sich in monatelangen Verhandlungen mit westlichen Gläubigern geeinigt, das 15 Milliarden Dollar ukrainische Anleihen umgeschuldet werden (Schuldenschnitt). Die Gläubiger erhalten (Stichtag ist heute) neue ukrainische Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten , die statt 15 nur noch 12 Milliarden Dollar wert sind. So erhält die Ukraine mehr Luft zum finanziellen Durchatmen. Russland hält auch ukrainische Anleihen im Wert von 3 Milliarden Dollar, die im Dezember auslaufen.

Moskau hat sich bisher aber geweigert am Schuldenschnitt teilzunehmen und besteht auf der Rückzahlung der 3 Milliarden Dollar noch dieses Jahr. Als Außenstehender kennt man nicht das exakte aktuelle Cash-Guthaben des ukrainischen Finanzministeriums, aber es dürfte schwierig sein diesen Betrag zurückzuzahlen, und/oder der politische Wille könnte fehlen. Man kann natürlich sagen, dass Russland als Gläubiger fair zum überschuldeten Nachbarn sein und ihm auch Luft zum Atmen geben sollte, aber rechtlich verpflichtet ist Russland nicht an einem Schuldenschnitt teilzunehmen, nur weil andere Gläubiger es tun.

Eine mehr als merkwürdige Argumentation

Noch im Oktober argumentierte Premier Arsenij Jazenjuk die Ukraine werde Russland vor einem internationalen Schiedsgericht verklagen, wenn Russland dem Schuldenschnitt nicht zustimme. Diese mehr als komische Drohung verpuffte. Daher konstruiert sich die Ukraine jetzt eine neue Argumentation zurecht, warum man diese 3 Milliarden Dollar im Dezember nicht zurückzahlen wird bzw. kann. Heute veröffentlichte das Finanzministerium in Kiew eine offizielle Pressemitteilung, in der sie verkündete, dass heute der Tausch der alten 15 in die neuen 12 Milliarden Dollar-Anleihen stattgefunden hat für die Gläubiger, die dem Schuldenschnitt zustimmten. Aber ganz am Ende kommt der Knaller. Hier der entscheidende Teil im Original:

„Only one series of eligible debt instruments did not participate in the exchange offer, being the Eurobond maturing in December 2015. The terms of the new sovereign notes issued today include contractual provisions which prevent Ukraine from paying such Eurobond in accordance with its terms or settling with the holders of such Eurobond on terms more favourable than those received by participating bondholders in the just-completed exchange offer. Ukraine regrets that that holders of such Eurobond have decided not to support Ukraine’s essential debt operation, but within the contractual constraints in which it must operate the government of Ukraine remains open to finding a solution with the holders of the December 2015 Eurobond.“

Auch vorher im Text sprach man nicht einmal von „Russland“, sondern immer nur von „einer Anleihe mit Laufzeit Dezember 2015“, die nicht am Schuldenschnitt teilnehme. Und das ist wie alle wissen die Anleihe Russlands. Im zweiten Satz des Textes oben steht die entscheidende Formulierung (fett mariert). In den neuen Anleiheverträgen mit den Gläubigern, die am Schuldenschnitt teilnehmen, seien Vertragsbestandteile enthalten, die die Ukraine davon abhalten würden die Anleihe zu bedienen, die nicht teilnimmt. Dieser Anleiheinhaber (Russland) könne bedient werden, wenn der dem Schuldenschnitt zustimme. Man stellt sich hier also als Opfer dar, das irgendwie davon abgehalten wird an Russland zu zahlen, weil das so in den neuen Verträgen zum Schuldenschnitt drin stehe (an dem Russland nicht teilnimmt). Da man ja mit den anderen Gläubigern diesen neuen Vertrag selbst unterschrieben hat, hat man sich also sein „neues“ Zahlungsverbot selbst konstruiert, oder wie soll man das nennen? (wenn es diese Klausel überhaupt gibt) Man schließt also mit jemandem einen Vertrag, aufgrund dessen Verträge mit jemand anders auf einmal ungültig sein sollen?

Ich ändere unsere gemeinsamen Verträge ohne Dir etwas davon zu sagen

Dazu kann man zwei Dinge anmerken. Erstens hat sich an der Rückzahlungsverpflichtung, die die Ukraine mit den Anleiheinhaber Russland hat, nichts geändert. Und zweitens: Nur weil die Ukraine mit bestimmten Gläubigern neue Verträge abschließt mit evtl. neuen Klauseln, kann man damit ja nicht gültige Verträge mit anderen Gläubigern automatisch unwirksam machen. Diesem „Unwirksam werden“ hätte Russland ja zustimmen müssen. Eine abenteuerliche Begründung, die die Damen und Herren in Kiew sich da ausgedacht haben um nicht zahlen zu müssen. Sie sprechen ja auch nur von „contractual provisions which prevent…“, also von vertraglichen Bestandteilen in den neuen Verträgen, die einen davon abhalten würden zu bezahlen. Wie diese Bestandteile genau aussehen, wurde nicht erwähnt – warum wohl…

Um es zu illustrieren: Was die Ukraine da als Begründung konstruiert, kann man vergleichen mit einem Privatkredit unter Nachbarn. Nachbar A ist der Schuldner – er leiht sich bei Nachbar B und C jeweils 10.000 Euro. Jetzt ist er überschuldet und bittet die beiden um Erlass von jeweils 5.000 Euro. Nachbar C stimmt nicht zu! Nachbar B stimmt zu, aber nur unter der Voraussetzung, dass C auch zustimmt. Jetzt schließen A und B einen Vertrag darüber, dass A nur noch 5.000 Euro an B zurückzahlen muss – in diesem Vertrag vereinbaren beide, dass der alte Vertrag zwischen A und C ungültig ist und C auch nur noch maximal 5.000 erhalten darf. C besteht aber weiterhin auf volle Rückzahlung und hat dem Verzicht auch gar nicht zugestimmt. A und B vereinbaren also etwas was C betrifft, C hat aber überhaupt nicht zugestimmt. Schwachsinn diese Regelung, stimmts? Stimmt!

Nochmal zum Schluss: Es geht darum das Vorgehen und die Argumentation einer Regierung im Umgang mit anderen Regierungen bzw. Gläubigern zu bewerten, und was die Ukraine argumentativ hier abzieht, ist eine Lachnummer, so muss man es leider sagen! Russland wird wohl ganz normal auf die vollständige Rückzahlung der Anleihe bestehen, was auch sein gutes Recht ist. Wird nicht gezahlt, wäre das die Staatspleite für die Ukraine. Aber wie wir schon mal vermutet haben: Ein plötzlicher Retter in Form von EU-Kommission o.ä. wird wohl überraschend kurzfristig einspringen, damit die Ukraine als Staat weiterhin offiziell zahlungsfähig bleibt.


5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Chris

    13. November 2015 16:19 at 16:19

    Gods own east Country in die Pleite schlittern lassen-absoluter No-Go!Warum der (immerböse Russe!)nicht die Notwendigkeit eines Schuldenerlasses für die friedliebende Ukraine erkennt,sein Problem !Leider gilt jedoch auch für Yankeeunterstützte Kuschelstaaten noch das weltweit übliche Finanzgebahren.Für die EU mit ihren tiefen Taschen für alles Mögliche sollte dieser Peanutsbetrag wohl keine Hürde darstellen,schliesslich wähnt sie ja den momentan genialsten Geldalchimisten in ihren Reihen!Milliarden(Billionen?)für:die Türkei,Afrika,Griechenland,Disinflationsbekämpfung etc.,etc.Otto Normalverbraucher steht fassungslos&total ungläubig vor vden Möglichkeiten

    • Avatar

      Chris

      13. November 2015 16:23 at 16:23

      Gods own east Country in die Pleite schlittern lassen-absoluter No-Go!Warum der (immerböse Russe!)nicht die Notwendigkeit eines Schuldenerlasses für die friedliebende Ukraine erkennt,sein Problem !Leider gilt jedoch auch für Yankeeunterstützte Kuschelstaaten noch das weltweit übliche Finanzgebahren.Für die EU mit ihren tiefen Taschen für alles Mögliche sollte dieser Peanutsbetrag wohl keine Hürde darstellen,schliesslich wähnt sie ja den momentan genialsten Geldalchimisten in ihren Reihen!Milliarden(Billionen?)für:die Flüchtlinge in der Türkei,Afrika,Griechenland,Disinflationsbekämpfung etc.,etc.Otto Normalverbraucher steht fassungslos&total ungläubig vor den Möglichkeiten,die die EZB auf einmal hat!Als er (berechtigte?)Leistungen beantragt hat,hiess es:Es ist kein Geld dafür da!Wie sich dieZeiten doch,blitzschnell,wandeln!

  2. Avatar

    Siegman

    13. November 2015 17:29 at 17:29

    So viel anders als deutsche Verträge ist das nun auch nicht,
    siehe Rundfunkstaatsvertrag. (GEZ)
    Beides ne echte Lachnummer

  3. Avatar

    Amt- Gemeinde Neuhaus i.W.

    14. November 2015 02:35 at 02:35

    Wir wissen jetzt, was auf dem Spiele steht: nicht das deutsche Schicksal allein, sondern das Schicksal dar gesamten Zivilisation. Es ist die entscheidende Frage nicht nur für Deutschland, sondern für die Welt, und sie muß in Deutschland für die Welt gelöst werden: soll in Zukunft der Handel den Staat oder der Staat den Handel regieren?
    Quelle: Oswald Spengler: “Preußentum und Sozialismus” – Kapitel 6 “Die Internationale”

    Souveräner Staat oder besetztes Land ?

    http://www.gemeinde-neuhaus.de

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  4. Avatar

    joah

    14. November 2015 14:48 at 14:48

    Die sind (Versuche von) Vertragsvereinbarungen zweier Parteien zu Lasten eines unbeteiligten Dritten. Dies stellt ein sittenwidriges Verhalten dar und ist unzulässig sowie rechtswidrig.

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US-Dollar: Sein Fall – und das Comeback der Emerging Markets

Auf den Fall des US-Dollar zu wetten, ist derzeit eine große Investmentidee. Die US-Währung sackt weiter ab. Wer profitiert von der Schwäche?

Wolfgang Müller

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am

Auf den Fall des US-Dollar zu wetten, ist derzeit eine große Investmentidee, wie die letzte Umfrage der Bank of America im Fund Manager Survey gezeigt hat. Doch ist jederzeit eine Gegenbewegung möglich, weil Vorsicht geboten ist, wenn es eine Massenmeinung gibt und ein Renditeanstieg zunächst viele Käufer anlocken und dem Kurs Auftrieb geben könnte. Dennoch zeigen viele Indikatoren, dass es der US-Dollar auch in einer Ära Biden schwer haben könnte, Stärke zu bewahren. In den USA türmt sich ein Schuldengebilde auf, in Relationen, wie es diese noch nicht einmal zum Ende des Zweiten Weltkriegs gegeben hat. Damit stellt sich die Frage: Wer profitiert von einer anhaltenden Dollarschwäche?

US-Dollar und US-Verschuldung

„The dollar is our currency and your problem!“ Dieser alte und ständig zitierte Spruch des US-Finanzministers Conolloy aus dem Jahr 1971 kann nicht mehr so flapsig dahergesagt werden, denn die USA machen Schulden, viele Schulden – und brauchen daher Abnehmer für ihre Anleihen. Der Kurs der zugrundeliegenden Währung spielt hierbei schon eine Rolle, denn was nutzt ein Zinsvorteil, wenn die Währung permanent abwertet.

Infolge der Pandemie haben die USA bereits fünf Rettungspakete aufgelegt, das letzte im Dezember in Höhe von 900 Milliarden US-Dollar und bereits unmittelbar will der neue US-Präsident noch einmal 1,9 Billionen drauflegen.

Das bedeutet, dass das US-Defizit nicht nur im Jahr 2020 bei 15,5 Prozent gelegen hat, sondern, dass man auch für 2021 mit 14 Prozent rechnet, eine Überziehung des Haushalts, den es in keinem anderen Industrieland geben sollte (Berechnungen Deutsche Bank).

Hierzu ein paar Defizite zum Vergleich:

  • Großbritannien 2020: -19,5 Prozent, 2021: -8,7 Prozent
  • Japan 2020: -14,4 Prozent, 2021: -11 Prozent
  • EU-Zone 2020: -9 Prozent, 2021 -6 Prozent
  • Italien 2020: -11,5 Prozent, 2021 – 8,4 Prozent
  • Deutschland 2020: -6,4 Prozent, 2021 -4,2 Prozent

Sollte dies so eintreten, würden sich die Schuldenstände im Vergleich zum Vor-Coronajahr wie folgt entwickeln:

  • USA von 108,7 auf 134 Prozent im Vergleich zum BIP
  • Großbritannien von 85,4 auf 111,5 Prozent
  • Japan von 238 auf 264 Prozent
  • EU-Zone von 90 auf 111 Prozent
  • Italien von 134,8 auf 158 Prozent
  • Deutschland von 59,5 auf 72,2 Prozent

Aus jetziger Sicht wohlgemerkt, aber die Pandemie ist noch nicht besiegt.

Was bedeutet diese fiskalpolitische Keule für die US-Wirtschaft? Natürlich Wachstum, schließlich gießt man Öl ins Feuer. Aber was macht das mit dem US-Dollar? Einige Ökonomen rechnen mit einem weiteren Verfall des Dollars, auch wenn bei einem Zinsanstieg Geld in den Dollar-Raum fließen sollte. Seit der Wahl in Georgia – also seit klar ist, dass die Demokraten die Mehrheit auch im Senat haben – hat der US-Dollar auch wieder etwas zugelegt. Das Konjunkturprogramm ist eher positiv für den Dollar zu sehen – bessere US-Wirtschaft = höhere Inflationserwartungen = höhere Zinsen und damit eine Stütze für den Greeenback, so die Rechnung.

Aber die Konjunktur wird auch weltweit besser, so dass Geld aus dem sicheren Hafen wiederum abfließen könnte – und damit aus den USA.

Das andere Argument: Die US-Staatschulden sind von 23,3 Billionen Dollar (2019) auf fast 28 Billionen (2020) gestiegen und sollen 2021 um weitere zwei Billionen Dollar steigen. Was für ein Bedarf an Anleihen, zumal noch auslaufende Bills ersetzt werden müssen.

Deshalb sehen Ökonomen wie Stephen Roach die Gefahr eines weiteren heftigen Verfalls beim US-Dollar in zweistelliger prozentualer Höhe. Ein höheres Budgetdefizit würde dazu führen, dass sich das Außenhandelsdefizite der USA weiter ausweitet.

Natürlich ist der US-Dollar noch die sehr dominante Weltleitwährung mit über 60 Prozent Anteil, es werden Rohstoffe zu über 80 Prozent in Dollar frakturiert, allein schon der über 10 Billionen Dollar pro Jahr schwere Ölmarkt. Aber eine weitere Abwertung dieser Leitwährung wäre ein Segen für die Länder, die starke Schulden in dieser Währung haben!

Das Comeback der Emerging Markets

Wenn man sich die Entwicklung an den Finanzmärkten seit der Finanzkrise betrachtet, so ist eines ohne Zweifel auffällig: Es ist bisher eine Dekade der großen Hightech-Werte und damit des technologielastigen Nasdaq. Sehr anschaulich an seiner Performance auch im Vergleich zu S&P 500 oder auch des MSCI World – seit dem Tief bei der Finanzkrise erkennbar:

  • Nasdaq plus 1020 Prozent
  • MSCI World plus 407 Prozent
  • MSCI Emerging Markets plus 293 Prozent

Die letztgenannte Anlageregion, die hier nicht mithalten konnte, obwohl Wachstum und das Alter der Bevölkerung eigentlich klar für sie sprächen, sind die 27 Länder, die in dem Index für Entwicklungsländer zusammengefasst sind. Viele diese Länder sind stark verschuldet, vor allem in US-Dollar, und dessen Abwärtsentwicklung ist eine starke Erleichterung für deren Haushalte (allerdings nicht für alle).

Wie stark die Emerging Markets auf die Abschwächung der Weltleitwährung und der immer stärker werdenden Verschuldung der USA reagiert haben, zeigen Vergleichcharts. Die Outperformance der Emerging Markets in Relation zum S&P 500, besonders deutlich der steile Anstieg nach dem Sieg der Demokraten und die Aussicht auf große Konjunkturprogramme.

Die Emerging Markets proftitieren von der Schwäche beim US-Dollar

Fazit

Wird das Comeback der Emerging Markets Bestand haben? Vermutlich schon, schließlich gibt es auch im Verhältnis der großen Indizes MSCI World und MSCI Emerging Markets Zyklen. Immer wieder gibt es einen Ausgleich in der Entwicklung, deshalb empfehlen Finanzmathematiker auch ein Anlageverhältnis von 70 zu 30, aufgrund von Vergleichen über die Jahrzehnte. Aktuell kommt mit der Schuldenproblematik, dem Verfall beim US-Dollar und Entwicklungen wie die Freihandelszone in Asien, RCEP – Regional Comprehensive Economic Partnership, ein riesiger Wirtschaftsraum mit aufstrebenden Nationen hinzu, was einer Umleitung von Anlagekapital förderlich wäre.

Fahnenstangen werden immer korrigiert, auch bei Länderindizes..

Ein starker US-Dollar ist für viele Länder ein Problem

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Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

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Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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