Devisen

Lagarde mit „Maulkorb“ gegen interne Kritiker – Fed drückt, Euro schwach

EZB-Zentrale in Frankfurt

Christine Lagarde sorgt für Furore mit einer bekannt gewordenen Info. Aber schauen wir zunächst auf den Euro. Erst gestern berichteten wir über die Euro-Aufwertung nach Aussagen aus Kreisen der EZB, dass eine Zinsanhebung schon im Juli möglich sei. Auch erwähnten wir, dass dieser Euro-Anstieg doch eine wacklige Nummer ist. Und was sehen wir heute? Der Euro-Anstieg von gestern ist längst wieder verpufft mit 1,0810 im Euro gegen den US-Dollar. Der US-Dollar ist im Aufwind. Fed-Chef Jerome Powell machte nämlich gestern deutlich, dass der Zins im Mai wohl um 0,50 Prozentpunkte angehoben wird.

Euro unter Druck – Fed schreitet voran, EZB zögert

Dem gegenüber steht die zögerliche EZB. Zwar sprachen wie gesagt Offizielle der Notenbank von Juli als erstem Termin für Zinsanhebungen, aber das sind noch zaghafte Andeutungen. Die Zinsschere geht also offenkundig noch weiter auseinander zwischen den USA und der Eurozone, und damit hat der US-Dollar gegenüber dem Euro derzeit Aufwind. EZB-Präsidentin Christine Lagarde schlug zudem einen dovishen Ton an, indem sie sagte, dass die Notenbank ihre Wachstumsaussichten möglicherweise zurückschrauben müsse.

Lagarde mit „Maulkorb“ für Kritiker innerhalb der EZB

Die folgende Meldung kann so interpretiert werden, dass Christine Lagarde nicht wünscht, dass mit vermehrten Aussagen aus dem Kreise der EZB-Funktionäre die öffentlichen Erwartungen für Zinsanhebungen in der Eurozone zu sehr angeheizt werden. Denn wie heute laut Berichten bekannt wurde, hat Christine Lagarde eine Art Maulkorb eingeführt, auch wenn der wohl nicht wirklich rechtlich bindend ist. Eine „informelle Richtlinie“ innerhalb der EZB soll nämlich besagen, dass an den Tagen nach einem Zinsentscheid in öffentlichen Auftritten von den Funktionären nur die auf der jeweiligen Sitzung verkündete Mehrheitsmeinung kundgetan werden darf. Von Donnerstag bis zum folgenden Montag solle man seine persönliche Meinung nicht aussprechen. Auch sollen die Ratsmitglieder der EZB dazu angehalten werden keine Details zu internen Diskussionen an die Presse weiterzugeben.

Von der EZB selbst gab es keine Stellungnahme zu dieser „informellen Richtlinie“, die nicht in Stein gemeißelt sein soll. Interessant: Nach der letzten EZB-Verkündung warteten Bundesbankchef Joachim Nagel und sein belgischer Kollege Pierre Wunsch bis zu dieser Woche mit ihren kritischen Kommentaren, bei denen es um das Drängen hin zu höheren Zinsen geht.

Meine Meinung: Wenn eine passive EZB-Chefin wie Christine Lagarde – die offenkundig am liebsten für immer einen Nullzins und negative Einlagenzinsen sehen würde – versucht so einen „Maulkorb“ durchzusetzen, deutet das wohl darauf hin, dass sie versucht Zinsanhebungen für die Eurozone zu vermeiden, oder zumindest möglichst lange hinauszuzögern. Trifft diese Annahme zu, wäre das ein schlechtes Zeichen für den Euro im Verhältnis zum US-Dollar.

Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage



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2 Kommentare

  1. Es ist auch ein schlechtes Zeichen in Bezug auf das hohe Lied auf die „Demokratie“ die in der EU ja so vorbildlich ist.

  2. Falls eine Petition gegen das fortbestehen der EZB in seiner jetzigen Form möglich wäre, dann würde ich mich dieser gerne anschließen ;-)

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