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Europa

Liebe Briten: das wird teuer!

Die Kosten für britische Produzenten sind im Oktober geradezu explodiert! Wer als Firma überleben will, muß nun schnell die Preise erhöhen – und damit die Rechnung für den Brexit servieren..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Heute wurden Daten zur Inflation in Großbritannien veröffentlicht – und die gute Nachricht für die Briten zuerst: die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahrtesmonat nur um +0,9% und damit weniger als prognostiziert (+1,1%). Zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise nur um +0,1% (Prognose war +0,3%) – vor allem, weil Kleidung günstiger geworden ist (das verminderte die Verbraucherpreise um -0,12%).

Aber nun kommt die schlechte Nachricht – und die lautet: die Preise werden sehr bald sehr heftig ansteigen! Warum? Weil die Erzeugerpreise massiv steigen, alleine zum Vormonat um +0,4% in der Kernrate (Prognose +0,2%), zum Vorjahresmonat um +1,9% in der Kernrate (Prognose war +1,9%).

Doch das ist nur die Oberfläche. Um zu wissen, was bei den Firmen Großbritanniens derzeit abläuft, muß man sich die sogenannten Input-Preise innerhalb der Erzeugerpreise anschauen, also faktich die Kosten, die den Unternehmen entstehen, um ihre Güter oder Dienstleistungen herzustellen bzw. bereit zu stellen. Das sind die Kosten für Rohstoffe, für Maschinen, Miete für Büros, Lager etc. Und siehe da: die Inputkosten für britische Unternehmen sind von September auf Oktober um satte +4,6% gestiegen – das ist der größte in der Geschichte je verzeichnete Anstieg, seit die Daten erhoben werden.

Und das trifft vor allem das produzierende Gewerbe in UK: so stiegen die Preise im Oktober für Materialien, die britische Produzenten importierten, zum Vorjahresmonat um fast unglaubliche 14,1%! Insgesamt stiegen die Input-Kosten (also inklusive Dienstleistungsfirmen) zum Vorjahresmonat um 12,2% – im September, also vor einem Monat, hatte der Anstieg zum Vorjahresmonat dagegen nur 7,1% betragen. Es hat also zwischen September und Oktober einen massiven Schub der Kosten gegeben!

Nun kann man sich ausrechnen, was das vor allem für britische Produktionsfirmen bedeutet, wenn ihre Input-Kosten derart drastisch steigen. Denn diese Firmen haben bislang ihre Kosten nicht oder kaum weiter gegeben. Wenn man nun ein Produkt herstellt und damit eine Gewinnmarge von sehr ordentlichen 10% hat, bedeutet das: diese Firmen machen jetzt Verluste! Und nun gibt es nur zwei Möglichkeiten: Kosten sparen, indem man den Hauptkosten-Faktor reduziert, also Mitarbeiter entläßt – oder man erhöht die Preise stark, um nicht in die absehbare Insolvenz zu rutschen, weil man sich eine lange Strecke mit monatlichen Verlusten nicht wird leisten können.

Und weil die Firmen überleben wollen, werden sie die Preise erhöhen. Kein Wunder, dass etwa Unilever die Preise für seine Produkte, die in UK verkauft werden, um pauschal 10% anheben wollte. Im ersten Anlauf ist Unilever (an der Verweigerung von Tesco) gescheitert, der zweite Anlauf kommt so sicher wie das Amen in der Kirche! Andere werden dann, ob sie wollen oder nicht, nachziehen.

Der Brexit wird damit eine teure Veranstaltung für die britischen Konsumenten..

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    gerd

    15. November 2016 12:51 at 12:51

    Auch da wird wieder nicht so heiß gegessen.

    Mal abwarten bei welchen Produkten (die der Brite wirklich braucht) das durchschlägt und in welcher Höhe.

    Ich muss seit Anfang November schlagartig teilweise 40% Inflation für Milchprodukte in Kauf nehmen. Obwohl wir in der EU bleiben wollen.
    Und diese Produkte brauchen wir jeden Tag.

    Vielleicht, möglicherweise oder auch nicht, gibt es in England Dinge, die auf der anderen Seite günstiger wurden.

    Z.Bsp. könnten ja aufgrund der gesunkenen Immobilienpreise die Mieten gesunken sein.
    Und für Neukäufer eines Hauses sinkt nicht nur der Kaufpreis sondern auch die monatliche Annuität für den Hypothekenkredit.

    Die Steigerungen im Immobilienbereich liegen ja in Deutschland auf dem 40%-Niveau von Milchprodukten. Na, so ein Quark aber auch.

    Also warten wir es mal ruhig ab. Dann können wir die Pferde immer noch aufscheuchen.

  2. Avatar

    Helmut Josef Weber

    15. November 2016 16:40 at 16:40

    Ich bin verwundert, dass die Mehrheit davon ausgeht, dass das britische Parlament dem Brexit zustimmen wird.

    Viele Grüße
    H. J, Weber

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Europa

Gastgewerbe: So stark fiel der Umsatz im letzten Jahr

Claudio Kummerfeld

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Leere Stühle bei der Außengastronomie eines Restraurants

Das Gastgewerbe (Hotels, Restaurants, Catering) ist neben Reisebüros, Fluggesellschaften und anderen wohl mit am Schlimmsten betroffen von der Coronakrise. Heute hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung veröffentlicht, wie stark die Umsätze im Gastgewerbe im Gesamtjahr 2020 eingebrochen sind. Es ist ein Rückgang von 38 Prozent gegenüber 2019.

Für den Monat November liegen gesicherte Zahlen vor. Dazu drei Vergleiche: Im November 2020 fiel der Umsatz im Gastgewerbe gegenüber Oktober 2020 um 52,3 Prozent. Der Umsatz lag 67,4 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2019 war der Gastgewerbeumsatz 67,9 Prozent geringer.

Die Grafik ist aufschlussreich. Man sieht den ersten Absturz aus dem Frühjahr, von einem Normalwert bei 105,4 runter auf 26,2 Indexpunkte. dann im Jahresverlauf nach dem ersten Lockdown die Erholung auf 82,8 Punkte im August. Und dann folgt der zweite Absturz bei den Umsätzen im Gastgewerbe ab Oktober, runter auf 34,4 Punkte im November.

Grafik zeigt Verlauf der Umsätze im Gastgewerbe seit dem Jahr 2013

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Europa

Bruttoinlandsprodukt für 2020: Statistisches Bundesamt präsentiert erste Daten

Claudio Kummerfeld

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Deutschland Flagge

Laut vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (anhand vorläufiger Berechnungen) im Gesamtjahr 2020 um 5,0 Prozent gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei somit nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine tiefe Rezession geraten, ähnlich wie zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der konjunkturelle Einbruch fiel aber im Jahr 2020 den vorläufigen Berechnungen zufolge insgesamt weniger stark aus als 2009 mit -5,7 Prozent.

Grafik zeigt Bruttoinlandsprodukt im Verlauf seit dem Jahr 2005

BIP-Zahlrenreihen

Hier einige aktuelle Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Corona-Krise traf Industrie und Dienstleistungsbereiche hart – nur das Baugewerbe legte zu

Die Corona-Pandemie hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Produktion wurde sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt.

Im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Verarbeitenden Gewerbe sogar um 10,4 %. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten.

Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomie führten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe.

Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu.

Massiver Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 6,0 % zurück und damit so stark wie noch nie. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug.

Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preisbereinigt mit -3,5 % den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 % zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 % weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen – darunter fallen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung – fielen ersten Schätzungen zufolge preisbereinigt um 1,1 %.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Außenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

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Europa

Industrieproduktion hat Corona-Lücke fast aufgeholt

Claudio Kummerfeld

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Zahnräder

Die Industrieproduktion in Deutschland (Produktion im Produzierenden Gewerbe) hat die Corona-Lücke fast aufgeholt. Sie ist im November im Vergleich zu Oktober um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, war die Produktion im November 2020 saison- und kalenderbereinigt noch 3,8 Prozent niedriger. Der Chart, der bis 2012 zurückreicht, zeigt die Industrieproduktion als blaue Linie. Hier sieht man für Februar 2020 einen Indexwert von 102,9 Punkten, und im November von 99.

Chart zeigt Verlauf der Industrieproduktion seit 2012

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Anmeldestatus

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