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Märkte: Überall steigt die Volatilität an – Warnung vor einem Erdbeben mit Ansage

Das Volatilitätsbarometer VIX ist nahe historischen Allzeittiefs – aber bei anderen Märkten brodelt es schon gewaltig unter der Oberfläche, was ein Erdbeben (also stark anziehende Volatilität) demnächst auch am US-Aktienmarkt sehr wahrscheinlich macht!

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Die US-Aktienmärkte sind praktisch auf Allzeithochs, die Volatilität, gemessen am VIX (also der in Optionen eingepreisten Volatilitätserwartung für die nächsten 30 Handelstage) historisch niedrig: trotz des leichten Anstiegs des S&P500 am Freitag stieg jedoch auch der VIX um 3% und liegt nun bei 9,97, deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 19.

Ist also alles ruhig da draußen? Mitnichten. Denn in anderen Märkten ist die Volatilität deutlich angezogen, was die Vermutung erlaubt, dass die Volatilität auch bei den US-Aktienmärkten bald ansteigen dürfte. Es tut sich also was unter der Oberfläche, die Erde brodelt gewissermaßen, ohne dass diese untergründigen Bewegungen an der Oberfläche offensichtlich wären!

Zwar ist der VIX auch in der letzten Handelswoche gefallen, aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn blickt man auf die implizite Volatilität aller Laufzeiten (also nicht nur auf die erwartete Volatilität der nächsten 30 Handelstage), dann ist die implizite Volatilität in der letzten Handelswoche um +6,5% gestiegen! Auffallend ist weiterhin, dass die Korrelationen zwischen den elf verschiedenen Sektoren im S&P500 geringer geworden ist, was den VIX nach unten gedrückt hat. Es war vor allem der Technologiesektor (Amazon!) im S&P500, der in der letzten Woche um +1,8% stieg und damit den VIX drückte. Dagegen verzeichneten neun von elf Sektoren im S&P500 einen Anstieg der Volatilität.

Das Shorten des VIX ist bekanntlich eine der verbreitetsten Handelsstrategien in den USA (neben dem Long-Trade im Nasdaq) und war in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche Strategie – aber das Boot ist sehr einseitig beladen, und wenn der VIX sprunghaft ansteigen sollte, werden viele aus dem Boot gekippt!

Dass der VIX bald anziehen dürfte, zeigt auch der Blick auf andere Märkte, bei denen zwar noch keine Turbulenzen feststellbar sind, wohl aber eine gewisse Unruhe. So ist zum Beispiel bei europäischen (vor allem beim Dax) und asiatischen Aktienmärkten (Nikkei, Aktienmärkte Chinas) die Volatilität in der vergangenen Handelswoche stark angestiegen, und zwar um satte 27%!

Ein Grund dafür: Technologiewerte, die zuletzt sehr gut gelaufen waren, sind in diesen Indizes deutlich weniger gewichtet (nur 6%) als etwa beim S&P500 mit 25% – daher also die schwächere Entwicklung dieser europäischen und asiatischen Indizes. Man könnte also sagen: die Tatsache, dass die USA die Technologieführerschaft in der Welt haben mit Unternehmen wie Amazon, entwickelten sich die US-Indizes besser, war gleichzeitig die Volatilität geringer (man darf gespannt sein, wie die Wall Street heute auf die Analyse von Morgan Stanley, die vor einem Ende des Chip-Booms warnt, reagieren wird – in Südkorea etwa fiel Samsung um gut -4%).

Ein starker Anstieg war zuletzt auch bei amerikanischen Junk-Bonds zu verzeichnen, deren Volatilität viel stärker stieg als bei mit „investment grade“ eingestuften US-Unternehmensanleihen. Der Markt ist also unruhig gerade in Bereichen, die eigentlich eine zunehmende Risikoaversion anzeigen wie bei stärker steigenden Risikoprämien für Junk Bonds.

Fazit: es sind vor allem die großen US-Tech-Werte mit ihrem Anstieg gewesen, die kaschieren, dass es uner der Oberfläche brodelt. Bis derartige Erruptionen sich auch an der Oberfläche zeigen bei den US-Aktienmärkten und deren Volatilität, ist es jetzt wohl nur eine Frage der Zeit! Es verschieben sich tektonische Platten, was man aber erst greifbar machen kann, wenn es dann zu einem Erdbeben kommt!


Diese Brücke auf Island überspannt eine Bruchzone in jenem Gebiet, in dem sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte voneinander entfernen
Foto: This Wikipedia and Wikimedia Commons image is from the user Chris 73 and is freely available at //commons.wikimedia.org/wiki/File:Bridge_across_continents_iceland.jpg under the creative commons cc-by-sa 3.0 license.

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    Angelo Michele Franke

    27. November 2017 12:15 at 12:15

    Um nur mal die Kirche im Dorf zu lassen… Allein um den VIX auf den Durchschnittswert steigen zu lassen wäre somit ein Anstieg um 100% notwendig.
    Was muss denn passieren, damit das eintrifft?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      27. November 2017 12:20 at 12:20

      @Angelo, das kann, wie die Vergangenheit zeigt, sehr schnell gehen – etwa wenn die US-Steuerreform scheitert..

  2. Avatar

    Gerd

    27. November 2017 13:02 at 13:02

    Hier ist ein aktueller Bericht der societe generale, der so richtig nach dem Geschmack von FMW sein dürfte. Und natürlich auch lecker ist für den lieben Beobachter und für alle alt-perma-und sonstwie-Bären.
    Und bezogen auf den langen Zeitraum sogar teilweise für mich.

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/11/26/societe-generale-anleger-sollten-sich-jetzt-aus-aktien-zurueckziehen/

    • Avatar

      Columbo

      27. November 2017 13:18 at 13:18

      Danke Gerd??

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    Macwoiferl

    27. November 2017 15:06 at 15:06

    Ja, es brodelt.
    Der Gunung Agun auf Bali ist ausgebrochen.

  4. Avatar

    Beobachter

    27. November 2017 15:49 at 15:49

    @Gerd, unter uns ( bitte nicht weitererzählen) Ich habe der Bank den Bericht geschrieben.
    Was sehr auffällt auf dem Chart des S-P 500:
    Zwischen 1988 u. 2009 hatten wir auf viel tieferem Niveau immer wieder Korrekturen
    Seit 2009 geht es eigentlich nur noch in eine Richtung.
    Jetzt gibt es nur 2 Möglichkeiten.
    – Alle Notenbanken abschaffen oder
    – Alle Wirtschaftslehrbücher neu schreiben.

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    Wolfgang M.

    27. November 2017 16:58 at 16:58

    Warum schwächelt der Dax gegenüber den US-Indizes so? Der Kurs des US-Dollars ist nur ein schwaches Argument. Über drei Viertel der deutschen Exporte gehen nicht in den Dollarraum. Die Schere im Chart S&P 500 und Dax öffnet sich immer weiter. Der Dax steht kaum höher als im Juni, von wegen Kursrally. Womit rechnen die Anleger in Deutschland?

    • Avatar

      Gerd

      27. November 2017 17:58 at 17:58

      Darüber zerbreche ich mir auch den Kopf. Schon seit Monaten haben selbst DAX-Optimisten (ich auch) die Sorge, dass es doch mal zu einem scharfen Einbruch in Deutschland kommt, weil wir uns einem Crash bei amerikanischen Aktien nicht entziehen können. Und was ist stattdessen los? Einfach nicht zu fassen. Der Dollar ist es nicht, da haben Sie recht.

      Und die Regierungskrise? Wie ich bereits anmerkte (aber das war sarkastisch gemeint), verhandeln die, wenn es sein muss bis Weihnachten – 2018. So wie es aktuell aussieht, wird es zumindest Ostern. Aber was solls. Je weniger Regierung, desto besser läuft die Wirtschaft.

      • Avatar

        Wolfgang M.

        27. November 2017 18:24 at 18:24

        @Gerd. Ja genau. Das sah man in Belgien, wo die Regierungsbildung über ein Jahr gedauert hat oder in den USA, bei einem politisch gebremsten Trump. Das Positive im Dax ist zudem, dass seine Unternehmen so Quartal für Quartal in ihre Bewertung hineinwachsen. Das Crashpotenzial, nicht das Korrekturrisiko, reduziert sich hierdurch etwas. Er wird billiger. Wenn man noch bedenkt, dass im Dax, im Gegensatz zu anderen großen Indizes, die Dividenden noch hineingerechnet werden! Das interessiert aber „noch“ keinen. Gruß

      • Avatar

        Lars

        27. November 2017 21:41 at 21:41

        @Gerd, der Kommentar wirkt echt ratlos und verzweifelt: Der Dollar ist es nicht, die sog. Regierungskrise sicher auch nicht. Der böse DAX macht das amerikanische Konsum-Kasperltheater vom Black Weekend nicht mit? Wir langweiligen Deutschen machen doch tatsächlich lieber auf Advent und Weihnachten, auf EU und Nicht-Ami-Schwachsinn und starten etwas später durch, oder auch nicht.
        Wenn die Ami-Indizes Rücksetzer erleiden müssen und werden, kann sich der DAX dem aber auch nicht entziehen? Ich bin mir sicher, dass der DAX in anständig deutscher Verlierer-Manier langsam und deutsch-bedächtig absinken wird. Parallel zur internen Auflösung der AfD bzw. derer Spitzenkandidaten zur Wahl vor ein paar Wochen.
        Ich rieche förmlich Ihre Angst- und Stresshormone, kann aber nur virtuell-olfaktorisch auf diese reagieren, weil Sie mich auf die Liste der unerwünschten Personen gesetzt und mir Ihre allseits geschätzten Antworten für immer schwer beleidigt verweigert haben.

        • Avatar

          Michael

          27. November 2017 22:24 at 22:24

          @Lars, der bemerkenswerte Gerd hat sich schon das ganze Jahr über im DAX verirrt, auch wenn er das nicht zugeben wird. In den Long-Wellen war er short, in den Short-Wellen war er long. In den Übergangsphasen war er indifferent. Gönnen Sie ihm seinen Frust, seine Hoffnung, seine fachliche Einschätzung.
          Ansonsten geraten Sie an seine wenig freundliche und intolerante Kameradschaft, alternativ-reaktionär und ignorant, aber (vor)laut gegenüber Deutschland, einem gemeinsamen Europa und einer lebenswerten Umwelt.

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    Beobachter

    27. November 2017 18:55 at 18:55

    @Gerd, Korrelation DAX/ US -Börse.
    Wenn Schäuble die Schwarze Null verteidigt ist das für die Börse eben weniger spektakulär als wenn Trump seit einem Jahr Steuersenkungen mit vielen roten Nullen (Verschuldung )ankündigt. Langfristig wird sich das eher positiv auf den DAX auswirken.Wenn du googelst
    hate es einige Beiträge.
    Ich denke beim nächsten Crash wird der DAX nur 60% verlieren u.die U-S Börse 80% !!!!!
    Da ich Optimist bin habe ich den Porsche schon bestellt.
    ( einer der letzten Benziner)

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      27. November 2017 19:02 at 19:02

      @Beobachter, @Wolfgang, @Gerd, eine US-Untersuchung führt die Schwäche beim Dax darauf zurück, dass die Märkte jetzt schon beginnen einzupreisen, dass die EZB bald nicht mehr QE betreiben wird – daher sei die Vola gestiegen und würden die Dickfische bereits jetzt verstärkt Absicherungsgeschäfte betreiben..

      • Avatar

        Wolfgang M.

        27. November 2017 19:23 at 19:23

        @ Markus. Klingt nachvollziehbar. Da müssten die US-Dickschiffe Mario Draghi, den ehemaligen Direktor von Goldman Sachs und Patron seiner Heimat Italien, aber besser kennen als wir Europäer.

    • Avatar

      Michael

      27. November 2017 20:29 at 20:29

      @Beobachter, bevor es peinlich wird: Schäuble ist seit 5 Wochen nicht mehr Finanzminister und verteidigt somit die Schwarze Null auch nicht mehr wirklich ;)
      Obwohl: Begreift man diese Phrase ironisch im mehrdeutigen Sinn des Wortes, könnte sie sich auch auf schwarze Führungskräfte der obersten Ebene beziehen und gewänne damit schlagartig an Sinn, Humor und Aussagekraft.
      Da rase ich jetzt erst einmal mit dem Porsche mit 350 Sachen von Süd nach Nord und zurück, bevor die Freiheit des deutschen Bürgers auch noch im letzten Refugium, nämlich unseren Asphalt- und Betonpisten beschränkt wird.

  7. Avatar

    Beobachter

    27. November 2017 19:22 at 19:22

    Ich sagte ja schon mehrmals, dass aus welchen Gründen auch immer dieses noch nie dagewesene Experiment des Gelddruckens mindestens reduziert werden muss.
    Jetz sagte kürzlich dieBOJ dass die Nebenwirkungen mehr schaden als nützen, von China hört man ähnliche Töne, die deutsche Regierung ( wenns irgendwann eine gibt ) wird auch immer mehr Druck auf den EZB-CAPO machen . Darum könnte das Argument von M.Fugmann eine Spur Wahrheit haben.Wäre natürlich auch eine Überraschung für all jene die QE AUF LEBZEITEN vorausgesehen haben !!!!!!

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Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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am

Von

Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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am

Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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