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Lügen haben kurze Beine, oder auch nicht?

Eine Kolumne von Wolfgang Müller

Die derzeitige Entwicklung mit den gerichtlichen Untersuchungen über die Wahrheitsliebe des US-Präsidenten beschäftigt schon ganze Berufszweige mit der Frage: Wie oft lügt Donald Trump? Dazu eine kleine Übersicht, aus der Sicht der Medien und der Wissenschaft.

Der Bürochef des „Toronto Star“ hat jede Aussage seit Trumps Amtseinführung überprüft und 3800 Falschaussagen dokumentiert:

– Die Washington Post kommt sogar auf 6400 Fälle.

– Im Jahr 2017 zählte man drei Falschaussagen täglich, 2018 schon neun pro Tag. Im Monat vor den (Zwischen-)Wahlen verblüffte er mit 26 Falschbehauptungen pro Tag.

– Interessant ist die Feststellung, dass man nicht weiß, ob er die Fakten nur verdreht oder ob er keine Beziehung zu nachprüfbaren Fakten hat.

– Die Lügenforschung unterscheidet zwischen eigennützigen und netten Lügen. Während die Zahl der netten Lügen doppelt so häufig ist, wie die andere Kategorie (um andere gut darstehen zu lassen, Komplimente), benutzt Trump die eigennützige Kategorie 6,6 mal so häufig. Wo wir wieder beim herausragenden Charakterzug des US-Präsidenten wären – dem Narzissmus.

– Noch extremer ist die Zahl seiner herabwürdigenden Lügen, die bei Trump fast die Hälfte aller Unwahrheiten ausmachen (über Muller, die Demokraten , sogar die Zweifel an der Abstammung Obamas u.s.w.). Außerdem macht er nicht einmal vor herablassenden Äußerungen über schützenswerte Menschen (Behinderte, Veteranen) halt.

Ich weiß, dass jetzt viele Trumpfans ptotestieren werden (Hillary hat doch noch mehr gelogen!), nur kann halt vieles sofort widerlegt werden.

Aktuelle Beispiele: „Amerikas Wirtschaft hat das größte Wachstum auf diesem Planeten“ – „die Finnen harken ihre Wälder, deshalb haben sie so wenig Waldbrände“ – oder einfach die Eingangslüge: „Bei Obamas Inauguration waren viel weniger Menschen anwesend, als bei meiner!“.

Der Präsident steht damit an der Spitze einer Entwicklung: der Verbreitung von Fake News zu einer Industrie, egal aus welchen Motiven – nur leider ist dieses Motiv vielen Wählern nicht bewusst geworden.



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