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Lufthansa greift mit Alitalia nach der Macht in Europa, und die Farce in Sachen Notkredite aus Rom

Es ist wohl ein zeitlicher Zufall, weil Air Berlin und Alitalia zeitlich relativ nah beieinander den Bach runtergegangen waren. Erst verleibt sich die Lufthansa (vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigungen) große Teile von Air Berlin ein. Und nun wird das…

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FMW-Redaktion

Es ist wohl ein zeitlicher Zufall, weil Air Berlin und Alitalia zeitlich relativ nah beieinander den Bach runtergegangen waren. Erst verleibt sich die Lufthansa (vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigungen) große Teile von Air Berlin ein. Und nun wird das Gerücht zu einem immer konkreteren Fakt, dass die Lufthansa auch die insolvente Alitalia kaufen will.

Lufthansa bietet konkret 500 Millionen Euro für die Alitalia. Hierbei soll es aber nur um den Flugbetrieb der Airline gehen, und nicht den Handlingbereich, so die „Corriere della Sera“. 6.000 Entlassungen seien vorgesehen bei der Alitalia, wenn die Lufthansa zum Zug kommt. Interessant: In Deutschland waren die Langstrecken der Air Berlin gestrichen worden, weil die Lufthansa wohl mit dem eigenen Label und den eigenen Kapazitäten hier noch näher ans Monopol heranrücken will.

Bei Alitalia aber soll das anscheinend anders herum laufen. Aufgrund der großen Billigflieger-Konkurrenz von und nach Italien auf der Kurz- und Mittelstrecke (Urlauber-Strecken) will man dort einsparen, dafür aber vermeintlich rentable Langstrecken der Alitalia erhalten. Das ist inhaltlich nachvollziehbar, weil Langstrecken natürlich höhere Gewinne versprechen.

Beobachter der Alitalia-Insolvenz erinnern sich. Die Regierung in Rom hatte sich fest vorgenommen Alitalia nur als Ganzes zu verkaufen. Und jetzt wird es knifflig. Genau so hatte man der italienischen Öffentlichkeit felsenfest, hoch und heilig bei der Insolvenz geschworen: Ja, man gebe zwar einen Notkredit von 600 Millionen Euro, damit der Flugbetrieb bis Herbst 2017 am Leben gehalten werden könne. Aber darüber hinaus werde es keinen Cent geben, bis dahin müsse die Airline einen neuen Eigentümer haben.

Es gibt zwar anscheinend neben der Lufthansa weitere Bieter wie easyjet und auch Finanzinvestoren. Aber ob gerade sie die besseren Käufer sein würden als die Lufthansa? Wohl kaum. So hat sich Rom nun also entschlossen den Notkredit doch nochmal zu verlängern von November 2017 bis September 2018. Für dieses knappe Jahr gibt es weitere 300 Millionen Euro Notkredite (also insgesamt 900 Millionen Euro). Ob die für fast ein ganzes Jahr ausreichen? Und das Versprechen nicht noch mehr Geld zu geben? Was soll´s, oder? Was sind solche Versprechen schon wert?

Merkwürdig aussehen wird es nur, wenn der Käufer von Alitalia dann weniger als diese 900 Millionen Euro als Kaufpreis hinlegt! Das sieht optisch dann wirklich komisch aus für die Regierung in Rom. Diese lebensverlängernde Maßnahme hat man am Freitag beschlossen, weil es einem wie gesagt sehr wichtig ist den Laden als Ganzes an einen potenziellen Käufer zu bringen. Also kann man sagen, dass Rom pokert, in der Hoffnung, dass die Lufthansa doch für die gesamte Airline bietet? Aber hier darf man wohl vermuten, dass die Lufthansa in der besseren Position ist, da sie keinem Handlungszwang unterliegt.

Die offizielle Bieterfrist hat die Regierung in Rom nun von bislang dem 5. November verlängert bis zum 30. April 2018. Die Lufthansa wird wohl warten können. Ob 300 Millionen Euro weitere Liquiditätshilfen wirklich ausreichen monatelang so ein Spielchen treiben zu können? Aber da solche Versprechen, dass keine weiteren Steuergelder fließen, in Italien jüngst auch bei den Banken missachtet wurden (es flossen frische Milliardensummen), kann man ja auch getrost im Frühling 2018 den Hilfskredit erneut aufstocken um noch mehr Zeit zu gewinnen – so kann man es theoretisch vermuten.

Im Moment fliegt die Alitalia weiter. Der einzige Unterschied zum bisherigen Geschäftsbetrieb: Die strukturellen Verluste der Airline müssen nicht mehr durch private Eigentümer gedeckt werden, sondern durch den italienischen Steuerzahler. Die Lufthansa hat eigentlich nichts zu verlieren. Entweder man bekommt was man will, oder ein Konkurrent wie easyjet kauft zu schlechten Konditionen, und hat dann die Probleme an der Backe (beispielsweise Kündigungsschutz-Klausen). Die Lufthansa-Aktie notiert übrigens heute nur 20 Cents unter ihrem Allzeithoch vom letzten Donnerstag.


Ein Alitalia-Flieger. Foto: Eric Salard/Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Robert14021984

    16. Oktober 2017 17:26 at 17:26

    Wo die ganzen Leute mal arbeiten werden… nahezu fast jeder Industriezweig bekommt Subventionen und entlässt massenweise Arbeiter aber alles läuft ja so gut…. Ach so ja stimmt Vollbeschäftigung & Fachkräftemangel.. die werden bestimmt alle einen super bezahlten Job finden !! ganz bestimmt.

    • Avatar

      Lufthansa_Spezialist266

      16. Oktober 2017 20:20 at 20:20

      Jajaja…Robert14021984: Sie müssen das mal auch von der Seite der Lufthansa sehen: Die darf nur für Angestellte unnötig, dank der Kommunisten, Unmengen an Geld bezahlen. Das ist nunmal Leben, man muss mit der Zeit gehen. Wenn man arbeitslos ist, einfach neu bewerben und gut ist.

  2. Avatar

    Lufthansa_Spezialist266

    16. Oktober 2017 20:19 at 20:19

    Jajaja…Robert14021984: Sie müssen das mal auch von der Seite der Lufthansa sehen: Die darf nur für Angestellte unnötig, dank der Kommunisten, Unmengen an Geld bezahlen. Das ist nunmal Leben, man muss mit der Zeit gehen. Wenn man arbeitslos ist, einfach neu bewerben und gut ist.

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Aktienmärkte: „Die Coronakrise ist vorbei“ – wirklich?

Markus Fugmann

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„Die Coronakrise ist für die Aktienmärkte vorbei“, sagt der Mathematiker und Vermögensverwalter Andreas Beck. Diese Aussage überrascht, schließlich stecken wir mitten im zweiten, diesmal „differenzierten Lockdown“ (O-Ton Markus Söder) mit enormen wirtschaftlichen Folgeschäden. Andreas Beck rechnet aber dennoch mit einem guten Jahrzehnt für die Aktienmärkte – schon mangels Alternative angesichts der von den Notenbanken manipulierten Anleihemärkte. Die Nullzinsen, so Beck, hätten sich bereist bei Immobilien niedergeschlagen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Aktienmärkte vollständig einpreisen.

Aktienmärkte und Coronakrise: Das Jahrzehnt der Aktie?

Seit dem 09.November – der Meldung von BioNTech/Pfizer – haben die Aktienmärkte einen Paradigmenwechsel vollzogen: Man kauft die „Corona-Verlierer“. Für Andreas Beck bedeutet das: die Aktienmärkte blicken schon auf die Zeit nach der Coronakrise (auch die Rohstoff-Märkte, siehe etwa die Rally bei Kupfer, das für die Industrie sehr wichtig ist). Man preist also eine vollständige Erholung der Wirtschaft ein, eben weil die Coronakrise vorbei doch vorbei sei. Der Wirtschaft sei der zweite Lockdown faktisch „egal“ – sie habe sich an die neuen Umstände angepaßt.

Nun ist Andreas Beck Vermögensverwalter und Mathematiker, kein Epidemologe. Nun hat kürzlich der britische Epidemologe und Berater des britischen Premiers Boris Johnson, Jonathan Van-Tam, kürzlich davon gesprochen, dass die Coronakrise „niemals“ vorbei gehen werde (hier seine Aussage im Video). Ist es vielleicht doch so, dass Andreas Beck und mit ihm die Aktienmärkte die Coronakrise zu früh abhaken, also das Fell des Bären schon verteilen, bevor er erlegt ist?

Eines ist für Andreas Beck klar: die Schulden der Staaten werden niemals zurück gezahlt werden können – daher weredn sich die Staaten am Privatvermögen sener Bürger bedienen (müssen). Auch klar für Beck ist weiterhin: die demokratischen Länder werden sich die Dominanz der US-Tech-Unternehmen nicht mehr lange gefallen lassen. Er geht daher davon aus, dass in diesem Jahrzehnt daher dann „value“ besser laufen sollte als „growth“ und erklärt, wie er selbst investiert ist:

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Für die Aktienmärkte ist die Coronakrise vorbei, sagt Vermögensverwalter Andreas Beck

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Steigenden Renditen? Tesla, Snowflake, China-Aktie

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Zahlreiche Themen werden besprochen wie die Arbeitsmarktdaten für November, Anleiherenditen, Tesla uvm.

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BioNTech: Das plant das Unternehmen wirklich – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Aktien der Impftstoff-Entwickler wie BioNTech, Curevac oder Moderna gehen derzeit durch die Decke. Die Story ist auch zu gut und für jeden offensichtlich. Denn wir alle wissen, in den kommenden Monaten und Jahren müssen große Teile der Weltbevölkerung gegen das Covid-Virus geimpft werden, wenn die Menschheit die Pandemie tatsächlich besiegen will. Marktbeobachter sehen teilweise ein Marktpotenzial für die führenden Impfstoffe, so sie denn flächendeckend eingesetzt werden, von bis zu 100 Milliarden USD. Wahnsinn, oder?

Trotzdem muss ich Wasser in den Wein gießen. Ich behaupte die Impf-Party ist weitgehend gefeiert, die Story ist in den Aktien der BioNTech und Moderna weitgehend eingepreist.

Noch ein Problem dieser Covid-Geschäftsmodelle: Wenn die Vakzine tatsächlich so funktionieren, wie es derzeit den Anschein hat, machen sich diese Unternehmen am Markt ziemlich rasch überflüssig, zumindest zunächst. Denn BioNTech und Co. haben kein Produkt mehr, wenn das Virus nach Erreichung einer relativen Herdenimmunität gehen wird. Weitsichtige Börsianer fürchten diesen Effekt jetzt schon und rechnen mit massiven Kursrückgängen.

Ist die Euphorie rund um die Impfstoff-Entwickler also übertrieben? Droht hier nächstens ein böser Rückschlag?

Die Frage ist unvollständig gestellt. Denn es geht bei BioNTech und Co. nur vordergründig um das Covid-Vakzin. Die eigentliche Sensation der letzten Monate und Wochen ist eine andere, nämlich die Technologie, mit der den Unternehmen der Durchbruch gelungen ist.

Erstmals wurde ein Vakzin auf der Basis der sog. Boten-RNA entwickelt. Von dieser Gentechnologie spricht die Branche schon seit einigen Jahren, ohne dass jemals irgendein ein marktfähiger Wirkstoff das Licht der Medizinwelt erblickt hätte.

Das hat sich nun geändert. BioNTech und Moderna haben sich früh der Erforschung dieser Boten-RNA gewidmet und dabei nun sehr wahrscheinlich diesem gentechnischen Ansatz zum Durchbruch verholfen. Dabei brauchen wir diese Technologie im Moment zur Bekämpfung der Covid-Pandemie. Solche Jahrhundert-Pandemien…..

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