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Luckin Coffee: Wachstumstraum war doch nur Betrug!

Kaffee Beispielfoto - Luckin Coffee hat Probleme

Die chinesische Café-Kette Luckin Coffee war der Star unter den Startups der vergangenen Jahre. Mit immensem Umsatzwachstum expandierte die Kette in zwei Jahren von neun auf 4.500 Filialen in China. Gestern kam heraus: das Wachstum basierte auf erfundenen Umsätzen.

Die Geschäftszahlen waren zu gut, um wahr zu sein

Ich gebe zu, auch ich hätte kritischer sein müssen, als ich erstmals über Luckin Coffee berichtete. Die Daten waren zu schön, um wahr zu sein. Das chinesische Unternehmen gab an, bei 540% Umsatzwachstum nur eine Kostensteigerung von 194% gehabt zu haben. Dass das ungewöhnlich für ein schnell wachsendes Startup ist, fiel mir zwar auf, ich sah es damals aber nicht als Betrugsindikator an. Doch wer einen Teil seiner Umsätze erfindet, kann natürlich deutlich bessere Geschäftszahlen präsentieren als die Konkurrenz. In Krisen werden viele Betrügereien am Kapitalmarkt aufgedeckt. In Boomzeiten fällt es Unternehmen wie Luckin Coffee nicht schwer, Kapital zu beschaffen, ohne dass Anleger viele Fragen stellen. Wenn jedoch in der Krise kein Kapital mehr vorhanden ist und auch kurzfristig keines mehr beschafft werden kann, fliegt der Schwindel auf. So war es schon mit Enron und Worldcom nach dem Platzen der New Economy Blase.

In der Krise dürfte Luckin Coffee kein Kapital mehr bekommen

Der Chief Operating Officer und andere Mitarbeiter des Unternehmens haben nach Unternehmensangaben Umsätze in Höhe von rund 2,2 Milliarden Yuan (290 Millionen Euro) seit Anfang 2019 erfunden. Ob diese Angabe dieses Mal stimmt, bleibt abzuwarten. Denkbar ist, dass schon vorher die Zahlen manipuliert wurden. Für Luckin Coffee wird der Skandal zum doppelten Problem. Erstens ist nun das Anlegervertrauen zerstört, was künftige in der Krise nötige Kapitalaufnahmen immens erschweren wird. Und zweitens gibt es nun für die vergangenen 15 Monate keine vertrauenswürdigen Geschäftszahlen mehr, auf deren Basis überhaupt ein Börsenprospekt für die Kapitalaufnahme erstellt werden könnte.

Das Unternehmen wäre also auf einige kapitalkräftige Einzelanleger beschränkt, die sich des Risikos bewusst seiend aber nur auf Kredite zu absurd hohen Zinsen einlassen werden.Vorerst dürfte das Unternehmen durchkapitalisiert sein, konnte es doch auf Basis der gefälschten Unternehmenszahlen noch im Januar rund 700 Millionen Euro mit Aktienverkäufen und Wandelanleihen einnehmen. Die Teilnehmer an dieser Kapitalaufnahme werden begeistert sein, sank doch der Aktienkurs gestern um 75%.

Personelle Verquickungen reißen auch Car mit in den Abgrund

Der Skandal um Luckin Coffee riss gleichzeitig ein anderes Unternehmen mit in den Abgrund. Die Aktien des Autovermieters Car fielen ebenfalls um mehr als 50%. Beide Unternehmen haben einige delikate personelle Verquickungen. Der Car-Gründer und Großaktionär Charles Zhengyao Lu ist gleichzeitig wichtiger Kapitalgeber bei Luckin Coffee und dessen Chairman. Luckin Coffee wurde von ehemaligen Mitarbeiter Lus gegründet. Nebenbei ist Lu auch noch Chairman, also eine Art Aufsichtsratsvorsitzender, bei Car. Die Gründerin von Luckin Coffee war jahrelang Vorstandsvorsitzende von Ucar, einem Ridesharing-Dienst, gegründet von Lu. Wenn Lu als Chairman die Betrügereien bei Luckin Coffee nicht auffielen, wer garantiert, dass sie ihm bei Car aufgefallen wären?

Auslandsinvestoren haben oft keinen Durchblick bei chinesischen Unternehmen

Die Probleme bei Luckin Coffee werfen ein Schlaglicht auf den chinesischen Aktienmarkt. Dessen Aktien sind in Europa und den USA sehr beliebt, versprechen sie doch oft enorme Wachstumsraten. Doch damit einher gehen auch etliche Probleme. So haben die europäischen und US-amerikanischen Aktionäre in der Regel kaum einen Einblick in den chinesischen Markt und können nicht abschätzen, ob die blumigen Versprechen der Unternehmen und ihres Managements realistisch sind. Dazu kommt, dass in der Regel gar keine Aktien der chinesischen Unternehmen verkauft werden. Bestes Beispiel ist für mich Alibaba. Wer „Aktien“ von Alibaba kauft, kauft tatsächlich nur einen Anteil an einem Firmenmantel auf den Cayman Island, der Alibaba die Abführung von Gewinnen versprach.



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