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Leitzins auf 40% half dem Peso gar nicht – Argentinien bittet IWF um Hilfe

Was letzte Woche in Argentinien geschah, war dramatisch (wir berichteten). Der argentinische Peso fiel in kurzer Zeit immer weiter, weil ausländische Investoren Geld zurück in den Dollar-Raum holen, wo dank höherer Zinsen die Anleiherenditen immer attraktiver werden. Argentinien als extrem wackliges Schwellenland mit einer jüngst extrem unseriösen Finanzpolitik ist da ganz weit vorne, wenn es darum geht die Währung abzuwerten.

Spekulanten sprangen drauf, und so crashte der Peso gegen den US-Dollar. Nach zwei Wochen musste man nicht mehr 20, sondern über 23 Peso für einen US-Dollar zahlen. Die dreimalige Zinsanhebung der argentinischen Notenbank in der letzten Woche auf jetzt 40% (!) hatte dem Peso nur ganz kurz geholfen. Aber gestern wurde sogar ein Kurs über 23 erreicht. Jetzt liegt man bei Dollar vs Peso teurer als nach der Zinsanhebung von letzter Woche. Total verpufft ist diese Aktion, und die Argentinier müssen mit drastisch höheren Zinsen für Kredite leben, während die Importe ins Land dramatisch teurer werden.

Fast schon zwangsläufig tut Argentiniens Präsident Macri was? Er ruft beim Internationalen Währungsfonds an, und bittet um Hilfe. Das bestätigt der IWF auch offiziell. Ein Rettungskonzept oder Ähnliches scheint nicht zu existieren, denn das alles kam ja wohl sehr spontan und kurzfristig. So hat Christine Lagarde aktuell auch nur ein kurzes Statement zu vermelden, dass man sich jetzt zusammensetze um zu schauen, wie man Argentinien „helfen könne“. Zitat IWF:

“Argentina is a valued member of the International Monetary Fund. I very much welcome President Macri’s statement today and look forward to our continuing partnership with Argentina. Discussions have been initiated on how we can work together to strengthen the Argentine economy and these will be pursued in short order.”

Kurzfristig könnte der IWF frisches Geld nach Argentinien pumpen. Finanzminister Nicolás Dujovne kündigte inzwischen Haushaltskürzungen in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar an – eine „übliche“ Maßnahme um den IWF schon mal milde zu stimmen?

Präsident Macri sagte dazu, dass man den einzig möglichen Weg gehe um dem Stillstand zu entkommen, und eine große Krise zu verhindern, die allen schaden würde. Gut, Argentinien ist längst in einer massiven Krise – aber sie würde nur noch dramatisch verschlimmert, wenn jetzt gar nichts getan wird. Der wirtschaftsfreundliche Macri nennt die Probleme wenigstens offen beim Namen. So sei sein Land wohl das am stärksten von ausländischem Geld abhängige Land überhaupt. Man habe von den Vorgängerregierungen Probleme geerbt, die man jetzt abarbeite.

Wenn Argentinien jetzt wirklich Geld vom IWF erhält, ist das ein Vertrauensbeweis in die Seriosität von Präsident Macri. Denn Vorgänger-Rergierungen der Kirchner-Familie hatten den Schuldendienst an den IWF einfach eingestellt. Macri gilt als extrem wirtschaftsfreundlich und marktorientiert. Das geht natürlich jetzt auf Lasten der sozial Schwächsten, die unter massiven Kürzungen und teuren Importen zu leiden haben. Aber es ist wohl ein notwendiges Übel, weil die Kirchner-Ära das Land in ein starres wirtschaftliches Korsett zwängte, wodurch alles nur in Zeitlupe immer schlimmer wurde – aber es wurde immer schlimmer. Jetzt ohne Korsett (frei gegebene Währung etc) ist man erstmal dem freien Markt ausgesetzt, und muss sich aus der Misere herauskämpfen.


USD vs Peso seit Anfang April. Ganz rechts sieht man den kleinen Rücksetzer, seitdem jetzt ganz aktuell bekannt ist, dass der IWF womöglich einschreitet. Kann das dem Peso helfen?

Argentinien Mauricio Macri
Argentiniens Präsident Mauricio Macri. Foto: Casa Rosada (Argentina Presidency of the Nation) / Wikipedia (CC BY 2.5 ar)



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2 Kommentare

  1. Argentinien: Das nächste Volk, dass dank der Hilfe des IWFs mit massiven Problemen zu rechnen hat.
    Wir wissen aus der Vergangenheit, was es bedeutet, wenn der IWF zu Hilfe eilt. Die Sterblichkeitsraten werden steigen und der arme Teil der Bevölkerung wird noch ärmer.

  2. Achgott, immer das selbe Spiel. Immer schön aufschulden, alte Schulden gegen neue ablösen,…gähn, es langweilt. So ein billiges Ponzischema und nur wenige blicken es.

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