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Langzeitarbeitslosigkeit: Mehr Geld für sinnlose Maßnahmen? Es muss was passieren!

Die Langzeitarbeitslosigkeit ist zwar auf ganz lange Sicht geschrumpft, liegt aber immer noch auf relativ hohem Niveau. Das zeigen die Arbeitsmarktdaten ganz eindeutig. Der "Sockel" von offensichtlich schwer...

FMW-Redaktion

Die Langzeitarbeitslosigkeit ist zwar auf ganz lange Sicht geschrumpft, liegt aber immer noch auf relativ hohem Niveau. Das zeigen die Arbeitsmarktdaten ganz eindeutig. Der „Sockel“ von offensichtlich schwer vermittelbaren Personen ist vorhanden. Wenn wie von Arbeitgebern und Politik immer wieder betont in allen Wirtschaftsbereichen händeringend Mitarbeiter gesucht werden, dann hätte man hier hunderttausende Menschen, die lediglich qualifiziert werden müssten.

Richtig? Das klingt doch eigentlich ganz einfach. Und das ist doch eigentlich auch im Sinne der Arbeitgeber. Wohl aus diesen Grund veröffentlicht das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) heute einen Text, in dem man die finanzielle Aufstockung der Qualifizierungsmaßnahmen bei den Ämtern fordert. Auch müssten mehr Fallmanager für die Langzeitarbeitslosen zuständig sein. Alles richtig, klingt auch alles gut soweit. Nachdem wir an dieser Stelle das „IW“ zitieren, bringen wir zum Schluss auch nochmal unsere eigene Meinung. Zitat IW:

Sparen am falschen Ende

Obwohl es immer weniger Arbeitslose gibt, sinkt das Pro-Kopf-Budget für Eingliederungsleistungen der Hartz-IV-Empfänger seit Jahren. Zudem verfehlen viele Jobcenter die gesetzlich festgelegten Betreuungsquoten. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Gerade in die Förderung von Langzeitarbeitslosen muss mehr investiert werden.

Seit dem Höchststand im Jahr 2005 ist die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger von 2,8 Millionen auf 1,7 Millionen zurückgegangen. Für die Förderung jedes einzelnen Arbeitslosen müssten deshalb heute eigentlich besonders viele Mittel zur Verfügung stehen, doch das Gegenteil ist der Fall, zeigt die IW-Studie: Seit 2012 ist das Pro-Kopf-Budget für Eingliederungsleistungen um rund acht Prozent gesunken. Standen damals pro Jahr durchschnittlich gut 850 Euro für die Förderung eines erwerbsfähigen Hilfebedürftigen zur Verfügung, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 780 Euro. Unter Berücksichtigung der Inflation ist der Rückgang sogar noch größer. Dagegen steigen die Ausgaben für die Verwaltung immer weiter an. Alleine im Jahr 2016 wurden über 760 Millionen Euro vom Eingliederungshaushalt in den Verwaltungshaushalt verschoben.

Gerade für Langzeitarbeitslose – Personen, die seit mindestens einem Jahr arbeitslos sind – ist diese Entwicklung problematisch: Zwar hat sich dank der vielen neu geschaffenen Arbeitsplätze auch ihre Zahl zwischen 2006 und 2016 mehr als halbiert – von knapp 1,9 Millionen auf rund 880.000. Doch um die verbliebenen Langzeitarbeitslosen fit für den Arbeitsmarkt zu machen, ist eine besonders intensive Förderung notwendig. Denn vielfach handelt es sich dabei um ältere Menschen, um Personen mit Qualifikationsdefiziten oder mit gesundheitlichen Einschränkungen. „Sowohl aus sozialpolitischer Perspektive als auch vor dem Hintergrund des Arbeitskräftemangels ist es dringend nötig, mehr in die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen zu investieren“, sagt IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer.

Von zentraler Bedeutung ist in diesem Zusammenhang eine enge Betreuung durch die Fallmanager. Doch die im Sozialgesetzbuch vorgegebenen Betreuungsschlüssel werden von vielen Job-Centern nicht eingehalten – insbesondere bei Leistungsempfängern unter 25 Jahren. So verfehlen beispielsweise in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen jeweils rund 70 Prozent der Job-Center die Betreuungsschlüssel für jugendliche Leistungsempfänger. „Bei den Fallmanagern spart man am falschen Ende, denn ohne individuelle Förderung wird man viele Langzeitarbeitslose nicht integrieren können“, sagt Schäfer.

69 Prozent der Langzeitarbeitslosen streben eine Tätigkeit an, für die keine abgeschlossene Berufsausbildung vorausgesetzt wird oder sind älter als 55 Jahre.

Vorsicht ist bei der Idee geboten, einen dritten Arbeitsmarkt für vermeintlich chancenlose Langzeitarbeitslose einzurichten. Dies käme dem Versuch gleich, das Arbeitslosenproblem zu lösen, indem man diese in den Staatsdienst übernimmt. Stattdessen erscheint es angebracht, die Bemühungen um die Aktivierung zu intensivieren. Dazu braucht es eine höhere Kontaktdichte zwischen Arbeitslosen und Fallmanagern, die nur mit einer entsprechend ausgebauten Betreuungsrelation sichergestellt werden kann.

Wir meinen: Da hat das „IW“ viel Richtiges gesagt. Nur eines fehlt hier, nämlich die bisher zu großen Teilen völlige Nutzlosigkeit der Weiterqualifizierungsmaßnahmen durch die Fortbildungsindustrie, die durch die zugeteilten Gelder der Ämter wohl mehr als gut leben kann. Es müssten wirklich ernsthafte und sinnvolle Qualifizierungen sein, und nicht Maßnahmen wie Papierschwalben basteln etc…

Langzeitarbeitslosigkeit
Wie immer sehen die Arbeitssuchenden auf den Beispielbildern der Agentur recht glücklich aus. Foto: Bundesagentur für Arbeit.



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5 Kommentare

  1. Glauben Sie wirklich das alle Langzeitarbeitslosen nach Arbeit suchen?
    Schon mal eine andere Lebensanschauung als Möglichkeit in Betracht gezogen?

    1. Schon mal versucht, mit 55+ eine Stelle zu bekommen? Ich bin übrigens qualifiziert.
      Es liegt sicher zum großen Teil an den gestellten Ansprüchen, jung, billig, angepaßt.
      Die Talkshowsprüche unserer Politiker sind nur Schall und Rauch.
      Ein großes Problem ist auch, dass abgelehnte Bewerbungen nicht nachprüfbar begründet werden müssen.

    2. @ollifred Sie sollten sich wirklich schämen.

  2. @ollifred, bei solch sehr intelligenten und auch nachvollziehbar, substanziellen aussage eines „gesellschaftsweisen“, kommt mir automatisch die frage in den sinn, ob er eigentlich mal nach den millionen „fachkräften“ die dieses land grenzenlos bereichern, eben solch motiviert, qualifizierte aussage treffen würde?! diese tauchen perfid motiviert, nirgends auf. naja, auf die eigenen (noch) landsleute schimpft es sich gewollt einfacher, lenkt ab und befriedigt sicherlich auch ein wenig. sehr „deutsch“. schon mal was von wegbrechender industrie gehört, automatisierung auf teufel komm raus, auch ewig geheuchtelte, aber voll brutale altersproblematik? aufstockern und biiligstlöhnern (da kommt man nicht mehr raus)? ja und fmw hat leider voll den nagel auf den kopf getroffen ! es ist und war ein perfider, politisch verordneter „bildungsmarkt“, indem nur statistisch hütchenspielertricks für die eigene patreikannone geliefert wurden. ich denk an fr. spd nahles und mit wird übel…die kurs-zeiträume waren unsinnig und völlig absurd zu kurz. hintergrund? es durfte der neuanspruch auf arbeitslosengeld1 niemals erreicht werden. heißt: 11,5 monate…na da werden sie aber sowas von qualifiziert. die leute wurden verascht und waren sinnlose zertifikate sammler, ohne jedwede perspektive. denn immer wenn es darauf an kam, war der kurs zu ende. skandalös, dass dieser irrsinn eine sogenannte zertifikat zulassung bekam. vieleicht verstehen sie, dass tausende ausser lebenszeit und mu, auch noch die hoffnung verloren haben, nach dem 2 oder 3. sinnfrei kurs…ich habe 2 jahre lang als ehemaliger mitarbeiter dagegen gekämpft. außer einer dienstaufsichtsklage kam nichts dabei heraus. mal so ganz nebenbei…wen interessiert es wirklich…was sagt denn ard und zdf und die bild dazu?

  3. @oscar: Kann ich voll und ganz unterschreiben! War selber jahrelang in der „ALG2/Fluechtlings-Verwaltungs-Weiterbildungs Industrie“ beschaeftigt. Waere dabei selber fast verbloedet:
    Einerseits von den „Inhalten“, z. B. das massenhafte Anfertigen von Bewerbungen, die die Teilnehmer zum Teil selber nicht verstanden haben etc. Andererseits durch die „Motivation“ der teilweise, einem schon lange bekannten Teilnehmer (Statistikopfer) in der 3. Runde, die ihre „Bewerbungen“ aus der 1. und 2. Runde schon dabei hatten.

    Von den Teilnehmern mit Migrationshintergrund ganz zu schweigen, die sich in Sprach- und Rechtschreibkenntnissen und Grundrechenarten auf 2. Klaessler-Niveau befinden. Aber sehr wohl die Laecherlichkeit der ganzen Aktion durchschaut haben.

    Dies hat sich, bei allen Gruppen, hauptsaechlich in Nichtanwesenheit per „gelben Zettel“ niedergeschlagen, um die Sanktionen seitens der Jobcenter zu vermeiden.

    Diese „Industrie“ lebt nicht schlecht davon, zumindest der buerokratische „Wasserkopf“. Denn die Dozenten und Ausbilder, die die eigentliche Arbeit machen, werden allenfalls befristet eingestellt. Bei entsprechender Qualifikation (FH Abschluss, Lehrerstudium, (abgeschlossen versteht sich) kann man es sogar auf 2000-2500.- Brutto bringen (Lol). Nach 2 Jahren ist dann Schluss. Auch Honorarkraefte fuer 20-25.-/Std. Brutto vor Steuer (ohne Urlaub und Lohnfortzahlung) sind „gern gesehene“ Mitarbeiter. Da spart man gleich noch die AG Anteile! Das zahlt alles der Honorar „Seppl“ selbst. Und bei Massnahme-Ende…Tschuess!!!

    Auch ein Teil vom „Jobwunder“!

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