Der KI-Boom hat die Big-Tech-Aktien jahrelang angetrieben. Doch inzwischen dreht sich die Stimmung an den Aktienmärkten: Investoren hinterfragen steigende KI-Ausgaben, sinkende freie Cashflows und hohe Bewertungen. Während Unternehmen wie Nvidia, Amazon oder Microsoft weiterhin stark wachsen, geraten ihre Bewertungen unter Druck. Warum die sogenannten „Magnificent Seven“ plötzlich günstiger erscheinen – und was das für Anleger bedeutet.
Magnificent Seven werden günstiger
Die größten Technologieunternehmen der Welt galten lange als extrem teuer. Über Jahre hinweg mussten Investoren hohe Bewertungen akzeptieren, um Anteile an Konzernen wie Apple, Amazon oder Microsoft zu halten. Doch diese Situation verändert sich zunehmend: Laut einem Bericht von Bloomberg weicht die Euphorie rund um künstliche Intelligenz langsam einer kritischeren Betrachtung durch die Märkte.
Seit mehreren Monaten entwickeln sich Big-Tech-Aktien schwächer als der Gesamtmarkt. Hintergrund sind wachsende Sorgen über explodierende Ausgaben für KI-Infrastruktur sowie eine zunehmende Umschichtung von Kapital in zyklische Branchen, die typischerweise von einer expandierenden Wirtschaft profitieren.
Ein Index der sogenannten „Magnificent Seven“ ist seit Ende Oktober um mehr als sechs Prozent gefallen, während der breite S&P-500-Index nahezu unverändert blieb. Damit kehrt sich die Entwicklung der Jahre 2023, 2024 und 2025 um. In dieser Phase hatten die sieben Technologieriesen die Aktiennärkte klar dominiert und den S&P 500 teilweise um das Drei- bis Vierfache übertroffen.
Nach dem jüngsten Rückgang handeln viele dieser Tech-Giganten nun zu Bewertungen, die lange kaum zu sehen waren. Nvidia wird aktuell mit etwas mehr als dem 21-fachen der erwarteten Gewinne bewertet – ungefähr auf dem Niveau des S&P 500 und deutlich unter dem Zehnjahresdurchschnitt von 35.
Auch Amazon ist deutlich günstiger geworden: Die Aktie wird derzeit mit etwa dem 23-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, während der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre bei rund 46 lag.
Die Magnificent Seven umfassen außerdem die Aktien von Alphabet, Tesla, Apple, Meta und Microsoft. Ohne Tesla betrachtet, werden diese Unternehmen aktuell mit rund dem 23-fachen der erwarteten Gewinne bewertet – der niedrigste Wert seit der Marktturbulenz rund um die US-Zollpolitik im April.

Neubewertung von Big-Tech-Aktien
Die Neubewertung überrascht viele Marktteilnehmer. Schließlich hatten diese Aktien jahrelang einen deutlichen Bewertungsaufschlag gegenüber dem Gesamtmarkt. Der Grund lag in rasant steigenden Umsätzen, stark wachsenden Gewinnen und dominanten Marktpositionen.
Einige Analysten sehen die Entwicklung jedoch als logische Folge der enormen Investitionen in künstliche Intelligenz. Unternehmen wie Amazon, Meta und Microsoft investieren derzeit massive Summen in Rechenzentren und Infrastruktur, um ihre KI-Kapazitäten auszubauen.
Der Markt habe sich dadurch strukturell verändert, erklärt Brett Ewing, Chef-Marktstratege bei First Franklin Financial Services.
„Es ist erstaunlich, welche Transformation wir an den Aktienmärkten gesehen haben“, sagte er. „Die Magnificent Seven wurden komplett neu bewertet, weil sie sich von kapitalarmen Unternehmen mit enormen Cashflows zu Firmen entwickelt haben, die sehr schnell zu kapitalintensiven Strukturen wechseln mussten.“
Trotzdem bleiben viele der Eigenschaften erhalten, die diese Aktien so attraktiv gemacht haben. Laut Daten von Bloomberg Intelligence sollen die Gewinne der Magnificent Seven im Jahr 2026 um rund 19 Prozent steigen. Bei den übrigen 493 Unternehmen im S&P 500 werden hingegen lediglich etwa 12 Prozent Wachstum erwartet.
Allerdings verlangsamt sich die Gewinnexpansion der Tech-Giganten zunehmend. Einer der Gründe sind die gewaltigen Investitionen in KI-Technologie. Hunderte Milliarden Dollar fließen in Infrastruktur und Hardware, was die Bilanzen mit abschreibungsintensiven Vermögenswerten belastet und gleichzeitig die freien Cashflows reduziert.
Milliarden für KI-Infrastruktur
Besonders stark investieren Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta. Gemeinsam sollen diese vier Konzerne ihre Investitionen in Sachanlagen bis 2026 auf rund 618 Milliarden Dollar steigern. Zum Vergleich: 2025 lagen die Ausgaben noch bei etwa 376 Milliarden Dollar.
Die Folgen sind deutlich sichtbar. Der gemeinsame freie Cashflow dieser Unternehmen könnte laut Prognosen bereits in diesem Jahr auf etwa 94 Milliarden Dollar sinken. Im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei rund 205 Milliarden Dollar, 2024 sogar bei etwa 230 Milliarden.
„Diese Unternehmen sehen heute völlig anders aus als noch vor wenigen Jahren“, erklärt Ewing. „Investitionen, Wartungskosten und das Verhältnis zwischen physischen und immateriellen Vermögenswerten spielen plötzlich eine viel größere Rolle. Deshalb verdienen sie auch andere Bewertungsmaßstäbe und Erwartungen.“
Ein besonders klares Beispiel für den Stimmungswandel ist die Amazon-Aktie. Lange gehörte sie zu den teuersten Megacap-Titeln an den Aktienmärkten. Das lag daran, dass Amazons Umsatz schneller wuchs als bei vielen Konkurrenten und der Konzern aggressiv in neue Geschäftsfelder investierte. Inzwischen notiert die Aktie jedoch nahe historischer Tiefstbewertungen.
Auch Microsoft fällt in diesem Zusammenhang auf. Die Aktie wird nach der jüngsten 30%-Korrektur nur noch mit dem 22-fachen der erwarteten Gewinne bewertet – der niedrigste Wert seit dem Jahr 2022.
Gewinner und Skepsis am Markt
Eine Ausnahme bildet Apple. Der iPhone-Hersteller wird derzeit mit etwa dem 29-fachen der erwarteten Gewinne bewertet und liegt damit deutlich über seinem Zehnjahresdurchschnitt von rund 22.
Apple verfolgt eine andere Strategie im KI-Wettlauf. Statt massive Summen in eigene Rechenkapazitäten zu investieren, arbeitet das Unternehmen verstärkt mit Partnern wie Google zusammen, um KI-Funktionen in seine Produkte zu integrieren.
Noch vor sieben Monaten wurde dieser Ansatz von vielen Investoren kritisch gesehen. Mittlerweile wächst jedoch die Zustimmung, da sich gleichzeitig die Umsatzentwicklung verbessert.
Auch bei den Investitionen zeigt sich der Unterschied deutlich: Apples Investitionen werden im aktuellen Geschäftsjahr voraussichtlich nur etwa 13,4 Milliarden Dollar betragen – weniger als sieben Prozent dessen, was Amazon voraussichtlich ausgeben wird.
Der jüngste Kursrückgang einiger Big-Tech-Aktien könnte zwar übertrieben sein. Gleichzeitig zeigt er jedoch, wie skeptisch Investoren inzwischen gegenüber den enormen KI-Ausgaben geworden sind. Darauf weist auch Lisa Shalett hin, Chief Investment Officer der Vermögensverwaltung von Morgan Stanley.
„Der Markt beginnt klar zu unterscheiden zwischen Unternehmen mit nachhaltigem Gewinnwachstum und solchen, deren Gewinne möglicherweise bereits ihren Höhepunkt erreicht haben“, sagte sie.
Als Beispiel nennt sie Nvidia. Die Bewertung des Chipkonzerns ist in den vergangenen vier Monaten deutlich gesunken. Selbst ein außergewöhnlich starkes Quartalsergebnis konnte die Aktie zuletzt nicht aus ihrer Schwächephase befreien. Seit dem Höchststand Ende Oktober liegt sie rund elf Prozent im Minus.
Langfristig bleiben die großen Technologieunternehmen dennoch attraktiv, betont Marktstratege Ewing.
„Ich glaube nicht, dass das Zeitalter der Magnificent Seven vorbei ist“, sagte er. „Diese Unternehmen verfügen weiterhin über enorme Größe, Skaleneffekte und technologische Möglichkeiten. Langfristig bin ich positiv eingestellt – aber kurzfristig würde ich als Investor aktuell kein zusätzliches Kapital investieren.“
FMW/Bloomberg
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Die Magnificant Seven sind immer noch zu teuer, besonders Tesla, dürfte eigentlich nur 150 Dollar kosten.
Der Nasdaq muss erstmal 20% fallen. Abwarten
Torsten, schließe mich der Meinung an, das ist immer noch teuer. Was noch oben übertrieben wurde, muss sich erst noch nach unten entladen.
Hierbei besteht ja die Möglichkeit, daß potentielle Investoren sowohl in die US-Techriesen Facebook, Instagram und die Amazon Prime Video-App für mobile Endgeräte, als auch in US-Futures investieren.
Die Schönredner haben auch wieder Allzeit- Hochs gemacht. Seit langem redet man von den überteuerten MAGNIFICIENTEN, die die andern 493 S&P Titel hochhielten und jetzt sollte eine 6% Korrektur schon übertrieben sein. Interessant auch das Video vom Schönredner Weltmeister Robert Halver der einen Tag vor dem Krieg noch von der „ Besten aller Welten „ schwärmte.Seine Kunden werden ihm dankbar sein.