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LNG-Terminal: Wie die Deutsche Umwelthilfe blockieren will

Scheitert Deutschland daran, vom russischen Gas unabhängig zu werden?

LNG-Terminal und Transport Gas Deutsche Umwelthilfe Habeck

Die Deutsche Umwelthilfe habe Widerspruch gegen den Bescheid des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zur Errichtung des geplanten LNG-Terminals in Wilhelmshaven eingelegt, teilte die DUH am 4. Mai mit. „Durch den Bau des Terminals werden sensible Ökosysteme unumkehrbar zerstört sowie der Lebensraum des bedrohten Schweinswals gefährdet. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband fordert deshalb den sofortigen Stopp der Bauarbeiten“, heißt es zur Begründung an.

Deutschland braucht keine Importeinrichtung für LNG

Mit dem betreffenden Terminal soll fossiles Flüssigerdgas, kurz LNG, nach Deutschland importiert werden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht Probleme bei der Wahrung von Transparenz und Rechtsstaatsprinzip und „bemängelt den fehlenden Nachweis des Bedarfs eines LNG-Terminals.“

Klar formuliert dies Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der Deutsche Umwelthilfe: „Der vorzeitige Baubeginn für das erste LNG-Terminal in Deutschland ist energiepolitisch nicht nachvollziehbar und aus Sicht des Klima- und Naturschutz klar abzulehnen – insbesondere, weil der Bedarf an geplanten Terminals in Deutschland nach wie vor nicht nachgewiesen ist. Ganz im Gegenteil: Erste unabhängige Untersuchungen legen nahe, dass die Terminals unter Nutzung aller vorhandenen Einsparpotentiale weiterhin nicht gebraucht werden. Die Behauptung, die Terminals lägen im öffentlichen Interesse, hält einer Überprüfung damit nicht stand. Bereits die jetzt genehmigten Bauarbeiten würden dabei geschützte Biotope zerstören sowie die im Jadebusen lebenden Schweinswale durch die geplanten Rammarbeiten lebensbedrohlichen Schallemissionen aussetzen. Ein sofortiger Vollzug ohne detaillierte Prüfung ist deshalb weder mit echtem Klima- noch mit Naturschutz vereinbar.“

Auf Nachfrage führt Zerger die Studie vom DIW und ein Gutachten des europäischen Think Tank Artelys an, die keinen Bedarf von LNG-Importeinrichtungen für Deutschland ausweisen. Mit Einsparungen, optiertem Netzbetrieb und mehr Import von anderen Lieferländern und das Nutzen von europäischen LNG-Importterminals, brauche Deutschland demnach keine Importeinrichtung für LNG. „Im Gegensatz dazu hat das BMWK von Robert Habeck bisher keine belastbaren Daten veröffentlicht, die die Notwendigkeit eines LNG-Zubaus belegen würden“, so Zerger.

Die Artelys Studie stellt fest, dass die Umsetzung der im Fit-for-55-Paket vorgeschlagenen Maßnahmen es der EU ermöglichen würde, bis 2025 weitgehend aus russischem Gas auszusteigen. Bis dahin sind es geschlagene drei Jahre. Nach Berechnungen der Forschungsorganisation Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) hat Russland aus dem Gasexport seit dem Beginn des Angriffskrieges am 24. Februar gegen die Ukraine bereits rund 31 Milliarden Euro eingenommen. Die Summe wächst beständig, wenn Deutschland und Europa sich bis 2025 an russisches Gas klammern.

Mit LNG gegen Abhängigkeit

Mit diesem Tempo ist keine zügige Unabhängigkeit vom russischen Erdgas zu haben. „Sollten wir die LNG-Terminals nicht haben, und sollte das Gas nicht aus Russland kommen, ist die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht gewährleistet“, mahnte daher Medien zufolge Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. In Wilhelmshaven unterstrich er zur Unterzeichnung der Absichtserklärung zum Ausbau der LNG- und Green Gas Importinfrastruktur am 5. Mai in Niedersachsen: „Wir müssen heute mehr denn je unsere Energieversorgung auf robustere Säulen stellen. Eine beschleunigte Energiewende ist das A und O für eine günstige, unabhängige und sichere Energieversorgung. Wir müssen das Tempo beim Erneuerbaren-Ausbau zu Wasser, zu Land und auf dem Dach verdreifachen und den Hochlauf der Wasserwirtschaft voranbringen. Und das gelingt nur gemeinsam. Umso mehr freue ich mich, dass im Land Niedersachsen so zahlreiche Projekte zum Ausbau der Erneuerbaren und dem Import von Wasserstoff entwickelt werden. Nur wenn wir dies neben dem Aufbau von Infrastruktur für LNG mitdenken, kann Versorgungssicherheit nachhaltig gewährleistet werden.“

Dazu unterzeichnete Habeck Verträge für die Charterung von vier schwimmenden Flüssigerdgasterminals. Schwimmende Flüssigerdgasterminals können sehr kurzfristig mit dem Import von LNG beginnen, um die Unabhängigkeit von russischen Gasimporten weiter voranzutreiben und das nicht erst 2025 oder gar später, wenn der Ausbau der Erneuerbaren stockt, weil das nicht mit der Umwelthilfe konform geht.



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4 Kommentare

  1. Ja, natürlich, soetwas ist einmalig auf der Welt.
    An alles wird gedacht, nur nicht daran, wieviel Menschenleben es kosten wird, wenn Deutschland in die Ergiekathastrope gerät.
    Wenn das Gas aus Russland in diesem Jahr abgestellt wird, ist die Kathastrophe sowieso nicht mehr zu verhindert, aber es könnte ja wenigstens auch ein aussichtsloser Versuch unternommen werden.
    Hier geht Tierwohl vor Menschenleben.
    Das gab es selbst in der schwärzesten, bzw. braunen Vergangenheit in Deutschland nicht.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Die Deutsche Umwelt HILFE HILFE HILFE

      Bezüglich der Tesla Fabrika hat die Umwelthilfe Recht, diese Oberklasse E-Autos brauchen wir nicht.

  2. Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der Deutsche Umwelthilfe: und wie bezahl der alleinverdienende Schichtarbeiter mit Frau und zwei Kindern in Zukunft seine Gasrechnung ?
    Solche Überlegungen können nur Leute aufstellen, die so viel Geld mehr verdienen, dass Sie sich
    darüber keine Gedanken machen müssen was was kostet.
    Die überwiegende Mehrheit in Deutschland gehört jedenfalls nicht zu den Großverdienern.
    Und wenn Umwelthilfe und Verhinderung – dann reden wir erst mal über China, Indien, USA

  3. Was soll das ganze? Wenn der Herr im Kreml so weitermacht dann müssen wir uns um aller Zukunft keine Sorgen mehr machen. Ihr macht Euch sorgen um Walle.

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