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Märkte: Überall steigt die Volatilität an – Warnung vor einem Erdbeben mit Ansage

Von Markus Fugmann

Die US-Aktienmärkte sind praktisch auf Allzeithochs, die Volatilität, gemessen am VIX (also der in Optionen eingepreisten Volatilitätserwartung für die nächsten 30 Handelstage) historisch niedrig: trotz des leichten Anstiegs des S&P500 am Freitag stieg jedoch auch der VIX um 3% und liegt nun bei 9,97, deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 19.

Ist also alles ruhig da draußen? Mitnichten. Denn in anderen Märkten ist die Volatilität deutlich angezogen, was die Vermutung erlaubt, dass die Volatilität auch bei den US-Aktienmärkten bald ansteigen dürfte. Es tut sich also was unter der Oberfläche, die Erde brodelt gewissermaßen, ohne dass diese untergründigen Bewegungen an der Oberfläche offensichtlich wären!

Zwar ist der VIX auch in der letzten Handelswoche gefallen, aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn blickt man auf die implizite Volatilität aller Laufzeiten (also nicht nur auf die erwartete Volatilität der nächsten 30 Handelstage), dann ist die implizite Volatilität in der letzten Handelswoche um +6,5% gestiegen! Auffallend ist weiterhin, dass die Korrelationen zwischen den elf verschiedenen Sektoren im S&P500 geringer geworden ist, was den VIX nach unten gedrückt hat. Es war vor allem der Technologiesektor (Amazon!) im S&P500, der in der letzten Woche um +1,8% stieg und damit den VIX drückte. Dagegen verzeichneten neun von elf Sektoren im S&P500 einen Anstieg der Volatilität.

Das Shorten des VIX ist bekanntlich eine der verbreitetsten Handelsstrategien in den USA (neben dem Long-Trade im Nasdaq) und war in den letzten Jahren eine sehr erfolgreiche Strategie – aber das Boot ist sehr einseitig beladen, und wenn der VIX sprunghaft ansteigen sollte, werden viele aus dem Boot gekippt!

Dass der VIX bald anziehen dürfte, zeigt auch der Blick auf andere Märkte, bei denen zwar noch keine Turbulenzen feststellbar sind, wohl aber eine gewisse Unruhe. So ist zum Beispiel bei europäischen (vor allem beim Dax) und asiatischen Aktienmärkten (Nikkei, Aktienmärkte Chinas) die Volatilität in der vergangenen Handelswoche stark angestiegen, und zwar um satte 27%!

Ein Grund dafür: Technologiewerte, die zuletzt sehr gut gelaufen waren, sind in diesen Indizes deutlich weniger gewichtet (nur 6%) als etwa beim S&P500 mit 25% – daher also die schwächere Entwicklung dieser europäischen und asiatischen Indizes. Man könnte also sagen: die Tatsache, dass die USA die Technologieführerschaft in der Welt haben mit Unternehmen wie Amazon, entwickelten sich die US-Indizes besser, war gleichzeitig die Volatilität geringer (man darf gespannt sein, wie die Wall Street heute auf die Analyse von Morgan Stanley, die vor einem Ende des Chip-Booms warnt, reagieren wird – in Südkorea etwa fiel Samsung um gut -4%).

Ein starker Anstieg war zuletzt auch bei amerikanischen Junk-Bonds zu verzeichnen, deren Volatilität viel stärker stieg als bei mit „investment grade“ eingestuften US-Unternehmensanleihen. Der Markt ist also unruhig gerade in Bereichen, die eigentlich eine zunehmende Risikoaversion anzeigen wie bei stärker steigenden Risikoprämien für Junk Bonds.

Fazit: es sind vor allem die großen US-Tech-Werte mit ihrem Anstieg gewesen, die kaschieren, dass es uner der Oberfläche brodelt. Bis derartige Erruptionen sich auch an der Oberfläche zeigen bei den US-Aktienmärkten und deren Volatilität, ist es jetzt wohl nur eine Frage der Zeit! Es verschieben sich tektonische Platten, was man aber erst greifbar machen kann, wenn es dann zu einem Erdbeben kommt!


Diese Brücke auf Island überspannt eine Bruchzone in jenem Gebiet, in dem sich die Nordamerikanische und die Eurasische Platte voneinander entfernen
Foto: This Wikipedia and Wikimedia Commons image is from the user Chris 73 and is freely available at //commons.wikimedia.org/wiki/File:Bridge_across_continents_iceland.jpg under the creative commons cc-by-sa 3.0 license.



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16 Kommentare

  1. Avatar
    Angelo Michele Franke

    Um nur mal die Kirche im Dorf zu lassen… Allein um den VIX auf den Durchschnittswert steigen zu lassen wäre somit ein Anstieg um 100% notwendig.
    Was muss denn passieren, damit das eintrifft?

    1. @Angelo, das kann, wie die Vergangenheit zeigt, sehr schnell gehen – etwa wenn die US-Steuerreform scheitert..

  2. Hier ist ein aktueller Bericht der societe generale, der so richtig nach dem Geschmack von FMW sein dürfte. Und natürlich auch lecker ist für den lieben Beobachter und für alle alt-perma-und sonstwie-Bären.
    Und bezogen auf den langen Zeitraum sogar teilweise für mich.

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/11/26/societe-generale-anleger-sollten-sich-jetzt-aus-aktien-zurueckziehen/

  3. Ja, es brodelt.
    Der Gunung Agun auf Bali ist ausgebrochen.

  4. @Gerd, unter uns ( bitte nicht weitererzählen) Ich habe der Bank den Bericht geschrieben.
    Was sehr auffällt auf dem Chart des S-P 500:
    Zwischen 1988 u. 2009 hatten wir auf viel tieferem Niveau immer wieder Korrekturen
    Seit 2009 geht es eigentlich nur noch in eine Richtung.
    Jetzt gibt es nur 2 Möglichkeiten.
    – Alle Notenbanken abschaffen oder
    – Alle Wirtschaftslehrbücher neu schreiben.

  5. Warum schwächelt der Dax gegenüber den US-Indizes so? Der Kurs des US-Dollars ist nur ein schwaches Argument. Über drei Viertel der deutschen Exporte gehen nicht in den Dollarraum. Die Schere im Chart S&P 500 und Dax öffnet sich immer weiter. Der Dax steht kaum höher als im Juni, von wegen Kursrally. Womit rechnen die Anleger in Deutschland?

    1. Darüber zerbreche ich mir auch den Kopf. Schon seit Monaten haben selbst DAX-Optimisten (ich auch) die Sorge, dass es doch mal zu einem scharfen Einbruch in Deutschland kommt, weil wir uns einem Crash bei amerikanischen Aktien nicht entziehen können. Und was ist stattdessen los? Einfach nicht zu fassen. Der Dollar ist es nicht, da haben Sie recht.

      Und die Regierungskrise? Wie ich bereits anmerkte (aber das war sarkastisch gemeint), verhandeln die, wenn es sein muss bis Weihnachten – 2018. So wie es aktuell aussieht, wird es zumindest Ostern. Aber was solls. Je weniger Regierung, desto besser läuft die Wirtschaft.

      1. @Gerd. Ja genau. Das sah man in Belgien, wo die Regierungsbildung über ein Jahr gedauert hat oder in den USA, bei einem politisch gebremsten Trump. Das Positive im Dax ist zudem, dass seine Unternehmen so Quartal für Quartal in ihre Bewertung hineinwachsen. Das Crashpotenzial, nicht das Korrekturrisiko, reduziert sich hierdurch etwas. Er wird billiger. Wenn man noch bedenkt, dass im Dax, im Gegensatz zu anderen großen Indizes, die Dividenden noch hineingerechnet werden! Das interessiert aber „noch“ keinen. Gruß

      2. @Gerd, der Kommentar wirkt echt ratlos und verzweifelt: Der Dollar ist es nicht, die sog. Regierungskrise sicher auch nicht. Der böse DAX macht das amerikanische Konsum-Kasperltheater vom Black Weekend nicht mit? Wir langweiligen Deutschen machen doch tatsächlich lieber auf Advent und Weihnachten, auf EU und Nicht-Ami-Schwachsinn und starten etwas später durch, oder auch nicht.
        Wenn die Ami-Indizes Rücksetzer erleiden müssen und werden, kann sich der DAX dem aber auch nicht entziehen? Ich bin mir sicher, dass der DAX in anständig deutscher Verlierer-Manier langsam und deutsch-bedächtig absinken wird. Parallel zur internen Auflösung der AfD bzw. derer Spitzenkandidaten zur Wahl vor ein paar Wochen.
        Ich rieche förmlich Ihre Angst- und Stresshormone, kann aber nur virtuell-olfaktorisch auf diese reagieren, weil Sie mich auf die Liste der unerwünschten Personen gesetzt und mir Ihre allseits geschätzten Antworten für immer schwer beleidigt verweigert haben.

        1. @Lars, der bemerkenswerte Gerd hat sich schon das ganze Jahr über im DAX verirrt, auch wenn er das nicht zugeben wird. In den Long-Wellen war er short, in den Short-Wellen war er long. In den Übergangsphasen war er indifferent. Gönnen Sie ihm seinen Frust, seine Hoffnung, seine fachliche Einschätzung.
          Ansonsten geraten Sie an seine wenig freundliche und intolerante Kameradschaft, alternativ-reaktionär und ignorant, aber (vor)laut gegenüber Deutschland, einem gemeinsamen Europa und einer lebenswerten Umwelt.

  6. @Gerd, Korrelation DAX/ US -Börse.
    Wenn Schäuble die Schwarze Null verteidigt ist das für die Börse eben weniger spektakulär als wenn Trump seit einem Jahr Steuersenkungen mit vielen roten Nullen (Verschuldung )ankündigt. Langfristig wird sich das eher positiv auf den DAX auswirken.Wenn du googelst
    hate es einige Beiträge.
    Ich denke beim nächsten Crash wird der DAX nur 60% verlieren u.die U-S Börse 80% !!!!!
    Da ich Optimist bin habe ich den Porsche schon bestellt.
    ( einer der letzten Benziner)

    1. @Beobachter, @Wolfgang, @Gerd, eine US-Untersuchung führt die Schwäche beim Dax darauf zurück, dass die Märkte jetzt schon beginnen einzupreisen, dass die EZB bald nicht mehr QE betreiben wird – daher sei die Vola gestiegen und würden die Dickfische bereits jetzt verstärkt Absicherungsgeschäfte betreiben..

      1. @ Markus. Klingt nachvollziehbar. Da müssten die US-Dickschiffe Mario Draghi, den ehemaligen Direktor von Goldman Sachs und Patron seiner Heimat Italien, aber besser kennen als wir Europäer.

    2. @Beobachter, bevor es peinlich wird: Schäuble ist seit 5 Wochen nicht mehr Finanzminister und verteidigt somit die Schwarze Null auch nicht mehr wirklich ;)
      Obwohl: Begreift man diese Phrase ironisch im mehrdeutigen Sinn des Wortes, könnte sie sich auch auf schwarze Führungskräfte der obersten Ebene beziehen und gewänne damit schlagartig an Sinn, Humor und Aussagekraft.
      Da rase ich jetzt erst einmal mit dem Porsche mit 350 Sachen von Süd nach Nord und zurück, bevor die Freiheit des deutschen Bürgers auch noch im letzten Refugium, nämlich unseren Asphalt- und Betonpisten beschränkt wird.

  7. Ich sagte ja schon mehrmals, dass aus welchen Gründen auch immer dieses noch nie dagewesene Experiment des Gelddruckens mindestens reduziert werden muss.
    Jetz sagte kürzlich dieBOJ dass die Nebenwirkungen mehr schaden als nützen, von China hört man ähnliche Töne, die deutsche Regierung ( wenns irgendwann eine gibt ) wird auch immer mehr Druck auf den EZB-CAPO machen . Darum könnte das Argument von M.Fugmann eine Spur Wahrheit haben.Wäre natürlich auch eine Überraschung für all jene die QE AUF LEBZEITEN vorausgesehen haben !!!!!!

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