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Macron-Rede zur Zukunft der EU: Hierzu zwei unterschiedliche Sichtweisen

Frankreichs Präsident Macron hielt jüngst seine große Rede zur Zukunft der EU. Mehr Zentralisierung ist die Richtung für die EU, so ist es eindeutig aus seinen Worten zu hören. Das steht aber im krassen Gegensatz zum Willen der…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Frankreichs Präsident Macron hielt jüngst seine große Rede zur Zukunft der EU. Mehr Zentralisierung ist die Richtung für die EU, so ist es eindeutig aus seinen Worten zu hören. Das steht aber im krassen Gegensatz zum Willen der Brexit-Wähler, der AfD-Wähler, der Wilders- und Orban-Wähler und und und. Auch dürften die Katalanen, die zwar aus Spanien aussteigen, aber in der EU bleiben wollen, eher Interesse an einem „Europa der souveränen Nationen“ haben als an einem europäischen Zentralstaat. Hierzu möchten wir zwei aktuelle Meinungen gegenüberstellen. Zunächst die heute veröffentlichte offizielle Sichtweise von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Zitat:

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker begrüßt die Kernpunkte der Europa-Rede des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die er gestern (Dienstag) in der Pariser Sorbonne-Universität gehalten hatte. „Das war eine sehr europäische Rede“, schrieb Juncker gestern auf Twitter. „Europa braucht Mut.“ Für die Unterstützung der Arbeit der europäischen Institutionen gebühre Macron Dank. Nun brauche es einen gemeinsamen Fahrplan, um die Union mit 27 Mitgliedstaaten voranzubringen. Alle Ideen sollten breit diskutiert und bei einem Gipfel im rumänischen Hermannstadt vor dem Brexit und den Europawahlen im Frühjahr 2019 gemeinsam beschlossen werden.

Kommissionsprecher Margaritis Schinas sagte heute vor Journalisten in Brüssel, die Kommission habe sich für diese Debatte stark gemacht. Mit dem Weißbuch zur Zukunft der EU hatte die Kommission im März verschiedene Szenarien präsentiert, wohin sich Europa bewegen könnte.

„Die Rede von Präsident Macron, seine Visionen und detaillierten Vorschläge entsprechen voll und ganz unseren ehrgeizigen Zielen“, sagte Schinas. „Die Diskussionen haben begonnen.“ Dies sei genau das, was die Europäische Kommission und Präsident Juncker durch die Einleitung einer gründlichen Reflexion über die Zukunft Europas mit dem Weißbuch und den fünf Diskussionspapieren erreichen wollten. „Wir freuen uns über alle Beiträge. Wir hoffen, dass dieser Prozess noch vor den Europawahlen 2019 zu ersten Ergebnissen gelangen wird“, sagte Schinas.

Diese Diskussion solle ab jetzt in einen strukturierten Fahrplan mit präzisen Fristen für konkrete Vorschläge eingebettet und von öffentliche Debatten in ganz Europa begleitet werden. „Die Kommission und ihr Präsident werden ihren Teil dazu beitragen“.

Ganz anders wird die Macron-Rede vom arbeitgebernahen „Institut der deutschen Wirtschaft“ betrachtet. Wir meinen: Die folgenden Worte treffen ziemlich genau die Meinung von CDU/CSU und FDP, wie auch einer Mehrheit der deutschen Bevölkerung (ist natürlich nur eine Vermutung). Hier im Wortlaut:

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat in seiner gestrigen Rede ein umfangreiches Budget und einen dafür zuständigen Finanzminister für die Eurozone gefordert. Er schlägt vor, das Budget primär für die Abfederung von konjunkturellen Schwankungen zu verwenden.

Der französische Vorschlag stößt in vielen (nord-)europäischen Hauptstädten auf Ablehnung. Ein großes Eurozonen-Budget würde nicht nur eine dauerhafte Vergemeinschaftung von nationalen Steuermitteln bedeuten. Es würde insbesondere politische Fehlanreize setzen. Das vorgesehene Eurozonen-Budget bliebe vermutlich nicht lange unangetastet, die Schockabsorption längst nicht die einzige Verwendung des Budgets. Die vorhandenen Mittel würden im schlimmsten Fall zur Durchsetzung fiskal- und wirtschaftspolitischer Ziele einzelner Regierungen verwendet, zum Beispiel zur Förderung der eigenen Wiederwahl. Obgleich restriktive Regeln für die Mittelverwendung denkbar sind, stellt sich rückblickend die Frage, ob sie auch befolgt würden. Es stellen sich folglich die Fragen, welche wirtschaftspolitischen Ziele die Eurozone (als Gemeinschaft) mit solch umfangreichen Mitteln verfolgen würde, wer diese formuliert und wer für deren Durchsetzung und Kontrolle verantwortlich wäre.

Hier kommt die zweite Forderung Macrons ins Spiel: die Ernennung eines Finanzministers für die Eurozone. Dieser müsste das Durchgriffsrecht besitzen, problematische nationale Politiken, soweit sie das Eurozonen-Budget betreffen, zu korrigieren. Dafür wäre ein partieller Souveränitätsverzicht der Eurozonen-Mitglieder erforderlich. Eine Bereitschaft dafür ist nicht erkennbar – auch nicht in Frankreich.

Die Forderungen Macrons lassen sich daher auf einen notwendigerweise zu erreichenden Nenner reduzieren, bevor man über ein gemeinsames Budget oder einen Finanzminister nachdenken sollte: Die Eurozonen-Mitglieder müssen in einem ersten Schritt ihre dogmatischen Differenzen in wichtigen Kernfragen überwinden und sich gemeinsam auf einen Integrationsprozess einigen. Die Differenzen spiegeln den Konflikt zweier ordnungspolitischer Orthodoxien wider, die ihre Ausprägung in den unterschiedlichen Traditionen Frankreichs (diskretionär) und Deutschlands (regelbasiert) entfalten. Bevor die Vorschläge Macrons für die Eurozone diskutiert werden können, müssen sich die Eurozonen-Mitglieder darüber verständigen, wieviel Solidität vor Solidarität gegeben sein muss, um gemeinsam höhere Integrationsstufen zu erklimmen. Daran erst lässt sich die Frage anschließen, welche institutionellen Reformen in aller Augen erforderlich sind, um die Sicherheitsarchitektur der Eurozone zu vervollständigen – denn darum geht es in erster Linie.

Nach der deutschen Bundestagswahl vom vergangenen Wochenende ist es umso dringlicher, dass sich Frankreich offen für eine solche Verständigung zeigt. Voreilige und überambitionierte Forderungen für Übermorgen können von zwei der vermeintlich drei zukünftigen deutschen Regierungsparteien derzeit nicht positiv erwidert werden. Die FDP und auch Teile der CDU/CSU werden jegliche Instrumente, die eine Vergemeinschaftung (wenn auch nur im Ansatz) ermöglichen, kategorisch ablehnen, um ihr eigenes politisches Überleben bzw. die Wiederwahl zu sichern.

Primäres Ziel der innerdeutschen, deutsch-französischen und europäischen Politik muss jetzt sein, Kompromissbereitschaft auf allen Seiten auszuloten und sich auf Integrationsschritte in den Kernfragen zu einigen. Es nützt in Europa nicht Horizonte zu eröffnen, wenn dabei bereits die roten Linien im Hier und Jetzt überschritten werden.


Emanuelle Macron. Foto: Presidencia de la República Mexicana / Wikipedia (CC BY 2.0)

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang M.

    27. September 2017 18:17 at 18:17

    Erst wollte Frankreich die verhasste D-Mark loshaben, durch die Einführung des Euro, dann selbiges mit der Bundesbank mittels der EZB. Jetzt ist Deutschland trotz Euro wirtschaftlich wieder zu stark geworden. Durch die Vergemeinschaftung der Schulden käme man an die Steuerüberschüsse des deutschen Steuerzahlers heran – hatten wir hier nicht erst vor wenigen Tagen gelesen, dass die Arbeitszeiten der Nordländer deutlich über denen Südländern liegen? Gehts noch? So erreicht man keinen Einigungsprozess, eher eine Stärkung nationalistischer Tendenzen – der Wahlausgang in Deutschland lässt grüßen. Für mich ist das Unterfangen sehr durchsichtig.

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      27. September 2017 19:08 at 19:08

      Helmut Schmidt,sicher eine der integersten Personen,die Deutschland je hervorgebracht hat,sagte dazu lapidar.Wer Visionen hat,soll zum Arzt gehen.Auch ich denke,dem ist nichts hinzuzufügen!Gebt dem Louis 14 und Napoleon-Verschnitt die Chance erstmal seine „Grande Nation“auf Vordermann zu bringen.Gelingt ihm dies,was ich bezweifele,dann erst soll er sich an €uropa versuchen!

  2. Avatar

    Beobachter

    27. September 2017 19:02 at 19:02

    Bevor Macron die ganze EU reformieren,( noch mehr zentralisieren will ) sollte er sein Land soweit bringen, dass es mindestens die EU Kriterien erfüllen würde.Zudem ist der Front National noch immer da.

  3. Avatar

    Epica

    27. September 2017 21:28 at 21:28

    Die führenden Politiker in Europa reden doch immer so viel von Demokratie: wir könnten schon viel weiter sein, wenn sie gemeinsam seit Einführung des Euro drei unterschiedliche Konzepte zur Zukunft Europas erarbeitet und der EU-Bevölkerung mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen vorgestellt hätten. Dann hätte man sechs Monate zwecks Diskussion und Meinungsbildung ins Land gehen lassen können, bevor die Menschen in allen EU-Ländern gleichzeitig darüber abgestimmt hätten, welches der drei Konzepte Realität werden soll. Das wäre demokratisch!

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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