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LIBOR-Skandal: Der „Rain Man“ wird zum alleinigen Sündenbock gemacht

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Gestern wurde der LIBOR-Händler Tom Hayes in am „Southwark Crown Court“ in London zu 14 Jahren Haft verurteilt. Die Jury sah als Motiv Gier. Das Gericht sieht ihn als Drahtzieher des weltweiten LIBOR-Skandals. Weitere 21 Trader sollen abgeurteilt werden. Doch wie viele Direktoren oder Bankvorstände werden beschuldigt? Ein Einblick…

Der „Rain Main“ als LIBOR-Drahtzieher?

Wie in der Londoner Bankenszene schon länger bekannt ist, leidet (eigentlich falscher Ausdruck) Tom Hayes am „Asperger-Syndrom“. Dies ist eine abgeschwächte Art von Autismus, warum man in der Londoner City vom „Rain Man“ spricht. Er soll enorme Fähigkeiten haben, wenn es um Zahlen geht. Laut eigenen Aussagen schläft er mit 36 Jahren immer noch in derselben Superhelden-Bettwäsche wie als Kind, weil er bisher keine Veranlassung sah eine neue zu kaufen. Kollegen verspotteten ihn, weil er als einziger in der Brokerkneipe Kakao statt Bier trank. Dass er so offensiv damit umging, kann man auch als Verteidigungsstrategie ansehen, die aber offensichtlich nicht funktionierte.

Autist zu sein muss natürlich nicht bedeuten, dass er ein harmloses Opfer ist. Die Anklage sah hinter dem Mann „mit seinen komischen Eigenheiten“ einen geldgierigen Mann, der die zentrale treibende Kraft war, die weltweit den LIBOR manipulierte. Aber nach seinen eigenen Aussagen waren seine Handlungen nicht betrügerisch, und seine Vorgesetzten hätten davon gewusst. Sinngemäß sagte Hayes „die UBS hat mich überrollt. Ich stand alleine gegen zwei 50 Milliarden Dollar-Organisationen“. Damit meinte er seine Ex-Arbeitgeber UBS und Citigroup.

Nur ein paar kriminelle Trader?

Hayes hat in den letzten Jahren mehrfach betont, dass schon vor seinem Arbeitsbeginn bei der UBS diese Praktiken dort normal waren, und nach seinem Tätigkeitsende auch. Es sei kein Einzelfall gewesen – er habe lediglich an einer branchenweit üblichen Praxis teilgenommen. Wie es aussieht, konzentrieren sich die Ermittler nicht nur in Großbritannien aber auf einen kleinen Kreis von Tradern um Hayes herum, die unmittelbar an den Handelssystemen der Banken saßen (sozusagen direkt an der Enter-Taste). Man überlege mit dem gesunden Menschenverstand: Ist es möglich, dass über Jahre hinweg Trader bei diversen Großbanken diesen Zinssatz manipulieren konnten, heimlich, aus eigenem Antrieb, ohne entdeckt zu werden, ohne Anweisung von oben? Wir können das natürlich nicht nachweisen, nur versuchen logische Schlussfolgerungen ziehen.

Wie in allen Bereichen des sogenannten „Investment Banking“ ist auch im Zins- und Devisenhandel der Leistungsdruck enorm, d.h. die Trader müssen Gewinne für die Bank einfahren, und natürlich muss dieser jedes Jahr steigen. Wie soll man ständig steigende Gewinne für seine Vorgesetzten in der Bank produzieren in einem Markt wie dem LIBOR, wo man nicht auf Trends mit unendlich großen Gewinnspannen spekulieren kann, sondern wo es nur um minimalste Zinsdifferenzen geht?

Es ist kaum verwunderlich: Außer den direkt ausführenden Tradern des LIBOR-Skandals wurde nirgendwo ein Gruppenleiter, Abteilungsleiter, Prokurist oder Bankvorstand angeklagt oder angezeigt. Alles was über der Ebene der Trader liegt, wurde durch die Großbanken mit milliardenschweren Geldzahlungen gegenüber den Aufsichtsbehörden „zugeschüttet“ (Hayes´Ex-Arbeitgeber UBS kaufte sich mit 1,5 Milliarden Dollar frei).

Auch wenn es nichts mit dem LIBOR-Skandal zu tun haben muss, aber ein nettes Beispiel für einer „Nach oben weg“-Beförderung liefert Anshu Jain. Der Londoner „Star-Investmentbanker“ der Deutschen Bank war Chef der ganzen Abteilung in London, diverse Skandale (oder nennen wir sie Missgeschicke) fielen in seine Amtszeit, die er selbst natürlich alle nicht zu verantworten hatte (alles Einzeltäter) – er wurde dann zum Vorstand der Bank befördert, um diese Skandale aufzuklären… aber inzwischen hat sich das Thema ja auch wieder erledigt. Jain wurde wg. sagen wir mal nicht vorhandenen Erfolgen ersetzt.

EINZELNE sind schuld

Es scheint im Großen und Ganzen betrachtet um die (in der Tat wichtige) Staatsraison zu gehen, gerade in Deutschland, wo man besonders Wert auf ein stabiles Bankensystem legt: Skandale, Probleme, alles muss irgendwie zugeschüttet bzw. vernebelt werden. Schuld sind mittlere und kleine Trader weiter unten in der Hierarchie. DIE BANK als Ganzes muss ihren seriösen und sauberen Anschein wahren, damit der Kleinsparer weiterhin Vertrauen in das Bankensystem als Ganzes behält. Was passiert, wenn er es verliert? Er zieht sein Geld in Panik von der Bank ab, das System kollabiert. Dieser Vertrauensverlust soll nicht mal im allerkleinsten Umfang entstehen. Jeder Zweifel an der Integrität des Bankensystems muss erstickt werden – daher sind bei Problemen immer EINZELNE schuld, nie eine Bank als Ganzes!



Hier Auszüge aus den Chat-Protokollen der LIBOR-Betrüger.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

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    ichsagsjanur

    5. August 2015 02:38 at 02:38

    „Dies ist eine abgeschwächte Art von Autismus(…)“
    Das stimmt so nicht. Asperger ist weder eine leichte noch eine extreme Art von Autismus. Es ist einfach nur Autismus. Ich weiß nicht, wieso es immer heißt, es sei ja kein „richtiger Autismus“. Liegt es daran, dass es „Asperger Syndrom“ heißt und nicht „Asperger Autismus“? Zu frühkindlichem Autismus kann man auch Kanner Syndrom sagen, ist das jetzt harmloser? Oder liegt es einfach daran, dass Asperger sprechen können, was bei Kannern meistens nicht so ist?
    Vielleicht denkt sich jetzt jemand was für ein Erbsenzähler ich bin und sowas sei ja eh total unwichtig und ich solle mich auf richtige Probleme konzentrieren. Aber diese Verharmlosung ist ein riesiges Problem! Dadurch werde ich nicht ernst genommen und anstatt Verständnis zu zeigen, heißt es nur, ich solle mich nicht so anstellen, das ist ja kein echter Autismus. Dadurch werden Probleme nur größer und schlimmer. Und nur weil ich reden kann, heißt es nicht, dass ich auch kommunizieren kann
    Ich kann nicht einfach nach dem Weg fragen, wenn ich nicht weiß wos langgeht. Ich kannnicht fragen, wo ein bestimmtes Produkt im Geschäft zu finden ist. Ich könnte keinen Krankenwagen rufen, wenn ich einen bräuchte. Ich kann meine Gedanken und Gefühle mit keinem teilen. Ich kann Menschen, die mir alles bedeuten, nicht sagen wie wichtig sie mir sind. Das schlimmste aber für mich ist es, nicht schreien zu können. Einfach mal den ganzen Frust und all den Schmerz rausschreien, ihn in die Welt tragen um zu sagen: Da stimmt etwas nicht!
    Gut, dass ich NUR Asperger habe!

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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