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Libra: Facebooks Fake-Geld

Redaktion

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am

Was die Libra kann und was nicht

von Thorsten Polleit

Hinweis: der Artikel von Thorsten Polleit erschien zunächst beim Ludwig von Mises Institut Deutschland (https://www.misesde.org/?p=22101) – eine Webseite, die wir grundsätzlich unseren Lesern empfehlen möchten..

Facebook will seinen Kunden ab dem Jahr 2020 eine globale High-Tech-Währung samt Infrastruktur anbieten. Vielen Menschen auf diesem Erdball soll damit ein einfacher und kostengünstiger Zugang zum Geld- und Finanzsystem eröffnet werden, sagt der US-IT-Gigant. Das neue Blockchain-basierte Geld heißt „Libra“. Technisch gesehen handelt es sich um so etwas wie eine Krypto-Geld-Banknote, die durch einen Korb von offiziellen Fiat-Geldern (wie US-Dollar, Euro und Co) gedeckt ist. Herzstück des Libra-Projekts ist die „Libra Association“ (LA). Der regierungsunabhängige Verein mit Sitz in Genf, Schweiz, wird von Gründungsmitgliedern wie Ebay, Facebook, Mastercard, Paypal, Spotify, Uber, Visa und weiteren renommierten Firmen getragen und wird die Operation und Weiterentwicklung von Libra verantworten.

Libra werden geschaffen, indem Menschen US-Dollar oder Euro bei der LA einzahlen, und die LA räumt den Einzahlern daraufhin einen entsprechenden Libra-Betrag in einer digitalen Brieftasche („Wallet“) ein, der sodann für Zahlungszwecke per Internet, Smartphone, Kreditkarte oder per Whatsapp und Messenger, also Facebooks Chatdiensten, verwendet werden kann. Die Erfolgschancen scheinen gut für die Libra zu stehen: Elektronisches Zahlen ist ein Mega-Trend. Und wenn sich das auch noch über Social Media bewerkstelligen lässt, umso cooler, denken sicherlich viele Kunden. Die traditionellen Banken haben allerdings nun Grund zur Sorge: Die Libra wird den Wettbewerbsdruck erhöhen. Denn sie angelt die Zahlungsumsätze aus den Bankkonten heraus zugunsten des Libra-Vereins. Nicht die Banken, sondern der Libra-Verein kassiert fortan die Gebühren und erhält die Informationen, wer was wann und wohin bezahlt.

Die Banken werden aber erst recht in die Röhre schauen, wenn die Kunden beginnen, die Libra auch für
Sparzwecke zu nutzen. Denn dann verlieren sie auch noch die Termin- und Spareinlagen, mit denen sie ihre Geschäfte billig refinanzieren können. Oder man denke an das Kreditgeschäft: Der Libra-Verein stellt seinen Kunden vielleicht bald auch kurzfristige Konsumentenkredite bereit nach dem Motto „Konsumiere schon heute und zahle erst in drei Monaten“. Dass die Banken gehörig unter Wettbewerbsdruck geraten, ist gut: Konkurrenz belebt das Geschäft und bringt Verbesserung. Die Bankenbranche wird allerdings große Schwierigkeiten haben, den Neuerungen im Fin-Tech-Bereich Paroli bieten zu können. Nicht zuletzt, weil die staatliche Regulierung ihnen über Jahrzehnte hinweg unliebsame Konkurrenz von außen vom Hals gehalten und so ihre Innovationskraft geschwächt hat.

 

Gutes Geld?

Ist aber Libra solides, gutes Geld, das seine Kaufkraft bewahrt? Hier sind ernste Zweifel anzumelden: Die Verlässlichkeit der Libra steht und fällt mit der Qualität der unterliegenden ungedeckten Papierwährungen. Die Libra wird in dem Maße inflationäres Geld sein, wie US-Dollar, Euro und Co von den Zentralbanken inflationiert werden, sie wird ihre Kaufkraft im Gleichschritt mit den offiziellen Papierwährungen verlieren. Und dass die Geldbehörden dies- und jenseits des Atlantiks mit ihrer extremen Null- und Negativzinspolitik sowie ihrer chronischen Geldmengenvermehrung weitermachen, ist doch sehr wahrscheinlich. Im Extremfall, sollten die offiziellen Währungen untergehen, wäre auch die Libra perdu. Das Facebook-Geld ist also keine echte Alternative zu den offiziellen Fiat-Geldern, bestenfalls eine einfachere Art, sie zu verwenden.

Die Idee der Libra-Erfinder ist es, die eingezahlten Fiat-Geldbeträge als „Reserve“ vorzuhalten: Man will sicherstellen, dass der Rückumtausch von Libra in nationales Fiat-Geld jederzeit möglich ist, und dazu will man die eingezahlten Fiat-Gelder als Guthaben bei Banken halten oder für den Kauf von verzinslichen Wertpapieren verwenden. Heraus kommt eine Art „Teilreserve“: Die Reserve wird nicht zu 100 Prozent in Fiat-Geld gehalten, sondern eben auch in Schuldpapieren. Letztere müssen bei Bedarf am Markt gegen Fiat-Geld verkauft werden. Die Lira ist daher nicht nur inflationär wie das Fiat-Geld, sie trägt auch ein Zahlungsausfallrisiko – was dann schlagend wird, wenn der LA-Verein fehldisponiert oder die Kreditmarktlage verhindert, dass die Umtauschwünsche der Libra-Besitzer in das gewünschte Fiat-Geld vollumfänglich erfüllt werden können.

 

Libra: wie das Fiat-Geld ein Fake-Geld

Mit der Anlage der Reserve erhoffen sich Facebook und Co natürlich, Zinserträge zu erzielen. Doch das dürfte schwer werden. Die Zentralbanken haben ja die Zinsen auf extrem niedrige Niveaus geschleust, und eine Abkehr von dieser Geldpolitik ist nicht erkennbar. Spätestens dann, wenn die Geldbehörden die Bankguthaben mit einem Negativzins belegen, wird das auch die Libra-Kunden treffen. Denn wenn der LA-Verein für die Reservehaltung zur Kasse gebeten wird, dann natürlich auch die Libra-Besitzer: Wer Libra hält, wird dafür zahlen müssen. Wer also meint, mit der Libra eröffne sich vielleicht doch ein Weg, den schlechten Fiat-Geldern zu entkommen, der irrt. Kurzum: Die Libra ist ein Fiat-Geld-Klon oder, wenn man es zeitgemäßer ausdrücken möchte: Die Libra ist wie das Fiat-Geld ein Fake-Geld.

Das Libra-Projekt trägt leider nicht die Handschrift des Bestrebens, den Menschen auf dieser Welt besseres Geld bereitstellen zu wollen. Dass dabei die Libra-Konten und -Zahlungen mittels einer privaten („permissioned“) Blockchain abgebildet werden sollen, ändert daran nichts. Es ist nur ein – durchaus legitimer unternehmerischer – Versuch, im globalen Markt für Zahlungsdienste (und später folgend vielleicht auch im Markt für Kredite) mitverdienen zu wollen; und dabei natürlich so vieler Daten wie möglich habhaft zu werden. Wenn aber Facebook und Co der Welt ein besseres, ein gutes Geld hätten anbieten wollen, hätten sie das Naheliegende tun müssen: eine 100 Prozent goldgedeckte Libra anbieten. Aber wer weiß: Vielleicht wird das ja der nächste Schritt sein, initiiert von Facebook, Amazon oder irgendeinem anderen Unternehmen.

Thorsten Polleit, Jahrgang 1967, ist seit April 2012 Chefvolkswirt der Degussa. Er ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „Research On money In The Economy“ (ROME) und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Er ist Gründungspartner und volkswirtschaftlicher Berater eines Alternative Investment Funds (AIF). Die private Website von Thorsten Polleit ist: www.thorsten-polleit.com. Hier Thorsten Polleit auf Twitter folgen.

 

 

Das Logo von Libra

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Rüdiger Born: Aktuelle Lage im Dow, mögliche Idee für den Yen

Rüdiger Born

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Warum sich der Goldpreis vor dem Wochenende gestärkt zeigt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis zeigt sich auch heute gestärkt. Wir hatten es gestern bereits angesprochen. Der diese Woche gelaufene Aufwärtstrend im Gold scheint noch nicht nachhaltig zu sein, weil in den letzten Tagen die Anlegergelder weiterhin aus Gold-ETF abflossen. Von daher sollte man dem Aufwärtstrend bei Gold noch nicht blind vertrauen. Aber es ist ein ordentlicher Anstieg.

Der Goldpreis stürzte in den letzten Wochen fast 200 Dollar in den Keller, weil die Kapitalmärkte deutlich mehr Hoffnung auf die Corona-Imfpungen hatten, und daher bereit waren in riskantere Geldanlagen zu investieren. Gold war weniger interessant. Seit dieser Woche ist aber (wir erwähnten es gestern) die wichtige negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar wieder angesprungen. Der Dollar fiel immer weiter, und der Goldpreis stieg. Auch heute sehen wir eine weitere Dollar-Abwertung, und Gold (Montag noch bei 1.764 Dollar) konnte sich bis vorhin noch robust bei 1.840 Dollar behaupten (aktuell 1.836 Dollar).

Den Vergleichschart von gestern zwischen Gold und US-Dollar setzten wir hiermit aktualisiert fort. Die Trends sind weiterhin intakt – zumindest in diesem Augenblick. Wir sehen den gegenläufigen Verlauf seit Anfang der Woche. Auch wenn der Goldpreis ganz aktuell ein paar Dollar fällt, so ist die gegenläufige Bewegung im Gesamtbild der Woche erkennbar. Der US-Dollar befindet sich aktuell am tiefsten Punkt seit Frühjahr 2018. Diese Talfahrt hatten wir heute in einem separaten Artikel besprochen (mehr dazu hier).

Chart zeigt Goldpreis gegen US-Dollar seit Anfang der Woche

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Die Talfahrt des US-Dollar – was ist da los?

Claudio Kummerfeld

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Brennende US-Dollar Scheine

Der US-Dollar fällt, und fällt, und fällt. Im Chart sehen wir den Kursverlauf des Dollar-Index seit Ende 2017. Der Dollar-Index zeigt den Verlauf des US-Dollar gegen einen Korb aus anderen wichtigen Währungen wie Euro, Pfund, Yen etc. Aktuell ist die US-Währung auf den tiefsten Stand seit April 2018 gefallen.

Korrelation des US-Dollar zur Coronakrise

Ganz klar sieht man im Chart das Hoch des US-Dollar aus März 2020 bei 103,78 Indexpunkten. Bis jetzt ist es ein klarer Absturz auf aktuell 90,62 Punkte. Der Grund dafür ist offensichtlich. Der US-Dollar fungierte zum Ausbruch der Coronakrise als der globale Fluchthafen. Anleger flohen aus unsicheren Geldanlagen und unsicheren Schwellenländerwährungen, und parkten das Geld in der weltweit größten Reservewährung. Und je mehr Hoffnung auf eine Entspannung der Coronakrise aufkam, desto mehr verlor der US-Dollar wieder, weil die Anleger risikofreudiger wurden, und ihre Gelder umschichteten in riskantere Anlagen mit höherem Renditepotenzial, wie zum Beispiel Anleihen in Schwellenländern, wozu natürlich Dollar verkauft, und die jeweilige Landeswährung gekauft werden musste.

Bereits am 17. November, wo der US-Dollar noch höher notierte, besprach ich die bedrohliche Lage für den Greenback, und warum er womöglich nächstes Jahr abwerten könnte. Dieses Szenario scheint der Devisenmarkt jetzt vorweg zu nehmen. Neben der Entspannung der Coronakrise (Impfungen starten wohl noch im Dezember) steht womöglich nächstes Jahr auch ein stärkeres Wirtschaftswachstum außerhalb der USA an. Und vermutlich dürfte die weitere Staatsverschuldung und Gelddruckerei in den USA noch stärker laufen als in Europa, was den US-Dollar gegen den Euro noch schwächer dastehen lassen könnte.

Negativen Ausblick vorwegnehmen

Der anerkannte Experte Holger Zschaepitz von der WELT twitterte jüngst zum immer weiter fallenden US-Dollar, dass die Investoren am Devisenmarkt wohl den negativen Ausblick für die US-Währung für 2021 schon jetzt einpreisen würden. Man sehe bitte: Der Euro notiert aktuell gegen den US-Dollar mit 1,2161 auf dem höchsten Stand seit April 2018. Also sehen wir hier eine korrespondierende Schwäche des Dollar-Index wie auch des US-Dollar gegen den Euro. Kein Wunder, denn der Euro ist das absolute Schwergewicht im Dollar-Index als Gegenpart zum US-Dollar.

Die Experten der Commerzbank erwähnen ganz aktuell aus rein charttechnischer Sicht (!), dass Rückgänge im Währungspaar Euro gegen US-Dollar bei 1.1936 auf eine erste Unterstützung, und bei dem Tief vom 23. November und der 55- Tagelinie bei 1.1800/09 auf gute Unterstützung treffen. EUR/USD biete weiter Aufwärtspotential, solange sich der Markt über der 6-Monatsunterstützungslinie bei 1.1749 befinde.

Negative Faktoren für den US-Dollar

Aber gut, wir schauen hier ja auf das größere Bild für den US-Dollar, und das auch eher aus fundamentaler Sicht. Joe Biden dürfte als US-Präsident versuchen so kräftig wie nur irgendmöglich auf die Stimulus-Pumpe zu drücken, und die Fed dürfte ihn dabei mit der Druckerpresse ordentlich unterstützen. Es scheint zumindest so zu sein, dass dem US-Dollar kein bullisches Jahr 2021 bevorsteht. Und es scheint gemäß des aktuell immer weiter fallenden Greenback so auszusehen, dass die Trader am Devisenmarkt schon jetzt kräftig short dabei sind. Ebenso verstärken die Impfstoff-Hoffnungen wohl immer mehr den Risikohunger der Anleger, was bei den globalen Geldflüssen gegen den US-Dollar spricht.

Noch was: Alles was gegen den US-Dollar gehandelt wird, profitiert grundsätzlich von seiner Schwäche. So konnte diese Woche vor allem der zuletzt immer weiter schwächelnde Goldpreis (endlich?) von der Dollar-Schwäche profitieren. Und so stieg Gold diese Woche von 1.765 auf 1.840 Dollar. Erwähnenswert zur Dollar-Schwäche ist derzeit auch noch die aktuell eigenständige Pfund-Stärke.  Die Devisenmärkte sind optimistisch, dass in Kürze ein Brexit-Deal zwischen UK und EU zustande kommen wird. Dies preist man mit einem steigenden Pfund ein. Da das Pfund Teil des Währungskorbs im Dollar-Index ist, stellt dies einen weiteren schwächenden Faktor gegen den US-Dollar dar. Natürlich kann niemand vorhersagen, ob der US-Dollar die nächsten Monate wirklich weiter fallen wird. Aber Stand heute gibt es dafür einige gute Gründe.

Chart zeigt Verlauf im US-Dollar seit Ende 2017

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