Aktien

Lufthansa & Co. – Airlines erleben Re-Opening-Boom

Ein Flugzeug der Lufthansa

Der globale Luftverkehr erholt sich schnell von den Folgen der Corona-Krise. Für Ostern und die Sommersaison gibt es einen regelrechten Buchungs-Boom. Das gilt vor allem für den zwischenzeitlich kollabierten Passagier-Verkehr. Ein Blick auf Airlines wie Lufthansa oder Southwest lohnt sich daher. Die Aktien des deutschen Kranichfliegers haben zudem Aufholpotenzial.

Airlines lassen Corona-Winter hinter sich, auch die Lufthansa startet wieder durch

Die Hoffnung in der Luftfahrtbranche ist groß und wohl auch berechtigt, dass Flugreisen in diesem Jahr wieder mit deutlich weniger Beschränkungen als in den letzten beiden Jahren möglich sind. Der Luftverkehr hat sich von den Tiefstständen im April 2019 bereits deutlich erholt. An deutschen Flughäfen gab es nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrsgesellschaft (BDL) im Jahr 2021 gegenüber dem Jahr 2019 noch 70 Prozent weniger Passagieraufkommen. Lediglich die Luftfracht legte um 13 Prozent zu.

Aktuelle Projektionen der Beratungsfirma Bain & Company aus dem Januar 2022 sehen eine vollständige Erholung des globalen Luftverkehrs auf das Niveau von Ende 2019 für das vierte Quartal 2023 voraus. Trotz des Rückschlags durch die Omikron-Welle hat sich das Basisszenario gegenüber den Projektionen aus dem Dezember 2021 im Januar dieses Jahres nochmals verbessert. Der Grund dafür sind die deutlich gestiegenen Kapazitätsplanungen aufgrund besser als erwarteter Buchungszahlen für Ostern.

Für den Sommer erwarten die Airline-Manager einen regelrechten Buchungs-Boom. Der Chef der Lufthansa-Tochter Eurowings, Jens Bischof sprach bereits Ende Januar von einem regelrechten „Run auf die Tickets“ mit „zehntausenden Buchungen täglich“ für das Sommergeschäft. Nach zwei Jahren stark eingeschränkter Reisemöglichkeiten scheint sich der aufgestaute Nachholeffekt bei Fernreisen in diesem Jahr voll zu entladen. Dieser Effekt war in Ansätzen bereits in der letzten Sommersaison sichtbar.

Massive Personaleinstellungen und neue Routen

Der wohl deutlichste Beleg für den Optimismus in der Branche sind die derzeitigen Bemühungen zur Personalakquise. Die Lufthansa-Tochter Eurowings hatte bereits im vergangenen Jahr ihre Belegschaft v. a. in der Kabine und im Cockpit um 750 Mitarbeiter aufgestockt. Mindestens genauso viele sollen in diesem Jahr erneut hinzukommen. Der direkte Wettbewerber Easyjet vermeldet ebenfalls wegen gelockerter Reisebestimmungen einen Sommerboom bei den Ticketbuchungen und möchte in den kommenden fünf Jahren eintausend zusätzliche Piloten einstellen.

Die irische Ryanair hat noch ehrgeizigere Pläne und möchte in diesem Sommer mit zusätzlichem Personal sogar mehr Flüge anbieten als vor Beginn der Corona-Krise. Die Kapazitätsplanungen für 2022 liegen bei der Gesellschaft des Billigflieger-Pioniers Michael O’Leary aktuell 14 Prozent über denen von 2019. Sowohl bei den Briten als auch bei den Deutschen steht vor allem die Destination Mallorca erneut hoch im Kurs. Im letzten Sommer hatte Lufthansa den Corona-Erleichterungs-Boom unterschätzt und setzte kurzfristig den Großraumjet Boeing 747 für Flüge auf die Balearen-Insel ein, um dem Ansturm gerecht zu werden. In diesem Jahr will die Branche die Erfahrungen aus 2021 nutzen und sich frühzeitig auf ein stark erhöhtes Passagieraufkommen einstellen.

Dazu gehört auch die Aufnahme bzw. Wiederaufnahme von Flugzielen. So will die Lufthansa ab Ende März dieses Jahres von München aus erstmals nonstop nach Rio de Janeiro und nach San Diego in Kalifornien fliegen, um die Fernreiselust der Kundschaft zu befriedigen. Auch das Asiengeschäft, in dem die Lufthansa traditionell stark ist, wird wiederbelebt. So soll die thailändische Hauptstadt Bangkok erneut direkt angeflogen werden.

Das jüngst gegründete Tochterunternehmen der Lufthansa „Eurowings Discover“ wird von München aus Direktflüge nach Punta Cana, Cancún und nach Las Vegas anbieten. Vom Drehkreuz Frankfurt aus kommen ab diesem Sommer noch neue Direktverbindungen nach Las Vegas, Salt Lake City, Fort Myers, Anchorage, Halifax und Calgary dazu. Neu im Flugprogramm des Lufthansa-Konzerns sind auch die Victoria Falls in Simbabwe, der Kilimandscharo in Tansania, Panama-Stadt sowie Malé auf den Malediven.

Steigende Ticketpreise und der Kostenfaktor Treibstoff

Die allgemeine Teuerung macht auch vor den Ticketpreisen nicht halt. Zwar erwartet der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) keine massiven Preissprünge, aber vor allem die höheren Treibstoff- und Personalkosten sowie neue Klimaschutzgesetze werden die Flugpreise erneut spürbar steigen lassen. Aufgrund der weltweit engen Kapazitäten haben die Airlines derzeit auch die Möglichkeit, bei der Kundschaft problemlos höhere Preise durchzusetzen und ihre gestiegenen Kosten weiterzugeben.

Dem BDL zufolge mussten Flugreisende bereits 2021 für innereuropäische Verbindungen rund 22 Prozent mehr bezahlen als im Jahr 2019. Interkontinentalreisen verteuerten sich im vergangenen Jahr aufgrund der massiven internationalen Reisebeschränkungen nur um durchschnittlich 3 Prozent. In diesem Jahr werden die Flugpreise laut BDL weiter steigen. Vor allem bei den interkontinentalen Tickets ist mit zweistelligen Preissteigerungen zu rechnen.

Ein wichtiger und schwer einschätzbarer Kostenfaktor ist dabei der Kerosinpreis, der sich eng am Ölpreis orientiert und in den letzten 12 Monaten um knapp 60 Prozent angestiegen ist. Kerosin ist quasi ein Abfallprodukt bei der Herstellung von Diesel in Raffinerien und daher grundsätzlich preiswert. So kostet ein Liter Flugzeugbenzin aktuell nur ca. 58 Euro-Cent. Dennoch hat die Explosion des Ölpreises in den letzten Monaten auch den Treibstoff für die Airlines deutlich verteuert.

Grafik zeigt Kerosin vs Erdölpreis

Die aktuelle Buchungslage lässt jedoch keinen Rückschluss darauf zu, dass sich die Kundschaft von den höheren Preisen abschrecken lässt.

Lufthansa mit Nachholpotenzial

In dem Artikel „10 Aktien für den Re-Opening Trade“ hatte ich neben dem Flughafenbetreiber Fraport auch die US-Airline Southwest mit aufgelistet. Im Vergleich zur Kursentwicklung des US-Rivalen Southwest Airlines und anderer Fluggesellschaften hat die Aktie des deutschen Luftfahrtkonzerns noch deutliches Aufholpotenzial. Zum einen laufen die Geschäfte bei den vor allem auf das Inland ausgerichteten US-Airlines bereits wieder signifikant besser und zum anderen leidet der deutsche Konzern aktuell unter dem Säbelrasseln rund um die Ukraine-Krise. Daher haben Investoren bislang die US-Konkurrenz auf dem Kurszettel bevorzugt.

Grafik zeigt Lufthansa und andere Airlines im Vergleich

Die Performance-Lücke macht sich auch in den Bewertungen bemerkbar. So wird die Southwest aktuell mit dem 40,85-Fachen des für 2022 erwarteten Gewinns an der Börse bepreist (KGV). Die Lufthansa dürfte im laufenden Geschäftsjahr wieder in die Gewinnzone zurückfliegen. Dies war auf Quartalsebene bereits im Q3`21 auch dank des Rekordergebnisses bei Lufthansa-Cargo und dem Turnaround bei Eurowings gelungen. Kosteneinsparungen von 2,5 Mrd. Euro trugen ebenfalls zur Rückkehr in die schwarzen Zahlen bei. Gewinnschätzungen für 2022 gibt es aktuell noch nicht. Diese könnte der Konzern bei der Präsentation der Gesamtjahreszahlen für 2021 Anfang März vorlegen.

Sämtliche während der Pandemie gewährten staatlichen Finanzhilfen konnte die Lufthansa Group schon im Schlussquartal 2021 vollständig an den Bund zurückzahlen. Bereits im Februar 2021 hatte das Unternehmen einen KfW-Kredit in Höhe von 1 Mrd. Euro frühzeitig getilgt. Für die Rückzahlung der Staatshilfen hatte sich die Fluggesellschaft im letzten November 1,5 Mrd. Euro am Kapitalmarkt geborgt. Die Anleihe wurde damals in zwei Tranchen mit einer Laufzeit von zwei bzw. fünfeinhalb Jahren platziert und mit Zinsen in Höhe von 1,625 Prozent p. a. bzw. 2,875 Prozent p. a. relativ günstig finanziert. Die Nettokreditbelastung in Höhe von 9 Mrd. Euro bleibt allerdings trotz günstiger Zinskonditionen eine schwere Hypothek für den Luftfahrt-Konzern.

Erreicht die deutsche Airline jedoch erneut zweistellige EBITDA-Margen und eine Gesamtkapitalrendite von knapp 6 Prozent wie vor der Corona-Krise, dann kann der Schuldenberg gut gehandhabt und zügig abgetragen werden. Zumal die in der Krise vorgenommenen Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen schnell und nachhaltig Früchte tragen sollten.

Konzernergebnisse der Lufthansa

Die Umsatzerlöse hatten sich bereits im dritten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahresquartal auf knapp 11 Mrd. Euro wieder verdoppelt. Die Zahlen für das Gesamtjahr 2021 veröffentlicht Lufthansa am 3. März.

Fazit & Ausblick

Neben dem Risiko weiterer Corona-Wellen bleiben für die Airlines die hohen Betriebskosten sowie die Personalakquisition die größten Herausforderungen für den Prozess des Durchstartens in die Nachkrisenzeit. Die Lufthansa Group war während der Krise tief in die roten Zahlen abgestürzt und erhielt mit 372 US-Dollar pro Sitzplatz die fünftgrößten Hilfszahlungen aller Airlines weltweit und ächzt nun unter einem gigantischen Schuldenberg.

Dennoch besteht Aufholpotenzial für die Kranich-Airline, da man die Krise genutzt hat, um die Flugzeug-Flotte stark zu verjüngen, Kosten einzusparen, Strukturen zu verschlanken und sich günstig zu refinanzieren. Neue Destinationen und das große Fernweh nach zwei Jahren Corona-Krise sollten das Geschäft und den Aktienkurs ebenso wiederbeleben wie die zurückkehrende Business-Klientel, die nicht nur die Vorteile des rein virtuellen Zusammenarbeitens kennenlernen durfte.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage