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Manipulationsskandale als Kurstreiber der Aktienmärkte, Teil 3: Zinsmanipulation der Notenbanken

Wenn Notenbanken und Regierungen weiterhin keine tiefgreifende Schuldenbereinigung zulassen, bleibt in diesem System keine andere Wahl als weiterzumachen

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Von „Bullennörgler“

Vereinfacht zusammengefasst erklären die Notenbanken die Niedrigzinsen damit, dass der Sparüberschuss nicht komplett von Investitionen absorbiert wird und behaupten, dass dies die Hauptursache für die extrem tiefen Zinsen sei. Dies ist die sogenannte Badewannen-Theorie, bei der es letztendlich nur um Zu- und Abfluss von Geldströmen geht. In der nachfolgenden Grafik ist z.B. die Sichtweise der Bank of England dargestellt. In der Praxis hingegen gelingt es nur sehr selten, alle Faktoren so zu berücksichtigen, dass gute Zinsprognosen entstehen.

 

Insbesondere in der jetzigen Wirtschaftsphase greift die Badewannen-Theorie natürlich viel zu kurz, da wir es weltweit mit einem gigantischen und für Friedenszeiten einmaligen Schuldenüberhang bei Staaten, Unternehmen und Privatleuten zu tun haben. In dieser Situation führt die normative Kraft des Faktischen dazu, dass Zinsen nicht mehr steigen dürfen, da sonst nicht mehr beherrschbare Konkurswellen über die Weltwirtschaft hereinbrechen.

 

Keine andere Wahl als weiterzumachen

Die Notenbanken bekämpfen jede potentielle Erkältung an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft mit immer niedrigeren Zinsen und Gelddrucken, so dass selbst die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich diagnostiziert, dass die tiefen Zinsen von heute noch tiefere Zinsen morgen erforderlich machen, die dann noch tiefere Zinsen übermorgen bedingen. Ein Teufelskreislauf, der in erster Linie dem Finanzsektor sowie vermögenden Aktien- und Immobilenbesitzern nutzt.

Wenn Notenbanken und Regierungen weiterhin keine tiefgreifende Schuldenbereinigung zulassen wollen, bleibt in diesem System keine andere Wahl als weiterzumachen. Die Verbrauerpreisinflation wird dann erst am Ende richtig anziehen, was angesichts des massiven deflationären Drucks aus geringen Produktivitätswachstum, Überschuldung, Überkapazitäten, Fehlinvestitionen und ausgeschöpfter Verschuldungskapazität durchaus noch dauern kann. Vieles spricht dafür, dass es danach zu einer sogenannten Ketchup-Inflation kommt, die dann sprunghaft innerhalb weniger Monate sehr stark ansteigt.

Notenbank-Maßnahmen wie Quantitative Easing, Monetarisierung der Staatsverschuldung (Notenbank kauft Staatsschulden auf, um sie danach zu streichen), Helikoptergeld (Notenbank verschenkt bedingungslos Geld an die Bevölkerung) und Modern Monetary Therory (Notenbank finanziert kontinuierlich den überwiegenden Teil des Staatshaushalts) werden uns noch lange begleiten.

Die letzte Hoffnung der Notenbanken und Regierungen ist, durch massiv negative Zinsen und eine wahre Explosion des nominalen BIP, was angesichts von Demografie und schwachen Produktivitätsfortschritten nur durch Inflation passieren kann, die Schulden in den Griff zu bekommen.

Negative Zinsen in relevanten Größenordnungen bedeuten aber, dass eine Besteuerung und Einschränkung von Bargeld erfolgen muss, da sonst ins Bargeld geflohen wird. Die entscheidende Frage ist dann, ob die Bevölkerung dem Geldsystem das Vertrauen entzieht und nicht mehr beherrschbare Kettenreaktionen die Welt in eine Katastrophe schicken.

 

Sorgen die Notenbanken dafür, dass Karl Marx Recht bekommt?

Vielleicht dauert es aber noch länger und die Menschen werden erst skeptisch, dass irgendetwas nicht stimmt, wenn sie für das Aufnehmen eines Hauskredites mehr Geld durch negativ Zinsen bekommen als für ihre tägliche Arbeit.

Karl Marx sagte mit seiner Krisentheorie sinngemäß voraus, dass der Kapitalismus spätestens am Ende ist, wenn der Zins in der Nähe von Null ankommt, da dem Unternehmer dann der Profit zu gering sei, um noch Investitionen zu wagen. An diesem Punkt kommt es nach Marx zu einem Investitionsstreik, der den Kapitalismus beendet.

Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn Marx mit der Prognose Recht behielte, aber der Grund in den krisenvermeidendem Maßnahmen der planwirtschaftlich handelnden Notenbanken liegt. Negative Zinsen waren jedenfalls auch für einen so phantasiebegabten Denker wie Marx weit außerhalb seines Vorstellungsvermögens.

Was bedeutet dies aber alles für die Aktienbörsen, wenn die Notenbanken weiter Zinsmanipulation betreiben und auf dem Gaspedal bleiben bis der Ketchup spritzt? Vermutlich werden Aktien auch weiterhin als alternativlos betrachtet und weiter dynamisch steigen. Aber auch Aktiencrashs werden häufiger. Immer dann, wenn der Glaube an die Allmacht der Notenbanken Risse bekommt, wird es sehr dynamisch nach unten gehen bis die nächste Beruhigungspille von den Notenbanken und Regierungen verabreicht wird.

 

Hinweis zum Autor: Der Bullennörgler ist ausgebildeter Wirtschaftsingenieure sowie selbständiger Unternehmer und als solcher ein unabhängiger Beobachter der Weltwirtschaft. Sein Vermögen verwaltet der Bullennörgler erfolgreich seit mehr als zwei Jahrzehnten selbst. Als aktiver Anleger hat er den Japan-Boom und Crash, die Flash Crashs 1987 und 1989, den Dotcom Boom und Crash, die Finanzkrise und die Eurokrise miterlebt. Nur bei einem dieser Crashs war er mit einer hohen Aktienquote investiert. Sein Credo ist unabhängiges Selberdenken und Rumnörgeln an intransparenten oder interessengesteuerten Wirtschaftsstrukturen, Nachrichten und Medien.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Denker

    23. April 2019 14:20 at 14:20

    Wer ist der Nörgler?… Eigentlich fällt mir nur der Fugi ein, lach.

  2. md

    23. April 2019 19:33 at 19:33

    der komplette finanzmarkt ist manipuliert, das ist meine meinung. nur frage ich mich, warum werden die märkte derart manipuliert. hat man angst das bei einer gesunden korrektur zb. die chinesen als käufer alles aufsaugen oder das die trader gewinnen. wer sind zur zeit die profireure solch einer unsinnigen rally.

    • Columbo

      23. April 2019 19:49 at 19:49

      @md
      Die Profiteure sind alle, die rechtzeitig Aktien gekauft haben, zum Beispiel Menschen, die von der Rente nicht leben können.Glückwunsch! Was soll da unsinnig sein?

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Chinas Leidensfähigkeit im Handelsstreit – dafür gibt es Grenzen

Über die Schwachstellen der beiden Supermächte im Handelskrieg – im Fokus China

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Hatte Chinas Regierungschef Xi Jinping nicht erst jüngst sein Volk auf eine magere, entbehrungsreiche Periode hingewiesen? Die Ursachen dafür reichen schon etwas zurück und werden durch den Handelsstreit massiv verstärkt.

 

Chinas Achillesferse: der Arbeitsmarkt

Es ist wahrscheinlich die unzuverlässigste Wirtschaftszahl aus den entwickelten Staaten, Chinas Arbeitslosenstatistik. In den Jahren 2002 bis 2018 stieg diese Zahl nie über 4,3 Prozent und fiel nie unter 3,9 Prozent, einer Marke, die auch derzeit „offiziell“ Bestand hat. Trotz Finanzkrise 2008 und Chinas Wachstumsproblem 2015/2016.

Kann man diesem Wirtschaftsmärchen auch nur im Ansatz trauen? Daraus erschließt sich die große Sorge, die Chinas Regierung am meisten umtreibt, der Angst vor einen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt. Ich habe in unserem freundlichen Streitgespräch zwischen Markus Fugmann und mir am letzen Mittwoch darauf hingewiesen, welch sozialer Sprengstoff hinter der Thematik steckt angesichts von weit über 100 Millionen Wanderarbeitern in China, die versorgt werden müssen. Dazu ein paar Argumente.

 

Chinas Zählweise der Arbeitslosigkeit

Ein Grund für die seltsamen Arbeitslosenzahlen liegt wohl in der Erfassung. Nach dem chinesischen Einwohnermeldesystem (Hukou) werden Stadtbewohner als Arbeiter registriert und die Landbevölkerung als Bauern. Damit werden die Hunderte Millionen Wanderarbeiter von der Statistik nicht richtig verbucht, wenn sie ihre Heimat verlassen, um in einer Fabrik zu arbeiten.

 

Chinas Sozialsysteme

Da man in China sehr geringe Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einzahlt – in Peking sind es gerade mal 0,2% vom Salär, 0,8% zahlt der Arbeitgeber – melden sich viele Menschen nach einem Jobverlust nicht arbeitslos, weil es eben kaum etwas bringt. Aus anderen Statistiken (Volksuniversität Peking) ergeben sich bedenkliche Entwicklungen. Im ganzen Land sind die Jobangebote um 10 Prozent gesunken, während die Nachfrage um 8 Prozent gestiegen ist. Allein in Peking ist die Zahl der Arbeitssuchenden im letzten Quartal 2018 um 47 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen und dies war noch deutlich vor der weiteren Verschärfung der Zölle durch Donald Trump.

Zwar unterstützt der Staat seine Firmen und fordert zu Einstellungen auf, jedoch beträgt der Anteil der Privatfirmen bereits 85 Prozent. China steckt im größten Strukturwandel seit Jahrzehnten – dem Wandel von der Produktionsstätte für die Welt hin zu einem Hightech-Land mit Dienstleistungssektor.

 

Ein weiteres Problem – Industrieroboter

Auch in China schreitet die Automatisierung voran. Nach offiziellen chinesischen Angaben ist die Zahl der Industriearbeiter von 2012 bis 2017 um 60 Millionen zurückgegangen, den Ausgleich bildeten die Jobs im Dienstleistungsbereich. Aktuell sehr interessant auch die Absicht des Endfertigers von Apples iPones, Foxconn, 30 Prozent seiner Arbeiter durch Roboter zu ersetzen.

Aus all den angeführten Argumenten wird deutlich, warum Xi Jinping seine Landsleute auf härtere Zeiten eingeschworen hat, auch unabhängig vom Handelsstreit. Er vertraut auf die Leidensfähigkeit seiner Bürger, aber bei massiven Jobverlusten, ohne Auffangsystem, dürfte diese rasch an ihre Grenzen geraten. Die berüchtigten sozialen Unruhen. Auch wenn Xi Jinping auf Lebenszeit gewählt wurde, hat er keine Allmacht und eine Rezession würde ein soziales Problem ungeahnten Ausmaßes generieren.

 

Fazit

Es ist zweifelsohne ein Kampf der Giganten, der Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China. Und derzeit ist nicht absehbar, wer ab welchem Punkt einlenken wird, um einen gesichtswahrenden Kompromiss zu erzielen.

Es gibt aber zwei Schwachstellen, die von keiner Regierung ignoriert werden kann. In den USA ist es der Aktienmarkt, über den ich schon mehrere Kommentare verfasst habe „Das Billionen-Dollar-Risiko…“ und für China das oben skizzierte Beschäftigungsproblem. Mal sehen, wen es härter trifft und wer eher einlenkt. Auf eines möchte ich aber fast schon wetten: Donald Trump wird bei einem Aktieneinbruch in der Größenordnung von 10 Prozent plus ganz schön kleinlaut werden. Nur vertrauen die Märkte bisher immer noch auf den wirtschaftlichen Status der Supermacht – bald tempi passati?

 

Von Kzw – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8937812

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