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Lieferbeschränkungen und Versorgungsrisiken Dieselpreis: Warum der Tankrabatt allein nicht reicht

17 Cent Tankrabatt sollen Autofahrer entlasten. Doch Lieferbeschränkungen und Raffinerieausfälle verschärfen die Lage am Dieselmarkt. Droht neben hohen Preisen auch knapper Treibstoff?

Foto: Finantmarktwelt.de
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Der Dieselpreis belastet Autofahrer und Unternehmen. Ab Oktober soll ein Tankrabatt von rund 17 Cent je Liter Entlastung bringen. Doch eine Steuersenkung schafft keinen zusätzlichen Kraftstoff: Raffinerieausfälle, gestörte Transportwege und Exportbeschränkungen verknappen das internationale Angebot. In einigen Ländern, wie Frankreich, Indonesien und den USA fehlen bereits einzelne Kraftstoffsorten an Tankstellen. Für Deutschland stellt sich deshalb zunehmend die Frage: Wie sicher bleibt die Versorgung, wenn sich diese Engpässe verschärfen?

Dieselpreis: Der Tankrabatt lindert nur die Kosten

Rund 17 Cent Entlastung je Liter: Der geplante Tankrabatt soll den hohen Dieselpreis in Deutschland ab Oktober bis Jahresultimo abfedern. Nach der Einigung von Bund und Ländern soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis Ende Dezember 2026 um 14 Cent je Liter sinken. Einschließlich Umsatzsteuer ergibt das rechnerisch 16,66 Cent. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern wären das rund 8,33 Euro Ersparnis. Vorausgesetzt, die Entlastung wird vollständig weitergegeben.

Doch Steuerentlastung und Versorgungssicherheit sind zwei verschiedene Dinge. Der Rabatt repariert keine Raffinerie und bringt keinen zusätzlichen Tanker ans Ziel. Steigende Beschaffungskosten können die Entlastung auf der Preistafel überlagern. Selbst bei vollständiger Weitergabe muss der Dieselpreis deshalb gegenüber heute nicht entsprechend fallen. Zumal der Preis-Trend er letzten Wochen permanent nach oben wies.

Wie angespannt das Angebot ist, zeigt der öffentlich zugängliche Septemberbericht der Internationalen Energieagentur IEA: Weltweit verarbeiteten Raffinerien im August täglich 4,2 Millionen Barrel weniger Rohöl als ein Jahr zuvor. Besonders ausgeprägt ist die Verknappung bei verarbeiteten Ölprodukten. Die gemeinsamen Nettoexporte von Diesel und Gasöl aus den Golfstaaten und Russland lagen im August um 1,6 Millionen Barrel täglich unter dem Februarwert.

Globale Kraftstoffversorgungskarte mit Engpässen und Risiken.Treibstiffversorgung-globale-Engpässe-und-Risiken

Für Deutschland bedeutet das zunächst einen verschärften Wettbewerb um verfügbare Lieferungen. Eine flächendeckende Dieselknappheit lässt sich daraus aktuell für Deutschland noch nicht ableiten: Der Branchenverband en2x berichtete am 14. September, deutsche Raffinerien belieferten den heimischen Markt bislang zuverlässig.

Hohe Preise, örtliche Lieferprobleme und ein landesweiter Versorgungsmangel müssen deshalb auseinandergehalten werden. Der Tankrabatt kann Haushalte und Betriebe finanziell entlasten, sofern die Preise ab heute stabil bleiben. Wie zuverlässig Nachschub ankommt, entscheidet sich jedoch entlang der internationalen Lieferketten. Und darauf hat der Tankrabatt keinen Einfluss.

Raffinerien und Transportrouten bleiben unter Beschuss

Der Dieselpreis hängt nicht allein davon ab, wie viel Rohöl gefördert wird. Entscheidend ist auch, ob Raffinerien daraus Kraftstoff herstellen und Tanker ihn zuverlässig zu den Abnehmern bringen können. Genau diese Lieferkette steht durch den Russland-Ukraine-Krieg und die Kämpfe im Nahen Osten unter Druck.

Nach dem Septemberbericht der Internationalen Energieagentur IEA haben verstärkte ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien die Ausfälle am Persischen Golf zusätzlich verschärft. Beschädigte Verarbeitungsanlagen begrenzen das Angebot an fertigen Produkten – selbst dann, wenn Rohöl verfügbar wäre. Andere Raffineriestandorte können diese Lücke nur teilweise schließen, da es auch dor wartungsbedingt zu Ausällen kommt. Für Dieselimporteure verschärft sich dadurch der Wettbewerb um kurzfristig lieferbare Mengen.

Raffineriekapazität-trotz-Vollauslastung-Rückläufig-Ausfallrisiken-steigen

Auch im Nahen Osten bleibt die Lage angespannt. Saudi-Arabien bestätigte einen abgewehrten Huthi-Raketenangriff auf Riad am 19. September. Die Huthi behaupteten zudem Angriffe auf Aramco-Anlagen am Hafen Yanbu am Roten  Merr. Für den Ölmarkt zählt neben tatsächlichen Ausfällen auch das Risiko weiterer Angriffe auf Energieanlagen, Häfen und Schiffe.

Die IEA beschreibt weiterhin stark eingeschränkte Transporte durch die Straße von Hormus sowie erneute Angriffe am Golf und im Bereich der Meerenge Bab al-Mandab. Damit stehen mehrere wichtige Verbindungen gleichzeitig unter Druck. Diplomatische Bemühungen haben bislang keine Normalisierung der Ölströme gebracht. Eine vollständige Erholung der Versorgung aus dem Nahen Osten erwartet die IEA erst im Laufe des kommenden Jahres, ohne Garantie.

Für Verbraucher entsteht daraus ein doppeltes Risiko: Ausfälle können Kraftstoff verteuern, gestörte Transportwege seine Ankunft verzögern. Ein Tankrabatt kann die finanzielle Belastung dämpfen. Raffineriekapazität und sichere Lieferwege ersetzt er nicht.

Lieferbeschränkungen erhöhen Deutschlands Versorgungsrisiken

Zusätzlich zu beschädigten Raffinerien, Wartungsarbeiten und unsicheren Seewegen können Exportbeschränkungen das international verfügbare Kraftstoffangebot begrenzen. Russland hat seine Diesel-Ausfuhrbeschränkungen für heimische Produzenten bis Ende Oktober 2026 verlängert.

Auch in Washington wächst der politische Druck. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, John Thune, zeigte sich in ANbetracht der heraufziehenden Versorgungsproblematik offen für eine Diskussion über ein Diesel-Exportverbot der USA.  Innenminister Doug Burgum äußerte vielmehr Zweifel am Nutzen von Exportverboten und warnte vor Gegenmaßnahmen anderer Länder. Ein amerikanischer Exportstopp bleibt dennoch im Vorfeld der wichtogen Zwischenwahlen (Midterms) ein zusätzliches Risiko.

Sollten weitere Lieferländer ihre Ausfuhren begrenzen, müssten Importeure verstärkt um alternative Bezugsquellen konkurrieren. Das könnte auch den Dieselpreis in Deutschland erhöhen, trotz Tankrabatt, selbst wenn deutsche Tankstellen weiterhin beliefert werden.

Entscheidend wären Umfang und Dauer der Beschränkungen sowie verfügbare heimische Lagerbestände, Raffineriekapazitäten und Transportmöglichkeiten.

Der deutsche Branchenverband en2x berichtete am 14. September von einer weiterhin zuverlässigen Belieferung durch heimische Raffinerien. Die Informationsseite Tankerkönig zeigt ebenfalls eine leichte Entspannung an der Preisfront:

Tankerkoenig-Medianpreise-fuer-Diesel-E5-und-E10-in-DeutschlandDiese Momentaufnahme beseitigt jedoch nicht die internationalen Risiken. Der Tankrabatt kann kurzfristig den Teuerungs-Schmerz an der Zapfsäule lindern und Betriebskosten senken. Für eine nachhaltige Entspannung braucht es zugleich verlässlichen Nachschub, funktionierende Anlagen und sichere Handelswege.

Der Tankrabatt senkt Steuern – Versorgungssicherheit schafft er nicht.



Hannes Zipfel
Über den RedakteurHannes Zipfel
Tiefgründige Recherchen und Analysen zu international wichtigen Kapitalmarktthemen.
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3 Kommentare

  1. Ist Diesel teuer?
    Gerechnet in welcher Währung?
    Wenn ich nun eine Unze Gold in bunte Zettel umtausche, dann kann ich damit etwa 1.500 Liter Diesel kaufen.
    Im Jahre 2000 bekam man für eine Unze Gold etwa 280 Liter Diesel.
    Was soll ich mir da als langjähriger Horter von physischen Gold Gedanken über den Dieselpreis machen?

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  2. Die aktuelle Krise wirkt wie ein Corona-Moment: Sie erzwinkt eine radikale Beschleunigung?
    Statt mit Symbolpolitik wie den Tankrabatt Symptome zu bekämpfenm muss die Bundesregierung jetzt mit aller Kraft in die Zukunft investieren – vom massiven Ausbau der Strom- und Energiespeicherkapazitäten bis hin zu gesteigerten Anstrengungen bei der Kernfusion. Nur ddurch echte technologische Unabhängigkeit sichern wir langfristig unsere Energieversorgung.
    Die Idee stammt von mir, die textliche Ausführung hat Gemini durchgeführt.

  3. Die deutsche Industrie und Produktion sollte relativ stark leiden unter den aktuellen Szenarien.

    Das Dogma der letztem Jahrzehnte war Globalisierung zwecks Gewinnoptimierung.

    Teile, Ersatzteile, Energie, das war alles quasi 100% save verfügbar und die CEOs setzen nicht auf Sicherungsstrategie sondern auf Gewinnoptimierung. Im Prinzip wurde ein Großteil der Produktion nach Fernost ausgelagert oder dort hin, wo es eben billiger ist als in Deutschland bzw. der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

    All das ermöglichte große Gewinne für das produzierende Gewerbe. die EU war quasi der Absatzmarkt, produziert wurde aber im Wesentlichen sonstwo aber womöglich halt noch hier vollendet bzw. veredelt.

    Meine persönliche Meinung ist, dass das sehr kurzsichtig war und den gesamten Standort in Gefahr gebracht hat. Es betrifft sogar die Sicherheit der Bevölkerung, es waren oder sind ja auch sogar bestimmte Medikamente knapp und Europa offensichtlich nicht in der Lage diese in ausreichender Menge selbst herzustellen.

    Dass dies in aktuellem geopolitischen Kontext noch viel schlimmer werden kann liegt ja auf der Hand.

    Wo ich mir noch unsicher bin ist, wie sehr haben das die CEOs realisiert oder wie sehr träumen diese noch von der guten alten Zeit, wo sich Geld durch Outsourcing doch so einfach verdienen lassen konnte.

    Hat man den Switch verstanden? Ich denke viele träumen oder hoffen noch.

    Ich bin mir sicher, dass ein ansässiger Produzent mit anständiger Lagerhaltung aktuell besser da stehen sollte, als einer der das Lager auf die LKWs auf der Straße out-gesourced hat. Erster hat zwar Standortkosten, der andere hat aber Dieselkosten und hängt an einer Kette die jederzeit reißen kann. Der Begriff Outsourcing ist nicht mehr so bekannt (90er), der Begriff Resilienz macht seit wenigen Jahren dafür die Runde.

    Da hier u.a. mal so gerne auf Sozialisten gebasht wird: Die haben damit ja wohl nichts zu schaffen. Die Krise ist von der Wirtschaft selbst geschaffen bzw. verschlimmert.

    Mal ehrlich: Waren unsere Produkte so schlecht? Ja die waren teuer aber die waren auch verdammt gut, lange haltbar,… oder?

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