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Lehman Brothers Deutschland mit 17 Milliarden Euro zum Verteilen: Bundesbank, Einlagensicherung, Pensionskassen und Kommumen erhalten 100% zurück

War da nicht mal was? Zehntausende deutsche Kleinsparer hatten von ihren Bank- und Sparkassen-Beratern statt Sparkonten Zertifikate von Lehman Brothers aufs Auge gedrückt bekommen. Das Wort Zertifikat klingt ja auch so, als sei das alles vom…

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FMW-Redaktion

War da nicht mal was? Zehntausende deutsche Kleinsparer hatten von ihren Bank- und Sparkassen-Beratern statt Sparkonten Zertifikate von Lehman Brothers aufs Auge gedrückt bekommen. Das Wort Zertifikat klingt ja auch so, als sei das alles vom TÜV geprüft worden. Also musste das ja was Seriöses sein. Aber nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers in den USA im Jahr 2008 brachen auch die Tochtergesellschaften im Ausland zusammen. Und die Privatanleger? Die hatten die dankbare Aufgabe sich mit ihrem Kreditinstitut zu streiten, ob denn eine Falschberatung vorlag. Denn Zertifikate (in diesem Fall von einer niederländischen Lehman-Tochter) sind Schuldverschreibungen – das wusste und weiß auch heute wohl kaum ein „normaler“ Privatanleger.

In die Einlagensicherung fallen aber nur Sichteinlagen wie Bankguthaben oder Sparkonten. Von daher konnten die Anleger in keiner Weise auf irgendeine Einlagensicherung hoffen. Die Gelder waren weg. Einige Klagen gegen „beratende“ Banken gingen verloren, andere Kunden einigten sich auf Teilerstattungen, andere gingen leer aus. Anleger, die die Zertifikate behielten, bekamen noch Teilentschädigungen aus der niederländischen Insolvenzmasse. Und wie gehen die Profi-Anleger aus der Lehman-Insolvenz hervor? Heute wissen wir es. Der Insolvenzverwalter der deutschen Lehman Brothers hat offenbar glänzende Arbeit geleistet. Dem Fachblatt „INDat“ erklärte er, dass er die Forderungen der deutschen Gläubiger in den USA zu 100% durchsetzen konnte.

So erhalten also alle 750 Gläubiger, die in Frankfurt bei der dortigen Lehman Bank Geld hatten, komplett ihr Geld zurück. Dabei geht es um Pensionskassen, Kommunen, die Bundesbank, aber auch die Einlagensicherung der Privatbanken, die in Vorleistung gegangen war. Wie gesagt, die Kleinsparer mit ihren Zertifikaten haben mit dieser Erstattung nichts zu tun. Aus der Insolvenzmasse von 17 Milliarden Euro kann der Insolvenzverwalter nicht nur alle Forderungen komplett bedienen, sondern auch sein eigenes atemberaubendes Honorar selbst begleichen, welches basierend auf Schätzungen aus dem Jahr 2013 ganz grob um die 500 Millionen Euro liegen dürfte.

Und was soll man sich als Gläubiger auch aufregen über so ein gigantisches Honorar, wenn der Insolvenzverwalter gute Arbeit macht, und einem die gesamte Forderung eintreibt? Am Anfang lag die Insolvenzmasse noch bei 100 Millionen Euro, jetzt liegt sie bei 17 Milliarden Euro. Man könnte fast sagen: Wenn es um größtenteils staatliche Institutionelle geht, die als Gläubiger auftreten, gelingt es 100% der Gelder zurückzuholen – das wäre bei privaten Kleinsparern mit dort vorhandenen Einlagen wohl nicht gelungen – stimmt diese These?

Natürlich ist nun wunderbar Raum geschaffen worden für Sprüche wie „die Großen kriegen alles wieder, die Kleinen bleiben auf der Strecke“. Man kann oder sollte es aber vielleicht so sehen: Institutionelle Anleger würden niemals „in Zertifikate“ investieren, da dies Schuldverschreibungen sind, die in der Regel auch noch im Insolvenzfall ganz hinten in der Schlange stehen, wenn es darum geht Geld zurückzubekommen. Bei hohen Renditen werden Institutionelle sofort misstrauisch. Es ist nun mal das Drama des schlecht informierten Kleinanlegers, dass ihm ein schöner Prospekt über ein „Zertifikat“ vorgelegt wird. Und warum auch nicht, der Banker wird schon wissen, was das ist, und dem Anleger nichts Schlechtes empfehlen…


Die alte Lehman Brothers-Zentrale in New York. Foto: David Shankbone / Wikipedia / (CC BY-SA 3.0)

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Deutscher Michel

    16. November 2017 20:08 at 20:08

    Ich habe kein Mitleid mit Privatanlegern, die geglaubt haben, dass man mit irgendwelchen mysteriösen Anlagen ohne Risiko hohe Renditen bekommt.

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Was erlauben Mario? Eine Spurensuche nach den Motiven des Notenbankchefs

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am

Wie wir alle lesen konnten, hat sich der Notenbankchef Mario Draghi auf der Konferenz in Sintra/Portugal sehr „dovish“ zur künftigen Politik der EZB geäußert und weitere geldpolitische Maßnahmen in Aussicht gestellt, trotz Null- und Negativzinsen. Hat er nichts aus der bisherigen eingeschränkten Wirkung seiner Geldpolitik gelernt oder was könnte sein Motiv sein?

Mario Draghis Karriere

Man ist schnell bei der Hand, die Aktionen des mächtigen Notenbankers mit dumm oder ideologisch zu bezeichnen. Dagegen spricht seine Ausbildung, seine Karriere und sein Beraterstab von Hunderten promovierten Volkswirten. Draghi hat am bekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Wirtschaftswissenschaften promoviert mit der Thematik der theoretischen Grundlagen von Währungsabwertungen sowie mit dem Verhältnis von kurzfristiger Stabilisierungspolitik und langfristigen Planungszielen.

Mario Draghi
Foto: EZB

Er war jahrelang Dozent der Wirtschaftswissenschaften an verschiedenen Universitäten, er hatte den Vorsitz des Wirtschafts- und Finanzausschusses der Europäischen Union inne und wurde im Jahre 2002 Managing Director und Vizepräsident der Investmentbank Goldman Sachs in London, bis 2005. Ab dem Jahr 2006, für ingesamt fünf Jahre, wurde Mario Draghi der Notenbankchef Italiens und er kennt daher die finanziellen Gegebenheiten seines Heimatlandes aus dem Effeff. Bereits während seiner Amtszeit forderte er vergeblich die Politik zu durchgreifenden Strukturreformen auf, wie etwa einer Anhebung der Lebensarbeitszeit. Und anschließend wurde er nun schon für acht Jahre EZB-Chef, also von Unwissenheit kann keine Rede sein, er dürfte sich in der Geldpolitik besser auskennen, als jeder von uns in diesem Forum.

Warum beharrt Mario Draghi auf seiner Geldpolitik?

Hier ist man natürlich auf das Spekulieren angewiesen. Mario Draghi ist in erster Linie Notenbanker und zwar derjenige, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Eurozone zusammenzuhalten, „whatever it takes “. Was bleibt ihm daher anderes übrig, als die Zinsen unten zu lassen, zumal die Verhältnisse in der italienischen Politik ein Auseinanderbrechen des Euroraumes immer wahrscheinlicher machen. Wenn die Fed jetzt die Zinsen senkt und der Dollar an Anziehung verlöre, wäre ein Erstarken des Euro die Folge und ein weiterer Schlag gegen Europas rezessionsgefährdeter Exportindustrie. Trumps Zollpolitik und ein starker Euro wären der sichere Schritt in eine Rezession der Eurozone. Eventuell will er auch Zeit gewinnen, bis sich die Eurozone, durch Betreiben Frankreichs, auf eine Vergemeinschaftung der europäischen Schulden durchringt. Ihm ist sicher bewusst, dass Italien von seinen Schulden (132% zum BIP), nicht herunterkommen kann.

Draghi hat als EZB-Chef die Wahl zwischen Pest und Cholera. Reagiert er nicht auf Zinssenkungen der Amerikaner kommt die Rezession. Senkt er das Geld weiter ins Minus, gefährdet er das europäische Bankensystem. Warum betet er die Banken so gesund und „die würden durch die Fristentransformation gar nicht so leiden.“ Ich bin mir sicher, wenn es weiter brenzlig wird, kommt es zum gestaffelten Einlagesatz für die Banken, es ist nur derzeit der Politik nicht zu vermitteln. Warum rettet man italienische Banken und lässt die systemrelevanten nördlichen Institute straucheln? Wohl eher nicht. Mario Draghi ist in zweiter Linie Italiener, in Rom lebend und mit einer Familie im Lande. Er wird vor seinem Ruhestand sicher nichts tun, um sein Heimatland zu gefährden.

Fazit

Klar sind meine Aussagen spekulativ. Aber der EZB-Chef sitzt einem Direktorium (sechs Mitglieder) vor, zusätzlich gibt es die Präsidenten der 19 Mitgliedsstaaten, die in einem rollierenden System ihre Stimmen zu Zinsentscheidungen abgeben. Notenbankpolitik ist keine „One Man Show“. Aus einem Zinswettlauf ist parallel ein Währungswettlauf geworden und das ist nicht zu unterschätzen. Ich will Draghi hier nicht verteidigen, die Nullzinspolitik ist für unsere Vorsorgesysteme und die künftige Generation (weiter sollte man nicht spekulieren) desaströs. Aber bleibt der EZB derzeit etwas anderes übrig? Man stelle sich den Effekt der Ankündigung einer Zinssteigerung in Europa vor!

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„Wirtschaftsterrorismus“ der USA gegen den Rest der Welt

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Florian Homm spricht in seinem aktuell veröffentlichten Videokommentar vom „Wirtschaftsterrorismus“ der USA gegen den Rest der Welt. Aber na ja, nicht gegen alle Staaten, denn einige Länder nehme Trump explizit aus. Vor allem seien es Partnerländer aus dem angelsächsischen Bereich, die kaum unter seinen Zöllen und Sanktionen leiden würden. Aber ansonsten überziehe er den Planeten mit Strafen, Zöllen und Wirtschaftskrieg, um die Aussagen von Homm mal vereinfacht auszudrücken. Europa müsse klar Position beziehen, so seine Botschaft.

Betreibt Donald Trump Wirtschaftsterrorismus?
Donald Trump.

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Mario Draghi: Sein Problem im Detail, aktuell, schwarz auf weiß

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Tja, Mario Draghi hat so einige Probleme. Gerade eben kam ein weiteres hinzu. Donald Trump ist ziemlich erbost darüber, dass die Eurozone doch glatt ihre Geldpolitik weiter lockert, was den Euro gegen den Dollar schwächt. Diese bösen Europäer und Chinesen, die ihre Währungen manipulieren, um den Amerikanern die Arbeitsplätze wegzunehmen.


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Mario Draghi hat eigentlich nur eine Aufgabe

Und dann wäre da noch die stark einbrechende Industrieproduktion in Europa. Krise voll im Anflug. Und ja, eigentlich hat Mario Draghi nur eine Aufgabe, nämlich für Preisstabilität zu sorgen. Dafür wurde vor Jahren offiziell das Inflationsziel von 2,0% für die Eurozone ausgegeben. Bloß keine Deflation riskieren, war damals die Devise! Erst sei an eine Zinswende nach oben zu denken, wenn die Inflation inklusive der Kerninflation für eine lange Zeit bei mindestens 2% liege. Tja, aber das funktioniert nicht. Nicht mal ansatzweise. Davon ist derzeit nicht mal zu träumen.

EZB-Präsident Mario Draghi
Mario Draghi. Foto: EZB CC BY-NC-ND 2.0

Heute hat die europäische Statistikbehörde Eurostat offiziell die Details für die Verbraucherpreise im Mai veröffentlicht. Von März auf April sprangen die Preise von 1,4% auf 1,7%. Mensch, wie toll, dachten sich wohl so einige Beobachter. Da kommt man doch nah ran an die 2,0%? Aber im Mai folgte nun der Einbruch von 1,7% auf 1,2%. Die Details zeigen, dass der April-Wert von 1,7% (wohl zum Leidwesen für Mario Draghi) nur ein einmaliger Ausreißer nach oben war. Verursacht war er durch einen kurzen Preisschub bei Dienstleistungen. Dort stiegen die Verbraucherpreise von 1,1% auf 1,9%. Und jetzt, zack, wieder runter auf 1,0%.

Details zu den Verbraucherdaten machen Mario Draghi unglücklich
Grafik: Eurostat

Die Energiepreise fallen als Wachstumstreiber auch aus, obwohl sie mit aktuell +3,8% immer noch deutlich über dem Schnitt liegen. Aber in den Vormonaten (rot markiert) lagen die Prozentraten bei über 5%. Lebensmittel sind mit „nur noch“ +1,5% auch keine große Hilfe mehr wie noch letztes Jahr, wenn es um steigende Verbraucherpreise geht. Ganz rechts im folgenden Chart sieht man den jüngsten Rückfall bei den Verbraucherpreisen.

Eurozone Verbraucherpreise Mai Chart

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