Noch vor wenigen Monaten galten die Magnificent Seven als das Synonym für den KI-Boom an der Wall Street. Wer auf Künstliche Intelligenz setzen wollte, kaufte Nvidia, Microsoft oder Meta – und lag meist richtig. Doch genau dieses Erfolgsmodell gerät nun ins Wanken. Die sieben Tech-Giganten driften zunehmend auseinander, einzelne ehemalige KI-Lieblinge brechen regelrecht ein. Ausgerechnet die Citigroup erklärt den Begriff der Magnificent Seven deshalb nun für überholt. Anleger müssen ihre KI-Strategie womöglich neu ausrichten.
Die KI-Gewinner driften auseinander
Die Entwicklung an den US-Börsen zeigt ein ungewohntes Bild: Statt gemeinsam neue Höchststände zu erreichen, driften die einstigen KI-Gewinner immer stärker auseinander. Während Apple im laufenden Jahr deutlich zulegen konnte, geraten Schwergewichte wie Microsoft oder Meta wegen ihrer milliardenschweren KI-Investitionen zunehmend unter Druck.
Ein weiteres Beispiel für die wachsenden Zweifel am KI-Boom ist der ehemalige KI-Gewinner Oracle. Die Aktie galt lange als einer der größten Profiteure der weltweiten Investitionen in Rechenzentren und Künstliche Intelligenz. Trotzdem verlor sie inzwischen 63 Prozent gegenüber ihrem Allzeithoch. Allein seit Anfang Juni brach der Kurs zeitweise um rund 50 Prozent ein.
Hinter dem massiven Kursrückgang stehen vor allem die zunehmenden Sorgen der Anleger, dass sich die milliardenschweren KI-Investitionen vieler Technologiekonzerne nicht schnell genug in höheren Umsätzen und Gewinnen auszahlen. Stattdessen geraten Margen und freier Cashflow immer stärker unter Druck. Hinzu kommt die Sorge, dass ein wachsender Teil der Investitionen kreditfinanziert wird und damit die Verschuldung vieler Big-Tech-Unternehmen weiter steigt. Oracle zeigt damit exemplarisch, dass selbst ehemalige Börsenlieblinge des KI-Booms nicht mehr automatisch zu den Gewinnern zählen.
Auch Microsoft und Meta stehen wegen ihrer enormen Investitionen in KI-Infrastruktur unter verstärkter Beobachtung der Anleger. Selbst Nvidia, lange der unangefochtene Star der KI-Rally, hat zuletzt deutlich an Dynamik verloren.
Passend dazu zeigt auch der Bloomberg Magnificent Seven Index im Jahr 2026 eine klare Schwäche gegenüber dem gleichgewichteten S&P 500. Die Marktführung verteilt sich zunehmend auf eine breitere Gruppe von Unternehmen.

Magnificent Seven: Citi zieht einen Schlussstrich
Genau diese Entwicklung veranlasst nun auch die Citigroup zu einer bemerkenswerten Neubewertung. Für das Team um Aktienstratege Scott Chronert eignet sich der Begriff Magnificent Seven nicht länger, um die Gewinner des KI-Booms zu beschreiben. Wie Chronert schreibt, seien die Magnificent Seven „als Konzept zur Bewertung der Dynamik von Large-Cap-Wachstumsaktien ausgedient“. Anleger sollten ihren Blick stattdessen auf einen deutlich breiteren „Growth Cluster“ richten.
Dazu zählen neben den größten Technologiekonzernen auch zahlreiche Unternehmen, die vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Zusammen repräsentiert diese Gruppe inzwischen mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung des S&P 500 und erwirtschaftet rund 48 Prozent der Unternehmensgewinne. Für Chronert ist diese Entwicklung keineswegs ungewöhnlich. „Das gab es schon einmal – wann haben Sie zuletzt über die FAANG-Aktien nachgedacht? Es ist Zeit, den Begriff Magnificent Seven hinter sich zu lassen.“ Genau wie damals bei den FAANG-Aktien verliere damit auch das bisherige Börsenlabel zunehmend an Aussagekraft.
Der KI-Boom trennt Gewinner und Verlierer
Der eigentliche Wandel liegt jedoch tiefer. Anleger unterscheiden inzwischen deutlich stärker zwischen Unternehmen, die bereits vom KI-Boom profitieren, und jenen, die vor allem Milliarden investieren.
Während viele Hyperscaler ihre Investitionen in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur massiv ausweiten und dadurch kurzfristig Margen und freien Cashflow belasten, profitieren andere Unternehmen inzwischen direkt von den Investitionen. Dazu gehören neben ausgewählten Halbleiterunternehmen zunehmend auch Anbieter von Netzwerktechnik, Energieversorgung, Kühlung und weiterer KI-Infrastruktur.
Der KI-Boom wird damit deutlich breiter – und gleichzeitig selektiver.
Warum Anleger jetzt umdenken müssen
Für Anleger bedeutet das einen wichtigen Strategiewechsel. In den vergangenen Jahren reichte häufig der Kauf der Magnificent Seven, um am KI-Boom teilzuhaben. Heute entscheidet dagegen immer stärker das einzelne Geschäftsmodell. Wer setzt seine Milliardeninvestitionen erfolgreich in steigende Gewinne um? Wer belastet zunächst Bilanz und Cashflow? Und welche Unternehmen profitieren indirekt vom weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur?
Die Ära, in der sich die größten Tech-Konzerne nahezu im Gleichschritt bewegten, dürfte damit vorerst vorbei sein. Der KI-Boom endet nicht – doch die Gewinner werden immer sorgfältiger ausgewählt. Genau deshalb könnte der Begriff Magnificent Seven tatsächlich schon bald der Vergangenheit angehören.
FMW/Bloomberg
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