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Lagarde wohl vor frühem Abschied – wer übernimmt die EZB?

Lagarde vor frühem Abschied – wer übernimmt die EZB?
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Foto: Bloomberg

Christine Lagarde vor vorzeitigem EZB-Abgang? Laut Financial Times könnte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank ihr Amt noch vor Ende ihrer regulären Amtszeit 2027 niederlegen. Hintergrund sind politische Entwicklungen in Frankreich, die Nachfolgefrage sowie strategische Überlegungen der EU-Regierungen.

Möglicher Abschied vor Lagarde vor 2027

Laut einem aktuellen Bloomberg-Bericht wird Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, ihre achtjährige Amtszeit womöglich nicht bis Oktober 2027 vollständig erfüllen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Demnach erwäge die EZB-Chefin Lagarde, ihr Amt vorzeitig niederzulegen.

Ein konkreter Zeitpunkt für ihren möglichen Rücktritt steht laut Bericht noch nicht fest. Allerdings soll Lagarde in Erwägung ziehen, ihre Position vor der französischen Präsidentschaftswahl im April kommenden Jahres aufzugeben. Dieser Schritt würde dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron sowie dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz ermöglichen, frühzeitig einen geeigneten Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu bestimmen.

Die EZB selbst weist entsprechende Spekulationen zurück. In einer Stellungnahme erklärte ein Sprecher per E-Mail: „Präsidentin Lagarde ist vollständig auf ihre Mission fokussiert und hat keinerlei Entscheidung hinsichtlich des Endes ihrer Amtszeit getroffen.“

Politische Dynamik in Europa

Neben internen Überlegungen spielen offenbar auch politische Faktoren eine Rolle. Laut einem Bericht von Bloomberg prüfen europäische Regierungen, die Nachfolgesuche für Lagarde vorzuziehen. Ziel wäre es, strategische Risiken im Zusammenhang mit den französischen Präsidentschaftswahlen 2027 zu minimieren.

Üblicherweise würde eine Entscheidung über die Neubesetzung des EZB-Präsidentenamts im Sommer vor Ablauf der Amtszeit fallen. Doch der mögliche Wahlsieg einer rechtsgerichteten Kandidatin oder eines Kandidaten – etwa Marine Le Pen oder ihres politischen Ziehsohns Jordan Bardella – könnte den Zeitplan verändern. Die Wahlgänge in Frankreich beginnen im April 2027.

Ein früherer Auswahlprozess würde den EU-Mitgliedstaaten größere Planungssicherheit verschaffen und potenzielle politische Spannungen im Ernennungsverfahren vermeiden. Die Besetzung des EZB-Präsidentenamts ist von erheblicher strategischer Bedeutung für die Stabilität des Euroraums und die geldpolitische Ausrichtung der Eurozone.

EZB-Vorsitz: Wer folgt auf Lagarde?

Innerhalb der europäischen Finanzwelt werden bereits mögliche Nachfolger gehandelt. Laut Bericht gelten Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, sowie Bundesbank-Präsident Joachim Nagel als interessiert an der Position.

Beide verfügen über geldpolitische Expertise und gelten als profilierte Stimmen innerhalb der europäischen Zentralbankpolitik. Eine offizielle Kandidatur oder ein formelles Auswahlverfahren wurde bislang jedoch nicht angekündigt.

Ob Christine Lagarde tatsächlich vorzeitig zurücktritt, bleibt derzeit offen. Klar ist jedoch: Die Diskussion um ihre Nachfolge hat angesichts politischer Unsicherheiten in Europa deutlich an Dynamik gewonnen.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. Ein deutscher Turmfalke bitte. Ha, träumen darf man ja noch.

    1. Großer Bär

      Niemand hat die nötige Grundlage, um einen „Turmfalken“ zu füttern. Wir gehen mit unseren Währungen ins Finale. Es geht jetzt nur noch darum, die Währungen so geregelt abzuwerten, dass das gesamte System nicht zusammenbricht.
      Wer dazu kein höheres Wachstum hinbekommt, geht in eine unkontrollierbare Situation, weil die Inflation unausweichlich ist.

      Dollar, Pfund und Rubel haben schon mal geschafft, die anderen knapp tausend Währungen kann man im Museum besichtigen.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Jens Weidmann war für mich der Beste innerhalb der EZB. Er und die Sabine Lautenschläger haben versucht Draghi einzufangen, wurden aber immer überstimmt.

    Bei der „Whatever it takes Garantie – Versprechen Rede “ am späten Vormittag des 26.Juli 2012 ( ein Donnerstag in London …im Vorfeld der Olympischen Spiele von 2012 )… war Weidmann zuhause in Frankfurt am Main… im EZB Tower. Er wusste nichts von Draghis Eigenmächtigkeiten, war nicht eingeweiht)….“kippte bald vom Stuhl“ schrieb damals das Handelsblatt…

    Das berühmte OMT Programm….Weidmann stimmte als Einziger im EZB Rat dagegen, da dieses Programm gegen die No Bail Out Klausel verstieß, es aushebelte…die Geldschleusen öffnete…

    Darf man hoffen…das eine oder ein Deutscher das Ruder übernimmt….?

    Nein…! Aus meinem Umfeld weiß ich (und ich bin ganz gut vernetzt) …ist …das eine geldpolitische Taube das Steuer übernimmt… einer aus den PIIGS…
    Ich tippe auf einen Spanier oder Portugiesen….Es könnte aber auch wieder ein Italiener werden…
    Die PIIGS plus die Balten werden jedenfalls keinen geldpolitischen Falken an’s Ruder lassen…soviel steht fest…
    Lassen Sie mich noch etwas zu Madame Lagarde sagen. Für mich war sie eine gute aber keine sehr gute Präsidentin.
    Sie hätte nach Corona die Zinsen viel eher erhöhen müssen…
    Zusammenfassend kann man sagen das die PIIGS einen aus ihren Reihen benennen werden…Es wird ähnlich laufen wie 2011….als Draghi von Berlusconi ….aus dem Hut gezaubert wurde… .
    Die Deutschen haben keine Chancen es sei denn sie nominieren Fratzschner….die geldpolitische Taube vor dem Herrn…obwohl der ja noch gar nicht im EZB Rat ist…noch nicht…aber was nicht ist ..kann ja noch werden…

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